Mittwoch, 23. Februar 2022
Cuiraraill -54-
"Immer!" bekräftigt Dekyi.

"Aber du musst natürlich zurückstecken."

"Nein, Tashima. Ich stecke nicht zurück. Ich gehorche aus Liebe zu ihm. Das ist ein großer Unterschied."

"Ich glaube, ich könnte Curadh Aidan auch subtil in diese Richtung lenken. Heute habe ich ihn zum Beispiel gefragt, was ich für den Besuch hier anziehen soll."

"Genau! Das ist der richtige Weg, Tashima, Liebes. Lass ihn entscheiden. Hole seine Erlaubnis ein, selbst für ganz banale Dinge. Ich denke, beide Curadhi haben eins gemeinsam: Du musst ihnen nicht gehorchen, weil du Angst vor Strafe hast, sondern weil du es magst eine Belohnung zu erhalten, zumindest ein Lob zu bekommen."

"Ob das ein Ergebnis der Unterweisungen von Akiyama-San ist..."

Dekyi legt den Kopf schräg.

"Möglich..." meint sie.

Dann arbeiten wir konzentriert in der Küche. Den Curadhi scheint es nicht aufzufallen, dass sie heute etwas warten müssen.

*

Nachdem Dekyi uns mit Tee versorgt hat, bereiten die beiden Schwestern gemeinsam das Mittagessen zu. Während sie dafür in der Küche beschäftigt sind, beginnt Curadh Bran das Gespräch:

"Sie haben ihre Wench ja nun schon etwas länger wie ich, Curadh Aidan. Wie gestaltet sich ihr Zusammenleben denn so, wenn die Frage Ihnen nicht zu intim ist?"

"Nun jaaa," dehne ich. "Sie hat ja eine umfassende Ausbildung erhalten und Runa, die Wench von Curadh Murchardh hat ihr auch gezeigt, wie man eine Arztpraxis verwaltet. Ich sollte mich also glücklich schätzen eine so dienstbare und liebe Frau im Haus zu haben. Trotzdem holpert es manchmal."

"Inwiefern?"

"Naja, Akiyama-San, hat davon gesprochen, den Dienst der Wench wertzuschätzen und sie als Person zu respektieren. Sie interpretiert meine Bemühungen als Einmischung in ihre Angelegenheiten und schickt mich liebevoll weg."

"Hm," macht mein Gegenüber. "Haben Sie ein Beispiel?"

"Na, letztens habe ich ihr nach dem Frühstück geholfen den Tisch abzuräumen. Da fragt sie mich, ob ich mit ihrer Arbeit nicht zufrieden wäre..."

Curadh Bran zeigt ein breites Grinsen und antwortet:
"Lassen Sie sie ruhig ihre Arbeit machen und zeigen Sie ihr Ihre Wertschätzung, indem Sie sie nach ihrer Arbeit loben. Zu besonderen Anlässen überlegen Sie sich eine Belohnung, die ihre Wench stolz macht. Das nennt man Führung! Es gibt wohl zwei Arten von Führung: Diejenige mit der Angst vor Strafe, oder diejenige die ich Ihnen gerade vorgeschlagen habe. Die Wissenschaft bezeichnet sie als die 'Positive Verstärkung'. Letztere ist die effektivere!"

Wir unterhalten uns infolge darüber, warum so viele Frauen devote Neigungen unterschiedlicher Ausprägungen haben. Curadh Bran meint dazu:

"Wer behauptet, Frauen müssten grundsätzlich devot sein und sie hätten sich allein aufgrund ihres Geschlechts den Männern unterzuordnen, ist nichts anderes als ein dummer Macho oder ein religiöser Fanatiker christlicher oder muslimischer Prägung! Das Hauptproblem devoter Frauen ist, dass die wenigsten Männer der Verantwortung gewachsen sind, die ihnen durch die Dienstwilligkeit einer Frau zuwächst."

Ich höre seinen Ausführungen aufmerksam zu. Sie berühren etwas in meinem Inneren. Er schaut mich an und redet nach einer Gedankenpause weiter:

"Nichts wird weniger, wenn jemand beginnt, seine dominante oder devote Seite zu leben, sondern es kommt etwas hinzu. Die devote Seite gehorcht nicht stumm. Sie ist kein Roboter! Weder ihr Witz, noch ihre Schlagfertigkeit und schon gar nicht ihr Verstand gehen verloren!"

Wieder macht er eine Pause und lässt seine Worte wirken. Er gibt mir so die Gelegenheit der Gegenrede, aber ich hänge gebannt an seinen Worten. Mein Eindruck ist, dass der Besuch bei ihm heute schicksalhaft für mich und Tashima sein wird.

"Was ist Selbstbewusstsein?" stellt er mir die Frage, um sogleich seine Sicht zu erklären: "Rotziges Auftreten? Großmäuligkeit? Herablassender Habitus? Nein, das ist bestenfalls Dummheit und vor allem Ausdruck von Schwäche.
Es ist vielmehr die Tatsache, dass man sich Seiner ganz bewusst ist, dass man weiß, wer und wie man selbst wirklich ist und dies auch zulassen kann - vor sich selbst und vor anderen. Das sorgt für eine große innere Ruhe und ein Gefühl von Zufriedenheit und Harmonie mit seiner Umgebung. Diese Frauen, diese Kamlahari, aber auch alle anderen Frauen, die ihre devote Neigung zulassen können und sich als Person respektiert fühlen, statt als Objekt betrachtet zu werden, werden mit diesem Curadh - Sympathie vorausgesetzt - gerne eine Beziehung mit Machtgefälle, ein Dienstverhältnis, eingehen."

Bald darauf bringen die Schwestern die Speisen zum Tisch und setzen sich an unsere Seiten. Curadh Bran spricht den Segensspruch über seinem Clocha baile und die Wench teilen das Essen aus. Wie üblich stellen wir den ersten Teller, den wir von ihnen erhalten, vor sie auf den Tisch. Die Beiden haben vorzüglich gekocht. Ich sage das auch laut. Dekyi lächelt stolz und auch Tashimas Augen leuchten.

*

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