Samstag, 3. Juli 2021
Yamato Nadeshiko -95-
hermann-jpmt, 12:32h
Während des Festes bis in den Morgen hinein, sitzt der Händler, als Gast des Hauses, neben dem Dorfführer und an seiner anderen Seite darf ich sitzen. Ich habe einen Kimono meiner früheren Herrin anziehen dürfen.
Nach einigen Trinksprüchen erhebt sich Kawazu-San und wendet sich an mich:
"Ich bitte diese Frau," sagt er laut und deutet dabei auf mich, "mich als ihren Gefährten zu akzeptieren!"
Die Dorfbewohner geraten scheinbar außer sich vor Begeisterung.
"Ehrenwerter Kawazu-San," sage ich, mich verbeugend, "ich bedanke mich für dein Angebot und nehme es gerne an!"
Das Fest nimmt seinen Fortgang. Der Morgen bricht an. Die meisten Dorfbewohner haben sich bereits in ihre Häuser zurückgezogen. Einige liegen betrunken am herunterbrennenden Feuer.
Der Händler macht Anstalten uns zu verlassen. Zwei Männer hieven den Käfig mit der früheren Herrin auf den Wagen. Kawazu-San und der Händler verabschieden sich herzlich.
*
Vom Nachbardorf aus führt der Händler ein Telefonat. Während er dann von Haus zu Haus zieht und seine Waren anbietet, sitzt eine ältere Magd in einem Käfig auf der Ladefläche. Auch in diesem Dorf ist der Händler zwei Tage beschäftigt.
Auf dem Weg in ein weiteres Dorf trifft er unterwegs einen Lieferwagen. Die Männer sprechen miteinander. Anschließend wird der Käfig umgeladen.
"Du wirst in eine Meido-Do gebracht," eröffnet der Händler der Käfig-Insassin. "Dort schult man dich, eine gute Meido zu sein. Ich rate dir: gib dir Mühe, eine gute Nadeshiko zu werden."
In einem der Dörfer in diesem Teil der Präfektur, fallen dem Händler fünf Jünglinge auf, die lustig drauf sind.
"Hast du Sake?" fragen sie.
Er verneint und erklärt, dass sein Angebot sich auf Haushaltsgegenstände und Werkzeug beschränkt. Sake stellen die Bauern doch selbst her. Der Händler erkennt in den Jünglingen diejenigen wieder, die Shikafodo verlassen mussten. Sie lachen, zeigen ihm einen Stein und erklären:
"Sieh mal, hier haben wir den Bunrei von Shikafodo -Rehfurt-! Wir haben ihn in einer der vergangenen Nächte gegen einen anderen gleichartigen Stein ausgetauscht, in den wir an der Unterseite eine Schmähung eingeritzt haben. Wir werden hier in Nähe einen neuen Ort gründen und den Stein dort ausstellen!"
"Ihr wisst, dass es Unglück bringt, die Wohnung eines Kami aus seinem Umfeld zu entfernen?"
Die Jünglinge lachen.
"Glaubst du auch noch die alten Geschichten, alter Mann?"
Der Händler zuckt die Schultern und sagt:
"Ich habe da etwas für euch, das den Stein aufwertet!"
Er sucht kurz in seinem Sortiment und holt eine kunstvoll gearbeitete Schatulle hervor.
"Legt den Stein hier hinein. Dann sieht er zum einen schöner aus. Ihr könnt ihn in eurem neuen Ort ausstellen! Und zum anderen bin ich beruhigt. Der Kami wird durch die schöne neue Hülle sicher besänftigt."
Wieder lachen die jungen Männer, stimmen aber zu. Der Anführer der Burschen legt den Stein in die Schatulle und steckt sie ein.
Als der Händler diesen Ort verlässt, führt er unterwegs noch ein Telefonat. Anschließend fährt er nach Shikafodo zurück. Er bespricht sich mit Kawazu-San, der inzwischen festgestellt hat, dass der Bunrei von Shikafodo fehlt. Beide Männer kommen zu dem Schluss, dass man der Gruppe den Stein wieder abjagen muss.
"Akio-kun -leuchtendes Kind-, ich habe einen Auftrag für dich!"
Kawazu-San ist mit dem Händler zu seinem besten Freund gegangen und dieser hat seinen Sohn hinzugerufen.
"Folge unserem verehrten Händler in die nächste Stadt. Er muss dort neue Ware laden. Sei ihm dabei behilflich!"
Der junge Mann verneigt sich vor den Männern und bestätigt:
"Hai, Otou-San -Ja, Vater-. Ich bin bereit!"
Sicher freut sich der junge Mann, einmal aus der Eintönigkeit des Dorfleben zu entfliehen und das Stadtleben genießen zu können.
*
Ich, Akio, habe den ganzen Tag mit dem Händler zusammengearbeitet. Heute Abend hat er etwas vor, sagt er. Ich darf ihn begleiten.
"Da sind wir," sagt er nach einiger Zeit.
"Wo sind wir hier?" frage ich.
"In dieser Herberge residiert der Große Igarashi-San und seine Truppe!" erklärt mir der Händler.
"Der Majishan -Magier-?"
"Hai -Ja-," bestätigt er lächelnd. "Nicht alle Baraetiatisuto -Varieté-Künstler- leben so gut, wie sie sollten."
"Dann können sie doch keine Goldstücke herbeizaubern," meine ich, leicht enttäuscht.
"Nicht ohne vorher mindestens ein Goldstück zu besitzen," sagt er. "Lass uns hineingehen."
Höflich drücke ich meinem älteren Begleiter die Eingangstür auf. Der Hausflur und der Fuß der Treppe werden vom Schein einer winzigen Lampe erhellt.
"Puh!" mache ich.
"Konbanwa -Guten Abend-, wer ist da?" fragt eine Stimme vom Treppenabsatz her.
Wir blicken in den schwebenden Lichtschein einer hochgehaltenen Laterne.
"Sumimasen -Entschuldigung-," sagt der Händler, sich verbeugend. "Wir wollen zu dem Großen Igarashi-San. Wir sind Freunde."
Die Lichtquelle erbebt im Gelächter unseres Gegenübers.
"Warum wollt ihr denn zu Igarashi-San?"
Der Verwalter klingt nervös.
"Wir sind wegen einer geschäftlichen Angelegenheit hier," antwortet mein älterer Begleiter.
"Wen soll ich melden?" fragt der Mann mit der Laterne.
"Sag ihm einfach, der schlechteste Schauspieler Nippons möchte mit ihm sprechen."
"Das hört sich aber ziemlich schräg an!"
"Sag es ihm einfach!"
Der Verwalter steigt die Treppe empor. Es vergehen einige Minuten. Die Stille wird plötzlich durch das Knarren der Treppenstufen unterbrochen. Eine Maus huscht uns entgegen und verschwindet in einer Mauerspalte. Dann hat die herunterstürmende Person den Treppenabsatz erreicht. Er strahlt über das ganze Gesicht, als er den Händler erkennt. Er verbeugt sich und grüßt:
"Konbanwa -Guten Abend-!"
Dann nähert er sich uns und umarmt den Händler.
"Woher wusstest du, dass ich es bin?" fragt dieser den Großen Igarashi-San.
"Es konnte kein anderer sein!" antwortet der Magier erfreut, und fragt: "Wen hast du mitgebracht?"
"Das ist Akio-kun, der Sohn eines Geschäftsfreundes."
"Ich freue mich, dich kennenzulernen!" sagt Igarashi-San, zu mir gewandt, und streckt die Hand aus.
"Paß auf," warnt mich der Händler, "sonst stiehlt er dir den Geldbeutel."
Nach einigen Trinksprüchen erhebt sich Kawazu-San und wendet sich an mich:
"Ich bitte diese Frau," sagt er laut und deutet dabei auf mich, "mich als ihren Gefährten zu akzeptieren!"
Die Dorfbewohner geraten scheinbar außer sich vor Begeisterung.
"Ehrenwerter Kawazu-San," sage ich, mich verbeugend, "ich bedanke mich für dein Angebot und nehme es gerne an!"
Das Fest nimmt seinen Fortgang. Der Morgen bricht an. Die meisten Dorfbewohner haben sich bereits in ihre Häuser zurückgezogen. Einige liegen betrunken am herunterbrennenden Feuer.
Der Händler macht Anstalten uns zu verlassen. Zwei Männer hieven den Käfig mit der früheren Herrin auf den Wagen. Kawazu-San und der Händler verabschieden sich herzlich.
*
Vom Nachbardorf aus führt der Händler ein Telefonat. Während er dann von Haus zu Haus zieht und seine Waren anbietet, sitzt eine ältere Magd in einem Käfig auf der Ladefläche. Auch in diesem Dorf ist der Händler zwei Tage beschäftigt.
Auf dem Weg in ein weiteres Dorf trifft er unterwegs einen Lieferwagen. Die Männer sprechen miteinander. Anschließend wird der Käfig umgeladen.
"Du wirst in eine Meido-Do gebracht," eröffnet der Händler der Käfig-Insassin. "Dort schult man dich, eine gute Meido zu sein. Ich rate dir: gib dir Mühe, eine gute Nadeshiko zu werden."
In einem der Dörfer in diesem Teil der Präfektur, fallen dem Händler fünf Jünglinge auf, die lustig drauf sind.
"Hast du Sake?" fragen sie.
Er verneint und erklärt, dass sein Angebot sich auf Haushaltsgegenstände und Werkzeug beschränkt. Sake stellen die Bauern doch selbst her. Der Händler erkennt in den Jünglingen diejenigen wieder, die Shikafodo verlassen mussten. Sie lachen, zeigen ihm einen Stein und erklären:
"Sieh mal, hier haben wir den Bunrei von Shikafodo -Rehfurt-! Wir haben ihn in einer der vergangenen Nächte gegen einen anderen gleichartigen Stein ausgetauscht, in den wir an der Unterseite eine Schmähung eingeritzt haben. Wir werden hier in Nähe einen neuen Ort gründen und den Stein dort ausstellen!"
"Ihr wisst, dass es Unglück bringt, die Wohnung eines Kami aus seinem Umfeld zu entfernen?"
Die Jünglinge lachen.
"Glaubst du auch noch die alten Geschichten, alter Mann?"
Der Händler zuckt die Schultern und sagt:
"Ich habe da etwas für euch, das den Stein aufwertet!"
Er sucht kurz in seinem Sortiment und holt eine kunstvoll gearbeitete Schatulle hervor.
"Legt den Stein hier hinein. Dann sieht er zum einen schöner aus. Ihr könnt ihn in eurem neuen Ort ausstellen! Und zum anderen bin ich beruhigt. Der Kami wird durch die schöne neue Hülle sicher besänftigt."
Wieder lachen die jungen Männer, stimmen aber zu. Der Anführer der Burschen legt den Stein in die Schatulle und steckt sie ein.
Als der Händler diesen Ort verlässt, führt er unterwegs noch ein Telefonat. Anschließend fährt er nach Shikafodo zurück. Er bespricht sich mit Kawazu-San, der inzwischen festgestellt hat, dass der Bunrei von Shikafodo fehlt. Beide Männer kommen zu dem Schluss, dass man der Gruppe den Stein wieder abjagen muss.
"Akio-kun -leuchtendes Kind-, ich habe einen Auftrag für dich!"
Kawazu-San ist mit dem Händler zu seinem besten Freund gegangen und dieser hat seinen Sohn hinzugerufen.
"Folge unserem verehrten Händler in die nächste Stadt. Er muss dort neue Ware laden. Sei ihm dabei behilflich!"
Der junge Mann verneigt sich vor den Männern und bestätigt:
"Hai, Otou-San -Ja, Vater-. Ich bin bereit!"
Sicher freut sich der junge Mann, einmal aus der Eintönigkeit des Dorfleben zu entfliehen und das Stadtleben genießen zu können.
*
Ich, Akio, habe den ganzen Tag mit dem Händler zusammengearbeitet. Heute Abend hat er etwas vor, sagt er. Ich darf ihn begleiten.
"Da sind wir," sagt er nach einiger Zeit.
"Wo sind wir hier?" frage ich.
"In dieser Herberge residiert der Große Igarashi-San und seine Truppe!" erklärt mir der Händler.
"Der Majishan -Magier-?"
"Hai -Ja-," bestätigt er lächelnd. "Nicht alle Baraetiatisuto -Varieté-Künstler- leben so gut, wie sie sollten."
"Dann können sie doch keine Goldstücke herbeizaubern," meine ich, leicht enttäuscht.
"Nicht ohne vorher mindestens ein Goldstück zu besitzen," sagt er. "Lass uns hineingehen."
Höflich drücke ich meinem älteren Begleiter die Eingangstür auf. Der Hausflur und der Fuß der Treppe werden vom Schein einer winzigen Lampe erhellt.
"Puh!" mache ich.
"Konbanwa -Guten Abend-, wer ist da?" fragt eine Stimme vom Treppenabsatz her.
Wir blicken in den schwebenden Lichtschein einer hochgehaltenen Laterne.
"Sumimasen -Entschuldigung-," sagt der Händler, sich verbeugend. "Wir wollen zu dem Großen Igarashi-San. Wir sind Freunde."
Die Lichtquelle erbebt im Gelächter unseres Gegenübers.
"Warum wollt ihr denn zu Igarashi-San?"
Der Verwalter klingt nervös.
"Wir sind wegen einer geschäftlichen Angelegenheit hier," antwortet mein älterer Begleiter.
"Wen soll ich melden?" fragt der Mann mit der Laterne.
"Sag ihm einfach, der schlechteste Schauspieler Nippons möchte mit ihm sprechen."
"Das hört sich aber ziemlich schräg an!"
"Sag es ihm einfach!"
Der Verwalter steigt die Treppe empor. Es vergehen einige Minuten. Die Stille wird plötzlich durch das Knarren der Treppenstufen unterbrochen. Eine Maus huscht uns entgegen und verschwindet in einer Mauerspalte. Dann hat die herunterstürmende Person den Treppenabsatz erreicht. Er strahlt über das ganze Gesicht, als er den Händler erkennt. Er verbeugt sich und grüßt:
"Konbanwa -Guten Abend-!"
Dann nähert er sich uns und umarmt den Händler.
"Woher wusstest du, dass ich es bin?" fragt dieser den Großen Igarashi-San.
"Es konnte kein anderer sein!" antwortet der Magier erfreut, und fragt: "Wen hast du mitgebracht?"
"Das ist Akio-kun, der Sohn eines Geschäftsfreundes."
"Ich freue mich, dich kennenzulernen!" sagt Igarashi-San, zu mir gewandt, und streckt die Hand aus.
"Paß auf," warnt mich der Händler, "sonst stiehlt er dir den Geldbeutel."
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