Montag, 1. November 2021
Cuiraraill -01-
hermann-jpmt, 10:47h
-Der Earl of Chiarraí-
Wieder einmal erreicht uns in aller Frühe eine Email aus Nihon. Tanaka-San von der Bunrei no Shima schreibt darin, dass sich neben Prabal Jagan in Bangla Desh eine weitere Möglichkeit ergeben könnte ein globales Netzwerk unseres Lebenstils aufzubauen. Dieses Mal würde Tanaka-San die Betreuung des neuen Projektes gerne vollständig in unsere Hände legen. Finanziellen Anschub würde das Projekt nicht benötigen, da der Initiator sehr vermögend sei, schreibt Tanaka-San.
Dann kommt er auf den Punkt: Eine Filmproduktionsgesellschaft aus den USA hat vor vielen Jahren an der felsigen Küste Irlands Kulissen für einen Film erbaut, die jetzt nicht mehr gebraucht werden. Anfangs hat es Tourismus von Fans gegeben, der nun abgeebbt ist. Auch nagt der Zahn der Zeit inzwischen sehr an den Kulissen. Der Besitzer des Landes, ein irischer Graf, hat sie daher preiswert erstanden und möchte sie zu einem Ort ähnlich Hagenholt ausbauen. Nun sollen wir uns wohlwollend um das Projekt kümmern und dem Herrn unter die Arme greifen.
Zuerst einmal laden wir den Earl nach Deutschland ein. Eine gute Woche später kommt Ruri-chan, meine Magd, zu mir ins Büro.
"Konnichiwa, Okyaku-Sama. Ein Mister Iarla Eamon Chiarraí aus Irland ist in Hagenholt angekommen. Ich habe ihn auf dem Marktplatz getroffen."
"Hast du ihn an Herrn Loose weitervermittelt?"
"Das habe ich, Schmidt-San."
"Okay, arigatou gozaimasu -danke sehr-, Airi -Liebes-."
Ich schließe meine aktuelle Arbeit als Ortsvorsitzender von Hagenholt ab und gehe zum Baraetishiata -Varieté-Theater- hinüber. Im Schankraum sitzen ein paar Besucher. Also gehe ich zum Tresen und betätige die Glocke.
Herr Loose streckt seinen Kopf durch die halboffene Küchentür, erkennt mich und lächelt. Er kommt an den Tresen und sagt:
"Hallo, Herr Schmidt. Unser Gast bezieht gerade ein Gästezimmer. Gabi zeigt ihm im Augenblick die Herberge. Er wird danach zum Essen zurückkommen. Möchten sie solange bei einem Tee warten?"
"Gerne," antworte ich, und setze mich an einen Tisch.
Herr Loose wendet sich um, betritt die Küche und bringt mir kurz darauf eine kleine Teekanne, Tasse und etwas Gebäck. Ich warte nicht lange, da betritt ein rotblonder Mann in grau-grüner Kombination den Schankraum. Über einer weiten Hose, die die Waden eng umschließt, kleidet er sich in eine grüne Jacke und eine ebensolche Weste. Darunter trägt er ein weißes Hemd mit einer grünen Schleife um den Hals. Auf dem Kopf sitzt eine Mütze mit grau-grünem Karo. In der Hand hält er eine Mappe.
Ich erhebe mich und weise ihm höflich den Platz mir gegenüber zu. Gabi huscht derweil in die Küche.
"Hello, Sir. Sie sind Earl Eamon Chiarraí aus Irland? Bitte, setzen Sie sich doch! Ich heiße übrigens Schmidt und bin der Ortsvorsitzende hier."
Kurz ist wieder Herrn Looses Gesicht in der Küchentür zu sehen, dann bringt Gabi auch dem neuen Gast sein Teegedeck, während er Platz nimmt und seine Mappe neben sich auf den Tisch legt.
"Hello, Master Schmidt. Nice to see you. Tanaka-San hat verwiesen mich an Sie. Ich habe berichtet ihm von meinem, zugegebenermaßen noch etwas unausgegorenem Projekt. Daraufhin er sprach davon, dass ähnliches existiert schon hier," erklärt der Fremde und nickt.
"Sie haben Unterlagen dabei, wie ich sehe, Mylord," entgegne ich neugierig und schmunzele über seinen Akzent.
"Selbstverständlich!" antwortet der Mann und schiebt mir die Mappe über den Tisch zu.
Ich nehme sie auf und öffne sie. Als erstes fallen mir einige Bilder ins Auge von mehreren steinernen Bienenwaben, die am Rand einer steil abfallenden Felsküste kleben. Sie gruppieren sich um einen Platz, auf dem eine steinerne Skulptur steht, die aussieht wie ein Baum, in den ein Blitz gefahren sein muss. Bevor ich mich mit der Beschreibung beschäftige, lasse ich den Earl sein Projekt vorstellen. Er erzählt:
"Die Kulissenstadt aus einem Metallgerippe mit Styroporfüllungen besteht, die mit Spezialfarbe besprüht wie roh behauener Schiefer aussieht. Für die Dauer der Filmaufnahmen das war am kostengünstigsten. Als dauerhafte Behausungen die Gebäude eignen sich so jedoch nicht. Ich habe vor, die Bauwerke eins nach dem Anderen abzureißen und in Stein wieder aufzubauen. Innen sie sollen verputzt und zwei- bis dreistöckig ausgelegt werden. Ein Bach in der Nähe fließt vorbei und stürzt ins Meer in einem schmalen Wasserfall. Hieraus sich Trinkwasser und elektrischer Strom gewinnen lässt."
"Die Siedlung sollte zum Selbstversorger werden und möglichst Produkte herstellen, die sich verkaufen lassen!" werfe ich ein.
"Daran ich habe gedacht!" meint der Earl lächelnd und führt aus: "Wir Schafe um die Siedlung herum weiden lassen werden. Wolle, Fleisch und Leder verarbeitet werden und was nicht verbraucht wird in der Siedlung, wird verkauft ins Umland."
Inzwischen haben wir unsere Teekannen geleert. Ich verabschiede mich von dem Gast mit den Worten:
"Sie haben sicher Machbarkeitsstudien anfertigen lassen, mit deren Hilfe Sie Bankkredite erhalten? Auch wird man hier von einem hohen Eigenkapitalanteil Ihrerseits ausgehen können?" frage ich und schaue ihn skeptisch an.
Wieder einmal erreicht uns in aller Frühe eine Email aus Nihon. Tanaka-San von der Bunrei no Shima schreibt darin, dass sich neben Prabal Jagan in Bangla Desh eine weitere Möglichkeit ergeben könnte ein globales Netzwerk unseres Lebenstils aufzubauen. Dieses Mal würde Tanaka-San die Betreuung des neuen Projektes gerne vollständig in unsere Hände legen. Finanziellen Anschub würde das Projekt nicht benötigen, da der Initiator sehr vermögend sei, schreibt Tanaka-San.
Dann kommt er auf den Punkt: Eine Filmproduktionsgesellschaft aus den USA hat vor vielen Jahren an der felsigen Küste Irlands Kulissen für einen Film erbaut, die jetzt nicht mehr gebraucht werden. Anfangs hat es Tourismus von Fans gegeben, der nun abgeebbt ist. Auch nagt der Zahn der Zeit inzwischen sehr an den Kulissen. Der Besitzer des Landes, ein irischer Graf, hat sie daher preiswert erstanden und möchte sie zu einem Ort ähnlich Hagenholt ausbauen. Nun sollen wir uns wohlwollend um das Projekt kümmern und dem Herrn unter die Arme greifen.
Zuerst einmal laden wir den Earl nach Deutschland ein. Eine gute Woche später kommt Ruri-chan, meine Magd, zu mir ins Büro.
"Konnichiwa, Okyaku-Sama. Ein Mister Iarla Eamon Chiarraí aus Irland ist in Hagenholt angekommen. Ich habe ihn auf dem Marktplatz getroffen."
"Hast du ihn an Herrn Loose weitervermittelt?"
"Das habe ich, Schmidt-San."
"Okay, arigatou gozaimasu -danke sehr-, Airi -Liebes-."
Ich schließe meine aktuelle Arbeit als Ortsvorsitzender von Hagenholt ab und gehe zum Baraetishiata -Varieté-Theater- hinüber. Im Schankraum sitzen ein paar Besucher. Also gehe ich zum Tresen und betätige die Glocke.
Herr Loose streckt seinen Kopf durch die halboffene Küchentür, erkennt mich und lächelt. Er kommt an den Tresen und sagt:
"Hallo, Herr Schmidt. Unser Gast bezieht gerade ein Gästezimmer. Gabi zeigt ihm im Augenblick die Herberge. Er wird danach zum Essen zurückkommen. Möchten sie solange bei einem Tee warten?"
"Gerne," antworte ich, und setze mich an einen Tisch.
Herr Loose wendet sich um, betritt die Küche und bringt mir kurz darauf eine kleine Teekanne, Tasse und etwas Gebäck. Ich warte nicht lange, da betritt ein rotblonder Mann in grau-grüner Kombination den Schankraum. Über einer weiten Hose, die die Waden eng umschließt, kleidet er sich in eine grüne Jacke und eine ebensolche Weste. Darunter trägt er ein weißes Hemd mit einer grünen Schleife um den Hals. Auf dem Kopf sitzt eine Mütze mit grau-grünem Karo. In der Hand hält er eine Mappe.
Ich erhebe mich und weise ihm höflich den Platz mir gegenüber zu. Gabi huscht derweil in die Küche.
"Hello, Sir. Sie sind Earl Eamon Chiarraí aus Irland? Bitte, setzen Sie sich doch! Ich heiße übrigens Schmidt und bin der Ortsvorsitzende hier."
Kurz ist wieder Herrn Looses Gesicht in der Küchentür zu sehen, dann bringt Gabi auch dem neuen Gast sein Teegedeck, während er Platz nimmt und seine Mappe neben sich auf den Tisch legt.
"Hello, Master Schmidt. Nice to see you. Tanaka-San hat verwiesen mich an Sie. Ich habe berichtet ihm von meinem, zugegebenermaßen noch etwas unausgegorenem Projekt. Daraufhin er sprach davon, dass ähnliches existiert schon hier," erklärt der Fremde und nickt.
"Sie haben Unterlagen dabei, wie ich sehe, Mylord," entgegne ich neugierig und schmunzele über seinen Akzent.
"Selbstverständlich!" antwortet der Mann und schiebt mir die Mappe über den Tisch zu.
Ich nehme sie auf und öffne sie. Als erstes fallen mir einige Bilder ins Auge von mehreren steinernen Bienenwaben, die am Rand einer steil abfallenden Felsküste kleben. Sie gruppieren sich um einen Platz, auf dem eine steinerne Skulptur steht, die aussieht wie ein Baum, in den ein Blitz gefahren sein muss. Bevor ich mich mit der Beschreibung beschäftige, lasse ich den Earl sein Projekt vorstellen. Er erzählt:
"Die Kulissenstadt aus einem Metallgerippe mit Styroporfüllungen besteht, die mit Spezialfarbe besprüht wie roh behauener Schiefer aussieht. Für die Dauer der Filmaufnahmen das war am kostengünstigsten. Als dauerhafte Behausungen die Gebäude eignen sich so jedoch nicht. Ich habe vor, die Bauwerke eins nach dem Anderen abzureißen und in Stein wieder aufzubauen. Innen sie sollen verputzt und zwei- bis dreistöckig ausgelegt werden. Ein Bach in der Nähe fließt vorbei und stürzt ins Meer in einem schmalen Wasserfall. Hieraus sich Trinkwasser und elektrischer Strom gewinnen lässt."
"Die Siedlung sollte zum Selbstversorger werden und möglichst Produkte herstellen, die sich verkaufen lassen!" werfe ich ein.
"Daran ich habe gedacht!" meint der Earl lächelnd und führt aus: "Wir Schafe um die Siedlung herum weiden lassen werden. Wolle, Fleisch und Leder verarbeitet werden und was nicht verbraucht wird in der Siedlung, wird verkauft ins Umland."
Inzwischen haben wir unsere Teekannen geleert. Ich verabschiede mich von dem Gast mit den Worten:
"Sie haben sicher Machbarkeitsstudien anfertigen lassen, mit deren Hilfe Sie Bankkredite erhalten? Auch wird man hier von einem hohen Eigenkapitalanteil Ihrerseits ausgehen können?" frage ich und schaue ihn skeptisch an.
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