Sonntag, 16. Januar 2022
Cuiraraill -35-
Nach einer Gedankenpause redet Mary weiter:
"Nachdem ich mich arrangiert hatte, erhielt ich als Erstes Unterricht im Führen der Hashi -Essstäbchen-, um richtig essen zu können. Bald kamen dann Lektionen in Nähen und Putzen hinzu; aber auch, wie man am Tisch ehrerbietig, geschickt, unaufdringlich und meist auch leise serviert. Ein anderes Beispiel ist wie man sich bewegt und läuft, anmutig kniet, sowie dass man ein herunter gefallenes Ding besser durch Niederkauern als durch Bücken aufhebt.
Schließlich kam meine One-San -Lehrerin/Mentorin- zu Ausdrucksübungen des Gesichts und des Körpers, denn darüber zeigt sich Anmut und Schönheit einer Meido. Ein bedeutender Teil der Ausbildung war intimer und sinnlicher Natur und erstreckte sich von Make-up, Körperschmuck, Kosmetik und Parfüms bis zu psychologischen und physischen Techniken, normalerweise eine Kombination von beiden, zur Befriedigung unserer Herren.
Viele erlernte Bewegungen gehören zum Ritual, zu der Symbiose des Herrn und der Magd. Es sind solche Kleinigkeiten, wie Hand-, Finger- oder Hüftbewegungen. Wir lernen aber auch die Bewegungen der Männer einzuschätzen, ihr Interesse und ihre Wünsche aus diesen Winzigkeiten abzulesen. Mit zunehmender Übung kann eine Magd die Stimmungen und Wünsche ihres Herrn annähernd vorausahnen."

"Das ist ja eine ganze Menge!" stelle ich fest.

"Hai -Ja-," bestätigt Asuka-San, "aber du bekommst auch die Zeit, die du brauchst. Mada kumo kara ochita masuta wa imasen -Es ist noch kein Meister aus den Wolken gefallen-!"

Damit wir nicht zu sehr in den Tagesablauf der Mägde in Cuiraraill eingreifen, hat Curadh Eamon mit den anderen Curadhi vereinbart, dass wir uns zumeist am Vormittag mal bei der Einen, mal bei der Anderen treffen und den Mägde-Lehrgang nach dem Frühstück durchführen.

*

Wir haben ein mobiles Reparaturteam aufgebaut, da die Tarns doch manchmal streiken, wie alle technischen Geräte. Zu ihm gehört ein Tarn mit großem Raum für Spezialwerkzeug und drei Mann Besatzung. Wenn ein Tarn nicht vor Ort repariert werden kann, bringen wir ihn in den Hangar. Dort kann er in Ruhe auseinandergenommen und in Ordnung gebracht werden. Für den Transport haben wir eine 'Spinne', die sich über den kaputten Duaithníocht -Tarn- senkt. Sie wird mit ihm verbunden und fliegt dann mit ihm davon.

Eines Tages trifft ein Cab von der nächsten Bahnstation in Cuiraraill ein. Ein junger Mann mit fremdländischem Aussehen steigt aus und nähert sich der Brú -Herberge- 'Ardaigh Celtic' -keltische Rose-. Dort fragt er die Meido, die ihn begrüßt:

"Guten Tag, können Sie mir weiterhelfen? Mein Trikopter will nicht mehr. Man sagte mir, dass ich hier Hilfe finden würde!"

"Verzeihen Sie, mein Herr," antwortet sie ihm. "Was ist ein Trikopter?"

"So etwas ähnliches wie ein Hubschrauber!" erklärt der Mann.

"Ah," lächelt die Meido. "Kommen Sie doch erst einmal herein, Herr."

Drinnen bietet sie ihm einen Platz an und fragt ihren Curadh nach Hilfe für den Besucher. Dieser telefoniert mit dem Hangar und kurz darauf sind der Gast und der Curadh, dem der Hangar untersteht, bei Tee und Gebäck in ein intensives Gespräch vertieft. Anschließend führt der Curadh den Besucher zum Méara. Nachdem dieser sein Okay gegeben hat, fährt der Curadh mit dem Gast per Aufzug zum Hangar hinunter und macht mit seinen Männern die Spinne und den Reparatur-Tarn startklar. Wenig später fliegen sie ab.

Cork, das Ziel unseres Teams, liegt knapp 170km entfernt in der gleichnamigen Nachbargrafschaft. Drei Stunden später sind unsere Männer wieder zurück. Unter der 'Spinne' hängt ein Gerät, das wie ein langes Dreieck aussieht. Es ist also noch windschnittiger als unsere Duaithníocht -Tarn-.

Unser kleines Geschwader schiebt sich in den Hangar und wenig später führt Alainn unseren Gast in unser Teach -Haus-. Beim folgenden Tee erfahre ich mehr.

"Mein Name ist Lobsang Gonpo. Ich habe in der Coláiste na Hollscoile Corcaigh -Universität von Cork- mein Studium beendet und sollte in die Heimat zurückgeholt werden."

"Darf ich Sie nach ihrer Nationalität fragen?" frage ich vorsichtig.

"Wir leben im Himalaya, momentan auf dem Gebiet von Nepal," erklärt Master Gonpo lächelnd. "Aber wir stammen aus der mongolischen Steppe. Vielleicht haben Sie ja schon einmal etwas von Lon-Wa-Lha -Himmlische Rose- gehört?"

Bedauernd schüttele ich den Kopf und antworte:
"Leider nein."

"So heißt mein Heimatort," erklärt unser Gast. "Mein Vater ist dort der Wandii -Herrscher-."

"Ah, okay," sage ich. "Darf ich Sie in Cuiraraill herumführen, während ihr Fluggerät repariert wird? Schauen Sie sich dabei gerne an, was wir herstellen. Wenn Sie etwas finden, das in ihrer Heimat Abnehmer findet, würde ich mich freuen, wenn ich es Ihnen mitgeben kann und wir darüber Handelsbeziehungen aufnehmen könnten."

"Das ist interessant!" meint der junge Mann. "Genau, das machen wir!"

An den folgenden Tagen zeige ich Herrn Gonpo die Handwerksbetriebe von Cuiraraill und deren Produkte. Fleisch und Nebenprodukte, wie Leder und Lederwaren interessieren ihn weniger. Das erhalten sie schon mittels Handelskarawanen. Unsere Fischlederprodukte und Glaswaren faszinieren ihn eher. Er lässt sich davon eine Sammlung mitgeben als sein Fluggerät repariert ist und er mit den zwei Piloten startet.

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