Samstag, 10. April 2021
Yamato Nadeshiko -54-
hermann-jpmt, 11:27h
Wir haben uns um einen Termin im EKO-Haus in Düsseldorf gekümmert. Am Vortag des Termins sind wir zum Standesamt in der Nähe von Hagenholt gefahren und am Folgetag mit beiden Elternpaaren nach Düsseldorf.
Wir gehen mit Ruri-chan in ein Hochzeitshaus. Das Styling übernehmen zwei professionelle Stylistinnen. Sie wählt einen blütenweißen zwölflagigen Kimono mit weißer Kapuze. Die Farbe symbolisiert Reinheit und Harmonie - und die Bereitschaft der Braut, sich mit den Werten ihrer neuen Familie zu 'färben' (zu identifizieren). Unsere Hochzeitsgewänder mieten wir dort, denn der Kauf würde an die 100.000 Euro verschlingen und das für nur einige Stunden Tragedauer!
Bis Ruri-chan fertig ist mache ich mit den Elternpaaren einen Spaziergang durch den Park am EKO-Haus. Dabei besuchen wir auch das Teehaus. Zuerst nehmen wir im Warteraum Platz. Der Mitarbeiter überreicht hier jedem Gast eine Schale mit heißem Wasser. Ich fungiere als Dolmetscher und bügele dabei auch ein paar Faux pas meiner Eltern aus.
Geldgeschenke in kostbaren Umschlägen werden ausgetauscht. Damit niemand sein Gesicht verliert habe ich Ruri-chan gefragt, in welcher Größenordnung das Geschenk ihrer Eltern etwa anzusetzen wäre, und habe das im Vorfeld an meine Eltern weitergegeben. Ruri-chans Eltern stecken das Kuvert meiner Eltern lächelnd nickend ein.
Anschließend füllt der Mitarbeiter des Teehauses frisches Wasser in ein steinernes Wasserbassin und legt eine Schöpfkelle bereit. Wortlos verschwindet er danach im Teeraum. Wir reinigen uns nun mit dem frischen Wasser Mund und Hände. Symbolisch waschen wir damit alles Üble ab, was wir getan oder gesagt haben könnten.
Erst danach betreten wir nacheinander das Teehaus. In den Teeraum gelangt man durch einen knapp einen Meter hohen Eingang. Um Eintreten zu können, müssen wir auf die Knie. Dadurch betreten wir den Raum voller Demut und Respekt. Alle gesellschaftlichen Unterschiede werden an der Schwelle abgelegt.
Während wir leichte Speisen wie Reis, Suppe und Gemüse serviert bekommen, legt eine Mitarbeiterin nun in unserem Beisein Holzkohle auf das Feuer, um das Teewasser auf die richtige Temperatur zu bringen. Der Mitarbeiter bringt jetzt die noch fehlenden Teeutensilien in den Teeraum.
Anschließend serviert der Mitarbeiter den dicken Tee, den Koicha. Ich habe meine Eltern vorgewarnt und gesagt, dass sie diesen Tee eher essen müssen. Danach wird der dünne Tee, der Usucha, mit Süßigkeiten serviert.
Dazu reicht mir die Mitarbeiterin, die die Zeremonie durchführt, eine gefüllte Teeschale, die ich mit einer Verbeugung annehme. Ich biete meiner Schwiegermutter neben mir die Schale an, aber sie lehnt höflich lächelnd ab und bittet mich mit einer Geste zuerst zu trinken. Also nehme ich einen Schluck, drehe die Schale in meiner Hand und gebe sie weiter. Zum Schluss geht die Schale an die Mitarbeiterin zurück. Sie wird nun gereinigt und den nächsten Tee bereitet. Dreimal geht die Schale auf diese Weise reihum. Während des Rituals herrscht Schweigen.
Mit einer leichten Konversation, von meinen Schwiegereltern auf Japanisch geführt, in der sie sich bei der Mitarbeiterin über die verwendete Teesorte erkundigen und den Geschmack loben, klingt die Zeremonie schließlich aus.
Wir schlendern langsam zum Hochzeitshaus zurück, wo ich jetzt auch eingekleidet werde. Ich erhalte eine weite, faltenreiche Hose und einen dunklen Blazer über ein weißes Hemd.
So zurechtgemacht durchschreiten wir das Torii und gehen auf den Schrein zu, wo uns ein Shintopriester erwartet. Der Priester führt eine rituelle Reinigung durch, dann folgt das Ehegelübde und die Opferung von Zweigen des Sakaki-Baumes. Anschließend trinken wir gemeinsam aus drei Schalen vom Priester geweihten Sake. Jetzt sind wir miteinander verheiratet.
Draußen vor dem Torii erwartet uns der bestellte Hochzeitsfotograf, für eine umfangreiche Fotosession im Park. Die Bilder sind auf besonderem Fotopapier gemacht und sollen angeblich hundert Jahre halten. Anschließend zieht sich Ruri-chan im Hochzeitshaus um. Zum folgenden Hochzeitsempfang im Restaurant trägt sie einen leichten Hikifurisode in lebhaftem Kaminrot, übersät mit vielen Mustern.
Danach geht es zu einem Japan-Restaurant in die Innenstadt zurück. Dort werden wir von Tanaka-San und Verwandten, früheren Mitarbeitern und Freundinnen Ruri-chans erwartet. Jeder Gast hat eine entsprechend teure Eintrittskarte erstanden, statt Sachgeschenke zu machen. Ein bezahlter Moderator führt ab jetzt durch den anderthalbstündigen Hochzeitsempfang mit dem Hochzeitsessen. Alles ist minutiös getaktet.
Neben uns, den Brautleuten, sitzen Tanaka-San, Freunde und frühere Arbeitskollegen am Tisch. Erst dann kommen die Verwandten. Schließlich ganz hinten sitzen unsere Eltern. Nachdem die Väter in ihren Reden die Vorzüge ihrer Kinder herausgestellt haben, ist es an den Brautleuten, ihnen darauf zu antworten. In emotionalen Reden danken wir unseren Eltern für die erfahrene Unterstützung während der vergangenen Jahre und sprechen dabei durchaus tränenrührende Momente an. Wir überzeugen die Hochzeitsgesellschaft, dass sie die besten Eltern sind, die man sich vorstellen kann.
Ruri-chans Freundinnen geben einige Anekdoten preis, wie auch Tanaka-San in Vertretung meiner Lehrer auf der Insel. Während der Rede von Ruri-chans bester Freundin, hört man viele Papiertaschentücher rascheln. Wir verteilen nun kleine Geschenke an die Gäste, um uns dafür zu bedanken, dass sie der Einladung gefolgt sind. Dabei handelt es sich um Süßigkeiten und Gedenkteller, hübsch und sorgfältig verpackt.
Anschließend treffen wir uns mit den Eltern und engsten Freunden zum zwanglosen Ausklang. Kurz davor hat Ruri-chan wieder die Garderobe gewechselt. Dafür sind die Stylistinnen extra aus dem Hochzeitshaus hinzugekommen und haben den Hikifurisode und meinen Hochzeitsanzug mitgenommen.
Erst jetzt können wir in Ruhe und in der Gesellschaft der besten Freunde essen, mit denen wir den ganzen Tag kaum ein persönliches Wort wechseln konnten. Tanaka-San fragt mich lächelnd, ob wir schon ein Ziel für unsere Hochzeitsreise wüssten. Ich kenne natürlich seine Dokumentation über die Khoisan in Namibia. Es ist doch ein faszinierendes und gefährliches Land für Unsereins.
Vielleicht kann ich später auch eine Doku schreiben? Dann sollte sie aber ein anderes Thema haben. Seit meiner Schulzeit faszinieren mich die Tafelberge in Venezuela. Ich denke, das wäre ein gutes Ziel für eine ähnlich abenteuerliche Reise, für eine Reise zu den Wurzeln der Menschheit.
Danach fahren wir nach Hagenholt zurück, wohin uns die restliche Hochzeitsgesellschaft schon vorausgefahren ist. Dort ziehen wir uns in unser Haus zurück und schlafen schnell ein.
*
Ich habe auf dem nächsten Stammtisch bei Herrn Loose, unserem Tavernenwirt, angeregt, ihn zu meinem Stellvertreter zu wählen. Mir geht es darum, den Anderen einen kompetenten Ansprechpartner zu geben, während ich aus welchen Gründen auch immer abwesend bin, und die Verantwortung für Hagenholt zu teilen.
In der gleichen Runde spreche ich dann auch meine Hochzeitsreise an, deren Ziel Venezuela in Mittelamerika sein soll. Nach einigen Vorbereitungen soll es zwei Wochen darauf losgehen. Wir fliegen mit einer Linienmaschine nach Caracas. Dort will ich mich mit einem Indio vom Volk der Pemón treffen, der uns beim Vordringen in den Regenwald als Führer dienen soll.
Nach einer Übernachtung im Flughafen-Hotel treffe ich den Mann in der Hotel-Lobby und mache ihn mit Ruri-chan bekannt. Ich erzähle Primok -Libelle-, so heißt der Mann, dass wir die Zivilisation weitestgehend hinter uns lassen und wie die Indios leben wollen, auf unserer Reise zu den Tepuis -Tafelbergen/Sitz der Götter-.
Er nickt und sagt:
"Den ersten Teil der Reise sollten wir aber mit einem Auto machen, bis zu den Ausläufern des Regenwaldes."
Ich nicke und zucke mit den Schultern. Er ist der Experte hier! Wir klettern also in einen altertümlichen Landrover und los geht die Fahrt.
Bald haben wir den Stadtrand von Caracas erreicht und fahren auf einer immer schlechter gewarteten Straße. Am Nachmittag biegt der Fahrer auf eine unbefestigte Seitenstraße ab.
Wir sind stundenlang an Gras- und Weideland mit geringem Baumbestand vorbeigekommen. Das ändert sich nun allmählich, während wir die Seitenstraße befahren. Die Vegetation wird dichter und höher. Irgendwann stoppt der Wagen. Primok steigt aus und nimmt drei Speere in die Hand.
"Schauen Sie!" sagt er. "Dem Lauf des Flusses dort werden wir morgen folgen. Ich jage uns ein Abendessen. Später werden wir im Auto übernachten."
Schon ist der Pemón weg. Der Fahrer des Wagens meint:
"Wir können den Wagen hier stehen lassen. Ich mache draußen schon einmal ein Feuer."
Auch er steigt nun aus, schaut sich nach Zweigen verschiedener Größe um und sägt sie mit einem Kombimesser in kleine Stücke. Wir gehen die paar Meter zu dem Wasserlauf und schauen uns um. Also, ich würde ihn eher einen Bach als einen Fluss nennen, aber gut...
Zurück beim Auto angekommen, entzündet der Fahrer gerade das Feuer mit seinem Feuerzeug. Primok ist bald darauf auch wieder da. Er hat vier mittelgroße Fische gefangen, die er nun schlachtet und auf einem Rost über dem Feuer brät. Dazu gibt es runde Fladenbrote. Er bricht sein Brot in der Mitte durch und formt eine Tasche. Da hinein schabt er das Fischfleisch von seiner Haut ab.
Er schaut auf, lächelt und gibt uns je eine Hälfte. Anschließend wiederholt er das Gleiche und die beiden Venezolaner essen ebenfalls. Später wird das Feuer mit Sand gelöscht. Die Lehne der hinteren Sitzbank des Landrovers wird herabgeklappt und wir entfalten unsere Schlafsäcke. Primok hängt diagonal über uns eine Hängematte auf, in die er sich zum Schlafen zurückzieht und der Fahrer schläft quer über den Vordersitzen liegend.
Am nächsten Morgen machen wir uns am Wasser frisch und der Fahrer kocht Kaffee, indem er mehrere Löffel Kaffeepulver in eine Kanne gibt, mit Flusswasser übergießt und auf einem neuen Feuer erhitzt. Zu essen gibt es die Reste von gestern Abend.
Anschließend kriecht Primok unter einen Busch, verscheucht einiges an Klein-Getier und kommt rückwärts wieder hervor. Dabei zieht er einen Einbaum der Indios darunter hervor. Dies sei sein Kanoa, erklärt er. Er schiebt es ans Wasser und fordert uns auf, näherzukommen.
Wir gehen mit Ruri-chan in ein Hochzeitshaus. Das Styling übernehmen zwei professionelle Stylistinnen. Sie wählt einen blütenweißen zwölflagigen Kimono mit weißer Kapuze. Die Farbe symbolisiert Reinheit und Harmonie - und die Bereitschaft der Braut, sich mit den Werten ihrer neuen Familie zu 'färben' (zu identifizieren). Unsere Hochzeitsgewänder mieten wir dort, denn der Kauf würde an die 100.000 Euro verschlingen und das für nur einige Stunden Tragedauer!
Bis Ruri-chan fertig ist mache ich mit den Elternpaaren einen Spaziergang durch den Park am EKO-Haus. Dabei besuchen wir auch das Teehaus. Zuerst nehmen wir im Warteraum Platz. Der Mitarbeiter überreicht hier jedem Gast eine Schale mit heißem Wasser. Ich fungiere als Dolmetscher und bügele dabei auch ein paar Faux pas meiner Eltern aus.
Geldgeschenke in kostbaren Umschlägen werden ausgetauscht. Damit niemand sein Gesicht verliert habe ich Ruri-chan gefragt, in welcher Größenordnung das Geschenk ihrer Eltern etwa anzusetzen wäre, und habe das im Vorfeld an meine Eltern weitergegeben. Ruri-chans Eltern stecken das Kuvert meiner Eltern lächelnd nickend ein.
Anschließend füllt der Mitarbeiter des Teehauses frisches Wasser in ein steinernes Wasserbassin und legt eine Schöpfkelle bereit. Wortlos verschwindet er danach im Teeraum. Wir reinigen uns nun mit dem frischen Wasser Mund und Hände. Symbolisch waschen wir damit alles Üble ab, was wir getan oder gesagt haben könnten.
Erst danach betreten wir nacheinander das Teehaus. In den Teeraum gelangt man durch einen knapp einen Meter hohen Eingang. Um Eintreten zu können, müssen wir auf die Knie. Dadurch betreten wir den Raum voller Demut und Respekt. Alle gesellschaftlichen Unterschiede werden an der Schwelle abgelegt.
Während wir leichte Speisen wie Reis, Suppe und Gemüse serviert bekommen, legt eine Mitarbeiterin nun in unserem Beisein Holzkohle auf das Feuer, um das Teewasser auf die richtige Temperatur zu bringen. Der Mitarbeiter bringt jetzt die noch fehlenden Teeutensilien in den Teeraum.
Anschließend serviert der Mitarbeiter den dicken Tee, den Koicha. Ich habe meine Eltern vorgewarnt und gesagt, dass sie diesen Tee eher essen müssen. Danach wird der dünne Tee, der Usucha, mit Süßigkeiten serviert.
Dazu reicht mir die Mitarbeiterin, die die Zeremonie durchführt, eine gefüllte Teeschale, die ich mit einer Verbeugung annehme. Ich biete meiner Schwiegermutter neben mir die Schale an, aber sie lehnt höflich lächelnd ab und bittet mich mit einer Geste zuerst zu trinken. Also nehme ich einen Schluck, drehe die Schale in meiner Hand und gebe sie weiter. Zum Schluss geht die Schale an die Mitarbeiterin zurück. Sie wird nun gereinigt und den nächsten Tee bereitet. Dreimal geht die Schale auf diese Weise reihum. Während des Rituals herrscht Schweigen.
Mit einer leichten Konversation, von meinen Schwiegereltern auf Japanisch geführt, in der sie sich bei der Mitarbeiterin über die verwendete Teesorte erkundigen und den Geschmack loben, klingt die Zeremonie schließlich aus.
Wir schlendern langsam zum Hochzeitshaus zurück, wo ich jetzt auch eingekleidet werde. Ich erhalte eine weite, faltenreiche Hose und einen dunklen Blazer über ein weißes Hemd.
So zurechtgemacht durchschreiten wir das Torii und gehen auf den Schrein zu, wo uns ein Shintopriester erwartet. Der Priester führt eine rituelle Reinigung durch, dann folgt das Ehegelübde und die Opferung von Zweigen des Sakaki-Baumes. Anschließend trinken wir gemeinsam aus drei Schalen vom Priester geweihten Sake. Jetzt sind wir miteinander verheiratet.
Draußen vor dem Torii erwartet uns der bestellte Hochzeitsfotograf, für eine umfangreiche Fotosession im Park. Die Bilder sind auf besonderem Fotopapier gemacht und sollen angeblich hundert Jahre halten. Anschließend zieht sich Ruri-chan im Hochzeitshaus um. Zum folgenden Hochzeitsempfang im Restaurant trägt sie einen leichten Hikifurisode in lebhaftem Kaminrot, übersät mit vielen Mustern.
Danach geht es zu einem Japan-Restaurant in die Innenstadt zurück. Dort werden wir von Tanaka-San und Verwandten, früheren Mitarbeitern und Freundinnen Ruri-chans erwartet. Jeder Gast hat eine entsprechend teure Eintrittskarte erstanden, statt Sachgeschenke zu machen. Ein bezahlter Moderator führt ab jetzt durch den anderthalbstündigen Hochzeitsempfang mit dem Hochzeitsessen. Alles ist minutiös getaktet.
Neben uns, den Brautleuten, sitzen Tanaka-San, Freunde und frühere Arbeitskollegen am Tisch. Erst dann kommen die Verwandten. Schließlich ganz hinten sitzen unsere Eltern. Nachdem die Väter in ihren Reden die Vorzüge ihrer Kinder herausgestellt haben, ist es an den Brautleuten, ihnen darauf zu antworten. In emotionalen Reden danken wir unseren Eltern für die erfahrene Unterstützung während der vergangenen Jahre und sprechen dabei durchaus tränenrührende Momente an. Wir überzeugen die Hochzeitsgesellschaft, dass sie die besten Eltern sind, die man sich vorstellen kann.
Ruri-chans Freundinnen geben einige Anekdoten preis, wie auch Tanaka-San in Vertretung meiner Lehrer auf der Insel. Während der Rede von Ruri-chans bester Freundin, hört man viele Papiertaschentücher rascheln. Wir verteilen nun kleine Geschenke an die Gäste, um uns dafür zu bedanken, dass sie der Einladung gefolgt sind. Dabei handelt es sich um Süßigkeiten und Gedenkteller, hübsch und sorgfältig verpackt.
Anschließend treffen wir uns mit den Eltern und engsten Freunden zum zwanglosen Ausklang. Kurz davor hat Ruri-chan wieder die Garderobe gewechselt. Dafür sind die Stylistinnen extra aus dem Hochzeitshaus hinzugekommen und haben den Hikifurisode und meinen Hochzeitsanzug mitgenommen.
Erst jetzt können wir in Ruhe und in der Gesellschaft der besten Freunde essen, mit denen wir den ganzen Tag kaum ein persönliches Wort wechseln konnten. Tanaka-San fragt mich lächelnd, ob wir schon ein Ziel für unsere Hochzeitsreise wüssten. Ich kenne natürlich seine Dokumentation über die Khoisan in Namibia. Es ist doch ein faszinierendes und gefährliches Land für Unsereins.
Vielleicht kann ich später auch eine Doku schreiben? Dann sollte sie aber ein anderes Thema haben. Seit meiner Schulzeit faszinieren mich die Tafelberge in Venezuela. Ich denke, das wäre ein gutes Ziel für eine ähnlich abenteuerliche Reise, für eine Reise zu den Wurzeln der Menschheit.
Danach fahren wir nach Hagenholt zurück, wohin uns die restliche Hochzeitsgesellschaft schon vorausgefahren ist. Dort ziehen wir uns in unser Haus zurück und schlafen schnell ein.
*
Ich habe auf dem nächsten Stammtisch bei Herrn Loose, unserem Tavernenwirt, angeregt, ihn zu meinem Stellvertreter zu wählen. Mir geht es darum, den Anderen einen kompetenten Ansprechpartner zu geben, während ich aus welchen Gründen auch immer abwesend bin, und die Verantwortung für Hagenholt zu teilen.
In der gleichen Runde spreche ich dann auch meine Hochzeitsreise an, deren Ziel Venezuela in Mittelamerika sein soll. Nach einigen Vorbereitungen soll es zwei Wochen darauf losgehen. Wir fliegen mit einer Linienmaschine nach Caracas. Dort will ich mich mit einem Indio vom Volk der Pemón treffen, der uns beim Vordringen in den Regenwald als Führer dienen soll.
Nach einer Übernachtung im Flughafen-Hotel treffe ich den Mann in der Hotel-Lobby und mache ihn mit Ruri-chan bekannt. Ich erzähle Primok -Libelle-, so heißt der Mann, dass wir die Zivilisation weitestgehend hinter uns lassen und wie die Indios leben wollen, auf unserer Reise zu den Tepuis -Tafelbergen/Sitz der Götter-.
Er nickt und sagt:
"Den ersten Teil der Reise sollten wir aber mit einem Auto machen, bis zu den Ausläufern des Regenwaldes."
Ich nicke und zucke mit den Schultern. Er ist der Experte hier! Wir klettern also in einen altertümlichen Landrover und los geht die Fahrt.
Bald haben wir den Stadtrand von Caracas erreicht und fahren auf einer immer schlechter gewarteten Straße. Am Nachmittag biegt der Fahrer auf eine unbefestigte Seitenstraße ab.
Wir sind stundenlang an Gras- und Weideland mit geringem Baumbestand vorbeigekommen. Das ändert sich nun allmählich, während wir die Seitenstraße befahren. Die Vegetation wird dichter und höher. Irgendwann stoppt der Wagen. Primok steigt aus und nimmt drei Speere in die Hand.
"Schauen Sie!" sagt er. "Dem Lauf des Flusses dort werden wir morgen folgen. Ich jage uns ein Abendessen. Später werden wir im Auto übernachten."
Schon ist der Pemón weg. Der Fahrer des Wagens meint:
"Wir können den Wagen hier stehen lassen. Ich mache draußen schon einmal ein Feuer."
Auch er steigt nun aus, schaut sich nach Zweigen verschiedener Größe um und sägt sie mit einem Kombimesser in kleine Stücke. Wir gehen die paar Meter zu dem Wasserlauf und schauen uns um. Also, ich würde ihn eher einen Bach als einen Fluss nennen, aber gut...
Zurück beim Auto angekommen, entzündet der Fahrer gerade das Feuer mit seinem Feuerzeug. Primok ist bald darauf auch wieder da. Er hat vier mittelgroße Fische gefangen, die er nun schlachtet und auf einem Rost über dem Feuer brät. Dazu gibt es runde Fladenbrote. Er bricht sein Brot in der Mitte durch und formt eine Tasche. Da hinein schabt er das Fischfleisch von seiner Haut ab.
Er schaut auf, lächelt und gibt uns je eine Hälfte. Anschließend wiederholt er das Gleiche und die beiden Venezolaner essen ebenfalls. Später wird das Feuer mit Sand gelöscht. Die Lehne der hinteren Sitzbank des Landrovers wird herabgeklappt und wir entfalten unsere Schlafsäcke. Primok hängt diagonal über uns eine Hängematte auf, in die er sich zum Schlafen zurückzieht und der Fahrer schläft quer über den Vordersitzen liegend.
Am nächsten Morgen machen wir uns am Wasser frisch und der Fahrer kocht Kaffee, indem er mehrere Löffel Kaffeepulver in eine Kanne gibt, mit Flusswasser übergießt und auf einem neuen Feuer erhitzt. Zu essen gibt es die Reste von gestern Abend.
Anschließend kriecht Primok unter einen Busch, verscheucht einiges an Klein-Getier und kommt rückwärts wieder hervor. Dabei zieht er einen Einbaum der Indios darunter hervor. Dies sei sein Kanoa, erklärt er. Er schiebt es ans Wasser und fordert uns auf, näherzukommen.
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