Samstag, 8. Januar 2022
Cuiraraill -31-
Nach dem späten Frühstück führt uns Youki-San einige Ebenen tiefer in einen größeren Konferenzraum. Der Einkäufer hat gestern mit meiner Erlaubnis Fotos von unseren Produkten gemacht, die er den anwesenden Herren jetzt vorführt. Die Herren sind die Geschäftsführer der Kombini -Supermärkte- und der Inshoku-ten -Restaurants- auf der Insel. Auch Shokunin -Handwerker- befinden sich unter den Leuten. Nun entwickelt sich ein längeres Gespräch. Im Anschluß werden einige Leute ausgewählt, die unsere Produkte durch ihre Hand gleiten lassen wollen, um sie besser beurteilen zu können.

Mit diesen Leuten und dem Einkaufsleiter gehen wir zurück an Bord und zeigen ihnen alles, was wir haben. Dann ist schon wieder Zeit zum Mittagessen. Youki-San lädt mich mit Alainn in seine Wohnung ein. Unsere Besatzung wird während unseres Mittagessens von einem Restaurant beliefert.

Nach dem Essen führt uns Youki-San durch die Insel und zeigt uns die Produktion der Produkte, die auf der Bunrei no Shima hergestellt werden. Auch dies ist wieder ein längerer Rundgang. Ich vereinbare mit ihm, dass wir Proben der Produkte an Bord geliefert bekommen, um sie in Cuiraraill anbieten zu können.

Am darauffolgenden Tag sind wir wieder bei Youki-San zum Mittagessen eingeladen. Heute ist zusätzlich ein weiteres Ehepaar anwesend. Die beiden sind Tsukino fusai -Herr und Frau Tsukino- und Lehrer in der Mädchen-Schule auf der Insel. Wie ich heraushöre, sind die Beiden Tochter und Schwiegersohn unserer Gastgeber.

So entspannt sich beim Essen ein Gespräch über das japanische Frauenideal, das dort poetisch Yamato Nadeshiko -japanische Prachtnelke- genannt wird. Die Beiden erzählen mir, dass die Schule neun Schuljahre abdeckt. Es umfasst damit eine sechsjährige Grundschule und eine dreijährige Mittelschule. Neben dem normalen Stundenplan aller japanischer Schulen, werden dort auch Fertigkeiten gelehrt, die eine Meido -Magd- später kennen muss.

Man beginnt in den unteren Jahrgangsstufen spielerisch mit Tanztraining. Der musische Unterricht kommt ebenfalls nicht zu kurz. Tsukino-San sagt, dass man so schon früh erkennen kann, ob eine Schülerin Talent für ein Instrument mitbringt. Lieder werden eingeübt und im Chor in den Varieté-Theatern vorgetragen.

Im Japanisch-Unterricht bringt man den Schülerinnen Lyrik und Prosa nahe, darunter auch mythische Erzählungen des Shintoismus. Auch hier gibt es Wettbewerbe.

In späteren Schuljahren wird darauf aufgebaut und den Schülerinnen geistreiche Konversation unter Verwendung von Aphorismen und Sprichwörtern beigebracht. Erste Hilfe und pflegerische Kenntnisse, sowie Selbstverteidigung kommt hinzu. In den letzten Schuljahren werden Kochkurse angeboten, sowie Dekoration und Blumenbinden. Dies alles natürlich neben den üblichen Schulfächern.

Ich mache große Augen und übersetze Alainn die Informationen.

"Das ist ein ambitioniertes Programm!" meint sie. "Bleiben da nicht einige Schülerinnen auf der Strecke? Ich habe einmal von hohen Selbstmordraten unter Japans Schülern gelesen."

Zu Tsukino-San gewandt, übersetze ich Alainn?s Einwand. Sie nickt und antwortet:

"Ich kenne die Statistiken auf dem Festland. Meist ist aber nicht die Arbeitsüberlastung der Grund, sondern Mobbing unter den Schülern aus Konkurrenzgründen. In unserer Mädchenschule unterrichte ich kein Fach, sondern bin Vertrauenslehrerin und kümmere mich um solche Problemfälle."

"Ah, okay," mache ich. "Wenn nun ihre Schülerinnen als gute Hausfrauen und Gesellschafterinnen von der Schule abgehen... Wissen das ihre männlichen Altersgenossen denn zu schätzen? Ich denke mal, wenn sie eine reine Mädchenschule haben, müssen sie auch eine Knabenschule haben."

Tsukino-San nickt eifrig.

"Hai, hai -Ja, ja-! Die männlichen Schüler werden vergleichbar geschult, was die normalen Schulfächer angeht. Daneben erhalten sie Unterricht in den Tugenden der Samurai, deren Anwendung im Alltag von den Lehrern beurteilt wird. Natürlich haben die Jungs anfangs noch Flausen im Kopf! Das dürfen sie! Aber Untugenden werden nicht geduldet. Sie erhalten dann eine Belehrung und werden erneut beurteilt."

"Ich finde das hoch interessant!" meine ich und frage: "Gibt es dazu Literatur von Ihnen oder ihren Kollegen? Ich würde solche Studien gerne mit den Curadhi in Cuiraraill erörtern und daraus vielleicht etwas ähnliches entwickeln."

Sie nickt und verspricht mir, mich mit Material zu versorgen.

"Könnten Sie mir dann eine englische Übersetzung ihres 'Materials' mitgeben?? frage ich abschließend, denn das Japanisch ist doch etwas mühsam zu lesen.

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