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Freitag, 5. November 2021
Cuiraraill -03-
hermann-jpmt, 11:06h
Seine Lordschaft hat aufmerksam zugehört und nickt nun.
"Das schon eine ganze Menge ist!" meint er.
Ich lächele und schüttele leicht den Kopf.
"Wenn Sie den Hintergrund wissen und bald selbst so handeln, dann brauchen Sie das alles nicht mehr zu bedenken, dann wird das zu einem Automatismus in Ihrem Verhalten."
*
In den folgenden Tagen mache ich, Harold Schmidt, unseren Gast mit einem weiteren zentralen Punkt unseres Lebensstils vertraut: Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wie es in Japan heute noch gelebt wird, auch wenn es selbst dort allmählich auf dem Rückzug ist.
Ich erkläre ihm, was in Japan eine Yamato Nadeshiko bedeutet. Mylord hat mich bei einem Spaziergang durch den Ort darauf aufmerksam gemacht.
"Ihre Frauen sich Ihnen gegenüber sehr subservient -dienstbar- benehmen," meint er so nebenbei. "Sie einen Auftrag mit einem Curtsey -Hofknicks- quittieren und Gäste ebenso zuvorkommend begrüßen. Man den Curtsey bei fast jeder Gelegenheit im Alltag sieht..."
Ich wende mich ihm zu, lächele ihn an und antworte:
"Schlagen wir nochmal den Bogen zurück zum japanischen Verhalten: Dort schüttelt man sich nicht die Hände, sondern verbeugt sich höflich. Die Verbeugung fällt umso tiefer aus, je größer der gesellschaftliche Abstand voreinander ist. Treffen zwei Unbekannte aufeinander, tauschen sie zuerst Visitenkarten aus. Nun können sie den gesellschaftlichen Rang des Gegenübers ablesen und ihr Verhalten gegeneinander abstimmen. Aus epidemiologischer Sicht kann man diesem Verhalten durchaus ebenfalls etwas abgewinnen. Dennoch: Hier in Europa erntet man damit eher Befremden. Unter Herren nicken wir uns höflich zu und zu Fremden behalten wir den Handschlag bei.
Unsere Maids gebärden sich ebenfalls europäisch: Sie nutzen den Hofknicks, kennen aber auch die Verbeugung bei Asiaten. Die tiefe Verbeugung, bei der die Stirn beinahe den Boden berührt, sehen Sie dennoch eher bei Asiaten, wenn diese emotional sehr aufgewühlt sind."
"Mit welchem Selbstverständnis ihre Maids agieren eigentlich im Alltag?" fragt der Earl nun.
"Das althergebrachte japanische Frauenbild heißt dort poetisch 'Yamato Nadeshiko', die japanische Prachtnelke. Danach hat die Maid viele Rollen vereint in einer Person:
Sie ist einerseits Hausfrau, weil sie ihrem Herrn ein schönes Heim und ein wohlschmeckendes Essen bereiten will, was zur Entspannung nach der Arbeit beiträgt. Sie kann auch eine Krankenpflegerin sein und ihren Herrn umsorgen. Gleichzeitig ist sie eine angenehme Gesprächspartnerin und Gesellschafterin. So hält sie die Langeweile von ihrem Herrn fern. Manch Eine übt sich dafür auch im Tanz, Gesang und erlernt ein Instrument. Und - Sie kann auch 'ihre Krallen ausfahren' und ihren Herrn gegen Dritte verteidigen."
"Oh," macht der Earl nun erstaunt. "Bisher immer ich dachte, die Maid versteckt sich bei Gefahr oder auch nur aus Angst vor Neuem und Ungewohntem hinter dem Rücken ihres Herrn, dem nun die Verteidigung obliegt."
Ich nicke lächelnd und antworte:
"Solche Situationen mag es auch geben, Mylord, aber ist ihr Herr einmal in Gefahr, flüchtet sie nicht Hals über Kopf, sondern bleibt bei ihrem Herrn. So meistern sie die Gefahr zu zweit. Das dafür nötige Handwerk erlernen sie bei uns in der Maid-School -Mägdeschule-."
"Eine Maid-School, hm," macht der Earl nachdenklich. "Was ist, wenn die Maid nach der Schule gerät an ein stinking pig -Stinkstiefel-? Is she screwed then -Hat sie dann die Arschkarte gezogen-?"
"Es kommt darauf an," antworte ich geduldig, "ob der Herr - wie früher üblich - eine freie Stelle als Maid ausschreibt und sich aus den Bewerbungen eine Maid nach sexistischen oder chauvinistischen Gesichtspunkten auswählt, oder ob wir die Sache umkehren!"
"Die Sache umkehren?" fragt er und schaut interessiert.
"Ja!" sage ich. "Schauen Sie, in großen Haushalten gibt es naturgemäß viele Dienstmädchen. Wie dort mit dem Personal umgegangen wird, bleibt nicht lange geheim. Anders in kleinen Haushalten, wo eine Maid viele Rollen übernehmen muss. Sie kann kündigen, of course! Aber wir bleiben hier nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen um uns herum:
Junge Leute lernen ihr Pendant kennen und sie finden sich sympathisch. Sie freunden sich an, beginnen ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. Entweder sie entdecken Seiten im Gegenüber, die ihnen nicht gefallen. So trennen sie sich bald wieder. Oder sie fühlen sich mit der Zeit zu ihrem Gegenüber hingezogen. Sie verlieben sich.
Hierin sehe ich das Idealbild, wie Master und Maid allmählich zueinander finden. Sie können jedes Paar in Hagenholt fragen. Alle werden es Ihnen bestätigen, Mylord!"
"Das schon eine ganze Menge ist!" meint er.
Ich lächele und schüttele leicht den Kopf.
"Wenn Sie den Hintergrund wissen und bald selbst so handeln, dann brauchen Sie das alles nicht mehr zu bedenken, dann wird das zu einem Automatismus in Ihrem Verhalten."
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In den folgenden Tagen mache ich, Harold Schmidt, unseren Gast mit einem weiteren zentralen Punkt unseres Lebensstils vertraut: Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wie es in Japan heute noch gelebt wird, auch wenn es selbst dort allmählich auf dem Rückzug ist.
Ich erkläre ihm, was in Japan eine Yamato Nadeshiko bedeutet. Mylord hat mich bei einem Spaziergang durch den Ort darauf aufmerksam gemacht.
"Ihre Frauen sich Ihnen gegenüber sehr subservient -dienstbar- benehmen," meint er so nebenbei. "Sie einen Auftrag mit einem Curtsey -Hofknicks- quittieren und Gäste ebenso zuvorkommend begrüßen. Man den Curtsey bei fast jeder Gelegenheit im Alltag sieht..."
Ich wende mich ihm zu, lächele ihn an und antworte:
"Schlagen wir nochmal den Bogen zurück zum japanischen Verhalten: Dort schüttelt man sich nicht die Hände, sondern verbeugt sich höflich. Die Verbeugung fällt umso tiefer aus, je größer der gesellschaftliche Abstand voreinander ist. Treffen zwei Unbekannte aufeinander, tauschen sie zuerst Visitenkarten aus. Nun können sie den gesellschaftlichen Rang des Gegenübers ablesen und ihr Verhalten gegeneinander abstimmen. Aus epidemiologischer Sicht kann man diesem Verhalten durchaus ebenfalls etwas abgewinnen. Dennoch: Hier in Europa erntet man damit eher Befremden. Unter Herren nicken wir uns höflich zu und zu Fremden behalten wir den Handschlag bei.
Unsere Maids gebärden sich ebenfalls europäisch: Sie nutzen den Hofknicks, kennen aber auch die Verbeugung bei Asiaten. Die tiefe Verbeugung, bei der die Stirn beinahe den Boden berührt, sehen Sie dennoch eher bei Asiaten, wenn diese emotional sehr aufgewühlt sind."
"Mit welchem Selbstverständnis ihre Maids agieren eigentlich im Alltag?" fragt der Earl nun.
"Das althergebrachte japanische Frauenbild heißt dort poetisch 'Yamato Nadeshiko', die japanische Prachtnelke. Danach hat die Maid viele Rollen vereint in einer Person:
Sie ist einerseits Hausfrau, weil sie ihrem Herrn ein schönes Heim und ein wohlschmeckendes Essen bereiten will, was zur Entspannung nach der Arbeit beiträgt. Sie kann auch eine Krankenpflegerin sein und ihren Herrn umsorgen. Gleichzeitig ist sie eine angenehme Gesprächspartnerin und Gesellschafterin. So hält sie die Langeweile von ihrem Herrn fern. Manch Eine übt sich dafür auch im Tanz, Gesang und erlernt ein Instrument. Und - Sie kann auch 'ihre Krallen ausfahren' und ihren Herrn gegen Dritte verteidigen."
"Oh," macht der Earl nun erstaunt. "Bisher immer ich dachte, die Maid versteckt sich bei Gefahr oder auch nur aus Angst vor Neuem und Ungewohntem hinter dem Rücken ihres Herrn, dem nun die Verteidigung obliegt."
Ich nicke lächelnd und antworte:
"Solche Situationen mag es auch geben, Mylord, aber ist ihr Herr einmal in Gefahr, flüchtet sie nicht Hals über Kopf, sondern bleibt bei ihrem Herrn. So meistern sie die Gefahr zu zweit. Das dafür nötige Handwerk erlernen sie bei uns in der Maid-School -Mägdeschule-."
"Eine Maid-School, hm," macht der Earl nachdenklich. "Was ist, wenn die Maid nach der Schule gerät an ein stinking pig -Stinkstiefel-? Is she screwed then -Hat sie dann die Arschkarte gezogen-?"
"Es kommt darauf an," antworte ich geduldig, "ob der Herr - wie früher üblich - eine freie Stelle als Maid ausschreibt und sich aus den Bewerbungen eine Maid nach sexistischen oder chauvinistischen Gesichtspunkten auswählt, oder ob wir die Sache umkehren!"
"Die Sache umkehren?" fragt er und schaut interessiert.
"Ja!" sage ich. "Schauen Sie, in großen Haushalten gibt es naturgemäß viele Dienstmädchen. Wie dort mit dem Personal umgegangen wird, bleibt nicht lange geheim. Anders in kleinen Haushalten, wo eine Maid viele Rollen übernehmen muss. Sie kann kündigen, of course! Aber wir bleiben hier nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen um uns herum:
Junge Leute lernen ihr Pendant kennen und sie finden sich sympathisch. Sie freunden sich an, beginnen ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. Entweder sie entdecken Seiten im Gegenüber, die ihnen nicht gefallen. So trennen sie sich bald wieder. Oder sie fühlen sich mit der Zeit zu ihrem Gegenüber hingezogen. Sie verlieben sich.
Hierin sehe ich das Idealbild, wie Master und Maid allmählich zueinander finden. Sie können jedes Paar in Hagenholt fragen. Alle werden es Ihnen bestätigen, Mylord!"
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