Freitag, 28. Januar 2022
Cuiraraill -41-
Nach einiger Zeit stellt Curadh Murchardh mir einen Japaner vor. Der Besucher, Akiyama-San, kleidet sich in Cuiraraill wie ein Samurai. Er soll auch ein Nachfahre der früheren japanischen Ritterkaste sein, hat Curadh Murchardh mir erklärt.

Akiyama-San eröffnet eine Schule für Shi, wie Herren auf Japanisch genannt werden, und Curadh Murchardh ermuntert mich, an den Kursen teilzunehmen. Mit mir nehmen sechs weitere junge Männer in meinem Alter teil, die Besatzung des historischen Segelschiffes, das unten im Hafen liegt. Mit der Zeit erweitert sich der Kurs, bis wir etwa dreißig Schüler sind.

Mit Akiyama-San ist eine junge Japanerin nach Cuiraraill gekommen. Die Leute hier munkeln, dass sie eine Geisha sei, die die Leute auf Bunrei no Shima in einem Varieté-Theater beim Speisen mit ihrer Vorstellung unterhalten hat. Die junge Frau sieht man in ihrer Freizeit in Cuiraraill zumeist mit Alainn, der Wench des Méara, und Mary, der Wench des Schreiners und Holzbildhauers, zusammen herumschlendern.
Die Japanerin wird Asuka-San genannt, was ?Morgenduft? bedeutet, wie ich herausgefunden habe. Wenn wir uns in den Trainingspausen zufällig draußen treffen, ist sie höflich zurückhaltend und lächelt mich freundlich an, wenn ich sie zuvorkommend grüße.

Dann ist mein Haus fertig, das man absichtlich in den Wiesen außerhalb des Ortes gebaut hat, in der Nähe einer Ansammlung von Häusern, in denen schon Bauern und Viehzüchter wohnen. Bevor ich aus meinem Zimmer in Curadh Murchardhs Teach -Haus- in mein neues Haus umziehe, animiert dieser mich, einen meditativen Spaziergang durch die Umgebung von Cuiraraill zu machen. Er meint, wenn mir dabei ein besonderer Stein ins Auge fällt, soll ich ihn mitbringen. Dann erhalte ich ein Lunchpaket für die Tour und gehe los.

Am späten Abend kehre ich in Curadh Murchardhs Haus zurück und zeige ihm stolz einen Stein, den ich draußen in den Wiesen gefunden habe. Curadh Murchardh beglückwünscht mich und meint, wir sollten nach dem Abendessen sofort aufbrechen.

Wir gehen anschließend zu meinem neuen Haus, etwa ein Kilometer landeinwärts. Dazu halten wir kurz an der Werkstatt von Curadh Franck, der uns mit einer elektrischen Fräse begleitet. Als wir mein Teach erreichen, übergibt mir der Leigheas den Schlüssel. Ich schließe die massive Eichentür auf und wir betreten das Haus.

Drinnen lässt sich Curadh Franck den Stein zeigen. Wir betreten die Seomrai beo -Wohnhalle- und gehen zur Tafel. Curadh Franck fräst eine entsprechend große Vertiefung in die massive Tischplatte. Nun hat mein Clocha bhaile -Heimstein- sein Platz. Danach zeigen die Curadhi mir das Haus. Es gleicht Curadh Murchardhs Haus wie ein Ei dem anderen. Auch die Inneneinrichtung ist dieselbe.

"Oben in den Privaträumen können Sie sich austoben," meint der Leigheas lächelnd. "Richten Sie sich ein, wie Sie es mögen! Im Augenblick steht dort nur das Nötigste. Die Rechnungen für die Erstausstattung gehen an mich. Ich denke, Sie können diese Rechnungen aus dem, was die Leute Ihnen geben, in den nächsten Jahren begleichen."

Nach dieser Erklärung lassen mich die Curadhi allein und ich steige die Treppe hinauf in meine Privaträume. Oben lege ich mich erst einmal auf die einzelne Futon-Matratze und bin schnell eingeschlafen.

*

Am nächsten Morgen wandere ich, Aidan, von meinem Teach -Haus- nach Cuiraraill, das ich nach etwa einer Viertelstunde erreiche. Ich gehe zur Brú -Herberge- ?Ardaigh Celtic? -keltische Rose- und setze mich dort zum Frühstück in den Seomrai bia -Speiseraum-. Beinahe jeder Curadh ist mit einer Frau zusammen, so wie Curadh Murchardh mit Runa und Curadh Chiarraí mit Alainn.

Genau so eine Frau fehlt mir jetzt noch in meinem Haus, damit ich 'durchstarten' kann. Als Einzelperson brauche ich nicht unbedingt eine Hausfrau. Aber dann hätte ich auch bei Curadh Murchardh wohnen bleiben können und ihm in der Praxis assistieren.

Mit einem eigenen Haus brauche ich dagegen über kurz oder lang jemand, der mir bei der Hausarbeit zur Hand geht. Kommen dann die ersten Patienten, brauche ich auch eine Arzthelferin. Es führt einfach kein Weg daran vorbei: Ich muss mich nach jemand umsehen, der ich sympathisch bin und die Interesse daran hat, wie Runa in einem Arzthaushalt zu leben.
Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass es in Cuiraraill praktisch keinen weiblichen Single gibt. Außerdem gibt es hier keinen Club, wo man mit dem anderen Geschlecht Kontakte knüpfen könnte, mit Ausnahme der wenigen Feste im Jahreslauf.

Plötzlich wird es laut im Speiseraum. Alainn, Mary und Asuka-San kommen mit einer großen Gruppe junger Frauen herein, die in bunte Kleider gehüllt sind, wie ich sie hier nach nicht gesehen habe. Alainn dirigiert die Frauen an die leeren Tische und sagt dem Herbergswirt Bescheid.

Der Herr und seine Wench -Magd- haben nun alle Hände voll zu tun, so dass Runa und Asuka-San helfend einspringen, während Alainn bei den Frauen bleibt und viele Erklärungen abgibt. Nachdem die Frauen alle mit Frühstück versorgt sind, kommt der Curadh hinzu und fragt, was die jungen Frauen nach Cuiraraill führt, soweit ich das mitbekomme.

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