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Mittwoch, 17. März 2021
Yamato Nadeshiko -42-
hermann-jpmt, 11:10h
-5-
Die Erweckung
Herr Daniels, mein Japanisch-Lehrer, spricht mich nach dem Unterricht an. Während die anderen Schüler der Sprachschule den Raum schwatzend verlassen, ist er auf mich zugekommen und fragt:
"Herr Becker, haben Sie ein paar Minuten Zeit?"
"Ja, Herr Daniels?"
"Sie machen demnächst ihre Prüfung. Ich halte Sie für geeignet, während einer Japanreise ihr Wissen über Land und Leute zu vervollkommnen. Ihr Arbeitgeber ist sicher ebenfalls an guten Leuten interessiert, die Initiative zeigen. Ich habe hier ein Stipendienprogramm des Wirtschaftsministeriums. Sie und ihr Arbeitgeber zahlen je 30 Prozent der Reise, den Rest übernimmt der Staat. Möchten Sie die Formulare mitnehmen und damit auch in ihre Personalabteilung gehen?"
Ich bin überrascht und antworte lächelnd:
"Sehr gerne, Herr Daniels!"
Er übergibt mir einen Stapel Formulare, die ich nach dem Abendessen beim Fernsehen durchsehe. Die Formulare für den Arbeitgeber lege ich zur Seite und fülle den Rest mit meinen persönlichen Daten aus.
Am nächsten Tag gehe ich in die Verwaltung des mittelständischen Betriebes, in dem ich arbeite. Dort arbeitet eine junge Frau im Vorzimmer des Personalsachbearbeiters. Sie ist sehr hübsch, obwohl sie ihre Wirkung durch ein Business-Kostüm und hochgesteckte Haare herunterzuspielen versucht. Ihr übergebe ich die Formulare. Sie bedankt sich mit einem zurückhaltenden Lächeln. Spontan frage ich sie:
"Darf ich Ihren Namen erfahren? Ich komme ja so selten hier hoch. Sie habe ich noch nicht gesehen. Ich heiße übrigens Helmut Becker."
"Ich heiße Yvonne Müller," entgegnet sie lächelnd.
Spontan frage ich nun:
"Hätten Sie vielleicht Interesse, mich in eine Ausstellung zu begleiten und anschließend ein Restaurant zu besuchen?"
Sie sagt dazu, sie müsse den Termin abklären und würde mir dann Bescheid sagen. Etwas verdutzt, ob dieser Antwort, verabschiede ich mich von ihr und kehre an meinen Arbeitsplatz in der Werkhalle zurück.
Etwa drei Tage nach diesem Gespräch kommt Yvonne zu mir an den Arbeitsplatz und bringt die Formulare zurück. Sie möchte mit mir das Museum für Glaskunst besuchen, erklärt sie mir.
"Okay," bestätige ich. "Gern! Aber dann darf ich das Restaurant für den Abend aussuchen!?"
Sie nickt und meint, sie müsse wieder an den Schreibtisch zurück.
Nach Feierabend setze ich mich in meinen Wagen und fahre die knapp hundert Kilometer zu einem Freilichtmuseum. Dort lebt das Mittelalter wieder auf. Neben einem Karree aus Hütten und einer Handvoll Handwerker, denen man über die Schultern schauen darf, gibt es dort auch ein Varietétheater mit Speisen und Getränken während den Vorstellungen.
Als ich dort ankomme, finde ich mich etwas verloren auf dem großen Parkplatz. Nur wenige Fahrzeuge stehen dort. Ich mache mich auf den Weg und betrete gut zehn Minuten später das größte Bauwerk am Ort. Ein paar Meter von mir entfernt sitzen zehn Leute um einen Tisch zum Essen. Ihnen nähere ich mich. Eine der Frauen, in einem knöchellangen roten Kleid mit weißer Schürze und Haube erhebt sich und macht zwei Schritte auf mich zu. Dann sehe ich einen formvollendeten Knicks von ihr. Dabei rafft sie ihr Kleid mit beiden Händen und neigt den Kopf, ganz wie im Mittelalter.
"Guten Abend, werter Herr!" grüßt sie mich. "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"
"Hm," sage ich. "Ich wollte eigentlich nicht stören! Falls ich zu spät bin, komme ich ein andermal wieder. Ich wollte mich eigentlich im Freilichtmuseum umschauen und das Angebot der Taverne ansehen. Am Wochenende habe ich ein Date und möchte mit ihr in der Taverne essen."
"Ja," antwortet mir die Frau. "Eigentlich..."
Ein Mann am Tisch unterbricht meine Gesprächspartnerin:
"Gabi, bringe dem Mann ein Gedeck! ? Kommen Sie, setzen Sie sich zu uns!"
Er ist aufgestanden und stellt einen Hocker näher an den Tisch. Ich trete an den Tisch heran und bedanke mich, während ich mich niederlasse. Der Mann stellt sich vor:
"Guten Abend auch von mir! Mein Name ist Loose, Dietmar Loose. Mir gehört die Taverne. Was meine Magd sagen wollte, ist, dass wir auch ein Privatleben haben und daher gegen 19 Uhr schließen. Wenn sie also mit ihrer Freundin die Vorstellung besuchen und etwas essen mögen, sollten Sie gegen 17 Uhr spätestens hier sein. Vielleicht ist Ihnen das zu früh?"
"Guten Abend der Runde," antworte ich nun. "Das staucht meine Planung natürlich etwas. Aber vielleicht darf ich während des Essens etwas über die Organisation des Freilichtmuseums erfahren. Gerne gebe ich auch Auskunft über mich und meinen Hintergrund. Möglicherweise lässt sich ein Kompromiss finden?"
"Okay," meint der Mann, der dem Hausherrn gegenübersitzt. "Wie sind Sie denn auf die Idee mit dem Besuch des 'Varietétheaters' gekommen, wie sie es nennen? ? Ach ja, mein Name ist Schmidt, Harold Schmidt. Ich bin der Ortsvorsteher hier."
"Hm, ja, ich habe von Hagenholt einen Artikel im Internet gelesen. Auch, dass hier ? ganz mittelaltermäßig ? Herren und Mägde leben."
Der Ortsvorsteher grinst.
"Das 'Machtgefälle' Herr-Magd fasziniert Sie?"
"Das ist etwas, was mich irgendwie kickt," antworte ich zurückhaltend.
In diesem Moment geht die Haustür auf und Andi tritt kurz darauf an den Tisch. Andreas Franck ist bis vor wenigen Monaten einer meiner Werkstattmitarbeiter gewesen. In seiner Begleitung befindet sich eine rothaarige Frau, die ihm mit einem Schritt Abstand folgt.
"Hey, Helmut!" sagt er laut. "Was machst du denn hier?"
"Hey, Andi!" gebe ich zurück. "Ich wollte mich einmal über Hagenholt erkundigen. Bisher kenne ich es nur aus einem Text im Internet."
Er setzt sich auf einen freien Hocker und die Frau kniet sich neben ihn.
"Machst du immer noch den Japanisch-Kurs?" fragt er mich.
"Ich bin fertig und stehe vor einer Studienreise nach Japan, wenn das Stipendium klar ist. So wie es jetzt aussieht, zahlt der Staat 40 Prozent, an der Firma und mir bleiben je 30 Prozent hängen?"
"Japan ist interessant! Aber das tägliche Leben dort ist teuer! Du solltest also genug Geld in der Tasche haben," rät er mir.
Der Ortsvorsteher, Herr Schmidt, schaltet sich in diesem Moment ein:
"Wofür brauchen Sie Japanisch in ihrem Betrieb? Sind Sie dort in der Position eines Verkäufers und haben Geschäftskontakt nach Fernost?"
Ich schüttele den Kopf.
"Nein, es sind eigentlich zwei Gründe. Einmal bin ich Kunststofftischler für Labormontage im Außendienst und habe ein paar Mal mit japanischen Kunden an anderen Standorten in Deutschland zu tun. Die Kunden sprechen Deutsch und Englisch. Untereinander reden sie natürlich japanisch. Nun wollte ich zum Einen von den Gesprächen auch etwas verstehen, zum Anderen ist es eine völlig fremde Sprache und fordert daher meine Gehirnzellen ein wenig heraus."
Herr Schmidt lächelt.
"Woher ihr Anteil an ihrem Stipendiums kommen soll, ist Ihnen im Moment noch unklar?"
"Ich werde sie wohl aus meiner Tasche zahlen müssen," meine ich.
"Ich mache Ihnen ein Angebot: Mein japanischer Geschäftsfreund Tanaka-San übernimmt den Betrag. Er lässt Sie tiefer in die japanische Kultur hineinschauen. So erkennen Sie später auch, warum ihre japanischen Kunden so und nicht anders reagieren und handeln. Dafür sollten Sie einen Kurs im Verhaltenskodex eines Samurai dort belegen.
Die japanische Ritterkaste gibt es zwar nicht mehr, aber ihr Ehrenkodex wird nach wie vor gelebt!
Wann hatten Sie vor, mit ihrem ?Date? die Taverne zu besuchen?"
"Eigentlich wollte ich mit ihr am Nachmittag eine Ausstellung für Glaskunst besuchen. Das hatte sie sich gewünscht. Zufälligerweise interessiere ich mich auch dafür," antworte ich. "Dann brauche ich eine Zeit, um mit dem Auto hierher zu kommen. Ich denke, dass ich zwischen 19 und 20 Uhr hier sein könnte..."
"Das hieße, gegen 21 bis 22 Uhr würden Sie mit ihrer Bekannten wieder fahren wollen?"
"Das wäre ein entspannter Zeitplan!" gebe ich zu.
Der Ortsvorsteher schaut in die Runde und fragt:
"Sollen wir dieses eine Mal eine Ausnahme machen?"
Die Runde nickt und Herr Schmidt sagt zu mir:
"Gut, dann kommen Sie wie besprochen mit ihrer Bekanntschaft nach Ende der Öffnungszeit hierher. Ihre Begleitung wird dann statt Besuchern, Bewohner in mittelalterlicher Kleidung sehen ? auch als Gäste der Taverne, damit sich ihre Begleitung nicht ängstigt, wenn ihr alleine seid."
"Vielen Dank!" antworte ich ihm und lächele dankbar in die Runde.
*
Ich hole Yvonne am Appartementhaus in der Innenstadt ab und warte unten im Auto. Wir fahren zum Park am Rand der Innenstadt, wo das ?Museum für zeitgenössische Kunst? liegt. Dort findet in diesem Monat die Ausstellung über Glaskunst statt. Wir zahlen jeder für sich den Eintritt und schlendern danach durch die Ausstellungsräume.
Neben den Ausstellungsstücken in Vitrinen, kann man auch einigen Glaskünstlern über die Schultern schauen. Sie erhitzen Minerale bis sie in vielen Farbtönen formbar und durchsichtig werden. Dazu haben sie Brennöfen und metallene Zangen zum Greifen und Trennen. Auch Blasen sie durch metallene Röhren, um Hohlräume zu schaffen. Was ich hier sehe, bewirkt eine besondere Faszination bei mir. Ich nehme mir vor, irgendwann mit Hobbygerät erste Versuche zu starten, um selbst solche Kunstwerke zu schaffen.
So dauert es gut drei Stunden, bis wir das Haus wieder verlassen. Ich habe wundervolle Schalen, Vasen und Skulpturen aus Glas anschauen können. Auf dem Weg von Raum zu Raum hat mich Yvonne über mich ausgefragt. Natürlich habe ich ihr bereitwillig und ehrlich Auskunft gegeben.
Beim Auto angekommen, halte ich ihr die Tür auf und lasse sie einsteigen. Danach wähle ich die Straßen, die stadtauswärts zur Autobahn führen.
"Wo fährst du mit mir hin?" fragt sie deshalb.
"Die Restaurants in der Stadt haben wir im Laufe der Jahre alle schon kennengelernt," antworte ich ihr. "Zwar gibt es einige darunter, die ich gerne wieder einmal besuchen würde, aber ich habe in der Presse von einem besonderen Lokal erfahren. Leider dauert es eine gute Stunde bis wir dort sind. Beim Essen gibt es dort eine wechselnde Vorstellung zu sehen. Es ist so etwas, wie ein Varietétheater mit Verköstigung. Das Essen ist gut. Es gibt Menus aus der asiatischen, wie auch aus der heimischen Küche."
Anscheinend habe ich Yvonne damit neugierig gemacht. Als wir auf den Parkplatz fahren, ist natürlich wieder kaum ein Fahrzeug zu sehen. Ich führe sie auf dem Schotterweg am Waldrand entlang, vor uns eine alte Windmühle.
"Wo führst du mich hier hin?" fragt sie. "Was ist das hier?"
"Das Ganze hier, indem sich das Varieté-Restaurant befindet, ist ein Freilichtmuseum. Hier findest du mittelalterliche Bauten. Viele Mittelalter-Fans haben den Ort für sich eingenommen, um ihre Kostüme auszuführen..."
Entsprechend meiner Erklärung sehen wir bald die ersten Paare über den freien Platz flanieren. Mal setzen sie sich auf die Bank unter dem einzelnen Baum, mal gehen sie zwischen zwei Häusern durch, oder betreten eins der Häuser und kommen kurz darauf wieder hervor, um über den Platz zu schlendern.
Wenn wir einem der Paare näherkommen, wenden sie sich zu uns um. Der Mann nickt uns zu, während die Frau einen formvollendeten Knicks hinlegt. Immer jedoch führt der Mann, nie die Frau.
Ich gehe mit Yvonne auf den Platz hinaus und im großen Bogen schlendernd auf das höchste Haus der Siedlung zu. Dort betätige ich die kleine Messingglocke an einem dicken Holz, das einen Teil des Türrahmens bildet. Kurz darauf wird uns geöffnet.
Wir werden mit einem Knicks und "Willkommen" begrüßt.
Danach fragt die Frau, wieviele Personen wir sind. Ich bestätige ihr, dass wir zu zweit kommen. Nun sollen wir der Frau folgen. Sie führt uns zu einer Treppe, über die wir zu bogenförmigen höhenversetzten Tischreihen kommen. Im unteren Drittel bietet sie uns einen Tisch an und übergibt mir eine Faltkarte.
Dann ertönt auch schon wieder die Glocke. Die Frau verlässt uns, um die nächsten Gäste willkommen zu heißen und an einen Tisch zu führen. Die Paare platziert sie mehrheitlich unter uns. Einige einzelne Herren führt sie an Tische über uns.
"Dieses Freilichtmuseum und die Leute hier wirken irgendwie, wie aus früheren Zeiten, als es noch keine Emanzipation gab!" gibt Yvonne ihren ersten Eindruck wieder.
"Nicht wahr?" sage ich. "Ich finde das sehr interessant!"
"Wenn du die Möglichkeit hättest, wärst du gerne auch einer von solchen Männern?" fragt Yvonne jetzt und schaut mich von der Seite an.
"In meinen Träumen, sicher," entgegne ich ihr. "Aber das wäre heutzutage nicht mehr politisch korrekt."
Die Frau, die uns hier platziert hat, kommt nun und möchte die Bestellung aufnehmen. Ich bin aber unschlüssig und das Gespräch mit Yvonne hat mich etwas aus dem Konzept gebracht. Also frage ich:
"Gibt es so etwas wie ein Abendmenü?"
"Aber ja!" sagt sie. "Schauen Sie hier."
Sie zeigt auf ein mehrgängiges Menü und erklärt:
"Die einzelnen Gänge sind nicht groß, damit der Gast bis zum letzten Gang durchhält. Das Menü orientiert sich an der Darbietung. Heute entführt Sie die Darbietung zu einer Reise über den Erdball. Sie besuchen die unterschiedlichsten Kulturen. Es beginnt mit dem Orient. Dazu reichen wir ein Entrée aus Tee und süßem Gebäck..."
"Okay, das nehmen wir!" entscheide ich.
Als die Frau gegangen ist, weil wieder einmal die Türglocke ertönt, meldet sich Yvonne:
"Du hast über meinen Kopf hinweg entschieden!"
"Och, Yvonne! Sei nicht eingeschnappt! Du hättest nach der Erklärung der Kellnerin sicher genauso entschieden!"
Yvonne antwortet zuerst nicht. Nachdem dann die Frau den ersten Gang serviert hat und auch den anderen Gästen ihre Bestellung bringt, sagt Yvonne leise:
"Helmut, ich bin eine moderne emanzipierte Frau, die ihr Leben im Griff hat und eigene Entscheidungen treffen kann!"
"Entschuldigung, Yvonne!"
"Nein, lass mich Helmut. Ich bin noch nicht fertig! Seit ich hier bin, regt sich etwas in meinem Inneren. Es ist, als wacht ein Teil meiner Persönlichkeit auf, die lieber geführt werden möchte. Es fühlt sich an, als ob die moderne Frau eine Schale ist, die Risse bekommt und sich ein Gefühl von Weiblichkeit in mir breitmacht. Dieses Gefühl fesselt mich, macht mir aber auch zugleich Angst. Verstehst du das?"
Ich nicke und meine:
"Ich denke: Folge deinen Gefühlen! Wenn das nicht sofort klappt, ist das normal. Lass dir Zeit. Niemand, dem du es nicht erlaubst, braucht in dein Innerstes zu sehen! Du entscheidest, wen du dort hineinsehen lässt!"
Nun tritt eine Frau in einem durchsichtigen Kostüm auf die Bühne. Das Oberteil ist bauchfrei. An ihren Gelenken sind kleine Glöckchen befestigt. Zu Trommeln und Flötenmusik aus den Lautsprechern führt sie einen Bauchtanz vor.
"Das ist schamlos!" höre ich Yvonne flüstern. Ihre Augen hängen aber an der Tänzerin.
Ich sage:
"Ich mache demnächst eine Reise nach Japan. Hättest du Lust, mich zu begleiten?"
Kurz wendet sie den Blick von der Tänzerin ab.
"Da muss ich erst Urlaub beantragen!" stellt sie fest.
"Das ist mir klar!" antworte ich. "Wenn dich das interessiert, sag mir bitte bald Bescheid, damit ich planen kann!"
"Okay," meint sie.
Ich denke, ich muss sie auf der Heimfahrt noch einmal darauf ansprechen.
Nach gut zehn Minuten läuft die Tänzerin mit Trippelschritten von der Bühne. Kurz nachdem sie hinter dem Vorhang im Hintergrund verschwunden ist, betritt eine rothaarige Künstlerin die Bühne. Sie lässt am Bühnenrand ihren Umhang fallen. Darunter trägt sie ein knielanges Kleid. Dazu hat sie wadenhohe Stiefel angelegt.
Nun ertönt eine flotte Melodie aus der man eine Fidel heraushören kann. Der nächste Gang wird serviert und die Künstlerin legt einen flotten Tanz auf die Bühne, bei dem sie die Bretter der Bühne mit den Absätzen traktiert. Laut Ankündigung sehen wir jetzt einen alten irischen Volkstanz.
So geht das den ganzen Abend weiter. Auch eine japanische Geisha ist unter den auftretenden Künstlerinnen. Sie führt einen langsamen Tanz mit sinnlichen Tanzfiguren vor, unter Zuhilfenahme zweier Fächer, während eine Andere im hinteren Halbdunkel sitzt und sie mit einem Saiteninstrument begleitet.
Dann ist die Vorführung beendet. Das Publikum klatscht. Auch wir stehen hinter unserem Tisch und klatschen Beifall, während alle Künstlerinnen nach vorne auf die Bühne kommen und sich mehrfach verbeugen.
Später gehen wir zum Auto zurück. Ich frage Yvonne beiläufig:
"Was hat dir von dem Programm eigentlich am besten gefallen?"
"Die Geisha zum Schluss!" meint sie. "So etwas möchte ich zu gerne auch können!"
Die Erweckung
Herr Daniels, mein Japanisch-Lehrer, spricht mich nach dem Unterricht an. Während die anderen Schüler der Sprachschule den Raum schwatzend verlassen, ist er auf mich zugekommen und fragt:
"Herr Becker, haben Sie ein paar Minuten Zeit?"
"Ja, Herr Daniels?"
"Sie machen demnächst ihre Prüfung. Ich halte Sie für geeignet, während einer Japanreise ihr Wissen über Land und Leute zu vervollkommnen. Ihr Arbeitgeber ist sicher ebenfalls an guten Leuten interessiert, die Initiative zeigen. Ich habe hier ein Stipendienprogramm des Wirtschaftsministeriums. Sie und ihr Arbeitgeber zahlen je 30 Prozent der Reise, den Rest übernimmt der Staat. Möchten Sie die Formulare mitnehmen und damit auch in ihre Personalabteilung gehen?"
Ich bin überrascht und antworte lächelnd:
"Sehr gerne, Herr Daniels!"
Er übergibt mir einen Stapel Formulare, die ich nach dem Abendessen beim Fernsehen durchsehe. Die Formulare für den Arbeitgeber lege ich zur Seite und fülle den Rest mit meinen persönlichen Daten aus.
Am nächsten Tag gehe ich in die Verwaltung des mittelständischen Betriebes, in dem ich arbeite. Dort arbeitet eine junge Frau im Vorzimmer des Personalsachbearbeiters. Sie ist sehr hübsch, obwohl sie ihre Wirkung durch ein Business-Kostüm und hochgesteckte Haare herunterzuspielen versucht. Ihr übergebe ich die Formulare. Sie bedankt sich mit einem zurückhaltenden Lächeln. Spontan frage ich sie:
"Darf ich Ihren Namen erfahren? Ich komme ja so selten hier hoch. Sie habe ich noch nicht gesehen. Ich heiße übrigens Helmut Becker."
"Ich heiße Yvonne Müller," entgegnet sie lächelnd.
Spontan frage ich nun:
"Hätten Sie vielleicht Interesse, mich in eine Ausstellung zu begleiten und anschließend ein Restaurant zu besuchen?"
Sie sagt dazu, sie müsse den Termin abklären und würde mir dann Bescheid sagen. Etwas verdutzt, ob dieser Antwort, verabschiede ich mich von ihr und kehre an meinen Arbeitsplatz in der Werkhalle zurück.
Etwa drei Tage nach diesem Gespräch kommt Yvonne zu mir an den Arbeitsplatz und bringt die Formulare zurück. Sie möchte mit mir das Museum für Glaskunst besuchen, erklärt sie mir.
"Okay," bestätige ich. "Gern! Aber dann darf ich das Restaurant für den Abend aussuchen!?"
Sie nickt und meint, sie müsse wieder an den Schreibtisch zurück.
Nach Feierabend setze ich mich in meinen Wagen und fahre die knapp hundert Kilometer zu einem Freilichtmuseum. Dort lebt das Mittelalter wieder auf. Neben einem Karree aus Hütten und einer Handvoll Handwerker, denen man über die Schultern schauen darf, gibt es dort auch ein Varietétheater mit Speisen und Getränken während den Vorstellungen.
Als ich dort ankomme, finde ich mich etwas verloren auf dem großen Parkplatz. Nur wenige Fahrzeuge stehen dort. Ich mache mich auf den Weg und betrete gut zehn Minuten später das größte Bauwerk am Ort. Ein paar Meter von mir entfernt sitzen zehn Leute um einen Tisch zum Essen. Ihnen nähere ich mich. Eine der Frauen, in einem knöchellangen roten Kleid mit weißer Schürze und Haube erhebt sich und macht zwei Schritte auf mich zu. Dann sehe ich einen formvollendeten Knicks von ihr. Dabei rafft sie ihr Kleid mit beiden Händen und neigt den Kopf, ganz wie im Mittelalter.
"Guten Abend, werter Herr!" grüßt sie mich. "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"
"Hm," sage ich. "Ich wollte eigentlich nicht stören! Falls ich zu spät bin, komme ich ein andermal wieder. Ich wollte mich eigentlich im Freilichtmuseum umschauen und das Angebot der Taverne ansehen. Am Wochenende habe ich ein Date und möchte mit ihr in der Taverne essen."
"Ja," antwortet mir die Frau. "Eigentlich..."
Ein Mann am Tisch unterbricht meine Gesprächspartnerin:
"Gabi, bringe dem Mann ein Gedeck! ? Kommen Sie, setzen Sie sich zu uns!"
Er ist aufgestanden und stellt einen Hocker näher an den Tisch. Ich trete an den Tisch heran und bedanke mich, während ich mich niederlasse. Der Mann stellt sich vor:
"Guten Abend auch von mir! Mein Name ist Loose, Dietmar Loose. Mir gehört die Taverne. Was meine Magd sagen wollte, ist, dass wir auch ein Privatleben haben und daher gegen 19 Uhr schließen. Wenn sie also mit ihrer Freundin die Vorstellung besuchen und etwas essen mögen, sollten Sie gegen 17 Uhr spätestens hier sein. Vielleicht ist Ihnen das zu früh?"
"Guten Abend der Runde," antworte ich nun. "Das staucht meine Planung natürlich etwas. Aber vielleicht darf ich während des Essens etwas über die Organisation des Freilichtmuseums erfahren. Gerne gebe ich auch Auskunft über mich und meinen Hintergrund. Möglicherweise lässt sich ein Kompromiss finden?"
"Okay," meint der Mann, der dem Hausherrn gegenübersitzt. "Wie sind Sie denn auf die Idee mit dem Besuch des 'Varietétheaters' gekommen, wie sie es nennen? ? Ach ja, mein Name ist Schmidt, Harold Schmidt. Ich bin der Ortsvorsteher hier."
"Hm, ja, ich habe von Hagenholt einen Artikel im Internet gelesen. Auch, dass hier ? ganz mittelaltermäßig ? Herren und Mägde leben."
Der Ortsvorsteher grinst.
"Das 'Machtgefälle' Herr-Magd fasziniert Sie?"
"Das ist etwas, was mich irgendwie kickt," antworte ich zurückhaltend.
In diesem Moment geht die Haustür auf und Andi tritt kurz darauf an den Tisch. Andreas Franck ist bis vor wenigen Monaten einer meiner Werkstattmitarbeiter gewesen. In seiner Begleitung befindet sich eine rothaarige Frau, die ihm mit einem Schritt Abstand folgt.
"Hey, Helmut!" sagt er laut. "Was machst du denn hier?"
"Hey, Andi!" gebe ich zurück. "Ich wollte mich einmal über Hagenholt erkundigen. Bisher kenne ich es nur aus einem Text im Internet."
Er setzt sich auf einen freien Hocker und die Frau kniet sich neben ihn.
"Machst du immer noch den Japanisch-Kurs?" fragt er mich.
"Ich bin fertig und stehe vor einer Studienreise nach Japan, wenn das Stipendium klar ist. So wie es jetzt aussieht, zahlt der Staat 40 Prozent, an der Firma und mir bleiben je 30 Prozent hängen?"
"Japan ist interessant! Aber das tägliche Leben dort ist teuer! Du solltest also genug Geld in der Tasche haben," rät er mir.
Der Ortsvorsteher, Herr Schmidt, schaltet sich in diesem Moment ein:
"Wofür brauchen Sie Japanisch in ihrem Betrieb? Sind Sie dort in der Position eines Verkäufers und haben Geschäftskontakt nach Fernost?"
Ich schüttele den Kopf.
"Nein, es sind eigentlich zwei Gründe. Einmal bin ich Kunststofftischler für Labormontage im Außendienst und habe ein paar Mal mit japanischen Kunden an anderen Standorten in Deutschland zu tun. Die Kunden sprechen Deutsch und Englisch. Untereinander reden sie natürlich japanisch. Nun wollte ich zum Einen von den Gesprächen auch etwas verstehen, zum Anderen ist es eine völlig fremde Sprache und fordert daher meine Gehirnzellen ein wenig heraus."
Herr Schmidt lächelt.
"Woher ihr Anteil an ihrem Stipendiums kommen soll, ist Ihnen im Moment noch unklar?"
"Ich werde sie wohl aus meiner Tasche zahlen müssen," meine ich.
"Ich mache Ihnen ein Angebot: Mein japanischer Geschäftsfreund Tanaka-San übernimmt den Betrag. Er lässt Sie tiefer in die japanische Kultur hineinschauen. So erkennen Sie später auch, warum ihre japanischen Kunden so und nicht anders reagieren und handeln. Dafür sollten Sie einen Kurs im Verhaltenskodex eines Samurai dort belegen.
Die japanische Ritterkaste gibt es zwar nicht mehr, aber ihr Ehrenkodex wird nach wie vor gelebt!
Wann hatten Sie vor, mit ihrem ?Date? die Taverne zu besuchen?"
"Eigentlich wollte ich mit ihr am Nachmittag eine Ausstellung für Glaskunst besuchen. Das hatte sie sich gewünscht. Zufälligerweise interessiere ich mich auch dafür," antworte ich. "Dann brauche ich eine Zeit, um mit dem Auto hierher zu kommen. Ich denke, dass ich zwischen 19 und 20 Uhr hier sein könnte..."
"Das hieße, gegen 21 bis 22 Uhr würden Sie mit ihrer Bekannten wieder fahren wollen?"
"Das wäre ein entspannter Zeitplan!" gebe ich zu.
Der Ortsvorsteher schaut in die Runde und fragt:
"Sollen wir dieses eine Mal eine Ausnahme machen?"
Die Runde nickt und Herr Schmidt sagt zu mir:
"Gut, dann kommen Sie wie besprochen mit ihrer Bekanntschaft nach Ende der Öffnungszeit hierher. Ihre Begleitung wird dann statt Besuchern, Bewohner in mittelalterlicher Kleidung sehen ? auch als Gäste der Taverne, damit sich ihre Begleitung nicht ängstigt, wenn ihr alleine seid."
"Vielen Dank!" antworte ich ihm und lächele dankbar in die Runde.
*
Ich hole Yvonne am Appartementhaus in der Innenstadt ab und warte unten im Auto. Wir fahren zum Park am Rand der Innenstadt, wo das ?Museum für zeitgenössische Kunst? liegt. Dort findet in diesem Monat die Ausstellung über Glaskunst statt. Wir zahlen jeder für sich den Eintritt und schlendern danach durch die Ausstellungsräume.
Neben den Ausstellungsstücken in Vitrinen, kann man auch einigen Glaskünstlern über die Schultern schauen. Sie erhitzen Minerale bis sie in vielen Farbtönen formbar und durchsichtig werden. Dazu haben sie Brennöfen und metallene Zangen zum Greifen und Trennen. Auch Blasen sie durch metallene Röhren, um Hohlräume zu schaffen. Was ich hier sehe, bewirkt eine besondere Faszination bei mir. Ich nehme mir vor, irgendwann mit Hobbygerät erste Versuche zu starten, um selbst solche Kunstwerke zu schaffen.
So dauert es gut drei Stunden, bis wir das Haus wieder verlassen. Ich habe wundervolle Schalen, Vasen und Skulpturen aus Glas anschauen können. Auf dem Weg von Raum zu Raum hat mich Yvonne über mich ausgefragt. Natürlich habe ich ihr bereitwillig und ehrlich Auskunft gegeben.
Beim Auto angekommen, halte ich ihr die Tür auf und lasse sie einsteigen. Danach wähle ich die Straßen, die stadtauswärts zur Autobahn führen.
"Wo fährst du mit mir hin?" fragt sie deshalb.
"Die Restaurants in der Stadt haben wir im Laufe der Jahre alle schon kennengelernt," antworte ich ihr. "Zwar gibt es einige darunter, die ich gerne wieder einmal besuchen würde, aber ich habe in der Presse von einem besonderen Lokal erfahren. Leider dauert es eine gute Stunde bis wir dort sind. Beim Essen gibt es dort eine wechselnde Vorstellung zu sehen. Es ist so etwas, wie ein Varietétheater mit Verköstigung. Das Essen ist gut. Es gibt Menus aus der asiatischen, wie auch aus der heimischen Küche."
Anscheinend habe ich Yvonne damit neugierig gemacht. Als wir auf den Parkplatz fahren, ist natürlich wieder kaum ein Fahrzeug zu sehen. Ich führe sie auf dem Schotterweg am Waldrand entlang, vor uns eine alte Windmühle.
"Wo führst du mich hier hin?" fragt sie. "Was ist das hier?"
"Das Ganze hier, indem sich das Varieté-Restaurant befindet, ist ein Freilichtmuseum. Hier findest du mittelalterliche Bauten. Viele Mittelalter-Fans haben den Ort für sich eingenommen, um ihre Kostüme auszuführen..."
Entsprechend meiner Erklärung sehen wir bald die ersten Paare über den freien Platz flanieren. Mal setzen sie sich auf die Bank unter dem einzelnen Baum, mal gehen sie zwischen zwei Häusern durch, oder betreten eins der Häuser und kommen kurz darauf wieder hervor, um über den Platz zu schlendern.
Wenn wir einem der Paare näherkommen, wenden sie sich zu uns um. Der Mann nickt uns zu, während die Frau einen formvollendeten Knicks hinlegt. Immer jedoch führt der Mann, nie die Frau.
Ich gehe mit Yvonne auf den Platz hinaus und im großen Bogen schlendernd auf das höchste Haus der Siedlung zu. Dort betätige ich die kleine Messingglocke an einem dicken Holz, das einen Teil des Türrahmens bildet. Kurz darauf wird uns geöffnet.
Wir werden mit einem Knicks und "Willkommen" begrüßt.
Danach fragt die Frau, wieviele Personen wir sind. Ich bestätige ihr, dass wir zu zweit kommen. Nun sollen wir der Frau folgen. Sie führt uns zu einer Treppe, über die wir zu bogenförmigen höhenversetzten Tischreihen kommen. Im unteren Drittel bietet sie uns einen Tisch an und übergibt mir eine Faltkarte.
Dann ertönt auch schon wieder die Glocke. Die Frau verlässt uns, um die nächsten Gäste willkommen zu heißen und an einen Tisch zu führen. Die Paare platziert sie mehrheitlich unter uns. Einige einzelne Herren führt sie an Tische über uns.
"Dieses Freilichtmuseum und die Leute hier wirken irgendwie, wie aus früheren Zeiten, als es noch keine Emanzipation gab!" gibt Yvonne ihren ersten Eindruck wieder.
"Nicht wahr?" sage ich. "Ich finde das sehr interessant!"
"Wenn du die Möglichkeit hättest, wärst du gerne auch einer von solchen Männern?" fragt Yvonne jetzt und schaut mich von der Seite an.
"In meinen Träumen, sicher," entgegne ich ihr. "Aber das wäre heutzutage nicht mehr politisch korrekt."
Die Frau, die uns hier platziert hat, kommt nun und möchte die Bestellung aufnehmen. Ich bin aber unschlüssig und das Gespräch mit Yvonne hat mich etwas aus dem Konzept gebracht. Also frage ich:
"Gibt es so etwas wie ein Abendmenü?"
"Aber ja!" sagt sie. "Schauen Sie hier."
Sie zeigt auf ein mehrgängiges Menü und erklärt:
"Die einzelnen Gänge sind nicht groß, damit der Gast bis zum letzten Gang durchhält. Das Menü orientiert sich an der Darbietung. Heute entführt Sie die Darbietung zu einer Reise über den Erdball. Sie besuchen die unterschiedlichsten Kulturen. Es beginnt mit dem Orient. Dazu reichen wir ein Entrée aus Tee und süßem Gebäck..."
"Okay, das nehmen wir!" entscheide ich.
Als die Frau gegangen ist, weil wieder einmal die Türglocke ertönt, meldet sich Yvonne:
"Du hast über meinen Kopf hinweg entschieden!"
"Och, Yvonne! Sei nicht eingeschnappt! Du hättest nach der Erklärung der Kellnerin sicher genauso entschieden!"
Yvonne antwortet zuerst nicht. Nachdem dann die Frau den ersten Gang serviert hat und auch den anderen Gästen ihre Bestellung bringt, sagt Yvonne leise:
"Helmut, ich bin eine moderne emanzipierte Frau, die ihr Leben im Griff hat und eigene Entscheidungen treffen kann!"
"Entschuldigung, Yvonne!"
"Nein, lass mich Helmut. Ich bin noch nicht fertig! Seit ich hier bin, regt sich etwas in meinem Inneren. Es ist, als wacht ein Teil meiner Persönlichkeit auf, die lieber geführt werden möchte. Es fühlt sich an, als ob die moderne Frau eine Schale ist, die Risse bekommt und sich ein Gefühl von Weiblichkeit in mir breitmacht. Dieses Gefühl fesselt mich, macht mir aber auch zugleich Angst. Verstehst du das?"
Ich nicke und meine:
"Ich denke: Folge deinen Gefühlen! Wenn das nicht sofort klappt, ist das normal. Lass dir Zeit. Niemand, dem du es nicht erlaubst, braucht in dein Innerstes zu sehen! Du entscheidest, wen du dort hineinsehen lässt!"
Nun tritt eine Frau in einem durchsichtigen Kostüm auf die Bühne. Das Oberteil ist bauchfrei. An ihren Gelenken sind kleine Glöckchen befestigt. Zu Trommeln und Flötenmusik aus den Lautsprechern führt sie einen Bauchtanz vor.
"Das ist schamlos!" höre ich Yvonne flüstern. Ihre Augen hängen aber an der Tänzerin.
Ich sage:
"Ich mache demnächst eine Reise nach Japan. Hättest du Lust, mich zu begleiten?"
Kurz wendet sie den Blick von der Tänzerin ab.
"Da muss ich erst Urlaub beantragen!" stellt sie fest.
"Das ist mir klar!" antworte ich. "Wenn dich das interessiert, sag mir bitte bald Bescheid, damit ich planen kann!"
"Okay," meint sie.
Ich denke, ich muss sie auf der Heimfahrt noch einmal darauf ansprechen.
Nach gut zehn Minuten läuft die Tänzerin mit Trippelschritten von der Bühne. Kurz nachdem sie hinter dem Vorhang im Hintergrund verschwunden ist, betritt eine rothaarige Künstlerin die Bühne. Sie lässt am Bühnenrand ihren Umhang fallen. Darunter trägt sie ein knielanges Kleid. Dazu hat sie wadenhohe Stiefel angelegt.
Nun ertönt eine flotte Melodie aus der man eine Fidel heraushören kann. Der nächste Gang wird serviert und die Künstlerin legt einen flotten Tanz auf die Bühne, bei dem sie die Bretter der Bühne mit den Absätzen traktiert. Laut Ankündigung sehen wir jetzt einen alten irischen Volkstanz.
So geht das den ganzen Abend weiter. Auch eine japanische Geisha ist unter den auftretenden Künstlerinnen. Sie führt einen langsamen Tanz mit sinnlichen Tanzfiguren vor, unter Zuhilfenahme zweier Fächer, während eine Andere im hinteren Halbdunkel sitzt und sie mit einem Saiteninstrument begleitet.
Dann ist die Vorführung beendet. Das Publikum klatscht. Auch wir stehen hinter unserem Tisch und klatschen Beifall, während alle Künstlerinnen nach vorne auf die Bühne kommen und sich mehrfach verbeugen.
Später gehen wir zum Auto zurück. Ich frage Yvonne beiläufig:
"Was hat dir von dem Programm eigentlich am besten gefallen?"
"Die Geisha zum Schluss!" meint sie. "So etwas möchte ich zu gerne auch können!"
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