Freitag, 14. Januar 2022
Cuiraraill -34-
Während des Essens fragt Akiyama-San, wie sich Curadh Aidan denn so macht. Mein Curadh beschreibt ihn dem Samurai charakterlich und erklärt sogleich, dass die sechs Männer, die mit uns auf Bunrei no Shima gewesen sind, ebenfalls in den Unterricht einbezogen werden sollen. Gleich Morgen früh sind alle zum Frühstück in die Taverne geladen, meint mein Curadh.

Anschließend spricht er Asuka-San an:
"Ehrenwerte Asuka-San, für Sie hätte ich eine andere Aufgabe: Wir haben seit kurzem eine Meido im Ort, die in Japan ausgebildet wurde. Ihre Meido-Do lag nördlich Tokyos. Alainn-San wird sie beide Morgenfrüh miteinander bekannt machen. Es geht um die Eröffnung einer weiteren Meido-Do hier in Cuiraraill. Schülerinnen werden die Wench der anderen Curadhs sein, soweit sie abkömmlich sind. Es wird also erst einmal eine Erwachsenenbildung darstellen, wie Mary-San sie genossen hat.
In den Pausen macht Alainn-San sie mit Aidan-San bekannt. Ob sie menschlich zueinander finden, muss man sehen. Es ist nicht zwingend! Wenn Sie beide emotional nicht zusammenfinden, haben Sie mit der Meido-Do eine gute Aufgabe für die Zukunft, falls Sie diese Aufgabe reizt. Irgendwann ergibt sich sicher eine Beziehung zu einem irischen Curadh!"

Am darauffolgenden Tag verabschieden sich die Piloten nach dem Frühstück für den langen Rückflug. Sie nehmen ein Nahrungsmittelpaket aus der Taverne mit.

Akiyama-San lernt die sieben jungen Männer seiner neuen 'Klasse' kennen und beginnt nach dem Frühstück mit Grundübungen des Ju-Jutsu. Er spickt das Training mit spontanen Kurzgedichten, sogenannten Haikus, die auf die jungen Männer erheiternd wirken. Dann ist schon Zeit zum Mittagessen.

Ich führe Asuka-San zum Frühstück zu Mary. Beim Essen erzählt Mary von ihrem Aufenthalt in der Meido-Do in Japan.

"Ich bin auf Betreiben meiner Mutter aus Kanada, meiner Heimat entführt worden, weil sie nach dem Tod meines lieben Vaters auf das ganze Erbe scharf war," erzählt sie. "In Japan hat man mich zuerst zu einem gehorsamen Geschöpf erzogen, das keine Selbstverantwortung mehr kennt, sondern auf ihren Shi -Herrn- vertraut, wer auch immer das später sein wird. Die Meido-Do -Mägde-Schule- investiert ja in mich, um ihr Investment plus Gewinn später von einem Interessenten zurückzuerhalten.
Nachdem ich soweit war, allen Befehlen zu gehorchen, begann die eigentliche Schule. Ich lernte was es heißt, eine Yamato Nadeshiko zu sein. Dazu zählten auch hausfrauliche Tätigkeiten, aber mit Blick auf den Herrn hieß das natürlich: Ihm mit dekorativen Mitteln ein schönes Heim und auch ein wohlschmeckendes Essen bereiten, so dass er sich nach der Arbeit entspannen kann. Sie kann ihn pflegen und umsorgen, wenn er krank werden sollte, oder auch nur, um für seine Entspannung zu sorgen. Sie hält die Langeweile von ihm fern, indem sie ihm eine angenehme Gesprächspartnerin und Gesellschafterin ist. Aus dem gleichen Grund habe ich tanzen gelernt. Ich beherrsche ein Instrument und kenne einige Lieder und Sagen. Außerdem habe ich gelernt, mich zu verteidigen und meinem zukünftigen Herrn bei einem möglichen Überfall zu helfen, statt mich ängstlich zu verstecken."

Ich mache große Augen und frage nach:
"Wie hat man es geschafft, aus dir eine Frau zu machen, die ihre Selbstverantwortung aufgibt und gehorsam macht, was ein Mann sagt?"

"Zuerst musste ich die moderne, emanzipierte Frau ablegen. Deshalb hat man mich nackt in einen Käfig gesperrt. Ich musste meine Scham überwinden. Meine Nahrungsmittelverweigerung aus Trotz und als Gegenreaktion hat nicht viel gefruchtet. Man stellte mir Kleidung in Aussicht, wenn ich mich angepasst verhalte. Damit hatten sie schließlich Erfolg. Erst später habe ich festgestellt, dass ich damit nichts verliere, sondern im Gegenteil viel gewinne. Die Schule hätte mich nie an einen elenden Macho abgegeben. Die Herren, die sie für ihre Schülerinnen suchten, kann man gut mit dem englischen Begriff 'Caregiver' -Betreuer- bezeichnen."

Asuka-San lächelt und erklärt:
"Ein Mann, der sich an den Tugenden der Samurai orientiert, ist damit gemeint, Alainn-San."

Mary berichtet weiter:
"Ich war bis dahin ein hochbezahltes Model gewesen. Da musste ich auch tun, was der Fotograf verlangt. Sonst hätten die Fotosessions unnötig lange gedauert, oder ich hätte nicht lange in dem Beruf überlebt.
Sieh das hier ähnlich, Alainn: Die moderne, emanzipierte Frau musste ich wegschließen und dafür die kooperative Frau an die Oberfläche holen. Hoffnung darauf, dass du bei unkooperativem Verhalten gefeuert würdest, brauchst du dir in der Schule nicht machen. Nie!"

Mir bleibt irgendwie die Spucke weg. Mit aufgerissenen Augen sitze ich stumm in der Runde und verarbeite das Gehörte.

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