Donnerstag, 16. September 2021
Yamato Nadeshiko -129-
In diesem Moment öffnet sich im Hintergrund eine Tür und Tanaka-San in Begleitung einer Meido treten näher. Schnell erkenne ich in der Frau, die angezogen ist wie eine Meido im Cosplay, die ehrenwerte Aneko -ältere Schwester- meiner Herrin. Während sie sich herzlich begrüßen, verbeuge ich mich tief.

Anschließend wendet sich Tanaka-San zum Gehen und fordert uns auf, ihm zu folgen. Er spricht kurz in seinen Kommunikator und kurz darauf gesellt sich ein weiterer Mann zu uns.

Der ältere Mann entsteigt einer Aufzugkabine, als wir die Aufzüge erreicht haben. Tanaka-San macht unseren Piloten mit dem Mann bekannt. Es ist Morishita-San, der Ingenieur der Insel. Während der Pilot sich ihm anschließt, bleiben wir in der Nähe von Tanaka-San und seiner Tsuma -Ehefrau- Tanaka Moe, in ihrem besonderen Outfit.

Die Herren haben beide den traditionellen Anzug an, mit der faltenreichen Hose und der langen Jacke. Die Herrin ist in einen farbenfrohen Kimono gekleidet und ich trage meine Uniform aus dunkelblauem knöchellangem Kleid und weißer Schürze.

Wir nutzen einen Express-Aufzug, der eine höhere Geschwindigkeit erreicht und einige Etagen auslässt. Sanft bremst er schon weit vor dem Ziel ab. Im 15. Stockwerk verlassen wir die Kabine und Tanaka-San führt uns nun einen Gang entlang bis er vor einer Tür anhält. Er hält eine Karte an das Türschloss, das nach einem 'Klack' die Tür aufspringen lässt. Danach übergibt er die Karte an den Herrn und sagt:

"Das wäre Ihre Wohnung, verehrter Takahashi-San. Für die Zofe ihrer verehrten Frau hätte ich daneben ein kleines Appartement. Dort kann Takahashi Kameko sie jederzeit erreichen, wenn nötig."

Der Herr bedankt sich und Tanaka Moe hilft beim Einrichten. Ich schaue zu Tanaka-San interessiert auf und er macht lächelnd eine Handbewegung, die mich auffordert mitzukommen. Nicht weit entfernt öffnet Tanaka-San auf die gleiche Weise eine andere Tür. Er lässt mich eintreten und sagt noch:

"In einer halben Stunde haben Tanaka-San und ich ein Mittagessen für die Gäste vorgesehen. Sie sind gleichfalls dazu eingeladen, Youki-San! Kennen Sie noch die Lage unserer Wohnung von ihrem früheren Aufenthalt?"

Ich verbeuge mich und sage:
"Hai, arigato gozaimasu -Ja, vielen Dank-!"

Tanaka-San geht davon und ich betrete mein Appartement. Ich schaue mich zuerst einmal um. Im Hintergrund befindet sich ein fast wandhohes Fenster, durch das die Vegetation hereinzudrängen scheint. Gleich darunter gibt es Schieber, die im Moment offenstehen. Salzige Meeresluft dringt herein und ein Vogelkonzert ist zu hören. Das gewölbte Fenster ist doppelt verglast und dazwischen liegt eine Jalousie. Unter dem Fenster steht ein Sideboard. Darauf liegt ein Gerät mit drei Knöpfen. Das ist sicher die Fernbedienung der Jalousie. An der Wandseite, in der die Wohnungstür liegt, befindet sich ein wandhoher Schiebetürenschrank. Dem gegenüber hängt ein großer Bildschirm an der Wand und darunter steht ein weiteres Sideboard. An der vierten Wand steht ein Highboard, dessen vordere Tür man herunterklappen kann. Auf den Reisstrohmatten im Raum sind eine Couch platziert und ein niedriger Esstisch.

Nach meiner Betrachtung lege ich meinen Koffer auf die Couch und klappe ihn auf. Einer Eingebung folgend schaue ich auf meine Armbanduhr und entscheide, meinen Koffer lieber später in den Wandschrank zu räumen. Stattdessen gehe ich zu Tanaka-Sans Wohnung.

Dort angekommen, klingele ich. Tanaka Moe öffnet, lächelt mich freundlich an und bittet mich herein. Beim Eintreten sage ich höflich:

"O-jama shimasu -Ich störe jetzt-."

Nun streife ich meine Schuhe ab und stelle sie mit den Spitzen in Richtung Tür in das Schuhregal. Danach schlüpfe ich in ein Paar Pantoffeln und will der Hausherrin -Ushiro kara yuga- in die Küche folgen, um ihr zu helfen, die Speisen aufzutragen. Sie weist jedoch in Richtung Living-Room und meint:

"Gehen Sie schon einmal vor, Youki-San. Der Herr möchte vor dem Essen etwas mit Ihnen bereden."

Also gehe ich weiter und finde Tanaka-San im Seiza vor der Schmalseite des Esstisches.

"Aisatsu, -Hallo-, Youki-San," begrüßt er mich freundlich und deutet auf den Platz an seiner linken Seite.

Ich lasse mich dort nieder und schaue ihn fragend an. Er kommt gleich zur Sache:

"Sie wissen, dass das japanische Frauenideal -Yamato Nadeshiko- propagiert, dass die Frau ihrem Mann Hausfrau, Geisha und Samurai sein soll. Das gilt in kleinen Haushalten. Wenn ein Haushalt nun viele repräsentative Aufgaben hat, stehen der Hausherrin viele Dienstboten zur Seite. Da werden dann die Aufgaben auf die Dienstboten aufgeteilt. Als direkte Ansprechpartnerin für die Herrschaft fungiert jetzt eine Haushälterin. Manchmal wird zusätzlich noch eine Zofe eingestellt. So haben Sie es im Haushalt Amatsuka kennengelernt. Hier auf der Insel ist solch ein großer Haushalt bisher nicht nötig gewesen. Dennoch kann man oft sehen, dass ein Mann sich einerseits emotional einer Frau zuwendet, andererseits aber gerne viele Frauen haben möchte. Das heißt, die Yamato Nadeshiko sollte ihm in vielen Rollen begegnen können."

Das ist nun eine lange Ansprache gewesen. Seine Frau bringt inzwischen das erste Tablett mit Speisen aus der Küche. Sie hat zugehört und ergänzt nun:

"Der Mann ist ein seltsames Wesen! Er wünscht sich sowohl eine einzige Frau, als auch viele verschiedene Frauen, oder anders ausgedrückt: Er wünscht sich eine Frau, die ihm in vielen Gestalten entgegenkommt und ihn auf vielerlei Arten erfreut.
Sie haben gelernt, die Rolle der Zofe auszufüllen, Youki-San. Ich habe mich erkundigt und festgestellt, dass eine Zofe von Berufs wegen eine Frau ist, die dem Mann in vielerlei Gestalten gegenübertreten kann. Sie ist einmal das Dienstmädchen, ein andermal eine gebildete junge Frau, dann wieder eine vornehme Dame, die den Herrn begleitet, und im nächsten Moment doch wieder das gehorsame Dienstmädchen. Sie ist alle Frauen, die sich ein Herr wünscht, vereint in einer Person."

Hier hakt der Hausherr wieder ein:

"Wir haben eine Schule, in der moderne, emanzipierte Frauen lernen eine Nadeshiko für ihren Herrn zu sein, ihm eine Hausfrau, Geisha und Samurai zu sein. Die Geisha hat sich bisher darin erschöpft, dass die Frau lernte, ihrem Mann Zerstreuung zu bieten, durch Tanz, Musik und Gesang. Auch ist sie ihm eine gebildete Begleiterin in Ausstellungen, Kino und Theater.
Würden Sie sich bereit erklären, bei uns auf der Insel als Lehrerin zu arbeiten, könnten Sie ihre Erfahrungen als Zofe weitergeben. Auch könnten Sie am Lehrplan unserer Mädchenschule mitarbeiten und ihn ergänzen!"

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