Donnerstag, 22. April 2021
Yamato Nadeshiko -60-
hermann-jpmt, 12:18h
"Vor langer Zeit haben andere Wesen diesen Planeten bevölkert. Dann geschah eine kosmische Katastrophe, der diese Wesen auslöschte und uns den Weg bereitete. Du bist der Überzeugung, dass diesmal der Mensch sich selbst auslöscht?"
"Ja, das ist offensichtlich. Es passiert allerdings schleichend, und darum wird es nicht wahrgenommen. Auch weil starke wirtschaftliche Interessen daran interessiert sind, dass sich nichts ändert. Das Schlimme ist, dass es alle Menschen betrifft, also auch diejenigen, die im Einklang mit der Natur leben."
"Du sprichst von den Pemón?"
"Ich bin überzeugt, dass alle 'native People' auf dem ganzen Planeten im Einklang mit der Natur leben, nicht nur die Pemón! Auch eine kleine Gruppe der Weißen hat das erkannt und hat den Begriff des 'Nachhaltigen Wirtschaftens' ins Gespräch gebracht. Damit lassen sich nur nicht diese Gewinne erzielen, wie bisher - aber man investiert in die Zukunft des Planeten."
"Was sind, deiner Meinung nach. die Unterschiede in den Denkprozessen? Wo müsste sich etwas ändern?"
"Schau mal: Den Menschen gibt es - laut der Wissenschaft - seit etwa sieben Millionen Jahren. Anfangs in nur kleinen Gruppen als Teil der sie umgebenden Natur. Sie mussten sich genauso wie andere unserer Brüder vor Raubtieren - die auch unsere Brüder sind - in Acht nehmen und konnten daher keine große Zahl erreichen. Für die Koordination bei der Jagd entwickelten sie die Sprache und konnten so ihr Wissen an die nachfolgende Generation weitergeben. Irgendwann entwickelten sie über Felsbilder eine Schrift. Es entstand ein riesiger Wissenspool in Schriftform. Neugierige Menschen, getrieben von dem Wunsch, das Leben leichter zu machen, entdeckten Naturgesetze und welche Möglichkeiten sie den Menschen bieten."
"Aber das ist doch der Lauf der Dinge - die Evolution..."
"Ja, und für sich genommen auch noch nichts Verwerfliches. Einige Menschen - die mit dem größten Wissen - führten ihre Familien, Gruppen, Völker an. Auch das ist nicht verwerflich. Sie bekamen von den Mitgliedern ihrer Familie, Gruppe, ihres Volkes Verantwortung übertragen zum Wohle des Ganzen zu entscheiden - wie bei Apok. Irgendwer kam auf die Idee, die damit übertragene Macht auf seine Nachkommen zu vererben, ob sie nun mit der Macht umgehen können oder nicht. Es entstanden die verschiedenen Gesellschaftsgruppen - mit dem Übergang zur Ackerbau- und Handwerkerkultur."
"Ah, du meinst, die Menschen, die in die höhere Position hineingeboren wurden, wurden eigensüchtig, begannen ihre Untergebenen und die Natur auszubeuten?"
"Ja, das muss die Geburt dessen gewesen sein, dass die Menschen, die heute den Bezug zur Natur verloren haben, sich nicht mehr als zugehörig, sondern als darüberstehend begreifen. Der Mensch ist aber nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Teil von ihr. In vielen Bereichen ist er das stärkste Lebewesen auf der Erde und als solches muss er Verantwortung für die Natur tragen! Die Verantwortung, die Natur zu erhalten für alle Zeiten!"
"Und wie denkst du dir die Ausübung der Verantwortung?"
"Ganz sicher nicht als ein 'Zurück zur Natur', mein Freund! Native People wie die Pemón und andere sollen ihre Lebensberechtigung in ihrer Nische behalten und das Land, das sie bewohnen, soll vor dem Gewinnstreben der großen Konzerne geschützt werden. - Aber die Zivilisation sollte ihren Müll als Rohstoff begreifen, nur das Nötigste der Natur entnehmen. Sie soll Pflanzen und Tierpopulationen nicht zerstören, ihren Bedarf an Naturressourcen zurückfahren auf ein Maß, dass die Erde verkraftet."
"Das sehe ich genauso. Aber wir sind als Einzelne zu schwach gegen die weltumspannende wirtschaftliche Macht der großen Konzerne."
"Wenn alle so denken würden, gäbe es die Naturschutzorganisationen nicht, mein Freund. Es gilt, sie zu unterstützen durch Mitarbeit oder Spenden - und bei sich selbst im Kleinen damit beginnen umzudenken."
"Das ist nicht einfach..." sinniere ich.
"Das ist richtig, mein Freund. Aber gemeinsam mit Gleichgesinnten lässt sich beginnen, glaub' mir! So, und nun wollen wir schlafen. Wir brauchen Kräfte für den Aufstieg morgen!"
"Du willst den Felsen außen hochklettern?"
Primok lacht laut auf.
"Nein, mein Freund. Sag' mir, wozu bist du hier?"
"Nun, ich hörte von den Tafelbergen und wollte sie einmal sehen."
"Rein touristisch also?"
"Nein, natürlich nicht. Ich interessiere mich schon für die Natur und deine Erklärungen eben waren hochinteressant für mich. Ich habe vor, zu fotografieren und alles in Buchform zu veröffentlichen. Ob es ein Bildband wird oder mehr, das muss ich noch sehen. Aber ich denke, je mehr ich von eurer Lebensphilosophie erfahre, desto eher wird mein Projekt ein Textband."
"Das ist eine sehr gute Idee, mein Freund. Du solltest dafür aber gerne längere Zeit bei uns verbringen, um unsere Art mit der Natur zu leben tiefer zu verinnerlichen und sie umso besser den Menschen durch dein Buchprojekt näher zu bringen. Aber jetzt sollten wir wirklich schlafen."
*
Als ich am nächsten Tag wach werde, sind Primok und Meru bereits damit beschäftigt aus frisch gebackenem Fladenbrot aus Maismehl mit eben erst gefangenen und frisch filetierten Fischen mit gesammelten Kräutern Snacks zuzubereiten, da während des Aufstiegs nichts gekocht oder gebraten werden kann. Primok begleitet uns zum Fluss zurück, wo wir uns waschen, während er auf die Tiere in der Umgebung achtet.
Wir füllen alle verschraubbaren Behälter mit Wasser und bringen sie zur Höhle zurück. Dort packen wir wieder unsere Rucksäcke und Primok führt uns eine Strecke am Fuß der Felswand entlang. Schließlich zeigt er uns einen Einschnitt, in den wir einsteigen. Es geht erst beinahe hundert Meter über Geröll schräg bergauf. Wir müssen Acht geben, wohin wir treten. Die Felswände rechts und links des Einschnittes sind nur etwa zehn Meter entfernt und verlieren sich senkrecht nach oben im Himmel.
Dann macht der Spalt einen Knick nach halblinks. Es scheint erst einmal nicht weiter zu gehen. Wir rasten kurz, dann wirft Primok sein Seil über einen Felsvorsprung fünf Meter über unseren Köpfen.
"Halte bitte das eine Ende hier fest, mein Freund, damit ich hochklettern kann," sagt er zu mir.
Ich halte das Seil also fest. Am anderen Ende des über den Felsvorsprung baumelnden Seiles hangelt er sich hoch. Dann zieht er sich über den Felsvorsprung und sagt:
"So, binde nun einen Rucksack nach dem anderen an das Seil. Ich ziehe erst unser Gepäck hoch."
Gesagt, getan. Nach dem Gepäck hangelt sich Ruri-chan am Seil hoch. Anschließend bin ich dran und dann folgt zum Schluss Meru. Nun ist es auf dem Felsvorsprung sehr eng geworden. Hier zieht sich eine leicht schräge Spalte von etwa anderthalb Meter Höhe und vielleicht zehn Metern Tiefe durch den Fels. Wir schnallen uns die Rucksäcke wieder auf die Rücken und bewegen uns auf allen vieren langsam vorwärts. Nach etwa einer Stunde - nach meinem Zeitgefühl eine kleine Ewigkeit - in der es leicht aufwärts ging, erreichen wir den Eingang einer größeren Höhle. Hier setzen wir uns und essen etwas von unserer Verpflegung.
"Dies hier ist der Beginn eines Höhlensystems, das wir zum Aufstieg nutzen können. Trotzdem müssen wir morgen noch einmal hinaus und eine enge Spalte hinaufklettern, um dann durch ein zweites Höhlensystem fast das Gipfelplateau zu erreichen. Das letzte Stück ist dann noch eine enge Felsspalte, die mit Geröll gefüllt ist. Der Aufstieg darin ist nicht steil, aber wegen des Gerölls ist trotzdem Vorsicht geboten," erklärt Primok den weiteren Weg.
Wir gehen, klettern und kriechen von Halle zu Halle dieses Höhlensystems bis Primok in einer Höhle sagt, dass wir hier zelten sollten. Wir essen mit Heißhunger unsere Fischbrote und legen uns schlafen.
Am nächsten Tag folgen wir Primok und Meru weiter nach oben. Durch Felsspalten an der Höhlendecke scheint eine Luftzirkulation zu bestehen. Unterwegs schweifen meine Gedanken ab. Ich erinnere mich an unser gestriges Gespräch. Der Mensch in der westlichen Zivilisation muss wohl längst wesentliche Dinge vergessen haben, die den Pemón noch bewusst sind.
'Vielleicht teilt sich die Natur nur denen mit, die zum Zuhören bereit sind. Wie auch immer...' denke ich mir.
Ob der Mensch nun im Grundsatz ein biochemischer Mechanismus ist, oder mehr als das. Ob er ein bewusstes Wesen ist, dessen Empfindungen wie Glück und Schmerz, Freude und Trauer, Erkenntnis und Bewusstsein, das aufeinander Einwirken von Kohlenstoff und Sauerstoff, dem Austausch von Gasen, dem Öffnen und Schließen von körpereigenen Ventilen übersteigt. Ob der Mensch das einzige Wesen auf der Erde ist, das Glück und Schmerz, Freude und Trauer verspürt oder auch Tiere oder vielleicht sogar auch Pflanzen, alle Wesen, die die Pemón ihre Brüder nennen. Fest steht, dass insbesondere die Native People ihre Welt auf eine tiefgründige, vielschichtige Weise erleben, die von der Welterkenntnis der technisch orientierten Mentalität weit entfernt ist.
"Ja, das ist offensichtlich. Es passiert allerdings schleichend, und darum wird es nicht wahrgenommen. Auch weil starke wirtschaftliche Interessen daran interessiert sind, dass sich nichts ändert. Das Schlimme ist, dass es alle Menschen betrifft, also auch diejenigen, die im Einklang mit der Natur leben."
"Du sprichst von den Pemón?"
"Ich bin überzeugt, dass alle 'native People' auf dem ganzen Planeten im Einklang mit der Natur leben, nicht nur die Pemón! Auch eine kleine Gruppe der Weißen hat das erkannt und hat den Begriff des 'Nachhaltigen Wirtschaftens' ins Gespräch gebracht. Damit lassen sich nur nicht diese Gewinne erzielen, wie bisher - aber man investiert in die Zukunft des Planeten."
"Was sind, deiner Meinung nach. die Unterschiede in den Denkprozessen? Wo müsste sich etwas ändern?"
"Schau mal: Den Menschen gibt es - laut der Wissenschaft - seit etwa sieben Millionen Jahren. Anfangs in nur kleinen Gruppen als Teil der sie umgebenden Natur. Sie mussten sich genauso wie andere unserer Brüder vor Raubtieren - die auch unsere Brüder sind - in Acht nehmen und konnten daher keine große Zahl erreichen. Für die Koordination bei der Jagd entwickelten sie die Sprache und konnten so ihr Wissen an die nachfolgende Generation weitergeben. Irgendwann entwickelten sie über Felsbilder eine Schrift. Es entstand ein riesiger Wissenspool in Schriftform. Neugierige Menschen, getrieben von dem Wunsch, das Leben leichter zu machen, entdeckten Naturgesetze und welche Möglichkeiten sie den Menschen bieten."
"Aber das ist doch der Lauf der Dinge - die Evolution..."
"Ja, und für sich genommen auch noch nichts Verwerfliches. Einige Menschen - die mit dem größten Wissen - führten ihre Familien, Gruppen, Völker an. Auch das ist nicht verwerflich. Sie bekamen von den Mitgliedern ihrer Familie, Gruppe, ihres Volkes Verantwortung übertragen zum Wohle des Ganzen zu entscheiden - wie bei Apok. Irgendwer kam auf die Idee, die damit übertragene Macht auf seine Nachkommen zu vererben, ob sie nun mit der Macht umgehen können oder nicht. Es entstanden die verschiedenen Gesellschaftsgruppen - mit dem Übergang zur Ackerbau- und Handwerkerkultur."
"Ah, du meinst, die Menschen, die in die höhere Position hineingeboren wurden, wurden eigensüchtig, begannen ihre Untergebenen und die Natur auszubeuten?"
"Ja, das muss die Geburt dessen gewesen sein, dass die Menschen, die heute den Bezug zur Natur verloren haben, sich nicht mehr als zugehörig, sondern als darüberstehend begreifen. Der Mensch ist aber nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Teil von ihr. In vielen Bereichen ist er das stärkste Lebewesen auf der Erde und als solches muss er Verantwortung für die Natur tragen! Die Verantwortung, die Natur zu erhalten für alle Zeiten!"
"Und wie denkst du dir die Ausübung der Verantwortung?"
"Ganz sicher nicht als ein 'Zurück zur Natur', mein Freund! Native People wie die Pemón und andere sollen ihre Lebensberechtigung in ihrer Nische behalten und das Land, das sie bewohnen, soll vor dem Gewinnstreben der großen Konzerne geschützt werden. - Aber die Zivilisation sollte ihren Müll als Rohstoff begreifen, nur das Nötigste der Natur entnehmen. Sie soll Pflanzen und Tierpopulationen nicht zerstören, ihren Bedarf an Naturressourcen zurückfahren auf ein Maß, dass die Erde verkraftet."
"Das sehe ich genauso. Aber wir sind als Einzelne zu schwach gegen die weltumspannende wirtschaftliche Macht der großen Konzerne."
"Wenn alle so denken würden, gäbe es die Naturschutzorganisationen nicht, mein Freund. Es gilt, sie zu unterstützen durch Mitarbeit oder Spenden - und bei sich selbst im Kleinen damit beginnen umzudenken."
"Das ist nicht einfach..." sinniere ich.
"Das ist richtig, mein Freund. Aber gemeinsam mit Gleichgesinnten lässt sich beginnen, glaub' mir! So, und nun wollen wir schlafen. Wir brauchen Kräfte für den Aufstieg morgen!"
"Du willst den Felsen außen hochklettern?"
Primok lacht laut auf.
"Nein, mein Freund. Sag' mir, wozu bist du hier?"
"Nun, ich hörte von den Tafelbergen und wollte sie einmal sehen."
"Rein touristisch also?"
"Nein, natürlich nicht. Ich interessiere mich schon für die Natur und deine Erklärungen eben waren hochinteressant für mich. Ich habe vor, zu fotografieren und alles in Buchform zu veröffentlichen. Ob es ein Bildband wird oder mehr, das muss ich noch sehen. Aber ich denke, je mehr ich von eurer Lebensphilosophie erfahre, desto eher wird mein Projekt ein Textband."
"Das ist eine sehr gute Idee, mein Freund. Du solltest dafür aber gerne längere Zeit bei uns verbringen, um unsere Art mit der Natur zu leben tiefer zu verinnerlichen und sie umso besser den Menschen durch dein Buchprojekt näher zu bringen. Aber jetzt sollten wir wirklich schlafen."
*
Als ich am nächsten Tag wach werde, sind Primok und Meru bereits damit beschäftigt aus frisch gebackenem Fladenbrot aus Maismehl mit eben erst gefangenen und frisch filetierten Fischen mit gesammelten Kräutern Snacks zuzubereiten, da während des Aufstiegs nichts gekocht oder gebraten werden kann. Primok begleitet uns zum Fluss zurück, wo wir uns waschen, während er auf die Tiere in der Umgebung achtet.
Wir füllen alle verschraubbaren Behälter mit Wasser und bringen sie zur Höhle zurück. Dort packen wir wieder unsere Rucksäcke und Primok führt uns eine Strecke am Fuß der Felswand entlang. Schließlich zeigt er uns einen Einschnitt, in den wir einsteigen. Es geht erst beinahe hundert Meter über Geröll schräg bergauf. Wir müssen Acht geben, wohin wir treten. Die Felswände rechts und links des Einschnittes sind nur etwa zehn Meter entfernt und verlieren sich senkrecht nach oben im Himmel.
Dann macht der Spalt einen Knick nach halblinks. Es scheint erst einmal nicht weiter zu gehen. Wir rasten kurz, dann wirft Primok sein Seil über einen Felsvorsprung fünf Meter über unseren Köpfen.
"Halte bitte das eine Ende hier fest, mein Freund, damit ich hochklettern kann," sagt er zu mir.
Ich halte das Seil also fest. Am anderen Ende des über den Felsvorsprung baumelnden Seiles hangelt er sich hoch. Dann zieht er sich über den Felsvorsprung und sagt:
"So, binde nun einen Rucksack nach dem anderen an das Seil. Ich ziehe erst unser Gepäck hoch."
Gesagt, getan. Nach dem Gepäck hangelt sich Ruri-chan am Seil hoch. Anschließend bin ich dran und dann folgt zum Schluss Meru. Nun ist es auf dem Felsvorsprung sehr eng geworden. Hier zieht sich eine leicht schräge Spalte von etwa anderthalb Meter Höhe und vielleicht zehn Metern Tiefe durch den Fels. Wir schnallen uns die Rucksäcke wieder auf die Rücken und bewegen uns auf allen vieren langsam vorwärts. Nach etwa einer Stunde - nach meinem Zeitgefühl eine kleine Ewigkeit - in der es leicht aufwärts ging, erreichen wir den Eingang einer größeren Höhle. Hier setzen wir uns und essen etwas von unserer Verpflegung.
"Dies hier ist der Beginn eines Höhlensystems, das wir zum Aufstieg nutzen können. Trotzdem müssen wir morgen noch einmal hinaus und eine enge Spalte hinaufklettern, um dann durch ein zweites Höhlensystem fast das Gipfelplateau zu erreichen. Das letzte Stück ist dann noch eine enge Felsspalte, die mit Geröll gefüllt ist. Der Aufstieg darin ist nicht steil, aber wegen des Gerölls ist trotzdem Vorsicht geboten," erklärt Primok den weiteren Weg.
Wir gehen, klettern und kriechen von Halle zu Halle dieses Höhlensystems bis Primok in einer Höhle sagt, dass wir hier zelten sollten. Wir essen mit Heißhunger unsere Fischbrote und legen uns schlafen.
Am nächsten Tag folgen wir Primok und Meru weiter nach oben. Durch Felsspalten an der Höhlendecke scheint eine Luftzirkulation zu bestehen. Unterwegs schweifen meine Gedanken ab. Ich erinnere mich an unser gestriges Gespräch. Der Mensch in der westlichen Zivilisation muss wohl längst wesentliche Dinge vergessen haben, die den Pemón noch bewusst sind.
'Vielleicht teilt sich die Natur nur denen mit, die zum Zuhören bereit sind. Wie auch immer...' denke ich mir.
Ob der Mensch nun im Grundsatz ein biochemischer Mechanismus ist, oder mehr als das. Ob er ein bewusstes Wesen ist, dessen Empfindungen wie Glück und Schmerz, Freude und Trauer, Erkenntnis und Bewusstsein, das aufeinander Einwirken von Kohlenstoff und Sauerstoff, dem Austausch von Gasen, dem Öffnen und Schließen von körpereigenen Ventilen übersteigt. Ob der Mensch das einzige Wesen auf der Erde ist, das Glück und Schmerz, Freude und Trauer verspürt oder auch Tiere oder vielleicht sogar auch Pflanzen, alle Wesen, die die Pemón ihre Brüder nennen. Fest steht, dass insbesondere die Native People ihre Welt auf eine tiefgründige, vielschichtige Weise erleben, die von der Welterkenntnis der technisch orientierten Mentalität weit entfernt ist.
... comment