Donnerstag, 30. Dezember 2021
Cuiraraill -27-
Curadh Eamon beschreibt die Schiffe stolz, so dass ich stumm zuhöre, obwohl ich nur wenig von dem verstehe, was er sagt.

Nachdem eins der Schiffe mit den typischen Produkten beladen worden ist, die in Cuiraraill hergestellt werden, übergibt der Méara sein Amt an Curadh Murchardh und startet mit mir und einer kleinen Mannschaft von sechs jungen Männern auf große Fahrt. Wir umfahren Afrika, wo wir unseren ersten längeren Stopp einlegen. Unterwegs gen Süden haben wir nur gehalten, um Trinkwasser aufzunehmen. Das haben wir den Küstenbewohnern bezahlt mit Schafshälften aus unserer Kühlkammer unter Deck.

In Südafrika haben wir uns mit einer Gruppe aus dem Volk der Khoi Khoi angefreundet. Sie nennen sich !uri!aekana, übersetzt 'Strandläufer' (Ihre Sprache kennt Klicklaute, für die die Ausrufezeichen stehen). Wir bleiben einen Monat bei den freundlichen Leuten und lernen in dieser Zeit ihre Lebensweise kennen. Dafür schenken wir ihren einige Taschen aus Fischleder aus unseren Beständen.

Als sie die Taschen erhalten haben fragen sie nach Lederbekleidung, also Lendenschurzen und Umhängen aus dem Fischleder. Nun sagt Curadh Eamon, dass wir gerne an einem Fischzug teilnehmen möchten. Dann würden wir ihnen gerne zeigen, wie man das Fischleder herstellt.

Master Franck ist mit seiner Wench Mary in Grönland gewesen und hat von den Innuit das Handwerk gelernt. Gerne haben wir das Handwerk übernommen. So reduziert sich der Abfall nach dem Zubereiten der Fische sehr.

Mary hat mir, Alainn, das Handwerk gezeigt und auch ein junger Curadh in Cuiraraill hat die Herstellung von Gebrauchsgegenständen aus Fischleder zu seinem Handwerk erkoren. Nun zeigen wir den 'Strandläufern', wie sie für sich und darüber hinaus zum Verkauf Fischleder herstellen können.

Ein Monat später verlassen wir die freundlichen Leute und segeln an Madagaskar vorbei auf die Südspitze von Indien zu. Danach geht es an der Ostküste weiter nach Norden. Curadh Eamon will den Ort Prabal Jagan in Bangla Desh besuchen, der zu unserer Community gehört, um dort Geschäfte anzubahnen.

Curadh Chiarraí hat neben einigen geographischen Büchern auch das Buch von Master Schmidt in seinem Bücherregal. Dort ist beschrieben wie er Kontakt zum Ortsvorsteher von Prabal Jagan bekommen hat:

"In Khulna sollen wir mit Chandan Naresh zusammentreffen, dem Sohn des Ortsvorstehers von Prabal Jagan, hat es geheißen. Aber schon am Vormittag, vielleicht anderthalb Stunden vor Erreichen unseres Zielhafens steuert ein Schilfboot mit einem Baldachin auf unser Schiff zu.
Es besteht aus drei Schwimmkörpern, die ich als verlängerte 'Pferdchen' wiedererkenne, wie sie von den Quetchua auf dem Titicaca-See auch einzeln benutzt werden. Auf diesen drei 'Pferdchen' liegt eine überdachte Plattform aus Bambus. Je vier Paddler knien auf den seitlichen 'Pferdchen' und bewegen das Schilfboot mit Stechpaddeln fort."

Wir steuern also Khulna an und achten besonders darauf, nicht in zu flache Wasserläufe der Sundarbans hinein zu segeln. Plötzlich ist es doch passiert. Eine Erschütterung durchläuft die Nef und wir sitzen fest. Sofort fährt der Curadh das Segel in den Mast und lässt von vier Männern das Beiboot aussetzen. Sie nehmen einen Anker an Bord und rudern mit ihm hundert Meter zurück, um ihn dort über Bord zu werfen.

Anschließend holt Eamon ihn mit der Ankerwinde ein, in der Hoffnung, dass er sich irgendwo verfängt und sich die Nef freiziehen lässt. Es gelingt, die Nef ein paar Meter zurück zu ziehen. Dabei haben wir wohl auf dem Schlick unter Wasser eine Furche gezogen. Also warten wir ein paar Stunden bis uns die auflaufende Flut ein paar Handbreit Wasser unter dem Kiel beschert und ankern weiter draußen.

Stattdessen lässt der Curadh einen kleinen Mast im Beiboot aufrichten und ein Segel aufziehen. Er lässt drei Männer als Wache an Bord. Wir anderen erreichen am nächsten Morgen Khulna und fragen dort im Hafen nach Leuten auf Schilfbooten. Wir brauchen nicht lange zu warten, da nähert sich uns ein Schilfboot, etwa halb so lang wie die Nef. Es wird von zwölf Ruderern fortbewegt und ist hochbeladen.

Curadh Chiarraí geht nun zu den Leuten und spricht mit ihnen. Einer der Leute ist bereit, mit uns zu kommen und uns einen Weg nach Khulna zu zeigen, der tief genug ist für die Nef. Am Morgen des nächsten Tages erreichen wir unser Schiff und der Mann erweist sich als hilfreicher Lotse. Nach einer weiteren Übernachtung legen wir an der Pier von Khulna an. Das Schilfboot ist inzwischen abgereist. Gegen Abend dieses Tages erreicht uns ein kleines Schilfboot mit einem Baldachin, von vier Männern gerudert. Das Boot legt an unserer Bordwand an und die Männer kommen mit ihrem Passagier an Bord.

"Hello, my name is Chandan Naresh," begrüßt er den erstbesten Mann unserer Besatzung.

Curadh Eamon wird von einem anderen unserer Männer benachrichtigt und geht an Deck, um unseren Gast zu begrüßen.

"Hello, Master Naresh, I am Eamon Chiarraí, Earl of Kerry and Mayor of Cuiraraill. Will you please have a tea-time?"

Ich bin dem Curadh gefolgt und strecke neugierig den Kopf aus dem Niedergang. Der Curadh wendet sich zu mir um und nickt mir zu. Sofort verschwinde ich nach unten, um einen Eimer mit Teetassen und zwei bauchige Krüge mit gekühltem Tee zu füllen. So beladen gehe ich wieder an Deck. Dort haben die Männer aus Kisten niedrige Tische improvisiert. Ich übergebe Eamon meine Last und gehe noch einmal nach unten, um noch Teegebäck in vier Schüsseln zu bringen.

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