Samstag, 22. Mai 2021
Yamato Nadeshiko -75-
hermann-jpmt, 12:01h
"Wenn ich jetzt 'willkommen im Club' sagen würde, hättest Du etwas dagegen?" fragt sie.
"Nein."
"Weißt Du, was ich bin?"
"Ich glaube schon."
"Ich bin die gehorsame Magd meines Herrn. Was bist Du?"
Ich will es nicht sagen. Nicht jetzt. Noch nicht.
"Ich bin verliebt," sage ich stattdessen.
"Papperlapapp! Sag es!"
"Ich kann nicht."
Meine Stimme bekommt einen weinerlichen Beigeschmack. Ich hätte einfach den Hörer auflegen können, aber da war etwas... etwas, das will, dass ich es sage, etwas, das mich schon wieder erregt.
"Sag es! Jetzt. Du kannst es."
"Ich... ich...," ich weine fast, "ich... bin noch nicht soweit. Aber ich will es!"
Meine Stimme bekommt wieder Kraft.
"Ich will es wirklich. Ich will die Magd meines Herrn sein. Ich will, dass er über mich verfügt. Ich will ihm gehorchen, aber ich muss noch lernen. Ich will seine gehorsame Magd sein. Verdammt!"
Ich fange nun doch an zu weinen.
"Schschscht. Liebes, ist ja schon gut," dringt die Stimme am Telefon wie aus weiter Ferne zu mir durch, "mach dir keine Sorgen! Du wirst lernen, wie auch ich gelernt habe. Es kommt nur darauf an, dass du zu deinen Sehnsüchten stehst. Du und ich - wir sind anders, aber wir sind auch nicht allein. Es gibt viele Frauen, die so empfinden wie wir.
Dein Herr ist ein toller Mann. Ich glaube, dass er dich liebt. Er wird dich auf Händen tragen, aber er wird auch konsequent mit dir sein. Es ist nicht schlimm, dass Du verwirrt bist. Ein wenig Angst ist auch verständlich, aber vergiss nicht: Du bist nicht allein. Du hast einen wunderbaren Herrn. Du hast Menschen um dich, die so empfinden wie du."
Ruri-chan hat meinen wunden Punkt berührt: Ich habe mich seit der Zurückweisung damals immer alleine gefühlt. Ich empfinde, als hätte sie eine heilende Salbe auf meine Wunde gestrichen. Ich bin so froh, so erleichtert und ich sage es ihr.
"Es wird alles gut! Du wirst sehen," meint sie, "sag, kann ich Dir vielleicht helfen? Du hast sicher Anweisungen bekommen."
"Du hilfst mir doch schon so sehr," antwortete ich.
Dann fasse ich mir ein Herz und erzähle Ruri-chan von den Anweisungen. Sie meint, das seien die äußeren Merkmale einer Nadeshiko. Ich solle sie verinnerlichen. Mit der Zeit kommen dann auch die seelischen Merkmale hinzu. Bald entspräche ich dem japanischen Frauenideal. Hinzu kommen dann noch kleine Rituale, die aus mir eine Meido -Magd- meines Herrn machen.
*
Irgendwann hätte es ohnehin sein müssen, warum also nicht gleich? Ich bin zu dem Platz gefahren, an dem wir immer mit unserem Stand stehen und auf die Intoleranz gegenüber uns Goths aufmerksam machen. Seit sich Schmidt-San und Tanaka-San um eine Halle für unsere Events gekümmert haben, ist es zum Glück besser geworden. Für den Fall des Falles hat er uns ein Training in Ju-Jutsu angeboten.
Nun sitze ich im Außenbereich des Eiscafés an einem Tisch und löffele mein Spaghetti-Eis. Dann nehme ich mein Handy aus der Innentasche meiner Kostümjacke, wobei sich das Revers etwas verdreht und meine rechte Brustwarze freilegt. Ein Teenager am Nachbartisch wirft sein Colaglas um. Ich streiche die Jacke wieder glatt und wähle Martinas Nummer.
"Hallo?"
Sie ist zu Hause.
"Hallo Martina, ich bin?s, Chika-chan. Ich sitze gerade vor dem Eiscafé Dolomiti und dachte, vielleicht hast Du Lust, auf ein Schwätzchen vorbeizukommen?"
"Ja, toll! Wo hast du bloß die letzte Zeit gesteckt? Okay, in fünf Minuten bin ich da."
Bald sehe ich Martina näherkommen. Ihre Augen schweifen umher. Hinter der Sonnenbrille erkennt sie mich wohl nicht gleich, aber dann fällt Martinas Unterkiefer herunter und sie kommt auf mich zu.
"Das ist...," versucht sie, einen Satz herausbringen, "nee... das..., Chika, du... das glaube ich nicht. Bist Du das noch?"
"Gute Frage. Wohl eher nicht. Jedenfalls nicht so wie früher."
Ich fühle mich unheimlich stark. Martina starrt auf meine damenhaft angewinkelten Beine. Dann verweilt sie bei meinem kurzen Rock.
"Tut mir leid. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du dich so verändert hast. Schön, dass du jetzt hier bist."
Mit diesen Worten setzt sie sich auf den freien Stuhl neben mich. Wir bestellen uns zwei Cola.
Martina sitzt da und kann nicht damit aufhören, mich anzustarren. Nach einer Weile beschließe ich, dass es genug ist. Die Getränke kommen und ich nehme einen Schluck.
Traurig sage ich:
"Martina, ich würde dir jetzt gerne etwas Nettes sagen, mit dem du klarkommst, so in der Art 'Ich bin doch noch ganz die Alte' oder 'das ist nur äußerlich', aber das wäre gelogen. Die Chika, die deine Freundin war, existiert nicht mehr. Ich fürchte, wir haben nur zwei Alternativen: Du akzeptierst mich so, wie ich jetzt bin oder..."
"Wie du jetzt bist? Wie bist Du denn? Du siehst jedenfalls aus wie eins von den reichen Weibchen aus dem Villenviertel. Dann die andere Sache. Du machst einen auf Devot, musst für jeden Pups um Erlaubnis bitten und fühlst dich auch noch toll dabei. Sorry, aber da komme ich nicht mehr mit."
"Martina," sage ich resigniert, "nimm es bitte zur Kenntnis: Ich bin ein Weibchen. Das war ich auch schon immer. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich bin devot. Ich muss um Erlaubnis bitten und ich fühle mich toll dabei. Ich bin glücklich so und es wird nie wieder anders sein. Was du hier siehst, das bin ich. Das ist die einzige Chika, die für Freundschaften zur Verfügung steht. Martina, sag mir: Wollen wir Freundinnen bleiben? Magst Du mit einer Frau wie mir befreundet sein?"
Sie schluchzt auf, schüttelt den Kopf und rennt mit einem "Ich kann nicht!" davon.
Allein am Tisch flüstere ich: "Bitte, bitte, Ruri-chan, lass mich jetzt nicht hängen!"
Ich wähle ihre Nummer und erzähle ihr unter Tränen, was gerade geschehen ist. Sie muntert mich ein wenig auf und sagt, ich solle zu mir nachhause gehen. Sie will Morishita-San davon berichten. Also stehe ich auf, lasse den Rest meines Eises stehen und gehe traurig nachhause.
Nachdem Morishita-San Feierabend hat, kommt er auf dem schnellsten Weg zu mir. Allein die Anwesenheit meines Herrn, seine Sicherheit und Gelassenheit lassen mich sofort ruhiger werden. Ich klage ihm mein Leid, sage, wie verletzt ich mich fühle, wie gemein ich Martinas Reaktion finde.
"Sie will dir nichts Böses," antwortet mein Herr. "Du hast sie einfach überfordert, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben."
"Aber Martina ist doch meine..." versuche ich ein Argument.
"Deine 'beste Freundin'," unterbricht er mich, "ja, ich weiß. Und? Du bist so enttäuscht, weil du es von Martina nicht erwartet hättest, richtig?"
Ich nicke.
"Sieh' doch mal in den Spiegel," führt er seine Analyse weiter. "Schön warst du schon immer. Jetzt zeigst du es. Es ist nicht schlimm für Martina, wie du aussiehst. Es ist schlimm, dass du so bist, wie du aussiehst. Du warst es immer schon, aber du hast es versteckt so gut du konntest. Du hast dich getäuscht und du hast Martina getäuscht. Jetzt ist die Täuschung dahin: Das Entlein hat sich in einen Schwan verwandelt. Die anderen Enten konnten verkraften, dass du hübscher warst als sie, denn du schienst Ihresgleichen zu sein. Jetzt kann jeder erkennen, dass du das nicht bist. Es ist vorbei. Du bist ein wunderschöner Schwan und die Enten im Teich wollen nicht mehr in deiner Nähe sein. So ist es immer."
Er lehnt sich zurück und macht eine abwertende, resignierte Handbewegung und redet weiter:
"Es geht nicht nur um Schönheit oder Reichtum. Der größte Quell des Neids ist der Zustand des Glücks. Sieh dir doch Martina einmal an: Sie mag nett sein, vielleicht sogar sehr, aber niemand dreht sich nach ihr um. Niemand nimmt sie wahr. Das mag für einen kurzen Moment anders werden, wenn sie irgendeine tolle Aktion organisiert und damit weißt du auch, warum sie das tut. Es reicht allerdings nicht zum Glücklichsein. Es gibt viele Möglichkeiten, eigene Schwäche zu kompensieren. Frage 'warum?' und Du lernst Schwache von Starken zu unterscheiden."
Es stimmt: Genau das habe ich gedacht. Mein Irrtum wird mir immer klarer, als mein Herr mir seine Auffassung über das mitteilt, was Menschen antreibt. Es klingt einfach nur logisch:
"Es spielt keine Rolle, wo jemand politisch steht. Es ist egal, womit jemand seine Zeit verbringt. Es zählt nur, wieweit man bereit ist, einem anderen Menschen sein Glück, seine Meinung, seine Andersartigkeit zu gönnen oder gar, sich mit ihm darüber zu freuen. Wir Asiaten kennen das seit unserer frühesten Kindheit als Respekt und Toleranz, und leben es. Lass Martina die Zeit, die sie braucht, um über alles nachzudenken. Entweder wird sie sich bei dir melden, oder nicht. Wenn nicht, hast du nichts verloren außer einer Illusion."
"Nein."
"Weißt Du, was ich bin?"
"Ich glaube schon."
"Ich bin die gehorsame Magd meines Herrn. Was bist Du?"
Ich will es nicht sagen. Nicht jetzt. Noch nicht.
"Ich bin verliebt," sage ich stattdessen.
"Papperlapapp! Sag es!"
"Ich kann nicht."
Meine Stimme bekommt einen weinerlichen Beigeschmack. Ich hätte einfach den Hörer auflegen können, aber da war etwas... etwas, das will, dass ich es sage, etwas, das mich schon wieder erregt.
"Sag es! Jetzt. Du kannst es."
"Ich... ich...," ich weine fast, "ich... bin noch nicht soweit. Aber ich will es!"
Meine Stimme bekommt wieder Kraft.
"Ich will es wirklich. Ich will die Magd meines Herrn sein. Ich will, dass er über mich verfügt. Ich will ihm gehorchen, aber ich muss noch lernen. Ich will seine gehorsame Magd sein. Verdammt!"
Ich fange nun doch an zu weinen.
"Schschscht. Liebes, ist ja schon gut," dringt die Stimme am Telefon wie aus weiter Ferne zu mir durch, "mach dir keine Sorgen! Du wirst lernen, wie auch ich gelernt habe. Es kommt nur darauf an, dass du zu deinen Sehnsüchten stehst. Du und ich - wir sind anders, aber wir sind auch nicht allein. Es gibt viele Frauen, die so empfinden wie wir.
Dein Herr ist ein toller Mann. Ich glaube, dass er dich liebt. Er wird dich auf Händen tragen, aber er wird auch konsequent mit dir sein. Es ist nicht schlimm, dass Du verwirrt bist. Ein wenig Angst ist auch verständlich, aber vergiss nicht: Du bist nicht allein. Du hast einen wunderbaren Herrn. Du hast Menschen um dich, die so empfinden wie du."
Ruri-chan hat meinen wunden Punkt berührt: Ich habe mich seit der Zurückweisung damals immer alleine gefühlt. Ich empfinde, als hätte sie eine heilende Salbe auf meine Wunde gestrichen. Ich bin so froh, so erleichtert und ich sage es ihr.
"Es wird alles gut! Du wirst sehen," meint sie, "sag, kann ich Dir vielleicht helfen? Du hast sicher Anweisungen bekommen."
"Du hilfst mir doch schon so sehr," antwortete ich.
Dann fasse ich mir ein Herz und erzähle Ruri-chan von den Anweisungen. Sie meint, das seien die äußeren Merkmale einer Nadeshiko. Ich solle sie verinnerlichen. Mit der Zeit kommen dann auch die seelischen Merkmale hinzu. Bald entspräche ich dem japanischen Frauenideal. Hinzu kommen dann noch kleine Rituale, die aus mir eine Meido -Magd- meines Herrn machen.
*
Irgendwann hätte es ohnehin sein müssen, warum also nicht gleich? Ich bin zu dem Platz gefahren, an dem wir immer mit unserem Stand stehen und auf die Intoleranz gegenüber uns Goths aufmerksam machen. Seit sich Schmidt-San und Tanaka-San um eine Halle für unsere Events gekümmert haben, ist es zum Glück besser geworden. Für den Fall des Falles hat er uns ein Training in Ju-Jutsu angeboten.
Nun sitze ich im Außenbereich des Eiscafés an einem Tisch und löffele mein Spaghetti-Eis. Dann nehme ich mein Handy aus der Innentasche meiner Kostümjacke, wobei sich das Revers etwas verdreht und meine rechte Brustwarze freilegt. Ein Teenager am Nachbartisch wirft sein Colaglas um. Ich streiche die Jacke wieder glatt und wähle Martinas Nummer.
"Hallo?"
Sie ist zu Hause.
"Hallo Martina, ich bin?s, Chika-chan. Ich sitze gerade vor dem Eiscafé Dolomiti und dachte, vielleicht hast Du Lust, auf ein Schwätzchen vorbeizukommen?"
"Ja, toll! Wo hast du bloß die letzte Zeit gesteckt? Okay, in fünf Minuten bin ich da."
Bald sehe ich Martina näherkommen. Ihre Augen schweifen umher. Hinter der Sonnenbrille erkennt sie mich wohl nicht gleich, aber dann fällt Martinas Unterkiefer herunter und sie kommt auf mich zu.
"Das ist...," versucht sie, einen Satz herausbringen, "nee... das..., Chika, du... das glaube ich nicht. Bist Du das noch?"
"Gute Frage. Wohl eher nicht. Jedenfalls nicht so wie früher."
Ich fühle mich unheimlich stark. Martina starrt auf meine damenhaft angewinkelten Beine. Dann verweilt sie bei meinem kurzen Rock.
"Tut mir leid. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du dich so verändert hast. Schön, dass du jetzt hier bist."
Mit diesen Worten setzt sie sich auf den freien Stuhl neben mich. Wir bestellen uns zwei Cola.
Martina sitzt da und kann nicht damit aufhören, mich anzustarren. Nach einer Weile beschließe ich, dass es genug ist. Die Getränke kommen und ich nehme einen Schluck.
Traurig sage ich:
"Martina, ich würde dir jetzt gerne etwas Nettes sagen, mit dem du klarkommst, so in der Art 'Ich bin doch noch ganz die Alte' oder 'das ist nur äußerlich', aber das wäre gelogen. Die Chika, die deine Freundin war, existiert nicht mehr. Ich fürchte, wir haben nur zwei Alternativen: Du akzeptierst mich so, wie ich jetzt bin oder..."
"Wie du jetzt bist? Wie bist Du denn? Du siehst jedenfalls aus wie eins von den reichen Weibchen aus dem Villenviertel. Dann die andere Sache. Du machst einen auf Devot, musst für jeden Pups um Erlaubnis bitten und fühlst dich auch noch toll dabei. Sorry, aber da komme ich nicht mehr mit."
"Martina," sage ich resigniert, "nimm es bitte zur Kenntnis: Ich bin ein Weibchen. Das war ich auch schon immer. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich bin devot. Ich muss um Erlaubnis bitten und ich fühle mich toll dabei. Ich bin glücklich so und es wird nie wieder anders sein. Was du hier siehst, das bin ich. Das ist die einzige Chika, die für Freundschaften zur Verfügung steht. Martina, sag mir: Wollen wir Freundinnen bleiben? Magst Du mit einer Frau wie mir befreundet sein?"
Sie schluchzt auf, schüttelt den Kopf und rennt mit einem "Ich kann nicht!" davon.
Allein am Tisch flüstere ich: "Bitte, bitte, Ruri-chan, lass mich jetzt nicht hängen!"
Ich wähle ihre Nummer und erzähle ihr unter Tränen, was gerade geschehen ist. Sie muntert mich ein wenig auf und sagt, ich solle zu mir nachhause gehen. Sie will Morishita-San davon berichten. Also stehe ich auf, lasse den Rest meines Eises stehen und gehe traurig nachhause.
Nachdem Morishita-San Feierabend hat, kommt er auf dem schnellsten Weg zu mir. Allein die Anwesenheit meines Herrn, seine Sicherheit und Gelassenheit lassen mich sofort ruhiger werden. Ich klage ihm mein Leid, sage, wie verletzt ich mich fühle, wie gemein ich Martinas Reaktion finde.
"Sie will dir nichts Böses," antwortet mein Herr. "Du hast sie einfach überfordert, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben."
"Aber Martina ist doch meine..." versuche ich ein Argument.
"Deine 'beste Freundin'," unterbricht er mich, "ja, ich weiß. Und? Du bist so enttäuscht, weil du es von Martina nicht erwartet hättest, richtig?"
Ich nicke.
"Sieh' doch mal in den Spiegel," führt er seine Analyse weiter. "Schön warst du schon immer. Jetzt zeigst du es. Es ist nicht schlimm für Martina, wie du aussiehst. Es ist schlimm, dass du so bist, wie du aussiehst. Du warst es immer schon, aber du hast es versteckt so gut du konntest. Du hast dich getäuscht und du hast Martina getäuscht. Jetzt ist die Täuschung dahin: Das Entlein hat sich in einen Schwan verwandelt. Die anderen Enten konnten verkraften, dass du hübscher warst als sie, denn du schienst Ihresgleichen zu sein. Jetzt kann jeder erkennen, dass du das nicht bist. Es ist vorbei. Du bist ein wunderschöner Schwan und die Enten im Teich wollen nicht mehr in deiner Nähe sein. So ist es immer."
Er lehnt sich zurück und macht eine abwertende, resignierte Handbewegung und redet weiter:
"Es geht nicht nur um Schönheit oder Reichtum. Der größte Quell des Neids ist der Zustand des Glücks. Sieh dir doch Martina einmal an: Sie mag nett sein, vielleicht sogar sehr, aber niemand dreht sich nach ihr um. Niemand nimmt sie wahr. Das mag für einen kurzen Moment anders werden, wenn sie irgendeine tolle Aktion organisiert und damit weißt du auch, warum sie das tut. Es reicht allerdings nicht zum Glücklichsein. Es gibt viele Möglichkeiten, eigene Schwäche zu kompensieren. Frage 'warum?' und Du lernst Schwache von Starken zu unterscheiden."
Es stimmt: Genau das habe ich gedacht. Mein Irrtum wird mir immer klarer, als mein Herr mir seine Auffassung über das mitteilt, was Menschen antreibt. Es klingt einfach nur logisch:
"Es spielt keine Rolle, wo jemand politisch steht. Es ist egal, womit jemand seine Zeit verbringt. Es zählt nur, wieweit man bereit ist, einem anderen Menschen sein Glück, seine Meinung, seine Andersartigkeit zu gönnen oder gar, sich mit ihm darüber zu freuen. Wir Asiaten kennen das seit unserer frühesten Kindheit als Respekt und Toleranz, und leben es. Lass Martina die Zeit, die sie braucht, um über alles nachzudenken. Entweder wird sie sich bei dir melden, oder nicht. Wenn nicht, hast du nichts verloren außer einer Illusion."
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