Freitag, 25. Februar 2022
Cuiraraill -55-
hermann-jpmt, 10:24h
Ute Mansfeld, meine Freundin aus der Schulzeit, schickt mir einen Glückwunsch zum Geburtstag per Whatsapp. Einerseits freue ich, Alainn, mich über die Kontaktaufnahme, andererseits bin ich etwas verwundert. Unser freundschaftliches Verhältnis zueinander ist in den letzten Jahren etwas abgekühlt, der Kontakt vor über einem Jahr abgebrochen.
Ich bedanke mich höflich und frage natürlich, wie es ihr geht.
"Nicht besonders..." kommt als Antwort.
"Bist du krank?" frage ich besorgt zurück.
"Nein, das ist es nicht," schreibt sie. "Du weißt, ich bin Angestellte beim Arbeitsamt. Ich wollte in den höheren Dienst, und musste dafür längere Zeit nach Mannheim zur Fachhochschule des Bundes. Dann waren da meine Männergeschichten.
Kaum ein Mann hielt es bisher länger als ein paar Wochen neben mir aus. Entweder er ging, oder ich warf ihn vor die Tür. Nun hatte ich ein Seminar in Schwerin, und da bin ich wegen einem Mann total versackt. Das Studium, und damit den höheren Dienst kann ich nun vergessen.
Mein Bruder Ralf rät mir nun zu einem Tapetenwechsel. Ich soll ein paar Wochen wegfahren..."
"Um den Kopf frei zu bekommen, und dir über deine Zukunft klar zu werden... Den Rat hätte ich dir wohl auch gegeben, Ute. Hast du schon etwas im Blick?"
"Nein, ich bin total unschlüssig..."
Ich überlege kurz und klopfe an Curadh Eamons Bürotür. Danach mache ich den Curtsey und erzähle ihm von Ute, unserer gemeinsamen Vergangenheit, und der aktuellen Situation. Er hört sich meine Idee an und ist einverstanden. Also sende ich Ute eine Anzahl von Bildern aus Cuiraraill. Dazu schreibe ich:
"Ich habe den Bürgermeister von Cuiraraill nach irischem Brauch geheiratet. Curadh Eamon ist einverstanden, dass du hier Urlaub machst, wenn du möchtest - und solange du bleiben magst."
"Du lebst in solchen Steinhaufen? Keinen richtigen Häusern?" kommt von ihr erstaunt zurück.
Ich lächele und schreibe ihr:
"Ich habe dir ja auch Bilder geschickt, wie es im Inneren der 'Steinhaufen' aussieht. Innen sind das doch ganz normale Häuser, oder? Außerdem gibt es hier ein Spaßbad, Theater mit angeschlossener Gastronomie... Ein Hafen und einen Flugplatz. Natürlich hast du auch die übliche Landwirtschaft und jede Menge Handwerk. Dir wird vieles fremd vorkommen, in Bezug auf unsere Heimatstadt - und das dürfte den Reiz von Cuiraraill ausmachen. Schau dich hier ruhig einmal um."
Ein paar Wochen später landet Ute nach einem Flug von Haan nach Kerry Airport mit Ryan Air. Curadh Eamon ist mit mir dorthin gefahren, um meine Freundin zu empfangen. Curadh Eamons ehemaliger Butler James hat uns gefahren und ist dann zum Cottage zurückgekehrt.
Zwei Stunden nach der Landung der Maschine treffen wir Ute vor dem Sicherheitsbereich. Nach der herzlichen Begrüßung bietet mein Curadh Ute an, sich erst einmal im Flughafen-Restaurant zu stärken. Es wird ein schönes Essen, bei dem wir in der gemeinsamen Vergangenheit schwelgen.
Anschließend schlägt mein Curadh vor, dass wir uns ruhig noch einen Film im Kino ansehen sollten. Gegen Mitternacht ist der Film zu Ende. Draußen vor dem Kino winkt Curadh Eamon ein Taxi heran und lässt den Fahrer vor die Stadt fahren.
Am Rand einer Weide steigen wir aus. Die Tiere hat der Bauer schon längst in den Stall getrieben. Ute macht ein fragendes Gesicht, aber ich beruhige sie.
"Wir werden bald abgeholt," sage ich.
Curadh Eamon führt uns am Weidezaun entlang, bis er im Taschenlampenlicht ein Gatter sieht, dass sich bewegen lässt. Er hängt es aus und dreht es nach innen. Seiner Handbewegung folgend, betrete ich nun die Weide.
"Komm ruhig zu uns auf die Wiese," fordere ich Ute auf.
Ihr Gesicht ist ein einziges Fragezeichen, aber sie folgt meiner Aufforderung und macht drei Schritte von der Straße in die Wiese. Curadh Eamon schließt das Gatter wieder. Wir warten nur wenige Minuten, dann erfüllt das Brausen der Triebwerke eines kleinen Tarn die Luft.
Das Fluggerät kommt senkrecht herunter, leuchtet die Wiese aus und landet ein Stück neben uns. Ute?s Gesicht zeigt großes Erstaunen. Sie fragt:
"Wir fliegen das restliche Stück mit diesem... diesem Hubschrauber?"
Ich nicke lächelnd und bestätige ich die Vermutung.
Ute macht "Aha...", da wird die Cockpitverglasung schon zurückgeschoben und eine Leiter außen befestigt. Der Pilot steigt zu uns herab und kümmert sich um Ute's Gepäck, das er hinter den Sitzen verstaut. Anschließend klettern wir an Bord. Curadh Eamon nimmt neben dem Piloten Platz und wir setzen uns auf die beiden Sitze dahinter.
Nachdem wir angeschnallt sind und die Kommunikationshelme aufhaben, fährt der Pilot die Rotore hoch und hebt ab. Nach einer Stunde Flug, es ist inzwischen kurz nach Mitternacht, geht der Pilot in den Sinkflug über. Wie in einem Fahrstuhl geht es nun senkrecht abwärts. Die Sterne des Nachthimmels verschwinden. Vor uns ist eine undurchdringliche Schwärze. Nach wenigen Minuten sehen wir darin ein hell erleuchtetes Viereck, auf das der Pilot nun zusteuert. Drinnen setzt er auf und lässt die Mantelschrauben auslaufen.
Ich bedanke mich höflich und frage natürlich, wie es ihr geht.
"Nicht besonders..." kommt als Antwort.
"Bist du krank?" frage ich besorgt zurück.
"Nein, das ist es nicht," schreibt sie. "Du weißt, ich bin Angestellte beim Arbeitsamt. Ich wollte in den höheren Dienst, und musste dafür längere Zeit nach Mannheim zur Fachhochschule des Bundes. Dann waren da meine Männergeschichten.
Kaum ein Mann hielt es bisher länger als ein paar Wochen neben mir aus. Entweder er ging, oder ich warf ihn vor die Tür. Nun hatte ich ein Seminar in Schwerin, und da bin ich wegen einem Mann total versackt. Das Studium, und damit den höheren Dienst kann ich nun vergessen.
Mein Bruder Ralf rät mir nun zu einem Tapetenwechsel. Ich soll ein paar Wochen wegfahren..."
"Um den Kopf frei zu bekommen, und dir über deine Zukunft klar zu werden... Den Rat hätte ich dir wohl auch gegeben, Ute. Hast du schon etwas im Blick?"
"Nein, ich bin total unschlüssig..."
Ich überlege kurz und klopfe an Curadh Eamons Bürotür. Danach mache ich den Curtsey und erzähle ihm von Ute, unserer gemeinsamen Vergangenheit, und der aktuellen Situation. Er hört sich meine Idee an und ist einverstanden. Also sende ich Ute eine Anzahl von Bildern aus Cuiraraill. Dazu schreibe ich:
"Ich habe den Bürgermeister von Cuiraraill nach irischem Brauch geheiratet. Curadh Eamon ist einverstanden, dass du hier Urlaub machst, wenn du möchtest - und solange du bleiben magst."
"Du lebst in solchen Steinhaufen? Keinen richtigen Häusern?" kommt von ihr erstaunt zurück.
Ich lächele und schreibe ihr:
"Ich habe dir ja auch Bilder geschickt, wie es im Inneren der 'Steinhaufen' aussieht. Innen sind das doch ganz normale Häuser, oder? Außerdem gibt es hier ein Spaßbad, Theater mit angeschlossener Gastronomie... Ein Hafen und einen Flugplatz. Natürlich hast du auch die übliche Landwirtschaft und jede Menge Handwerk. Dir wird vieles fremd vorkommen, in Bezug auf unsere Heimatstadt - und das dürfte den Reiz von Cuiraraill ausmachen. Schau dich hier ruhig einmal um."
Ein paar Wochen später landet Ute nach einem Flug von Haan nach Kerry Airport mit Ryan Air. Curadh Eamon ist mit mir dorthin gefahren, um meine Freundin zu empfangen. Curadh Eamons ehemaliger Butler James hat uns gefahren und ist dann zum Cottage zurückgekehrt.
Zwei Stunden nach der Landung der Maschine treffen wir Ute vor dem Sicherheitsbereich. Nach der herzlichen Begrüßung bietet mein Curadh Ute an, sich erst einmal im Flughafen-Restaurant zu stärken. Es wird ein schönes Essen, bei dem wir in der gemeinsamen Vergangenheit schwelgen.
Anschließend schlägt mein Curadh vor, dass wir uns ruhig noch einen Film im Kino ansehen sollten. Gegen Mitternacht ist der Film zu Ende. Draußen vor dem Kino winkt Curadh Eamon ein Taxi heran und lässt den Fahrer vor die Stadt fahren.
Am Rand einer Weide steigen wir aus. Die Tiere hat der Bauer schon längst in den Stall getrieben. Ute macht ein fragendes Gesicht, aber ich beruhige sie.
"Wir werden bald abgeholt," sage ich.
Curadh Eamon führt uns am Weidezaun entlang, bis er im Taschenlampenlicht ein Gatter sieht, dass sich bewegen lässt. Er hängt es aus und dreht es nach innen. Seiner Handbewegung folgend, betrete ich nun die Weide.
"Komm ruhig zu uns auf die Wiese," fordere ich Ute auf.
Ihr Gesicht ist ein einziges Fragezeichen, aber sie folgt meiner Aufforderung und macht drei Schritte von der Straße in die Wiese. Curadh Eamon schließt das Gatter wieder. Wir warten nur wenige Minuten, dann erfüllt das Brausen der Triebwerke eines kleinen Tarn die Luft.
Das Fluggerät kommt senkrecht herunter, leuchtet die Wiese aus und landet ein Stück neben uns. Ute?s Gesicht zeigt großes Erstaunen. Sie fragt:
"Wir fliegen das restliche Stück mit diesem... diesem Hubschrauber?"
Ich nicke lächelnd und bestätige ich die Vermutung.
Ute macht "Aha...", da wird die Cockpitverglasung schon zurückgeschoben und eine Leiter außen befestigt. Der Pilot steigt zu uns herab und kümmert sich um Ute's Gepäck, das er hinter den Sitzen verstaut. Anschließend klettern wir an Bord. Curadh Eamon nimmt neben dem Piloten Platz und wir setzen uns auf die beiden Sitze dahinter.
Nachdem wir angeschnallt sind und die Kommunikationshelme aufhaben, fährt der Pilot die Rotore hoch und hebt ab. Nach einer Stunde Flug, es ist inzwischen kurz nach Mitternacht, geht der Pilot in den Sinkflug über. Wie in einem Fahrstuhl geht es nun senkrecht abwärts. Die Sterne des Nachthimmels verschwinden. Vor uns ist eine undurchdringliche Schwärze. Nach wenigen Minuten sehen wir darin ein hell erleuchtetes Viereck, auf das der Pilot nun zusteuert. Drinnen setzt er auf und lässt die Mantelschrauben auslaufen.
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