Montag, 15. November 2021
Cuiraraill -08-
hermann-jpmt, 10:49h
Etwa zehn Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit betritt ein Mann den Pub, in eine weite graue Hose gekleidet, die um die Unterschenkel eng geschnitten ist. Darüber trägt er eine Kombination aus grüner Weste und Jacke über ein weißes Hemd mit einer grünen Schleife am Hals. Eine grünkarierte Ballonmütze mit Schirm über der Stirn vervollständigt das Bild.
Er verharrt kurz an der Tür und schaut in die Runde. Dann zeigt sich ein feines Lächeln auf den Lippen und er nähert sich meinem Platz am Tresen. Als Erstes ordert er Tee bei der Bedienung. Während Jeanette die Bestellung fertigmacht, wendet er sich mir zu. Er sagt:
"Sie sind Lara, sind Sie?"
Ich habe ein Bein ausgestreckt und den Fuß auf die Querstrebe des Barhockers gestellt. Nun nicke ich ihm freundlich zu und antworte:
"Stimmt, das bin ich! Und Sie sind Earl Eamon Chiarraí?"
"In der Tat!" antwortet er nun in einem ungewohnten Dialekt. Auch die verwendete Grammatik lässt mich innerlich lächeln. "Wir haben getextet miteinander über die unterschiedlichsten Themen. Eins davon ist gewesen die DD-Beziehung. Ich sehe, wir sind beide gekleidet als bestünde zwischen uns ein solches..."
"Das sieht erst einmal nur so aus, Earl of Chiarraí!" beeile ich mich, ihm zu versichern. Ich möchte nicht, dass dieser Eindruck zu früh zu bestimmten Schlüssen führt.
"Natürlich," versichert mir mein Gegenüber schnell. "Ich habe nur Ausdruck verliehen meinem ersten Eindruck."
Nun runzele ich aber doch die Stirn und sage:
"In Deutsch heißt der Satz richtig: 'Ich habe nur meinem ersten Eindruck Ausdruck verliehen...'"
In den Augen meines Gegenübers blitzt es auf. Unwillkürlich senke ich den Blick. Mein Lächeln verschwindet.
"'Master' reicht als Anrede, erst einmal," meint er.
Ich bleibe einen Moment stumm. In mir arbeitet es.
"Wir kennen uns noch nicht wirklich, Eamon!" nutze ich die Anrede mit dem Vornamen, die im Internet üblich ist. "Also bleibt das 'Master' erst einmal unausgesprochen! Den Titel muss sich der Herr verdienen. Darüber haben wir auch getextet: Eine DD-Beziehung kann auch schon eine Freundschaft sein. Vertrauen und Zuneigung muss ein bestimmtes Level erreicht haben. Die Maid muss sich geborgen fühlen können. All das sehe ich noch nicht als gegeben an!"
Mein Gegenüber nickt. Sein Blick hat etwas Gefühlvolles.
"Du bist im Recht, bist du. Ich habe dir gelassen freie Hand bei der Gestaltung des Nachmittages. Dazu nicht nur gehören die Orte, an denen du mit mir willst sein, sondern auch die Themen, über die du mit mir willst sprechen..."
"Hm," mache ich, und schaue ihn zweifelnd an. "Wir haben über so vieles getextet. Über das alles möchte ich mit dir gerne Aug in Aug reden. Ich halte das für authentischer..."
"Dann anfangen wir..." meint er mit einem gewinnenden Lächeln.
Ich überlege kurz, werfe dann aber jede Planung über den Haufen, mit der ich das Gespräch zu steuern vorgehabt habe.
"Das Wort 'DD-Lifestyle', das des Öfteren in unseren Gesprächen gefallen ist, impliziert, dass man danach lebt - rund um die Uhr. Geht das auch kurzzeitig? Also ich meine für ein paar Stunden, einen Tag oder ein Wochenende?"
Seine Augen lachen.
"Natürlich, du kannst," antwortet er und legt seine Hand sanft auf meine.
"Ich hatte mir den restlichen Abend so vorgestellt, dass wir das hiesige Wattenmuseum besuchen. Dann sollten wir getrennt schlafen und morgen Vormittag hast du Zeit in deine Unterkunft zurück zu fahren."
Er nickt dazu und meint:
"So wir können tun es."
"Hast du schon ein Zimmer für die Nacht?" frage ich nun praktischerweise.
Er schüttelt den Kopf und verneint die Frage. Also wende ich mich an die Bedienung.
"Hat der Pub eigentlich auch Fremdenzimmer, Jeanette?"
"Ja," antwortet sie, "allerdings nur vier. Sie liegen hinten raus..."
"Okay, habt ihr für diese Nacht ein Bett mit Frühstück frei?"
"Ich schaue einmal..." meint sie und dreht sich nach einem Kalender an der Wand um. "Ja, ein Zimmer ist frei in der kommenden Nacht."
Sie schaut von mir zu Eamon und wieder zurück zu mir. Mein Gegenüber nimmt das Heft auf und sagt:
"Okay, dann ich miete das Zimmer."
"Das kostet 40 Euro, zahlbar sofort!" sagt sie und lächelt ihn freundlich an.
Mein Gegenüber zückt eine lederne Geldbörse mit vielen Fächern und legt die geforderten Euros auf den Tresen. Jeanette sammelt sie sogleich ein und lässt sie in der Kasse verschwinden. Der Earl erhält einen Bon und muss sich in ein Buch eintragen. Daraus schreibt Jeanette den Namen auf den Kalender an der Wand. Sie fragt:
"Wünschen Sie ein kontinentales Frühstück oder ein Irish Breakfast aus der Karte?"
Er verharrt kurz an der Tür und schaut in die Runde. Dann zeigt sich ein feines Lächeln auf den Lippen und er nähert sich meinem Platz am Tresen. Als Erstes ordert er Tee bei der Bedienung. Während Jeanette die Bestellung fertigmacht, wendet er sich mir zu. Er sagt:
"Sie sind Lara, sind Sie?"
Ich habe ein Bein ausgestreckt und den Fuß auf die Querstrebe des Barhockers gestellt. Nun nicke ich ihm freundlich zu und antworte:
"Stimmt, das bin ich! Und Sie sind Earl Eamon Chiarraí?"
"In der Tat!" antwortet er nun in einem ungewohnten Dialekt. Auch die verwendete Grammatik lässt mich innerlich lächeln. "Wir haben getextet miteinander über die unterschiedlichsten Themen. Eins davon ist gewesen die DD-Beziehung. Ich sehe, wir sind beide gekleidet als bestünde zwischen uns ein solches..."
"Das sieht erst einmal nur so aus, Earl of Chiarraí!" beeile ich mich, ihm zu versichern. Ich möchte nicht, dass dieser Eindruck zu früh zu bestimmten Schlüssen führt.
"Natürlich," versichert mir mein Gegenüber schnell. "Ich habe nur Ausdruck verliehen meinem ersten Eindruck."
Nun runzele ich aber doch die Stirn und sage:
"In Deutsch heißt der Satz richtig: 'Ich habe nur meinem ersten Eindruck Ausdruck verliehen...'"
In den Augen meines Gegenübers blitzt es auf. Unwillkürlich senke ich den Blick. Mein Lächeln verschwindet.
"'Master' reicht als Anrede, erst einmal," meint er.
Ich bleibe einen Moment stumm. In mir arbeitet es.
"Wir kennen uns noch nicht wirklich, Eamon!" nutze ich die Anrede mit dem Vornamen, die im Internet üblich ist. "Also bleibt das 'Master' erst einmal unausgesprochen! Den Titel muss sich der Herr verdienen. Darüber haben wir auch getextet: Eine DD-Beziehung kann auch schon eine Freundschaft sein. Vertrauen und Zuneigung muss ein bestimmtes Level erreicht haben. Die Maid muss sich geborgen fühlen können. All das sehe ich noch nicht als gegeben an!"
Mein Gegenüber nickt. Sein Blick hat etwas Gefühlvolles.
"Du bist im Recht, bist du. Ich habe dir gelassen freie Hand bei der Gestaltung des Nachmittages. Dazu nicht nur gehören die Orte, an denen du mit mir willst sein, sondern auch die Themen, über die du mit mir willst sprechen..."
"Hm," mache ich, und schaue ihn zweifelnd an. "Wir haben über so vieles getextet. Über das alles möchte ich mit dir gerne Aug in Aug reden. Ich halte das für authentischer..."
"Dann anfangen wir..." meint er mit einem gewinnenden Lächeln.
Ich überlege kurz, werfe dann aber jede Planung über den Haufen, mit der ich das Gespräch zu steuern vorgehabt habe.
"Das Wort 'DD-Lifestyle', das des Öfteren in unseren Gesprächen gefallen ist, impliziert, dass man danach lebt - rund um die Uhr. Geht das auch kurzzeitig? Also ich meine für ein paar Stunden, einen Tag oder ein Wochenende?"
Seine Augen lachen.
"Natürlich, du kannst," antwortet er und legt seine Hand sanft auf meine.
"Ich hatte mir den restlichen Abend so vorgestellt, dass wir das hiesige Wattenmuseum besuchen. Dann sollten wir getrennt schlafen und morgen Vormittag hast du Zeit in deine Unterkunft zurück zu fahren."
Er nickt dazu und meint:
"So wir können tun es."
"Hast du schon ein Zimmer für die Nacht?" frage ich nun praktischerweise.
Er schüttelt den Kopf und verneint die Frage. Also wende ich mich an die Bedienung.
"Hat der Pub eigentlich auch Fremdenzimmer, Jeanette?"
"Ja," antwortet sie, "allerdings nur vier. Sie liegen hinten raus..."
"Okay, habt ihr für diese Nacht ein Bett mit Frühstück frei?"
"Ich schaue einmal..." meint sie und dreht sich nach einem Kalender an der Wand um. "Ja, ein Zimmer ist frei in der kommenden Nacht."
Sie schaut von mir zu Eamon und wieder zurück zu mir. Mein Gegenüber nimmt das Heft auf und sagt:
"Okay, dann ich miete das Zimmer."
"Das kostet 40 Euro, zahlbar sofort!" sagt sie und lächelt ihn freundlich an.
Mein Gegenüber zückt eine lederne Geldbörse mit vielen Fächern und legt die geforderten Euros auf den Tresen. Jeanette sammelt sie sogleich ein und lässt sie in der Kasse verschwinden. Der Earl erhält einen Bon und muss sich in ein Buch eintragen. Daraus schreibt Jeanette den Namen auf den Kalender an der Wand. Sie fragt:
"Wünschen Sie ein kontinentales Frühstück oder ein Irish Breakfast aus der Karte?"
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