Dienstag, 14. Dezember 2021
Cuiraraill -19-
Anschließend bringe ich noch eine Schüssel mit Obstsalat auf den Tisch, nachdem ich die Teller zur Spüle gebracht habe. Auch diesmal fülle ich die Schalen und Herr Franck als Hausherr verteilt sie reihum.

Während des Essens laufen irische Klänge als leise Hintergrundmusik aus dem CD-Player auf dem Sideboard. Ich frage ab und zu höflich, ob ich nachschenken darf und fülle die mir hingehaltenen Schalen und Gläser anmutig nach.

"Ist sie nicht hübsch?" fragt Herr Franck unseren Gast, "und so gelehrig."

Er deutet dabei auf mich. Leicht errötend senke ich den Kopf. Verstohlen wischt sich der Earl die Augen.

"Was haben Sie?" fragt Herr Franck fürsorglich.

"Das muss der Rauch von den Kerzen sein," entschuldigt sich Eamon.

"Oder vielleicht, dass Sie stolz auf ihre Magd Lara sind..." vermutet Herr Franck und ergänzt: "Sie brauchen sich ihrer Gefühle nicht zu schämen, Ihre Lordschaft. Tränen sind nichts Ehrenrühriges für einen dominanten Mann! Der Herr ist ein Mann tiefgreifender Leidenschaften und Gefühle. Viele Menschen verstehen die Tiefe seiner Seele nicht. Sie brauchen keine Angst zu haben vor den Strömungen, die Sie in sich spüren. Im Herrn blühen Blumen und toben Stürme. Beides gehört zu ihm, beides ist greifbar vorhanden. Beides muss man hinnehmen, keine Seite darf man von sich weisen."

"Ich danke Ihnen, Master Franck," erwidert Eamon ihm.

Nun erhebe ich mich und gehe in einen Nebenraum. Mary hat den Tisch abgeräumt, bis auf das Bier. Danach dimmt sie das Licht am Essplatz. Nur vor dem Tisch ist das Licht noch etwas heller belassen. Danach stoppt Mary die Musik und wechselt die CD.

Sie legt ein schmales weißes Tuch über den Tisch. Dann entzündet sie eine niedrige dicke Kerze, die auf einem Teller steht und stellt sie auf das Tuch.

In Eamons Gesicht zuckt Erinnerung auf und macht sich gespannte Erwartung breit. Mary drückt die Starttaste am CD-Player als ich im Viereck vor dem Esstisch erscheine. Ich habe ein wadenlanges Kleid angezogen, dessen Oberteil in Orange gehalten ist und der Rockteil in Grün. Dazwischen trage ich eine weiße Schärpe als Gürtel. Dazu trage ich schwarze Lederschuhe und beginne nun, mich zu drehen. Im Takt der Musik schlagen meine Absätze auf den Holzboden, wie ein schneller Trommelwirbel.

Der Earl scheint überwältigt. Er sitzt mit offenem Mund am Tisch und kann seinen Blick nicht von mir nehmen. Anmutig drehe ich mich auf dem Tanzboden. Herr Franck spricht den Earl lächelnd an:

"Lara scheint einen Nerv bei Ihnen getroffen zu haben, Ihre Lordschaft."

Dieser schüttelt kurz den Kopf und antwortet dann:
"Das ist richtig, Master Franck! Ich will erklären es euch."

Während meine Tanzperformance weitergeht, sagt Eamon:

"Das Kleid mich hier und jetzt an meine Heimat erinnern soll, so wie auch der Tanz. Und es ein Kleid ist, dass herausstellt ihre Weiblichkeit."

"Viele fürchten sich davor," nickt Herr Franck.

"Ja, die westliche Kultur ermutigt die Frauen, sich als Pseudo-Männer zu gebärden. Auch in ihrer strengen Aufmachung, die ihre Tüchtigkeit und Männlichkeit darstellen soll."

"Das trifft auf dieses Kleid aber nicht zu. Es ist dafür zu weiblich."

"Richtig. Solche Ungereimtheiten," antwortet Eamon, "sind für viele Frauen eben nicht untypisch. Sie deuten auf Unsicherheiten im Eigenbild der Frau hin, und vor allem auf eine gewisse Verwirrung in Bezug auf ihre Sexualität. Es wird auch noch viele andere Gründe geben. In manchen Fällen kann eine solche Aufmachung andeuten, dass tatsächlich der Weg zur wahren Weiblichkeit schon betreten wurde."

"Das Tuch auf dem Tisch und die Kerze," fragt Herr Franck, "sollen wohl an den Ort des ersten Kennenlernens erinnern?"

"Ja," gibt der Earl schlicht zurück. "Sie suchte diesen Ort auf, um mit mir eine delikate, intime Angelegenheit zu besprechen."

"Sie wollte sich Ihnen als Magd anbieten?"

"Wenn das der Fall war, dann war dieser Wunsch noch zu sehr von den Zwängen der westlichen Kultur unterdrückt."

Ich wiege mich anmutig im Takt der Musik, drehe mich, strecke die Hände dabei aus. Er betrachtet mich lächelnd. Ich blicke ihn an und beginne nun entschlossen im Takt zur Musik mein Haar zu öffnen.

Am Tisch gibt es Beifall dafür, denn ich bewege mich wohlgefällig für das Auge. Ich knie mich anmutig nieder, hebe die Hände gen Himmel und beuge mich hintenüber, bis meine Hände den Holzboden berühren. Dann drehe ich mich auf den Bauch und schaue schweratmend zum Tisch hinüber. Applaus brandet auf und unsere Blicke begegnen sich.

Ich erhebe mich und nähere mich Eamon, um mich neben ihn niederzukauern. Dabei lehne ich mich erschöpft an seine Beine.

Eamon fasst mich an den Oberarmen, zieht mich hoch und hält mich fest. Tief blicken wir uns in die Augen. Ich atme noch immer schwer und bin von Gefühlen überwältigt. Flehend schaue ich ihn an.

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