Sonntag, 13. Februar 2022
Cuiraraill -49-
hermann-jpmt, 13:22h
Er nickt verstehend und kürzt den Rückweg quer über eine Wiese ab. Wir haben unterwegs über seine und meine Interessen gesprochen. Er hat sich derweil von seiner sympathischen Seite gezeigt. Als wir die Häuser erreichen, zeigt er auf das Erste rechts und meint:
"Dies ist übrigens mein Teach -Haus-, gleich neben dem des Méara -Ortsvorsteher-."
Das Zweite rechter Hand ist dann also das Haus von Curadh Chiarraí. Danach betreten wir den großen Platz, auf dem die steinerne Skulptur des Crann na beatha -keltischen Lebensbaums- steht. Kurz darauf hält er mir die Tür der Herberge wieder auf und fragt zum Abschied:
"Werden wir uns wiedersehen, Dekyi?"
Ich führe den Curtsey nun etwas korrekter aus und antworte lächelnd:
"Heute war ein schöner Tag, Curadh Bran. Gerne sehen wir uns wieder."
*
Wir haben uns schon mehrere Male zu Spaziergängen getroffen, die Curadh Bran gleichzeitig mit seiner Arbeit als Wachmann verbunden hat. Heute treffe ich ihn im Speiseraum der Herberge und setze mich mit ihm etwas abseits von meinen Kolleginnen.
Er bestellt das Essen und als wir für uns alleine sind, zieht er eine Schachtel aus Spanholz aus der Tasche. Sie ist schwarz lackiert und hat auf der Oberseite des Deckels eine Miniaturmalerei. Diese Schachtel alleine ist für meine Verhältnisse schon eine Kostbarkeit.
Curadh Bran stellt sie neben meinen Teller auf den Tisch. Ich bin seinen Bewegungen mit großen Augen gefolgt.
"Schau einmal hier, Dekyi!" sagt er, erwartungsvoll lächelnd. "Dies habe ich in den letzten Tagen 'gefunden'."
Ich bin unfähig, mich zu rühren. Mein Löffel sinkt mit den erschlafften Armmuskeln auf den Tisch. Mein Mund steht offen, während ich die Schachtel anstarre.
"Na los, Dekyi," ermuntert der Curadh mich. "Schau dir den Inhalt an!"
Ich hebe den Blick und blicke meinen Tischherrn hilfesuchend an.
"Ich habe noch nie ein Geschenk erhalten..." flüstere ich.
Curadh Bran zieht langsam den Deckel ab und gibt den Blick auf den Inhalt frei. Ich stoße einen spitzen Schrei aus, hebe die Hand vor den Mund und breche in Tränen aus.
Er fragt lächelnd:
"Was ist los, Dekyi? Gefällt dir das Geschenk am Ende etwa nicht?"
Statt einer Erwiderung greife ich mit beiden Armen über den Tisch und ziehe den Herrn zu mir, um ihm einen Kuss auf die Wange zu platzieren. Dann senke ich den Kopf und Curadh Bran steckt mir den Haarkamm dorthin, wo ich das zum Zopf geflochtene lange Haar zum Dutt gedreht habe.
Der Kamm hat Auflagen aus Schildpatt und schillert wunderschön. Zu Ende essen kann ich nun nicht mehr. Der Curadh fragt mich nun:
"Kannst du dir vorstellen, dass ich der richtige Curadh für dich wäre?"
"Ich denke, Sie sind der Richtige, Curadh Bran," sage ich mit fester Stimme. "Nicht wegen des Geschenks jetzt, sondern als Resümee unserer bisherigen Gespräche."
Meine Hand sucht die Seine und hält sie ganz fest.
"Seit wir uns kennen, muss ich immerzu an dich denken. Du bist die Frau, von der ich immer geträumt habe. Manche mögen jetzt sagen, ich handle überstürzt. Aber das ist alles Quatsch. Ein kurzes Zögern nur und man verspielt das Glück seines Lebens. Ich will dich, Dekyi. Ich will, dass mir zu mir gehörst."
Eine Gedankenpause entsteht, in der sich meine Gedanken überschlagen. Ich erkenne meine Stimme kaum wieder, als ich schließlich antworte:
"Ich will zu Ihnen gehören, Curadh Bran."
Für einen Moment denke ich, es sei eine Täuschung, aber es stimmt: Seine Augen werden feucht. Aber schnell hat er sich wieder im Griff.
Er ergänzt: "Ich möchte, dass du dir über die Tragweite klar bist. Wenn du zu mir gehörst, wird es vollkommen sein. Ich stelle dich vor die Wahl: Du kannst jetzt aufstehen und gehen oder dich entscheiden, zu bleiben. Wenn du bleibst, wird es die letzte freie Entscheidung in deinem Leben sein. Brauchst du Bedenkzeit?"
"Ich bleibe!" sage ich mit fester Stimme, ihm in die Augen schauend und seine Hand haltend.
Nun regt sich meine Blase. Ich muss zur Toilette. Das ist gerade alles zu viel für mich.
"Ich muss mal," sage ich mit dünner Stimme und lasse seine Hand los.
"Aha," ist die Antwort.
Mist! Sekunden sind vergangen und ich merke schon, dass es schwer wird. Nein, ich werde nicht aufgeben!
"Bitte, darf ich zur Toilette gehen?"
Er zieht eine Augenbraue hoch und ich versuche es noch mal:
"Bitte, darf ich zur Toilette gehen, mein Curadh?"
"Aber sicher. Möchtest Du nachher noch einen Tee?"
"Dies ist übrigens mein Teach -Haus-, gleich neben dem des Méara -Ortsvorsteher-."
Das Zweite rechter Hand ist dann also das Haus von Curadh Chiarraí. Danach betreten wir den großen Platz, auf dem die steinerne Skulptur des Crann na beatha -keltischen Lebensbaums- steht. Kurz darauf hält er mir die Tür der Herberge wieder auf und fragt zum Abschied:
"Werden wir uns wiedersehen, Dekyi?"
Ich führe den Curtsey nun etwas korrekter aus und antworte lächelnd:
"Heute war ein schöner Tag, Curadh Bran. Gerne sehen wir uns wieder."
*
Wir haben uns schon mehrere Male zu Spaziergängen getroffen, die Curadh Bran gleichzeitig mit seiner Arbeit als Wachmann verbunden hat. Heute treffe ich ihn im Speiseraum der Herberge und setze mich mit ihm etwas abseits von meinen Kolleginnen.
Er bestellt das Essen und als wir für uns alleine sind, zieht er eine Schachtel aus Spanholz aus der Tasche. Sie ist schwarz lackiert und hat auf der Oberseite des Deckels eine Miniaturmalerei. Diese Schachtel alleine ist für meine Verhältnisse schon eine Kostbarkeit.
Curadh Bran stellt sie neben meinen Teller auf den Tisch. Ich bin seinen Bewegungen mit großen Augen gefolgt.
"Schau einmal hier, Dekyi!" sagt er, erwartungsvoll lächelnd. "Dies habe ich in den letzten Tagen 'gefunden'."
Ich bin unfähig, mich zu rühren. Mein Löffel sinkt mit den erschlafften Armmuskeln auf den Tisch. Mein Mund steht offen, während ich die Schachtel anstarre.
"Na los, Dekyi," ermuntert der Curadh mich. "Schau dir den Inhalt an!"
Ich hebe den Blick und blicke meinen Tischherrn hilfesuchend an.
"Ich habe noch nie ein Geschenk erhalten..." flüstere ich.
Curadh Bran zieht langsam den Deckel ab und gibt den Blick auf den Inhalt frei. Ich stoße einen spitzen Schrei aus, hebe die Hand vor den Mund und breche in Tränen aus.
Er fragt lächelnd:
"Was ist los, Dekyi? Gefällt dir das Geschenk am Ende etwa nicht?"
Statt einer Erwiderung greife ich mit beiden Armen über den Tisch und ziehe den Herrn zu mir, um ihm einen Kuss auf die Wange zu platzieren. Dann senke ich den Kopf und Curadh Bran steckt mir den Haarkamm dorthin, wo ich das zum Zopf geflochtene lange Haar zum Dutt gedreht habe.
Der Kamm hat Auflagen aus Schildpatt und schillert wunderschön. Zu Ende essen kann ich nun nicht mehr. Der Curadh fragt mich nun:
"Kannst du dir vorstellen, dass ich der richtige Curadh für dich wäre?"
"Ich denke, Sie sind der Richtige, Curadh Bran," sage ich mit fester Stimme. "Nicht wegen des Geschenks jetzt, sondern als Resümee unserer bisherigen Gespräche."
Meine Hand sucht die Seine und hält sie ganz fest.
"Seit wir uns kennen, muss ich immerzu an dich denken. Du bist die Frau, von der ich immer geträumt habe. Manche mögen jetzt sagen, ich handle überstürzt. Aber das ist alles Quatsch. Ein kurzes Zögern nur und man verspielt das Glück seines Lebens. Ich will dich, Dekyi. Ich will, dass mir zu mir gehörst."
Eine Gedankenpause entsteht, in der sich meine Gedanken überschlagen. Ich erkenne meine Stimme kaum wieder, als ich schließlich antworte:
"Ich will zu Ihnen gehören, Curadh Bran."
Für einen Moment denke ich, es sei eine Täuschung, aber es stimmt: Seine Augen werden feucht. Aber schnell hat er sich wieder im Griff.
Er ergänzt: "Ich möchte, dass du dir über die Tragweite klar bist. Wenn du zu mir gehörst, wird es vollkommen sein. Ich stelle dich vor die Wahl: Du kannst jetzt aufstehen und gehen oder dich entscheiden, zu bleiben. Wenn du bleibst, wird es die letzte freie Entscheidung in deinem Leben sein. Brauchst du Bedenkzeit?"
"Ich bleibe!" sage ich mit fester Stimme, ihm in die Augen schauend und seine Hand haltend.
Nun regt sich meine Blase. Ich muss zur Toilette. Das ist gerade alles zu viel für mich.
"Ich muss mal," sage ich mit dünner Stimme und lasse seine Hand los.
"Aha," ist die Antwort.
Mist! Sekunden sind vergangen und ich merke schon, dass es schwer wird. Nein, ich werde nicht aufgeben!
"Bitte, darf ich zur Toilette gehen?"
Er zieht eine Augenbraue hoch und ich versuche es noch mal:
"Bitte, darf ich zur Toilette gehen, mein Curadh?"
"Aber sicher. Möchtest Du nachher noch einen Tee?"
... comment