Freitag, 1. Oktober 2021
Yamato Nadeshiko -135-
hermann-jpmt, 12:09h
Anschließend klingt der Abend in einer leichten Plauderei aus und wird sicher für alle Anwesenden zu einem unvergesslichen Erlebnis. Vereinzelt bekomme ich sogar Angebote, die Moderation von Festen der anwesenden Gäste zu übernehmen. Ich sage bedingt zu, denn mein Arbeitsfeld sehe ich zuvorderst in der eigenen Familie. Als wohlerzogene Tochter ist mir das familiäre Klima zu allererst wichtig. Erst, wenn ich zuhause alles in Ordnung weiß, kann ich für einen Nachmittag einmal außerhäusig tätig werden.
Den lieben Papa animiere ich in der Folgezeit dazu, ein Buch über seine Arbeit als Küchenchef zu schreiben. Darin dürfen gerne Anekdoten zu lesen sein. Das Hauptaugenmerk soll er dabei aber auf selbst erprobte Rezepte legen und deren Vorteil in Sachen Gesundheit und Geschmack gegenüber ähnlichen Rezepten herausstellen. Auch wenn sich kein Verlag dafür interessiert, so sehe ich allein in der Tätigkeit eine Art Therapie für meinen rippana Otou-San -ehrenwerten Vater-.
*
Nachdem ich länger als ein Jahr zurück in Düsseldorf bin, will ich einmal ein Experiment wagen. Dazu suche ich im Internet nach Maid-Cafes. Leider gibt es in Düsseldorf nur ein Event-Cafe, das auf Cons besucht werden, oder man für Firmenfeiern mieten kann. Also muss ich nach Terminen von Veranstaltungen dieser Pop-Kultur suchen. Zufällig finde ich eine Telefonnummer des Veranstalters von Maid-Cafes und frage dort an, ob es während einer solchen 'Con' Zeiten im Tageslauf gibt, an denen weniger los ist.
Ich erkläre, dass ich in Japan langjährig als Gesellschafterin tätig gewesen bin und nun meine Eltern betreue, nach einem schweren Einschnitt in deren Leben. Meine verehrten Eltern möchte ich nicht zu sehr der Popkultur aussetzen und sie damit vielleicht schockieren. Andererseits möchte ich ihnen zeigen, wie es sein könnte, wenn sie in Japan von Dienstmädchen bedient werden.
Der Veranstaltungsmanager fragt nun ab, welche Vorstellungen ich denn habe. Ich beschreibe ihm nun einen Besuch im Restaurant auf der Bunrei no Shima. Man hört ihn am Telefon regelrecht lächeln. Er meint, ich solle mit meinen lieben Eltern gegen 13 Uhr kommen. Die Mittagszeit ist traditionell gering besucht und die Kaffeezeit beginnt erst später.
Infolge schaue ich mir die Veranstaltungstermine an und wähle einen Freitag. Ich sende ihm per E-Mail meine Vorstellungen und frage, ob der von mir ausgewählte Termin klappt. Ich erhalte eine Zusage und fahre als nächstes mit Papa zu einem Kostümverleih. Dort verpasse ich ihm einen Anzug, wie der den er zuletzt als Bräutigam meiner lieben Mama getragen hat. Nun hat er eine graue faltenreiche Hose, ein weißes Hemd und eine dunkelblaue knielange Jacke an.
An dem vereinbarten Termin im Maidcafe helfe ich Mama in ihren wunderschönen Hikifurisode. Anschließend stecke ich ihr Haar hoch und schminke sie dezent. Dann rufe ich ein Taxi und lasse uns zu dem Veranstaltungsgelände fahren. Ich selbst habe meine Zofenuniform angelegt, die ich bei der Familie Amatsuka getragen habe.
Vom Taxihalteplatz bis zum Maidcafe müssen wir noch ein Stück gehen. Leider sind manche Jugendliche nicht sehr mit Intelligenz gesegnet. So haben wir bald ein Gefolge von einem halben Dutzend jungen Männern, die uns auslachen und schlechte Witze reißen. Ich habe Mama den Plan des Geländes gegeben und unser Ziel darauf markiert, damit ich stilecht einen halben Schritt hinter ihnen hergehen kann.
Als einer der jungen Männer uns zu nahe kommt und seine Finger nicht bei sich halten kann, fliegt er durch die Luft und reißt gleich zwei seiner Kumpane mit zu Boden. Ich habe mich zu ihnen umgedreht, bin ihn Kampfstellung und frage:
"Will noch jemand etwas?"
Die drei zu Boden gegangenen jungen Männer rappeln sich auf und schütteln mit dem Kopf. Anschließend werden wir in Ruhe gelassen.
Als wir das Veranstaltungszelt erreichen, mache ich ein paar schnelle Schritte, umrunde meine rippana ryoshin -ehrenwerten Eltern- und öffne schwungvoll die Doppeltür des Eingangs, um sofort zur Seite zu treten und meine Eltern vorbei zu lassen.
Eine junge Frau in der Uniform französischer Dienstmädchen mit Schnallenschuhen aus glänzendem Lackleder, weißer Strumpfhose, oberschenkellangen rosa Kleid mit Petticoat darunter und Rüschenschürze darüber, steht in der Nähe des Eingangs und wendet nun den Kopf zu uns. Sie zeigt zuerst einen erstaunten Gesichtsausdruck, fängt sich aber überraschend schnell und flötet uns an:
"Okaeri nasaimaaaaase, Goshujin-sama! Okaeri nasaimaaaaase, Ojou-Sama! -Willkommen zuhause, mein Meister! Willkommen zuhause, meine Dame!"
Dann dreht sie sich in den Raum und ruft:
"San-Ri no shinshi ga kaette kimashita ? drei Herrschaften sind nachhause gekommen."
Sie dreht sich zu uns zurück und fragt:
"Go yoyaku wa sareteimasu ka -Haben Sie reserviert-?"
Ich verbeuge mich ein wenig und erkläre, dass ich unser Kommen im Vorfeld mit dem Veranstalter abgesprochen habe. Nun fragt sie:
"Anata no fusawashi namae o oshiete moraemasu ka -Darf ich Ihren werten Namen erfahren-?"
"Youki!" antworte ich.
Sie schaut auf ihr Tablet, nickt und fordert uns mit einer Handbewegung und einer Verbeugung auf, ihr zu folgen. Sie führt uns zu einem Vierer-Tisch und meint:
"Kochira e douzo, kudasai, Sama -Setzen Sie sich bitte hier, die Herrschaften-."
Wir nehmen Platz. Nun verteilt sie die Menükarte und fragt, ob wir spezielle Wünsche haben oder ob wir eins der Standartmenüs möchten. Ich schaue meine Eltern an und sage dann:
"Wir möchten alle drei das Set A, bitte."
Sie notiert es sich und fragt dann:
"Onomi mono wa, sama -Was möchten Sie trinken-?"
"Min?na no tame no ocha -Ein Glas Tee für jeden."
Sie verbeugt sich und antwortet:
"Arigatou gozaimasu, Sama -Vielen Dank, die Herrschaften-!"
Anschließend verlässt sie uns, um die Bestellung weiterzugeben.
Wenig später steht je ein Glas Tee vor uns. Dann wird Papa angeflötet:
"Issho ni kite, kudaaaasai, Sama -Kommen Sie bitte mit, hoher Herr."
Den lieben Papa animiere ich in der Folgezeit dazu, ein Buch über seine Arbeit als Küchenchef zu schreiben. Darin dürfen gerne Anekdoten zu lesen sein. Das Hauptaugenmerk soll er dabei aber auf selbst erprobte Rezepte legen und deren Vorteil in Sachen Gesundheit und Geschmack gegenüber ähnlichen Rezepten herausstellen. Auch wenn sich kein Verlag dafür interessiert, so sehe ich allein in der Tätigkeit eine Art Therapie für meinen rippana Otou-San -ehrenwerten Vater-.
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Nachdem ich länger als ein Jahr zurück in Düsseldorf bin, will ich einmal ein Experiment wagen. Dazu suche ich im Internet nach Maid-Cafes. Leider gibt es in Düsseldorf nur ein Event-Cafe, das auf Cons besucht werden, oder man für Firmenfeiern mieten kann. Also muss ich nach Terminen von Veranstaltungen dieser Pop-Kultur suchen. Zufällig finde ich eine Telefonnummer des Veranstalters von Maid-Cafes und frage dort an, ob es während einer solchen 'Con' Zeiten im Tageslauf gibt, an denen weniger los ist.
Ich erkläre, dass ich in Japan langjährig als Gesellschafterin tätig gewesen bin und nun meine Eltern betreue, nach einem schweren Einschnitt in deren Leben. Meine verehrten Eltern möchte ich nicht zu sehr der Popkultur aussetzen und sie damit vielleicht schockieren. Andererseits möchte ich ihnen zeigen, wie es sein könnte, wenn sie in Japan von Dienstmädchen bedient werden.
Der Veranstaltungsmanager fragt nun ab, welche Vorstellungen ich denn habe. Ich beschreibe ihm nun einen Besuch im Restaurant auf der Bunrei no Shima. Man hört ihn am Telefon regelrecht lächeln. Er meint, ich solle mit meinen lieben Eltern gegen 13 Uhr kommen. Die Mittagszeit ist traditionell gering besucht und die Kaffeezeit beginnt erst später.
Infolge schaue ich mir die Veranstaltungstermine an und wähle einen Freitag. Ich sende ihm per E-Mail meine Vorstellungen und frage, ob der von mir ausgewählte Termin klappt. Ich erhalte eine Zusage und fahre als nächstes mit Papa zu einem Kostümverleih. Dort verpasse ich ihm einen Anzug, wie der den er zuletzt als Bräutigam meiner lieben Mama getragen hat. Nun hat er eine graue faltenreiche Hose, ein weißes Hemd und eine dunkelblaue knielange Jacke an.
An dem vereinbarten Termin im Maidcafe helfe ich Mama in ihren wunderschönen Hikifurisode. Anschließend stecke ich ihr Haar hoch und schminke sie dezent. Dann rufe ich ein Taxi und lasse uns zu dem Veranstaltungsgelände fahren. Ich selbst habe meine Zofenuniform angelegt, die ich bei der Familie Amatsuka getragen habe.
Vom Taxihalteplatz bis zum Maidcafe müssen wir noch ein Stück gehen. Leider sind manche Jugendliche nicht sehr mit Intelligenz gesegnet. So haben wir bald ein Gefolge von einem halben Dutzend jungen Männern, die uns auslachen und schlechte Witze reißen. Ich habe Mama den Plan des Geländes gegeben und unser Ziel darauf markiert, damit ich stilecht einen halben Schritt hinter ihnen hergehen kann.
Als einer der jungen Männer uns zu nahe kommt und seine Finger nicht bei sich halten kann, fliegt er durch die Luft und reißt gleich zwei seiner Kumpane mit zu Boden. Ich habe mich zu ihnen umgedreht, bin ihn Kampfstellung und frage:
"Will noch jemand etwas?"
Die drei zu Boden gegangenen jungen Männer rappeln sich auf und schütteln mit dem Kopf. Anschließend werden wir in Ruhe gelassen.
Als wir das Veranstaltungszelt erreichen, mache ich ein paar schnelle Schritte, umrunde meine rippana ryoshin -ehrenwerten Eltern- und öffne schwungvoll die Doppeltür des Eingangs, um sofort zur Seite zu treten und meine Eltern vorbei zu lassen.
Eine junge Frau in der Uniform französischer Dienstmädchen mit Schnallenschuhen aus glänzendem Lackleder, weißer Strumpfhose, oberschenkellangen rosa Kleid mit Petticoat darunter und Rüschenschürze darüber, steht in der Nähe des Eingangs und wendet nun den Kopf zu uns. Sie zeigt zuerst einen erstaunten Gesichtsausdruck, fängt sich aber überraschend schnell und flötet uns an:
"Okaeri nasaimaaaaase, Goshujin-sama! Okaeri nasaimaaaaase, Ojou-Sama! -Willkommen zuhause, mein Meister! Willkommen zuhause, meine Dame!"
Dann dreht sie sich in den Raum und ruft:
"San-Ri no shinshi ga kaette kimashita ? drei Herrschaften sind nachhause gekommen."
Sie dreht sich zu uns zurück und fragt:
"Go yoyaku wa sareteimasu ka -Haben Sie reserviert-?"
Ich verbeuge mich ein wenig und erkläre, dass ich unser Kommen im Vorfeld mit dem Veranstalter abgesprochen habe. Nun fragt sie:
"Anata no fusawashi namae o oshiete moraemasu ka -Darf ich Ihren werten Namen erfahren-?"
"Youki!" antworte ich.
Sie schaut auf ihr Tablet, nickt und fordert uns mit einer Handbewegung und einer Verbeugung auf, ihr zu folgen. Sie führt uns zu einem Vierer-Tisch und meint:
"Kochira e douzo, kudasai, Sama -Setzen Sie sich bitte hier, die Herrschaften-."
Wir nehmen Platz. Nun verteilt sie die Menükarte und fragt, ob wir spezielle Wünsche haben oder ob wir eins der Standartmenüs möchten. Ich schaue meine Eltern an und sage dann:
"Wir möchten alle drei das Set A, bitte."
Sie notiert es sich und fragt dann:
"Onomi mono wa, sama -Was möchten Sie trinken-?"
"Min?na no tame no ocha -Ein Glas Tee für jeden."
Sie verbeugt sich und antwortet:
"Arigatou gozaimasu, Sama -Vielen Dank, die Herrschaften-!"
Anschließend verlässt sie uns, um die Bestellung weiterzugeben.
Wenig später steht je ein Glas Tee vor uns. Dann wird Papa angeflötet:
"Issho ni kite, kudaaaasai, Sama -Kommen Sie bitte mit, hoher Herr."
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