Dienstag, 28. Dezember 2021
Cuiraraill -26-
Anschließend verabschieden sich die Männer herzlich und die Mägde liegen sich in den Armen. Dann hebt der Tarn ab. Es ist kurz vor drei Uhr am Morgen. Wir werden Cuiraraill gegen 10 Uhr am Vormittag erreichen und bis Mittag mit dem Entladen beschäftigt sein.

*

Neben den Veränderungen an Cuiraraill, die man von außen nicht sehen kann, die 'Uaimh ghorm' -Blaue Grotte- und dem Hangar für Tarns verschiedener Größe darunter, habe ich am Fuß der Felswand einen Wellenbrecher ins Meer bauen lassen, hinter dem Schiffe vor Wind und Wellen Schutz finden. Diese Kaimauer ist hoch genug, um die Gezeitenunterschiede auszugleichen. Sie ist auch breit genug, um Wagen darauf fahren zu lassen.

Zwei Kräne laufen auf Schienen hin und her, um Schiffe ent- oder beladen zu können. Dort, wo die Kaimauer auf die Felswand trifft, hat man mehrere Hohlräume geschaffen, um Waren zu lagern. Außerdem führen Lastenaufzüge von Cuiraraills 'Unterwelt' auf die Höhe der Kaimauer hinunter. Daneben führt eine Treppe mit über 1000 Stufen vom Niveau der Kaimauer hinauf zum Niveau von Cuiraraill, genau wie auf der Insel 'Skellig Michael' draußen vor der Küste.

Nun müssen nur noch Schiffe her, die unseren Hafen anlaufen. Bis auf einige Fischer, denen wir ihren Fang abkaufen, haben wir im Hafen von Cuiraraill noch keine Fluktuation von an- und abfahrenden Schiffen. Darüber rede ich über Skype mit Master Schmidt. Wäre es nicht interessant, andere Häfen unserer Community mit unseren Produkten zu beliefern und die dortigen Produkte zu uns zu bringen?

"Hm," meint Master Schmidt nachdenklich. "Hagenholt müsste sowieso einen Spediteur zwischenschalten. Einen eigenen Hafen hat nur die Bunrei no Shima -Insel der beseelten Steine-. An Prabal Jagan ?'mächtige Natur'- in Bangla Desh kann man sich außerhalb der Monsunzeit von See kommend annähern, aber dann muss das Ladegut auf 'Pferdchen' umgeladen werden, um den Ort zu erreichen."

"Auf Pferdchen?" frage ich amüsiert.

Master Schmidt nickt lächelnd.

"Sie bewegen sich auf zusammengebundenen Schilfbündeln -sogenannten Pferdchen- auf dem Wasser. Zum Transport von Gütern binden sie mehrere 'Pferdchen' nebeneinander."

"Oh, okay," antworte ich. "Schilf ist dann auch ihr Handelsgut?"

"Ja, und die Produkte, die man daraus gewinnen kann," präzisiert Herr Schmidt. "Also eine Art Papyrus, Schilfmatten als Bodenbelag, das Mark des Schilfes, das sie selbst nicht verzehren können, und einiges mehr."

"Ah, interessant," meine ich. "Für einen globalen Seehandel auf naturschonender Basis fehlt es also an Segelschiffen?"

"Das ist richtig," gibt mein Gesprächspartner zurück. "Eine große Flotte muss es wohl nicht sein. Wenn jemand damit anfangen würde, reichen sicher erst einmal eine Handvoll Schiffe. Im pazifischen Raum übernehmen Vakas den Transport von Waren und Nachrichten."

"Was kann ich mir unter 'Vakas' vorstellen?? frage ich nun.

"Vakas nennen die Polynesier ihre Doppelrumpfkanus. Entweder werden sie aus Naturmaterialien erbaut oder... Seit kurzem werden in einer japanischen Werft Vakas aus Bootsbausperrholz erbaut und mit modernster Navigationstechnik ausgerüstet."

"Hm..." mache ich und ziehe eine zweifelnde Miene. "Ich stelle mir gerade vor, wie der Hafen von Cuiraraill von Polynesierkanus frequentiert wird..."

"Unterschätzen Sie die Leute nicht!" mahnt Master Schmidt. "Sie haben eine jahrtausendealte Tradition in der Seefahrt. Aber wenn Sie lieber europäische Segelschiffe aus dem frühen Mittelalter auf das Wasser setzen und sie innen mit modernster Navigationstechnik ausstatten wollen, warum nicht..."

Irgendwie hat der Mann mir da einen Floh ins Ohr gesetzt! Ich muss mich einmal über die verschiedenen Schiffstypen nach den Langbooten der Wikinger informieren. Vielleicht ergibt sich da etwas...

*

Ein Jahr später liegen zwei Segelschiffe im Hafen von Cuiraraill. Curadh Eamon hat mir erklärt, welche Schiffe das sind:

"Die Bauart der Schiffe geht auf das normannische Nef zurück, mit denen auch Wilhelm, der Eroberer, nach England übergesetzt ist. Es hat sich aus der 'Knorr' entwickelt, dem allgemein bekannten Wikingerschiff, und wurde damals als Frachtschiff, Handelsschiff und Truppentransporter gebraucht. Sie sind für ihre Länge von nur 30 Metern mit 10 Metern sehr breit. Wie bei den Wikingerschiffen ist auch hier das Steuerruder an Steuerbord angebracht.
Während die Wikingerschiffe innen offen sind, besitzen die Nef ein durchgehendes Deck. Wie du siehst, besitzen sie nur einen Mast mit einem weit ausladenden Rahsegel und keine Riemen. Bei unseren Nachbauten können die Segel automatisch aus einem hohlen Mast aus- und wieder einfahren. Bauartbedingt sind sie nicht besonders schnell, haben aber eine hohe Ladekapazität von etwa 150 Tonnen."

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