Dienstag, 9. November 2021
Cuiraraill -05-
Nun schüttele ich den Kopf und meine:
"Ich mich etwas umschauen möchte gerne."

"Okay," antwortet sie mir. "Wenn Sie weitere Fragen haben: Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung!"

Nun nicke ich wieder und beginne an den Regalen entlang zu gehen. Master Franck scheint viel Liebe zum Detail zu haben. Die meisten Skulpturen haben Tier- oder Pflanzenmotive. Es gibt aber auch einige Skulpturen mit Menschen in den unterschiedlichsten Situationen beim Arbeiten in der Natur oder als Pärchen, einander zugewandt.

Plötzlich bleibe ich stehen. Vor mir im Regal steht die Skulptur eines keltischen Druiden. Er trägt einen Beutel an der Hüfte und hat eine kleine Sichel in der Hand. Ich nehme sie aus dem Regal und schaue mich nach Mary um. Sie wischt Staub in der Nähe.

"Hallo, Mary," mache ich sie auf mich aufmerksam. "Wieviel kosten soll diese Statue?"

Sie nähert sich mir und schaut auf das Regal. Dann lächelt sie und sagt:

"Diese wunderbare Statue eines keltischen Druiden soll 350 Euro kosten. Schauen Sie, wie sie gearbeitet wurde. Herr Franck hat sich beim Herausarbeiten an der Maserung des Holzes orientiert."

"Sie ist sicher wert ihr Geld, Mary," entgegne ich ihr. "Herr Franck bestimmt auch ein Meister seines Faches ist. Wären glatte 300 Euro noch okay auch?"

Mary macht ein Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

"Ich könnte Ihnen 330 Euro anbieten," meint sie. "Oder ich müsste den Herrn in der Werkstatt fragen gehen."

"Ja, bitte," antworte ich.

"Darf ich Sie bitten, mich zu begleiten?" fordert sie mich nun höflich auf.

Ich folge ihr zu einer Tür. Sie öffnet sie und macht wieder einen Curtsey. In dieser Stellung spricht sie den Mann an, der dort an einem Tisch mit einer Tischplatte sitzt, die sicher eine Handbreit dick ist. Er trägt eine lederne Schürze und bearbeitet ein Holz mit einem speziellen Meißel. Dabei murmelt er etwas.

Als er Mary hört, schaut er auf und lächelt mir zu. Er legt Werkzeug und Werkstück auf den Tisch und erhebt sich. Auch Mary erhebt sich. Master Franck nähert sich uns und verbeugt sich leicht.

"Ah, Mylord," begrüßt er mich, "willkommen in meinem bescheidenen Heim! Sie interessieren sich für meine Arbeit?"

"Ja, Master Franck," bestätige ich ihm seine Annahme. "Aber es geht mir um mehr eigentlich. Ich hörte, ihre Maid stammt aus Irland wie ich. Master Schmidt hat mich ja ihnen allen vorgestellt vor einigen Wochen und so Sie wissen von meinem Projekt. Hätten Sie Interesse, mitzuarbeiten daran? Wir wären schon einmal drei Personen dann, Sie, ich und mein Freund Master Murchadh, ein Dochtuir -Arzt-. Aber besser die Bezeichnung Leigheas -Heiler- es trifft, da er hat studiert auch die alte Heilkunst der Kelten."

"Kommen Sie, setzen wir uns," fordert mich Master Franck nun auf und fragt Mary nach Tee und Gebäck.

Danach führt er mich an einen niedrigen Tisch. Er bietet mir Patz auf einem Hocker an und setzt sich auf einen anderen übereck. Die Beine legt er überkreuz wie im Schneidersitz. Ich mache es nach. Als Mary den Tee herangebracht hat, geht sie auf die Knie und schenkt Master Franck eine Tasse aus, die dieser an mich weiterreicht. Ich erlebe wieder das gleiche Ritual, wie vor Wochen an dem großen Tisch in der Taverne. Schließlich sagt Master Franck:

"Mary und ich haben in Irland eine landestypische Hochzeit gefeiert. Dabei haben wir die Nachkommen ihrer Familie kennengelernt, die damals in der Heimat blieben, als ihre Vorfahren nach Kanada ausgewandert sind. Das Land hat einen besonderen Reiz. Aber ihr Angebot darf nicht den Ruch eines Abwerbens erhalten!
Ich schlage vor, da ich dieses Land faszinierend finde, werden wir unsere Urlaube demnächst dort verbringen. Vielleicht ziehen wir in ein paar Jahren ganz dorthin und verbinden die Holzbildhauerei mit ihrem Projekt."

"Okay," gebe ich mich erst einmal mit dieser Auskunft zufrieden. "Aber noch ein oder zwei Dinge da wären, auf die ich möchte ansprechen Sie, Master Franck:
Master Schmidt davon gesprochen hat, dass ich mir aneignen soll den Umgang mit einer antiken Distanzwaffe, begleitend zum Aneignen der Tugenden der Samurai, nach denen alle Master scheinbar leben hier. Wenn ich überlege nun, welche Waffen aus den vergangenen 3000 Jahren in irischen Museen sind ausgestellt, mir nur Speer und Steinschleuder einfällt."

"Ihrem Gesichtsausdruck entnehme ich, dass Sie mit diesen Waffen nicht so glücklich sind," lächelt mich Master Franck an.

Ich nicke.

"Sie tendieren eher zu einer Fechtwaffe?" fragt Master Franck weiter.

"Ja," antworte ich. "Aber kann man sich genauso gut meditativ versenken damit? In Bezug auf Pfeil und Bogen Master Schmidt sagte, ich solle werden gedanklich zum Pfeil und ihn so führen ins Ziel."

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