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Montag, 6. Dezember 2021
Cuiraraill -15-
hermann-jpmt, 11:54h
Was ist 'Selbstbewusstsein'?
Rotziges Auftreten? Großmäuligkeit? Herablassender Habitus?
Nein, das ist bestenfalls Dummheit und vor allem Ausdruck von Schwäche.
Es ist vielmehr die Tatsache, dass man sich Seiner ganz bewusst ist, dass man weiß, wer und wie man selbst wirklich ist und dies auch zulassen kann - vor sich selbst und vor anderen. Das sorgt für eine große innere Ruhe und ein Gefühl von Zufriedenheit und Harmonie mit seiner Umgebung.
Während wir nach dem Spülen den Boden säubern, kommt mir ein weiterer Aspekt in den Sinn. Spontan stelle ich Mary eine Frage dazu:
"Wenn man so konsequent ist wie du... kann man dann irgendwann überhaupt noch zurück? Ich meine, könntest du dich entschließen, wieder anders zu leben? Also - man verändert sich. Aber wie weit geht das? Bleibt da etwas übrig von dem, wie du vorher warst, oder gibt es jetzt nur noch die Magd. Kannst du überhaupt noch mit einer 'normalen' Frau etwas anfangen?"
"Gute Frage," meint Mary und macht eine Gedankenpause. "Ich denke, das ist wie mit jeder einschneidenden Veränderung. Man behält seine Erinnerungen und seine Vergangenheit und denkt doch manchmal 'Wie konnte ich so sein, warum habe ich so und so gedacht und gehandelt. Das könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen'. Ich fürchte, es gibt nur eine wenig befriedigende Antwort: Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Ich finde sowieso, dass 'Bleib so, wie Du bist' ein Ratschlag von Deppen ist, denn jeder verändert sich ständig und das ist gut.
Lara, fürchte dich nicht, neue Erfahrungen zu machen und dich zu verändern. Ob du - so wie ich - dich in erster Linie als Magd deines Herrn siehst, ist nicht die einzige Frage. Es wird nicht ausbleiben, dass Menschen, die dir jetzt wichtig sind, auf Deinem Weg - egal welcher das ist - nicht mitkommen und zurückbleiben. Das ist doch deine Sorge, nicht wahr? Es tut mir leid: Rechne mit dem Schlimmsten!
Mit meiner Erklärung damals 'Ich will Ihnen gehören, mein Herr' habe ich mich meinem Herrn willentlich ausgeliefert. Seither bin ich bedingungslos gehorsam und fühle mich deshalb - oder dadurch - stark, sicher, geborgen, geliebt und glücklich bei ihm. Das kann man nicht bei jedem Mann haben. Gruselt es dich jetzt?"
"Ein wenig," antworte ich, verlegen lächelnd.
"Aber es verursacht auch noch andere Gefühle?"
"Ja."
Ich lächele sie an, während ich den Putzlappen über meinem Eimer auswringe. Mary redet lächelnd weiter:
"Unsereins trifft entweder auf einen ganz und gar verhaltensgestörten, total unsicheren, ungewaschenen und stinkenden Widerling, da heißt es, schnell weglaufen - oder du triffst irgendwann auf den Märchenprinzen. Vielleicht hilft unsereiner eine Freundin, die das Glück schon hatte. Eines gilt bei letzterem immer: Sei gehorsam, lernwillig und unheimlich neugierig!"
Leise flüsternd antworte ich:
"Ich will nicht versagen, wenn er etwas von mir verlangt, von dem ich glaube, dass ich es nicht wirklich schaffe, denn ich mag Eamon inzwischen schon sehr."
Sie erhebt sich aus der gebückten Arbeitshaltung, schaut mir direkt in die Augen und sagt mit fester Stimme:
"Damit ist doch jedes Versagen bereits ausgeschlossen. Es ist nicht schlimm, wenn du etwas nicht schaffst. Es kommt darauf an, dass du es schaffen willst, Lara. Seine Lordschaft hegt ähnliche Gefühle für dich, er wird es anerkennen!"
Ich atme erleichtert aus.
*
Mary erklärt mir ihren Lebensstil an einem der Wochenenden bei ihr in Hagenholt:
"Du hast ja das Buch gelesen, das hier für Besucher zum Verkauf ausliegt, Lara. Darin ist auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander in den verschiedensten Kulturen auf der Erde beschrieben. Ein echtes Vorbild für unsere Lebensweise haben wir leider nicht. Es gibt seit der Erfindung des Buchdrucks zwar einige Publikationen, aber das gelebte Miteinander fehlt doch schmerzlich. Zum Glück gibt es eine traditionelle Kultur, sogar in einem hochindustrialisierten Land, und das ist gerade Japan.
Natürlich kopieren wir die japanische Kultur nicht einfach. Das fühlte sich für Hagenholt zu sehr 'übergestülpt' an. Hier orientieren wir uns weitestgehend an europäischen Vorbildern. Ein Beispiel ist der Hofknicks. Seine japanische Entsprechung ist die tiefe Verbeugung.
Die traditionelle Rolle der Frau in Japan, die Yamato Nadeshiko -japanische Prachtnelke-, haben wir dagegen weitgehend übernommen. Das bedeutet, dass die Frau für den Haushalt zuständig ist und hier durchaus selbstverantwortlich handelt, wenn es gilt, außer Haus etwas einzukaufen. Sie muss also nicht ständig von ihrem Mann begleitet und beaufsichtigt werden. Sie hat auch freie Hand beim Verschönern des Heims, bei der Auswahl der Menüs, bei der Auswahl der Unterhaltung im Heim. Sie bespricht sich vorher mit ihrem Mann, wenn es gilt Gäste zu bewirten.
Geht es nur um die Zweierbeziehung, ist es ihr Bestreben, ihrem Mann ein schönes Heim und gute Entspannung in seiner Freizeit zu bieten. Dazu gehört auch, dass sie ihn zu Besuchen von Parks, Museen und Ausstellungen animiert, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oder sie informiert sich über Dinge, die den Mann oder liebe Gäste interessieren, um ihnen eine gute Gesellschafterin zu sein und interessante Gespräche zu führen.
Sie kann, wenn das Schicksal es fordert, auch eine umsorgende Krankenpflegerin sein. So hält sie Langeweile von ihrem Mann fern! Manch Eine übt sich dafür auch in Tanz und Gesang, oder dem Vortrag von Gedichten und Fabeln, und erlernt ein Instrument.
Sie interessiert sich für Aphorismen, um Gästen des Hauses geistreiche Antworten geben zu können und ist in der Lage 'ihre Krallen auszufahren', verbal, aber auch praktisch, um sich oder ihren Mann zu verteidigen, wenn es nötig werden sollte!"
Rotziges Auftreten? Großmäuligkeit? Herablassender Habitus?
Nein, das ist bestenfalls Dummheit und vor allem Ausdruck von Schwäche.
Es ist vielmehr die Tatsache, dass man sich Seiner ganz bewusst ist, dass man weiß, wer und wie man selbst wirklich ist und dies auch zulassen kann - vor sich selbst und vor anderen. Das sorgt für eine große innere Ruhe und ein Gefühl von Zufriedenheit und Harmonie mit seiner Umgebung.
Während wir nach dem Spülen den Boden säubern, kommt mir ein weiterer Aspekt in den Sinn. Spontan stelle ich Mary eine Frage dazu:
"Wenn man so konsequent ist wie du... kann man dann irgendwann überhaupt noch zurück? Ich meine, könntest du dich entschließen, wieder anders zu leben? Also - man verändert sich. Aber wie weit geht das? Bleibt da etwas übrig von dem, wie du vorher warst, oder gibt es jetzt nur noch die Magd. Kannst du überhaupt noch mit einer 'normalen' Frau etwas anfangen?"
"Gute Frage," meint Mary und macht eine Gedankenpause. "Ich denke, das ist wie mit jeder einschneidenden Veränderung. Man behält seine Erinnerungen und seine Vergangenheit und denkt doch manchmal 'Wie konnte ich so sein, warum habe ich so und so gedacht und gehandelt. Das könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen'. Ich fürchte, es gibt nur eine wenig befriedigende Antwort: Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Ich finde sowieso, dass 'Bleib so, wie Du bist' ein Ratschlag von Deppen ist, denn jeder verändert sich ständig und das ist gut.
Lara, fürchte dich nicht, neue Erfahrungen zu machen und dich zu verändern. Ob du - so wie ich - dich in erster Linie als Magd deines Herrn siehst, ist nicht die einzige Frage. Es wird nicht ausbleiben, dass Menschen, die dir jetzt wichtig sind, auf Deinem Weg - egal welcher das ist - nicht mitkommen und zurückbleiben. Das ist doch deine Sorge, nicht wahr? Es tut mir leid: Rechne mit dem Schlimmsten!
Mit meiner Erklärung damals 'Ich will Ihnen gehören, mein Herr' habe ich mich meinem Herrn willentlich ausgeliefert. Seither bin ich bedingungslos gehorsam und fühle mich deshalb - oder dadurch - stark, sicher, geborgen, geliebt und glücklich bei ihm. Das kann man nicht bei jedem Mann haben. Gruselt es dich jetzt?"
"Ein wenig," antworte ich, verlegen lächelnd.
"Aber es verursacht auch noch andere Gefühle?"
"Ja."
Ich lächele sie an, während ich den Putzlappen über meinem Eimer auswringe. Mary redet lächelnd weiter:
"Unsereins trifft entweder auf einen ganz und gar verhaltensgestörten, total unsicheren, ungewaschenen und stinkenden Widerling, da heißt es, schnell weglaufen - oder du triffst irgendwann auf den Märchenprinzen. Vielleicht hilft unsereiner eine Freundin, die das Glück schon hatte. Eines gilt bei letzterem immer: Sei gehorsam, lernwillig und unheimlich neugierig!"
Leise flüsternd antworte ich:
"Ich will nicht versagen, wenn er etwas von mir verlangt, von dem ich glaube, dass ich es nicht wirklich schaffe, denn ich mag Eamon inzwischen schon sehr."
Sie erhebt sich aus der gebückten Arbeitshaltung, schaut mir direkt in die Augen und sagt mit fester Stimme:
"Damit ist doch jedes Versagen bereits ausgeschlossen. Es ist nicht schlimm, wenn du etwas nicht schaffst. Es kommt darauf an, dass du es schaffen willst, Lara. Seine Lordschaft hegt ähnliche Gefühle für dich, er wird es anerkennen!"
Ich atme erleichtert aus.
*
Mary erklärt mir ihren Lebensstil an einem der Wochenenden bei ihr in Hagenholt:
"Du hast ja das Buch gelesen, das hier für Besucher zum Verkauf ausliegt, Lara. Darin ist auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander in den verschiedensten Kulturen auf der Erde beschrieben. Ein echtes Vorbild für unsere Lebensweise haben wir leider nicht. Es gibt seit der Erfindung des Buchdrucks zwar einige Publikationen, aber das gelebte Miteinander fehlt doch schmerzlich. Zum Glück gibt es eine traditionelle Kultur, sogar in einem hochindustrialisierten Land, und das ist gerade Japan.
Natürlich kopieren wir die japanische Kultur nicht einfach. Das fühlte sich für Hagenholt zu sehr 'übergestülpt' an. Hier orientieren wir uns weitestgehend an europäischen Vorbildern. Ein Beispiel ist der Hofknicks. Seine japanische Entsprechung ist die tiefe Verbeugung.
Die traditionelle Rolle der Frau in Japan, die Yamato Nadeshiko -japanische Prachtnelke-, haben wir dagegen weitgehend übernommen. Das bedeutet, dass die Frau für den Haushalt zuständig ist und hier durchaus selbstverantwortlich handelt, wenn es gilt, außer Haus etwas einzukaufen. Sie muss also nicht ständig von ihrem Mann begleitet und beaufsichtigt werden. Sie hat auch freie Hand beim Verschönern des Heims, bei der Auswahl der Menüs, bei der Auswahl der Unterhaltung im Heim. Sie bespricht sich vorher mit ihrem Mann, wenn es gilt Gäste zu bewirten.
Geht es nur um die Zweierbeziehung, ist es ihr Bestreben, ihrem Mann ein schönes Heim und gute Entspannung in seiner Freizeit zu bieten. Dazu gehört auch, dass sie ihn zu Besuchen von Parks, Museen und Ausstellungen animiert, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oder sie informiert sich über Dinge, die den Mann oder liebe Gäste interessieren, um ihnen eine gute Gesellschafterin zu sein und interessante Gespräche zu führen.
Sie kann, wenn das Schicksal es fordert, auch eine umsorgende Krankenpflegerin sein. So hält sie Langeweile von ihrem Mann fern! Manch Eine übt sich dafür auch in Tanz und Gesang, oder dem Vortrag von Gedichten und Fabeln, und erlernt ein Instrument.
Sie interessiert sich für Aphorismen, um Gästen des Hauses geistreiche Antworten geben zu können und ist in der Lage 'ihre Krallen auszufahren', verbal, aber auch praktisch, um sich oder ihren Mann zu verteidigen, wenn es nötig werden sollte!"
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