Sonntag, 3. Oktober 2021
Yamato Nadeshiko -136-
Er weiß nicht recht, was die Maid vorhat, erhebt sich aber. Ich bedeute Mama, ebenfalls aufzustehen und erhebe mich auch. Zu Viert gehen wir zu einer flachen Empore an einer der Schmalwände. Zwei weitere Maids sind hinzugetreten. Eine der Maids zückt eine Polaroid-Kamera und mach nun ein Gruppenfoto von uns mit zwei der Maids. Dann werden wir unter Kichern wieder zu unserem Tisch zurück geleitet, wo inzwischen unser Essen steht.

Die Maid, die serviert hat, flötet:
"Oishiku naaaare -Sei köstlich-!"

Wir werden gefragt, welche Manga-Figuren wir mögen. Hier mische ich mich für meine ehrenwerten Eltern wieder ein. Ich sage:

"Meijo aru masuta no tame ni on'nanoko o, karera wa rippana josei no tame ni panda-o, soshite watashi no tame ni oji o egaite, kudasai. -Malen Sie dem ehrenwerten Meister ein Mädchen, der ehrenwerten Dame einen Panda und mir gerne einen Prinzen-!" Dabei zwinkere ich ihr zu.

Sie schreitet zur Tat und nimmt eine Soßenflasche, um das Gericht damit wie gewünscht zu verschönern. Anschließend sollen wir mit Daumen und Fingern ein Herz formen und laut "MOE, MOE, KYUN!" sagen. Sie sagt es ebenfalls, im Chor mit uns. (Süß, süß, 'Herzenswärme')

Damit sollen wir das Essen magisch aufladen.
Anschließend essen wir. Papa findet allmählich Gefallen an der Atmosphäre des Maidcafes und so bestellen wir noch ein süßes Dessert, das auch wieder ein Bild mit Zuckercouleur aufgemalt bekommt.

Die Maid wünscht jedesmal "Itadakimaaaaaasu, Sama -Guten Appetit, die Herrschaften-!"

Als wir nochmal jeder einen Tee bekommen haben, frage ich nach der Rechnung:

"Okanjou wo onegai shimasu -Könnte ich die Rechnung bitte haben-?"

Nachdem ich das Blatt mit allen Bestellungen in Händen habe, erheben wir uns und gehen zur Kasse am Ausgang. Wir haben für das Erlebnis 54Euro bezahlt. Darunter ist eine Sitzplatzgebühr, die Menüs mit dem Polaroidfoto und endlich die Desserts.

Als Souvenir erhält Mama beim Hinausgehen eine Keksdose.

Auf der Heimfahrt spricht Papa das Ereignis vor dem Veranstaltungszelt an. Ich runzele die Stirn und meine:

"Es gibt immer und überall ein paar Jugendliche, die nichts anderes verstehen. Die musst du dann zu nehmen wissen, liebster Papa. Ich fühle mich für euch verantwortlich, weil ich euch in diese Lage gebracht habe.
Ob du mich nun als wohlerzogene Tochter siehst, wie du mich gegenüber unseren Gästen oft bezeichnet hast - worüber ich sehr stolz bin! -, oder ob ich mich in der Funktion der Gesellschafterin sehen würde... Beides kommt zum gleichen Ergebnis. Ich habe euch beide lieb und möchte euch beide nicht missen.
Dann muss ich auch einmal zu solchen Mitteln greifen!"

"Lernt man als Zofe die Anwendung der Selbstverteidigung?" fragt er. Dabei haben sich auf seiner Stirn Falten entwickelt.

"Nein, nicht wirklich," antworte ich. "Die Ausbildung der Agentur damals war schon sehr umfangreich. Die Themen wurden trotzdem nur kurz beleuchtet. Während der Arbeit in der Familie vervollkommnen wir unsere Ausbildung quasi selbst.
Später als Lehrerin auf der Bunrei no Shima -Insel der beseelten Steine- habe ich die Möglichkeit erhalten, einen Kurs in Ju-Jutsu zu machen. Diese Selbstverteidigungstechnik lässt sich schnell erlernen."

"Und du hast die Möglichkeit sofort genutzt," stellt er fest.

Mama versucht Papa zu stoppen, indem sie mit vorwurfsvoller Stimme "Youki-San!" einwirft.

Ich lächele sie an und erkläre Papa:
"Eine Yamato Nadeshiko ist ihrem Otto -Ehemann- gleichzeitig eine gute Hausfrau, eine erfahrene Geisha und wenn es sein muss auch ein Samurai. Was mir zurzeit noch fehlt ist nur der Ehemann. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben!"

*

Einige Wochen nach dem Besuch des Maidcafes zeige ich den ehrenwerten Eltern eine DVD, die mir der ehrenwerte Tanaka-San von der Bunrei no Shima auf meine Anfrage hin zugesandt hat.

Dort wird über den Betrieb des Restaurants und des Varieté-Theaters auf der Insel berichtet. Man kann die Abläufe beobachten. Auch eine Vorstellung im Theater wird gezeigt.

Ich frage Papa:
"Du hast so ein informatives Buch geschrieben, rippana Chichi -ehrenwerter Papa-! Könntest du dir vorstellen die Gastronomie auf der Insel zu leiten? Das ist ein Verwaltungsposten, bei dem du keine Angst haben musst, noch einmal in so eine Lage zu kommen, wie damals. Du kannst den Rat der Ärzte befolgen und trotzdem arbeitest du mit Nahrungsmitteln!"

Es braucht einige Tage, bis Papa meint:
"Will der ehrenwerte Tanaka-San denn eine solche Position besetzen? Bisher scheint es diese Position ja noch nicht zu geben, denn sonst wäre sie sicherlich nicht frei für mich?"

"Ich habe mit dem ehrenwerten Herrn geredet. Bisher hat sich sein Büro auch darum gekümmert. Diese Sparte würde dann ausgegliedert. Tanaka-San bekäme etwas Luft und der Einkauf wäre effizienter, meint er. Er hat mit seinem rippana Otou-San -ehrenwerten Vater-, dem Kanrisha -Ortsvortsteher- Tanaka-Sama gesprochen und dieser ist einverstanden. Du musst dich nur noch entscheiden! Vielleicht für eine Probezeit zuerst einmal."

Zwei Wochen später fliegen wir mit der All Nippon Airlines von Düsseldorf nach Kyoto und landen nach einem 14stündigem Flug auf dem International Airport Kansai außerhalb der alten Kaiserstadt. Mit dem Zug kommen wir in die Stadt und fahren von dort weiter nach Maizuru, das wir nach weiteren zwei Fahrstunden erreichen. Insgesamt sind wir beinahe einen Tag unterwegs, als wir uns von einem Cab zu dem Werftgelände meines früheren Arbeitgebers fahren lassen.

Dort führt man uns in einen Warteraum, in dem eine Menge Prospekte der Werft ausliegen und lässt uns Tee servieren. Gleichzeitig fragt der Mann an der Pforte in der Verwaltung an, ob sich dort jemand mit Tanaka-Sama auf der Bunrei no Shima in Verbindung setzen könnte.

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