Freitag, 22. Oktober 2021
Yamato Nadeshiko -139-
Papa und Mama verbeugen sich leicht in ihre Richtung, während ich mich so tief es am Tisch geht verbeuge. Die Meido von Tanaka-Sama, dem Ortsvorsteher -Kanrisha- der Insel, ist also gleichzeitig die Hausfrau hier.

Sie hebt nun eine Kanne duftenden Tees an und schenkt eine Schale Tee aus, die sie Tanaka-Sama übergibt. Dieser reicht die Schale über den Tisch an Papa weiter, während sie eine weitere Schale füllt. Diese Schale reicht er an Tanaka-San, seinen Sohn weiter, der sie an mich übergibt. Dankend verbeuge ich mich.

Die nächste gefüllte Schale erhält wieder Papa, der nun nicht recht weiß, wohin damit. Ich flüstere ihm zu:

"Oka-San no tame ni -Für Mama!-"

Daraufhin überreicht er ihr die Teeschale. Die letzten beiden Teeschalen stellen die Herren vor sich hin.
Nun tunkt der Hausherr, Tanaka-Sama, zwei Finger seiner rechten Hand kurz in den Tee, um die benässten Finger anschließend über den Stein zu halten, der in einer Schale mitten auf dem Tisch steht. Dazu sagt er:

"Fumetsu no seishitsu, gesuto ni nagai shiawasena jinsei o -Unsterbliche Natur, schenke unseren Gästen ein langes, glückliches Leben-."

Wortlos wiederholt sein Sohn, Tanaka-San, die Geste. Ich stoße Papa leicht in die Seite und nicke ihm zu. Mit Falten auf der Stirn macht er es ihnen nun nach. Anschließend trinken wir den Tee in kleinen Schlucken.

Nun füllt die Ushiro kara yuga größere Schalen mit Hähnchenstücken und Gemüsen aus einer Schüssel, um dann mit einem porzellanenen Löffel Brühe dazu zu geben. Jetzt erfolgt wieder das gleiche Ritual beim Austeilen, wie wir es bei den Teeschalen erlebt haben. Dann können wir essen.

Bald sagt Papa:
"Oishii -Lecker-!"

Der Gastgeber und seine Meido nicken lächelnd mit dem Kopf. Die Brühe schlürfen wir schließlich alle aus den Schalen.

Nach dem Essen sitzen wir noch etwas bei Tee und süßem Gebäck zusammen. Papa erfährt dabei von Tanaka-San, welche Lebensmittel auf der Insel erzeugt werden und welche eingeführt werden müssen. Der Sohn des Kanrisha -Ortsvorstehers- erklärt auch, dass nur wenige Haushalte eine voll funktionstüchtige Küche besitzen. Die meisten Inselbewohner gehen in den Restaurants essen, wie früher in den Kantinen der Firma, als sie noch bestanden hat. Daneben kann man auch mehrere Baraetishiata -Varieté-Theater- besuchen und dabei etwas essen. Die dortigen Küchenchefs werden ihre Bestellungen ab jetzt an Papas Büro richten, erklärt er. Seine Aufgabe ist es nun, die Lebensmittellager immer soweit gefüllt zu haben, dass kein Engpass entsteht. Für die wenigen Haushalte mit voll funktionsfähiger Küche gibt es drei Supermärkte auf der Insel. Deren Geschäftsführer sind auch schon informiert, dass sie sich mit ihren Bestellungen an Papa richten sollen.

Tanaka-San beruhigt:

"Wir wollen Sie nicht ins kalte Wasser werfen. Der Arbeitsbeginn ihres Büros ist in einer Woche angesetzt. Bis dahin helfe ich Ihnen, ihr Büro auszustatten und zeige Ihnen auch, woher die Nahrungsmittel kommen, die in den Lagern gestapelt sind. Ebenso können Sie in dieser Zeit mit Ihren Abnehmern auf der Insel Kontakt aufnehmen und sich gegenseitig kennenlernen. Das Gleiche gilt auch für Ihren Kontakt mit den Lebensmittelerzeugern auf der Insel und den Lieferanten, wenn welche im Hangar festmachen."

"Yoi -Gut-," antwortet Papa lächelnd. "Das hört sich alles wunderbar an. Ich bin gespannt auf gute Zusammenarbeit!"

Im weiteren Verlauf werden nur noch unwichtige Dinge besprochen und Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht, bis Papa sagt:

"Hätten Sie morgen Zeit, damit zu beginnen, mich mit allem bekannt zu machen, Tanaka-San? Dann würde ich mich gerne allmählich zurückziehen wollen."

"Morgenfrüh gegen 9 Uhr?" fragt Tanaka-San zurück.

"Das hört sich gut an," antwortet Papa lächelnd und erhebt sich.

Die Herren stehen ebenfalls auf und begleiten uns zur Tür. Wir wechseln dort wieder aus den Pantoffeln in unsere Straßenschuhe und Papa sagt zum Abschied höflich:

"O-jama shimashita -Ich habe gestört-."

Da ich mich schon besser auf der Insel auskenne, will ich meine ehrenwerten Eltern zu unserer Wohnung zurückführen. Unterwegs frage ich, ob wir nicht die Zeit bis zum Abendessen dadurch nutzen sollen, dass ich ihnen die Insel zeige, soweit ich sie selbst kenne. Papa ist damit einverstanden. Also fahre ich mit ihnen zuerst einmal mit dem Express-Aufzug auf die Ebene 0 herunter. Hier gehen wir ins Freie. Unterwegs dahin zeige ich ihnen die 'Blaue Grotte' und erkläre sie ihnen.
Im Freien weise ich in die Runde und sage:

"Wir befinden uns hier auf der untersten Vegetationsebene. Sie liegt in der Mitte der Insel. Wenn wir höher schauen, sehen wir weitere Vegetationsebenen terrassenförmig angelegt an den Flanken von drei Hochhäusern, die die Insel begrenzen.
Hier sind Bambushaine, Obstbüsche und niedrigwachsende Obstbäume angepflanzt. Auf den höheren Terrassen finden wir Kartoffeln und Gemüse, auch Reis und weitere Obstbüsche. Kirschbäume stehen in speziellen Pflanztöpfen.
Natürlich gibt es auch Ziergärten nach Zen-Tradition. Solche habt ihr ja schon gesehen."

Während ich rede und Papa und Mama in die Höhe schauen, um die Terrassen zu überblicken, hören wir plötzlich ein "Pok, Pok, Pok" zu unseren Füßen. Mama macht ein überraschtes Gesicht. Ich lächele und erkläre:

"Natürlich halten wir auch Hühner auf der Insel. Kommt, wir gehen wieder zurück, bevor wir einen Hahn zum Angriff provozieren."

"Die Verarbeitung und Lagerung der Lebensmittel geschieht dann sicher fabrikmäßig auf den unteren Ebenen hier?" fragt Papa.

Ich nicke und bestätige seine Annahme.

Anschließend führe ich meine ehrenwerten Eltern an Sportclubs und dem Baraetishiata -Varieté-Theater- in dem Hochhaus vorbei, in dem wir uns gerade befinden. Dazu erkläre ich, dass es in jedem der drei Hochhäuser jeweils das gleiche Freizeitangebot gibt.

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