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Freitag, 11. Februar 2022
Cuiraraill -48-
hermann-jpmt, 12:02h
Wir werden in die hiesige Herberge geführt und verpflegt. Dann erhalten wir unsere Mehrbettzimmer und werden in einen großen Saal geführt. Dieser wird wohl für die nächste Zeit unser Schulungsraum. Zuerst müssen wir die Landessprache erlernen. Gleichzeitig zeigen wir, was wir in Lon-Wa-Lha an haushaltsnahen Tätigkeiten erlernt haben.
In der folgenden Zeit müssen wir feststellen, dass wir hier in Cuiraraill noch weitergehende Kenntnisse brauchen. Asuka-San, die Leiterin unserer Schulung hier, erklärt uns, dass die Männer gerne viele Frauen um sich haben möchten. Da das in der westlichen Gesellschaft ein Unding ist, andererseits beziehungsintern zu Eifersucht führt, muss die Frau dem Mann eben in vielen Rollen gegenüberzutreten imstande sein.
Neben der Hausfrau, muss sie Unterhalterin, Gesellschafterin, Pflegerin und auch Beschützerin sein. Der letzte Punkt hat mich stutzig gemacht und ich frage die Lehrerin nach dem Grund. Sie erklärt, dass das Beherrschen der Selbstverteidigung viele Auswirkungen hat: Es fördert das Selbstbewusstsein der Frau, sie ist in der Lage gemeinsam mit dem Mann an ihrer Seite gegen Aggressoren vorzugehen und kann die Lage klären, wenn der Mann überfallen und überwältigt wurde, denn dass von ihrer Seite Gegenwehr kommt erwarten Aggressoren meist nicht.
Asuka-San berichtet in diesem Zusammenhang auch von weiblichen Samurai in der japanischen Geschichte. Nun muss ich doch eine Zwischenfrage stellen:
"Haben diese weiblichen Samurai auch mit Waffen gekämpft?"
Asuka-San lächelt und nickt.
"Sie kannten alle Waffen, die auch die männlichen Samurai führten. Ihre bevorzugte Waffe war jedoch die Naginata -Schwertlanze-. Sie ist etwa 2,5 Meter lang und hat eine Klinge, die ein Drittel der Länge ausmacht. Sie ist damit etwa dreimal so lang wie ein Samurai-Schwert.
Eine Kriegerin hat damit gegenüber einem Krieger einen Vorteil, den sie schnell nutzen muss. Ihr bleibt gerade genug Zeit, einen Streich gegen die Waden des Gegners zu führen, bevor dieser sein Katana -Langschwert- einsetzen kann. Schwertkämpfer konzentrieren sich meist auf Kopf, Kehle und Brustkorb und schützen sich dementsprechend. Ein Streich gegen ihre Waden überrascht sie immer wieder.
Aber beachtet: In der heutigen Zeit hat die Polizei das Gewaltmonopol. Oft kommt man auch in Waffenverbotszonen wie Flughäfen und Bahnhöfe. Da nutzen einem diese Waffen nichts!"
Ich sehe das ein und folge den Ausführungen der Lehrerin zu den anderen Themen. Was sie uns über die Unterhalterin und Gesellschafterin beibringt, ist so interessant, dass ich nicht mehr an die bewaffnete Kriegerin denke.
Wir sind noch nicht lange in Irland, können uns erst wenig in der Landessprache unterhalten, als Tashima einen jungen Mann kennenlernt, der sein Haus draußen in den Feldern hat und sich als Arzt um die Leute im Umland kümmert. Ich erlebe mit, wie Tashima aufblüht und ihre Augen strahlen, wenn sie von ihm erzählt. Das freut mich sehr für sie.
Während unserer Schulung erhalten immer mehr Kamlahari größere Freiräume tagsüber, um sich mit Männern aus dem Ort zu treffen. Gesellen der ortsansässigen Handwerker kümmern sich um Kontakte zu uns. Eines Tages spricht mich ein Mann, geschätzt in den Dreißigern, an und fragt mich, ob ich gerne einen Spaziergang mit ihm unternehmen möchte.
Tashima hat mir erzählt, dass auf diese Weise die Beziehung zu ihrem Curadh Aidan begonnen hat. Natürlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, ebenso einen Mann kennenzulernen und erhebe mich gespannt. Er führt mich vor die Tür der Herberge, die in den vergangenen Monaten zu meinem Zuhause geworden ist. Der Mann hält mir zuvorkommend die schwere eicherne Eingangstür auf und fragt draußen, ob ich einen bevorzugten Spazierweg habe oder ob ich mich gern seiner Führung anvertrauen möchte.
"Verehrter Herr," antworte ich, selbstbewusst lächelnd. "Ich habe mir eine gewisse kindliche Neugier bewahrt und bin darum gespannt, wohin Sie mich führen möchten!"
Nachdem der Mann zuerst einen gespannten Gesichtsausdruck gezeigt hat, lächelt er nun. Er sagt:
"Ich möchte mich zuerst einmal vorstellen! Ich bin Curadh Bran und der Chef der Wache hier in Cuiraraill. Nun mache ich meinen täglichen Rundgang durch den Ort, bei dem ich schaue, ob alles in Ordnung ist. Bei der Gelegenheit: Darf ich auch Ihren Namen erfahren?"
Ich beuge die Knie ein wenig, wobei ich mit meinen Händen die hier übliche Kleidung raffe, wie ich es hier gelernt habe. Einen richtigen Curtsey -Hofknicks- möchte ich ihm gegenüber noch nicht anwenden. Dafür kenne ich ihn noch nicht gut genug. Dann antworte ich:
"Mein Name ist Dekyi."
"Okay, Dekyi... Schöner Name..." meint er. "Dann folge mir."
Er geht an die Stelle, wo der Bach als Wasserfall die Klippe hinunterstürzt, schaut kurz über den Rand des Felsens und beginnt dann dem Bachlauf von der Klippe weg zu folgen. Hier stehen Häuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht, ganz wie in Lon-Wa-Lha auch. Er klingelt an jedem Haus und wechselt ein paar Worte mit dem Curadh. Dadurch dauert der Rundgang eine lange Zeit und ich mache ihn nach drei Stunden darauf aufmerksam, dass ich wieder zur Schule zurück müsste.
In der folgenden Zeit müssen wir feststellen, dass wir hier in Cuiraraill noch weitergehende Kenntnisse brauchen. Asuka-San, die Leiterin unserer Schulung hier, erklärt uns, dass die Männer gerne viele Frauen um sich haben möchten. Da das in der westlichen Gesellschaft ein Unding ist, andererseits beziehungsintern zu Eifersucht führt, muss die Frau dem Mann eben in vielen Rollen gegenüberzutreten imstande sein.
Neben der Hausfrau, muss sie Unterhalterin, Gesellschafterin, Pflegerin und auch Beschützerin sein. Der letzte Punkt hat mich stutzig gemacht und ich frage die Lehrerin nach dem Grund. Sie erklärt, dass das Beherrschen der Selbstverteidigung viele Auswirkungen hat: Es fördert das Selbstbewusstsein der Frau, sie ist in der Lage gemeinsam mit dem Mann an ihrer Seite gegen Aggressoren vorzugehen und kann die Lage klären, wenn der Mann überfallen und überwältigt wurde, denn dass von ihrer Seite Gegenwehr kommt erwarten Aggressoren meist nicht.
Asuka-San berichtet in diesem Zusammenhang auch von weiblichen Samurai in der japanischen Geschichte. Nun muss ich doch eine Zwischenfrage stellen:
"Haben diese weiblichen Samurai auch mit Waffen gekämpft?"
Asuka-San lächelt und nickt.
"Sie kannten alle Waffen, die auch die männlichen Samurai führten. Ihre bevorzugte Waffe war jedoch die Naginata -Schwertlanze-. Sie ist etwa 2,5 Meter lang und hat eine Klinge, die ein Drittel der Länge ausmacht. Sie ist damit etwa dreimal so lang wie ein Samurai-Schwert.
Eine Kriegerin hat damit gegenüber einem Krieger einen Vorteil, den sie schnell nutzen muss. Ihr bleibt gerade genug Zeit, einen Streich gegen die Waden des Gegners zu führen, bevor dieser sein Katana -Langschwert- einsetzen kann. Schwertkämpfer konzentrieren sich meist auf Kopf, Kehle und Brustkorb und schützen sich dementsprechend. Ein Streich gegen ihre Waden überrascht sie immer wieder.
Aber beachtet: In der heutigen Zeit hat die Polizei das Gewaltmonopol. Oft kommt man auch in Waffenverbotszonen wie Flughäfen und Bahnhöfe. Da nutzen einem diese Waffen nichts!"
Ich sehe das ein und folge den Ausführungen der Lehrerin zu den anderen Themen. Was sie uns über die Unterhalterin und Gesellschafterin beibringt, ist so interessant, dass ich nicht mehr an die bewaffnete Kriegerin denke.
Wir sind noch nicht lange in Irland, können uns erst wenig in der Landessprache unterhalten, als Tashima einen jungen Mann kennenlernt, der sein Haus draußen in den Feldern hat und sich als Arzt um die Leute im Umland kümmert. Ich erlebe mit, wie Tashima aufblüht und ihre Augen strahlen, wenn sie von ihm erzählt. Das freut mich sehr für sie.
Während unserer Schulung erhalten immer mehr Kamlahari größere Freiräume tagsüber, um sich mit Männern aus dem Ort zu treffen. Gesellen der ortsansässigen Handwerker kümmern sich um Kontakte zu uns. Eines Tages spricht mich ein Mann, geschätzt in den Dreißigern, an und fragt mich, ob ich gerne einen Spaziergang mit ihm unternehmen möchte.
Tashima hat mir erzählt, dass auf diese Weise die Beziehung zu ihrem Curadh Aidan begonnen hat. Natürlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, ebenso einen Mann kennenzulernen und erhebe mich gespannt. Er führt mich vor die Tür der Herberge, die in den vergangenen Monaten zu meinem Zuhause geworden ist. Der Mann hält mir zuvorkommend die schwere eicherne Eingangstür auf und fragt draußen, ob ich einen bevorzugten Spazierweg habe oder ob ich mich gern seiner Führung anvertrauen möchte.
"Verehrter Herr," antworte ich, selbstbewusst lächelnd. "Ich habe mir eine gewisse kindliche Neugier bewahrt und bin darum gespannt, wohin Sie mich führen möchten!"
Nachdem der Mann zuerst einen gespannten Gesichtsausdruck gezeigt hat, lächelt er nun. Er sagt:
"Ich möchte mich zuerst einmal vorstellen! Ich bin Curadh Bran und der Chef der Wache hier in Cuiraraill. Nun mache ich meinen täglichen Rundgang durch den Ort, bei dem ich schaue, ob alles in Ordnung ist. Bei der Gelegenheit: Darf ich auch Ihren Namen erfahren?"
Ich beuge die Knie ein wenig, wobei ich mit meinen Händen die hier übliche Kleidung raffe, wie ich es hier gelernt habe. Einen richtigen Curtsey -Hofknicks- möchte ich ihm gegenüber noch nicht anwenden. Dafür kenne ich ihn noch nicht gut genug. Dann antworte ich:
"Mein Name ist Dekyi."
"Okay, Dekyi... Schöner Name..." meint er. "Dann folge mir."
Er geht an die Stelle, wo der Bach als Wasserfall die Klippe hinunterstürzt, schaut kurz über den Rand des Felsens und beginnt dann dem Bachlauf von der Klippe weg zu folgen. Hier stehen Häuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht, ganz wie in Lon-Wa-Lha auch. Er klingelt an jedem Haus und wechselt ein paar Worte mit dem Curadh. Dadurch dauert der Rundgang eine lange Zeit und ich mache ihn nach drei Stunden darauf aufmerksam, dass ich wieder zur Schule zurück müsste.
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