... newer stories
Mittwoch, 3. November 2021
Cuiraraill -02-
hermann-jpmt, 10:55h
"Yes, that?s right!" bestätigt mein Gegenüber.
"Und... Was erhoffen Sie sich jetzt von unserer Seite?" frage ich. "Nehmen wir an, Sie führen ihr Projekt zum Erfolg, Mylord. Was können wir unsererseits dazu beitragen?"
Der Earl nickt lächelnd. Er antwortet:
"Zum Einen ich mich gerne darüber informieren wollte, ob sich hier auftut ein Absatzmarkt für unsere Produkte. Zum Anderen ich bin natürlich an ihrer Lebensweise interessiert. Wie gestaltet sich in solch einer Dorfgemeinschaft das Zusammenleben von Männern und Frauen? Tanaka-San mir einerseits angeboten hat, zu ihm zu kommen für ein paar Wochen und dort durchzuführen meine Studien, andererseits er meinte, dass ich gar nicht so weit reisen müsste eigentlich..."
Ich neige lächelnd meinen Kopf und sage:
"Fliegen Sie auf die Bunrei no Shima -Insel der beseelten Steine-, dann erleben Sie einen Lebensstil mit 95 Prozent japanischem Hintergrund, Mylord. Diesen müssten Sie dann auf europäische Verhältnisse übersetzen. Das haben wir schon gemacht. Also können Sie gerne ein paar Wochen unseren Lebensstil beobachten und uns mit Fragen löchern. Dann fliegen Sie nach Irland zurück und nehmen gerne noch irische oder viktorianische Elemente hinzu, wie Sie es für richtig halten. Solange die Grundlagen übereinstimmen ist alles weitere nur eine landestypische Besonderheit!"
"Sie also für die Vielfalt plädieren, Sir?"
"Aber ja, Mylord!"
Die Abendessenszeit rückt heran. Die Besucher bleiben schließlich aus. Dafür füllt sich der große Tisch im Schankraum mit immer mehr Herren aus dem Freilichtmuseum und ihren Mägden. Nach einer Weile biete ich dem Earl an, zum Abendessen dort hinüber zu wechseln.
Er nickt dazu und wir erheben uns von dem kleinen Tisch. Gabi, die unser Geschirr abräumt und kurz über die Tischplatte wischt, erhält von mir den Auftrag, nach Ruri-chan zu sehen. Nachdem sie sich bei Herrn Loose abgemeldet hat, verlässt sie die Taverne für wenige Minuten, um dann in Begleitung Ruri-chans zurückzukommen. Während sie in der Küche verschwindet, kommt Ruri-chan an den Tisch. Ich weise ihr den Platz zu meiner Linken zu. Unser Gast Earl Eamon Chiarraí hat auf mein Handzeichen hin schon zu meiner Rechten Platz genommen.
Nachdem alle Plätze besetzt sind erhebe ich das Wort:
"Heute möchte ich euch einen besonderen Gast vorstellen: Es ist Seine Lordschaft Earl Eamon Chiarraí aus Irland. Er ist im Begriff dort ein ebensolches Freilichtmuseum zu errichten wie Hagenholt. Während unsere Häuser dem dörflichen Charakter des 13. Jahrhunderts entsprechen, haben die Bauten dort klösterlichen Charakter des 10. Jahrhunderts. Die Mitglieder seines Freilichtmuseums sollen einen ähnlichen Lebensstil leben wie wir, oder dem in Prabal Jagan oder in Bunrei no Shima. Deshalb möchte sich seine Lordschaft vorab bei uns informieren."
"Ah, das wird sicher lehrreich! Stellen sie ruhig viele Fragen!" meinen viele in der Tafelrunde und nicken lächelnd.
Nachdem jeder sein Geschirr und Besteck hat und die dampfenden Schüsseln auf dem Tisch stehen, nehme ich den Teller seiner Lordschaft und fülle ihn. In dieser Zeit hat sich Ruri-chan schon ans Werk gemacht und überreicht mir einen gefüllten Teller, den ich vor sie stelle. Den zweiten gefüllten Teller, den sie mir gibt, nehme ich dankend an und stelle ihn vor mich. Die anderen Mägde verfahren reihum mit ihren Herren genauso.
Genauso geht Ruri-chan beim Apfelwein vor. Nun tunke ich Zeige- und Mittelfinger in das Getränk, benetze mit den Tropfen am ausgestreckten Arm einen Stein in der Tischplatte und sage:
"Unsterbliche Natur, gib unserem Gast ein langes Leben!"
Seine Lordschaft zerteilt die Schweinshaxe im Sauerkraut-Pürree-Bett und lässt dabei seine Blicke schweifen. Er steckt sich eine Gabel mit Fleisch in den Mund und meint nach einer Weile:
"Vorzüglich! - Sagen Sie, dieses Tischritual gerade, auch beim Getränk, hat das irgendeine besondere Bedeutung?"
Ich nicke dem Earl zu und sage:
"Genaugenommen haben Sie gerade mehrere Rituale beobachten können. Meine Maid hat mich bedient, wie es ihre Aufgabe ist. Als verantwortungsbewusster Master sehe ich es jedoch als meine Pflicht an, für sie zu sorgen. Also habe ich danach zuerst sie bedient, bevor ich mich von ihr bedienen gelassen habe.
Das zweite Ritual im Zusammenhang mit dem Stein hat folgenden Hintergrund: Wir fühlen uns der Natur verpflichtet, das heißt, wir verurteilen den industriemäßigen Raubbau an der Natur. Stattdessen entnehmen wir ihr nur soviel, wie wir gerade brauchen. Tanaka-San hätte es Ihnen so erklärt:
Die Japaner glauben, dass alles um uns herum beseelt ist. Würden wir nun einen Stein vom Boden aufheben und mitnehmen, entweder weil wir ihn schön finden oder weil wir eine mineralogische Sammlung zuhause aufbauen möchten, um vor Gästen zu glänzen, brächte das Unglück. Tanaka-San hat einen Stein vom Gelände eines Shinto-Schreins dem Priester übergeben, damit der Kami, der dort im Schrein verehrt wird, auch den Stein in Besitz nimmt.
Hier fehlt dieses Element jedoch. Stattdessen macht jeder Herr vor der Gründung seines Hausstandes eine meditative Wanderung. Fällt ihm dabei ein Stein ins Auge, sagen wir, der Stein hat den Mann gefunden! Nicht anders herum. Gehen mehrere Männer gemeinsam los und finden einen, der allen 'ins Auge fällt', dann ist dies der Stein der Dorfgemeinschaft.
In Gegenwart des Steins verpflichten sich alle Herren, in Frieden zu kommen, Gelübde auszusprechen, an die sie sich gebunden fühlen und Gästen dem Schutz der Natur zu überantworten."
"Und... Was erhoffen Sie sich jetzt von unserer Seite?" frage ich. "Nehmen wir an, Sie führen ihr Projekt zum Erfolg, Mylord. Was können wir unsererseits dazu beitragen?"
Der Earl nickt lächelnd. Er antwortet:
"Zum Einen ich mich gerne darüber informieren wollte, ob sich hier auftut ein Absatzmarkt für unsere Produkte. Zum Anderen ich bin natürlich an ihrer Lebensweise interessiert. Wie gestaltet sich in solch einer Dorfgemeinschaft das Zusammenleben von Männern und Frauen? Tanaka-San mir einerseits angeboten hat, zu ihm zu kommen für ein paar Wochen und dort durchzuführen meine Studien, andererseits er meinte, dass ich gar nicht so weit reisen müsste eigentlich..."
Ich neige lächelnd meinen Kopf und sage:
"Fliegen Sie auf die Bunrei no Shima -Insel der beseelten Steine-, dann erleben Sie einen Lebensstil mit 95 Prozent japanischem Hintergrund, Mylord. Diesen müssten Sie dann auf europäische Verhältnisse übersetzen. Das haben wir schon gemacht. Also können Sie gerne ein paar Wochen unseren Lebensstil beobachten und uns mit Fragen löchern. Dann fliegen Sie nach Irland zurück und nehmen gerne noch irische oder viktorianische Elemente hinzu, wie Sie es für richtig halten. Solange die Grundlagen übereinstimmen ist alles weitere nur eine landestypische Besonderheit!"
"Sie also für die Vielfalt plädieren, Sir?"
"Aber ja, Mylord!"
Die Abendessenszeit rückt heran. Die Besucher bleiben schließlich aus. Dafür füllt sich der große Tisch im Schankraum mit immer mehr Herren aus dem Freilichtmuseum und ihren Mägden. Nach einer Weile biete ich dem Earl an, zum Abendessen dort hinüber zu wechseln.
Er nickt dazu und wir erheben uns von dem kleinen Tisch. Gabi, die unser Geschirr abräumt und kurz über die Tischplatte wischt, erhält von mir den Auftrag, nach Ruri-chan zu sehen. Nachdem sie sich bei Herrn Loose abgemeldet hat, verlässt sie die Taverne für wenige Minuten, um dann in Begleitung Ruri-chans zurückzukommen. Während sie in der Küche verschwindet, kommt Ruri-chan an den Tisch. Ich weise ihr den Platz zu meiner Linken zu. Unser Gast Earl Eamon Chiarraí hat auf mein Handzeichen hin schon zu meiner Rechten Platz genommen.
Nachdem alle Plätze besetzt sind erhebe ich das Wort:
"Heute möchte ich euch einen besonderen Gast vorstellen: Es ist Seine Lordschaft Earl Eamon Chiarraí aus Irland. Er ist im Begriff dort ein ebensolches Freilichtmuseum zu errichten wie Hagenholt. Während unsere Häuser dem dörflichen Charakter des 13. Jahrhunderts entsprechen, haben die Bauten dort klösterlichen Charakter des 10. Jahrhunderts. Die Mitglieder seines Freilichtmuseums sollen einen ähnlichen Lebensstil leben wie wir, oder dem in Prabal Jagan oder in Bunrei no Shima. Deshalb möchte sich seine Lordschaft vorab bei uns informieren."
"Ah, das wird sicher lehrreich! Stellen sie ruhig viele Fragen!" meinen viele in der Tafelrunde und nicken lächelnd.
Nachdem jeder sein Geschirr und Besteck hat und die dampfenden Schüsseln auf dem Tisch stehen, nehme ich den Teller seiner Lordschaft und fülle ihn. In dieser Zeit hat sich Ruri-chan schon ans Werk gemacht und überreicht mir einen gefüllten Teller, den ich vor sie stelle. Den zweiten gefüllten Teller, den sie mir gibt, nehme ich dankend an und stelle ihn vor mich. Die anderen Mägde verfahren reihum mit ihren Herren genauso.
Genauso geht Ruri-chan beim Apfelwein vor. Nun tunke ich Zeige- und Mittelfinger in das Getränk, benetze mit den Tropfen am ausgestreckten Arm einen Stein in der Tischplatte und sage:
"Unsterbliche Natur, gib unserem Gast ein langes Leben!"
Seine Lordschaft zerteilt die Schweinshaxe im Sauerkraut-Pürree-Bett und lässt dabei seine Blicke schweifen. Er steckt sich eine Gabel mit Fleisch in den Mund und meint nach einer Weile:
"Vorzüglich! - Sagen Sie, dieses Tischritual gerade, auch beim Getränk, hat das irgendeine besondere Bedeutung?"
Ich nicke dem Earl zu und sage:
"Genaugenommen haben Sie gerade mehrere Rituale beobachten können. Meine Maid hat mich bedient, wie es ihre Aufgabe ist. Als verantwortungsbewusster Master sehe ich es jedoch als meine Pflicht an, für sie zu sorgen. Also habe ich danach zuerst sie bedient, bevor ich mich von ihr bedienen gelassen habe.
Das zweite Ritual im Zusammenhang mit dem Stein hat folgenden Hintergrund: Wir fühlen uns der Natur verpflichtet, das heißt, wir verurteilen den industriemäßigen Raubbau an der Natur. Stattdessen entnehmen wir ihr nur soviel, wie wir gerade brauchen. Tanaka-San hätte es Ihnen so erklärt:
Die Japaner glauben, dass alles um uns herum beseelt ist. Würden wir nun einen Stein vom Boden aufheben und mitnehmen, entweder weil wir ihn schön finden oder weil wir eine mineralogische Sammlung zuhause aufbauen möchten, um vor Gästen zu glänzen, brächte das Unglück. Tanaka-San hat einen Stein vom Gelände eines Shinto-Schreins dem Priester übergeben, damit der Kami, der dort im Schrein verehrt wird, auch den Stein in Besitz nimmt.
Hier fehlt dieses Element jedoch. Stattdessen macht jeder Herr vor der Gründung seines Hausstandes eine meditative Wanderung. Fällt ihm dabei ein Stein ins Auge, sagen wir, der Stein hat den Mann gefunden! Nicht anders herum. Gehen mehrere Männer gemeinsam los und finden einen, der allen 'ins Auge fällt', dann ist dies der Stein der Dorfgemeinschaft.
In Gegenwart des Steins verpflichten sich alle Herren, in Frieden zu kommen, Gelübde auszusprechen, an die sie sich gebunden fühlen und Gästen dem Schutz der Natur zu überantworten."
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories