Dienstag, 14. September 2021
Yamato Nadeshiko -128-
Die Professoren und Kommilitonen der Beiden geben anschließend einige Anekdoten zum Besten, um die Anwesenden aufzuheitern. Als Amatsuka Kamekos beste Freundin ihre Rede hält, hört man viele Papiertaschentücher rascheln. Das Brautpaar verteilt danach Geschenke an die Gäste, um sich zu bedanken, dass sie der Einladung gefolgt sind. Dabei handelt es sich um Süßigkeiten und Gedenkteller, hübsch und sorgfältig von mir und anderen Dienstmädchen verpackt.

Nachdem der Empfang vorüber ist, zieht sich das Brautpaar noch einmal um. Diese häufigen Outfitwechsel nennt der Japaner O-ironaoshi -Farbwechsel-. Nun tragen sie bequeme Kleidung und es geht zu einer anderen Location für die After-Party -Nijikai-, die nach Altersgruppen getrennt gefeiert wird. Hier gibt es wieder Essen. Hinzu kommen Spiele, Musik, Tanz und einige Drinks ? das perfekte Umfeld für die Gäste, sich näher kennenzulernen.

Ist diese Party beendet, trifft sich das Brautpaar mit den Eltern und engsten Freunden zum zwanglosen Ausklang des Festes, zu der After-After-Party -Sanjikai-. Erst jetzt können sie ohne den Trubel, in Ruhe und in der Gesellschaft der besten Freunde essen, mit denen sie den ganzen Tag kaum ein persönliches Wort gewechselt haben.

Anschließend übernachtet das Brautpaar zum ersten Mal gemeinsam in einem Schlafzimmer. Es ist nicht das Schlafzimmer der jungen Herrin mit meinem Schrankbett in einem Nebenraum. In dieser Nacht kann ich nicht gut schlafen. Es fühlt sich so ungewohnt an.

Am Morgen darauf ist sie aber wieder bei mir. Verschlafen richte ich mich auf.

"Ich möchte zum Frühstück gut aussehen," sagt sie.

Also erhebe ich mich und mache sie für den Tag zurecht, wie so oft schon in den vergangenen Jahren. Das fühlt sich richtig gut an. Dann gehen wir in den Speiseraum. Amatsuka Kameko, die ja jetzt Takahashi Kameko heißt, setzt sich lächelnd neben ihren frisch angetrauten Ehemann, während ich mich wie früher hinter sie platziere, um sie bei Bedarf sofort zu bedienen oder eine andere nachgefragte Tätigkeit auszuüben.

In den folgenden Wochen wird Amatsuka-Samas Schwiegersohn in die Geschäftsführung und verschiedene Geschäftsprozesse eingeweiht. Dabei fragt der ältere Herr einmal die Beiden lächelnd:

"Habt ihr euch schon ein Ziel für eine Hochzeitsreise ausgesucht?"

"Hawaii ist von japanischen Hochzeitsreisenden überlaufen," resümiert Takahashi-San.

Die junge Herrin wirft nun ein:
"Wie wäre es mit einer mehrwöchigen Auszeit auf der Bunrei no Shima? Tanaka Moe und ihr ehrenwerter Ehemann würden sich sicher sehr freuen! Allerdings muss die Verwaltung der Werft eine solche Auszeit hergeben. Solange können wir aber sicher warten!"

Sie wirft Takahashi-San einen zärtlichen Blick zu, den dieser erwidert. Er neigt den Kopf. Auch Amatsuka-Sama, der Seniorchef, ist angetan von der Idee und meint:

"Nehmt keine Rücksicht auf betriebliche Prozesse! Ich bin ja auch noch da. Fahrt ruhig in ein paar Tagen schon los. Nehmt dafür zur Abwechslung ruhig einmal das Speedboot, das wir von Tanaka-San erhalten haben."

*

Ein Mitarbeiter mit dem Sportbootführerschein See holt uns ab und führt uns zu der großen Slipanlage, wo große Schiffe zur Reparatur an Land gezogen werden können. An der Seite hat man knapp über der Wasserlinie einen Steg gebaut, der mit Ebbe und Flut bewegt werden kann, da er auf Rollen in Schienen läuft. Der Steg endet an einem flachen Ponton. An dessen Seite erkenne ich ein flaches Wasserfahrzeug.

Herr und Herrin gehen voran. Der Herr dirigiert den größeren Rollenkoffer der Herrin über den Steg. Ich folge mit einem Schritt Abstand. Auf halbem Weg nimmt mir der Mitarbeiter der Werft den Koffer des Herrn ab und hilft mir auf diese Weise das Gleichgewicht auf dem Steg zu halten. Mein eigener Koffer ist ganz leicht.

Beim Speedboot angekommen, öffnet er verschiedene Klappen hinter der Kabine und verstaut die Koffer darin. Anschließend schiebt er das Kabinendach auf und lässt die Passagiere platznehmen. Der Herr lässt es sich nicht nehmen, sich auf dem Copiloten-Sitz niederzulassen, so dass der Herrin und mir die Plätze dahinter übrigbleiben. Der Pilot weist uns nun in den Gebrauch des Kommunikationshelmes ein und zeigt uns, wie wir uns anschnallen sollen.

Ein weiterer Mitarbeiter ist uns gefolgt und hilft nun bei den Startvorbereitungen. Er schließt gemeinsam mit dem Piloten das Glasdach der Kabine und wartet, bis der große Rotor im Heck läuft. Dann löst er die Taue und der Pilot gibt Gas. Er beschleunigt und nimmt Kurs auf den Pazifik hinaus. Als wir die Brandungswellen hinter uns gelassen haben, wird er noch einmal schneller und ich habe das Gefühl, dass wir aus dem Wasser gehoben sind. Der Pilot bestätigt eine entsprechende Anfrage des Herrn und erklärt, dass wir nun auf Tragflächen über der Wasseroberfläche 'reiten'.

Wir fahren auf diese Weise vier Stunden bis die weiß-grüne Halbkugel der Bunrei no Shima am Horizont erscheint und schnell größer wird. Diese Reise ist ganz anders, als die Fahrt mit der Yacht des Herrn früher, aber den Männern vor uns scheint es zu gefallen.

Der Pilot macht langsam und das Fahrzeug sinkt in den Ozean ein. Dabei steigt die Gischt anfangs rechts und links meterhoch auf. Er nimmt noch mehr Geschwindigkeit aus dem Boot und lässt es die letzten Meter auf eine halbrunde Öffnung zutreiben. Ich weiß noch, dass das Beiboot der Yacht uns damals dorthinein gefahren hat.

Der Herr betätigt das Funkgerät und spricht mit einer Stelle auf der Insel. Der Mann am anderen Ende erlaubt uns das Anlegen und sagt, dass er unser Eintreffen weitergeben will.

Kurz darauf erkennen wir einen winkenden Mann am Rand. Unser Pilot steuert auf ihn zu und macht noch einmal kurz 'rückwärts', um den letzten Rest Fahrt aus dem Boot zu nehmen. Dann öffnen er und der Herr die Glasabdeckung der Kabine und helfen dem Mann draußen beim Festmachen.

Anschließend hilft der Herr der Herrin und mir beim Aussteigen. Zum Dank verbeuge ich mich tief. In der Zwischenzeit haben der Pilot und der Mann von der Insel zwei Klappen geöffnet und die Koffer aus dem Raum hinter der Kabine genommen.

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