Sonntag, 30. Januar 2022
Cuiraraill -42-
Alainn erklärt ihm:
"Verehrter Curadh, diese Frauen sind Mitglieder einer nordindischen Volksgruppe, deren Familien sie an reiche Inder oder in schlechte Fabriken gegen Geld vermittelt haben. Die Familien sind durch Armut dazu gezwungen. Auf das Problem wurde der Méara eines Ortes im Himalaya aufmerksam und er kaufte einige Frauen frei. Mit diesen Frauen startete er eine Organisation, die ihren Herren entlaufene Mägde und Arbeiterinnen aufspürt und ihnen eine Ausbildung ermöglicht.
Einige der Frauen entscheiden sich aber auch, lieber unter einem Herrn in Lon-Wa-Lha, wie dieser Ort heißt, zu leben. Aus diesem Kontingent stammen die Frauen dieser Gruppe. Sie wünschen sich, für einen verantwortungsbewussten Herrn zu arbeiten, der ihnen Respekt entgegenbringt und sie schätzt."

Der Curadh nickt und fragt:
"Wissen diese Frauen schon, wo sie hier in Cuiraraill arbeiten werden? Also, an mich ist bisher noch niemand herangetreten und hat gefragt, ob ich Bedarf hätte..."

Alainn lächelt und verbeugt sich leicht. Sie antwortet:
"Sie kennen von Lon-Wa-Lha bisher nur das Arbeiten in Haushalten. Einige haben früher an Nähmaschinen und Webstühlen gesessen. Die ehrenwerte Asuka-San hat sich bereit erklärt, ihnen dazu noch die Tätigkeit einer Gesellschafterin nahezubringen. Auch Akiyama-San wird involviert sein, und ihnen die Kunst der Selbstverteidigung beibringen. Danach steht es den Frauen frei, nach Lon-Wa-Lha zurückzukehren oder hier in Cuiraraill ihr Glück zu finden. Vielleicht interessiert sich auch ein Master aus Hagenholt in Germany für sie. Frei werdende Plätze sollen immer wieder aus Lon-Wa-Lha aufgefüllt werden, wie Curadh Chiarraí sich äußerte."

Der Curadh macht "Ah!" Dann sagt er:
"Wo sollen die Frauen während der Schulung leben?"

Nun lächelt Alainn erneut.

"Eine Schule als festes Gebäude existiert in Cuiraraill noch nicht. Wie ich den Méara verstanden habe, soll die Herberge bis dahin zur Schule umfunktioniert werden. Je drei Kamlahari teilen sich ein Zimmer und die Seomrai do pháirtithe -Festhalle- wird zum Schulungsraum, solange keine Veranstaltungen stattfinden."

"'noch nicht' heißt, dass ein festes Gebäude für die Zukunft geplant ist?" fragt er nach.

Alainn nickt freundlich: "So ist es!"

"Da hätte ich ein direktes Anliegen," antwortet der Curadh. "Ich könnte durchaus einige Frauen als Zimmermädchen gebrauchen und was sonst in einer Herberge so zu tun ist."

Alainn nickt verstehend und meint:
"Darüber sollten Sie beizeiten mit dem verehrten Méara reden. Ich denke, durch sie wird die 'Ardaigh Celtic' -keltische Rose- weithin bekannt werden."

'Auch ich, Aidan, werde gleich zu dem Méara gehen!' denke ich mir.

Ich erhebe mich und zahle für das Frühstück. Dann verlasse ich die Herberge und gehe zum Haus des Méara hinüber. Leider klingele ich vergebens. Ob Curadh Chiarraí nicht zuhause ist oder die Klingel schlichtweg nicht hört, kann ich nicht sagen. Also gehe ich zum Haus des Leigheas -Heilers-. Er ist der Stellvertreter. Dessen Tür ist mit einem Lederkissen gegen das Zufallen gesichert. Ich gehe in seine Praxisräume und sehe einen Curadh mit seiner Wench im Seomrai feithimh -Wartezimmer- sitzen. Ich setze mich dazu.

Bald tritt Runa in den Warteraum, knickst und sagt:
"Der nächste Curadh bitte."

Der Curadh, der mit seiner Wench vor mir im Wartezimmer gesessen hat, erhebt sich und Runa macht die Tür zum Behandlungsraum frei. Nachdem die Tür verschlossen ist, fragt sie mich, ob sie dem Leigheas etwas ausrichten soll oder ob ich ein medizinisches Problem hätte.

"Níl -Nein-," antworte ich lächelnd. "Ich habe eben versucht, den Méara aufzusuchen und ihn nicht gefunden. Da dachte ich, er könne vielleicht hier anwesend sein. Ich wollte ihn fragen, ob sich unter den neu angekommenen Wench eine befindet, die die Organisation meines Haushaltes und der Praxis übernehmen möchte - wie du hier."

"Da wird sich sicher Eine finden, verehrter Curadh Aidan. Aber der Méara kann Ihren Wunsch auch nur wieder an Asuka-San herantragen, dass sie im Unterricht auch die Arbeit in einer Arztpraxis anspricht. Interessentinnen kann ich dann gerne einweisen. Darf ich Ihnen einen Rat geben?"

"Ja, gerne."

"Halten Sie sich in der Nähe der Frauen auf und sprechen Sie einfach eine an, die Ihnen sympathisch erscheint. Beruht das Gefühl auf Gegenseitigkeit, so dass sie menschlich eine gemeinsame Ebene finden, lassen Sie sie einmal bei mir zuschauen, bevor sie sich entscheidet. Freunden Sie sich also mit einer der Kamlahari an! Sie haben eine schwierige Vergangenheit und sind empfänglich für Menschen, die ihnen mit Respekt begegnen."

"Okay," sage ich lächelnd und gehe erst einmal in mein Teach zurück. Aus einem Impuls heraus, beginne ich dort aufzuräumen.

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