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Samstag, 7. August 2021
Yamato Nadeshiko -111-
hermann-jpmt, 11:40h
"Und du bist sicher, dass er nicht schauspielert - irgendwann die Maske fallen lässt, dich nimmt und dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel?"
"Du, da bin ich mir absolut sicher! Ich kann mich vertrauensvoll in seine Arme sinken lassen. Insoweit ist er sogar berechenbar."
"Wenn das stimmt, dann hast du ihn schnell in der Hand. Dann kannst du ihn lenken..." resümiert Sabine.
"...wie du Herbert lenkst über Gefühlsausbrüche und das Äußern von Wünschen?" antworte ich, freundlich lächelnd.
Herbert sitzt dabei und beschäftigt sich intensiv mit dem Essen. Er tut so, als versteht er uns nicht.
"Ja, warum denn nicht. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt im Leben!" sagt mir Sabine daraufhin.
"Da sind wir doch grundverschieden, Sabine! Vielleicht rührt das von unserer verschiedenen Erziehung her."
Sie nickt und lässt das Thema auf sich beruhen. Wir reden noch über einige studentische Probleme, dann verabschiede ich mich von ihnen. Beim Weggehen lade ich beide aus Höflichkeit zu einem Gegenbesuch in mein Appartement ein.
Eine Woche später ist es an mir, meine Gäste zu bewirten. Pünktlich klingeln Sabine und Herbert an der Tür. Ich lasse sie ein und empfange sie in einem Yukata, einem leichten Hauskimono mit einem Druck, der aussieht wie ein japanisches Gemälde und mit ein paar Stickereien.
Beide sagen "Hallo!" und zeigen sich beeindruckt von meiner Einrichtung. Ich erkläre ihnen das mit einfachen Worten:
"Dies ist für mich ein Rückzugsort, an dem ich Kraft schöpfen kann für den Alltag."
Dann bitte ich sie:
"Zieht bitte eure Straßenschuhe aus. Im Regal findet ihr sicher passende Hausschuhe... Ah, und wenn ihr zur Toilette müsst, wechselt an der Tür bitte in Badschuhe."
Sabine kann nur mit dem Kopf nicken. Sie entledigen sich beide ihrer Straßenschuhe und probieren ein paar Pantoffeln an, bis sie passende gefunden haben. Dann zeige ich ihnen das Bad mit Toilette und führe sie in den Wohnraum. Sabine schaut sich um und stellt lächelnd fest:
"Hübsch hast du es hier. Du hast dir Asien nach Europa geholt!"
Ich nicke dazu und meine:
"Wenn mein Freund nicht in meiner Nähe sein kann, will ich wenigstens in einer solchen Umgebung zur Ruhe kommen können."
Sie sieht ein großes Foto an der Wand und fragt:
"Ist er das?"
Ich nicke und frage sie:
"Welchen Eindruck macht er vom Foto her auf dich?"
"Hm," meint sie nachdenklich. "Er zeigt eine energische Miene. Er bestimmt sicher gerne, wo es lang geht."
"Ja, das macht er," bestätige ich.
Sie schaut sich weiter um und fragt nun:
"Da steht ein Couchtisch, aber weder Sessel, noch Couch oder Stühle. Wo kann man sich denn hier setzen?"
Ich gehe demonstrativ in einer fließenden Bewegung in den Seiza -Kniesitz- am Tisch und stehe sofort wieder auf.
"So sitzt man in Japan am Tisch, Sabine," sage ich lächelnd. "Aber nehmt euch dort an der Wand zwei von den Sitzen und legt ein Kissen unter. Dann geht in den Schneidersitz. Das geht auch."
Während ich rede bin ich zur Wand gegangen, wo sechs Cocktailsessel ohne Beine aufeinandergestapelt stehen. Die obersten Zwei hebe ich ab und gebe jedem der Beiden einen in die Hand. Dann nehme ich aus der Truhe daneben drei Kissen.
Nachdem Beide sitzen, gehe ich an die Küchenzeile und stelle die vorbereiteten Sushi-Rollen auf ein Tablett. Anschließend bringe ich das Tablett und danach grünen Tee auf den Tisch. Ich gehe in den Seiza und serviere jedem eine Schale Tee aus der Teekanne.
Im Anschluss herrscht erst einmal Ruhe. Die Gäste genießen das Essen. Irgendwann meint Sabine:
"Sag mal, Hiko, ich möchte ja nicht indiskret sein. Wenn die Frage dir dennoch zu indiskret erscheint, brauchst du sie nicht beantworten:
Dein Freund ist nicht zufällig reich? Ich meine, wenn man sich hier umschaut, das muss doch ein Vermögen gekostet haben und dann der Transport rund um die halbe Erde. So eine Containerfracht kostet sicher Tausende Euro. Und für das Einrichten braucht man sicher mehrere Männer..."
"Nun," sage ich reserviert lächelnd. "Hier in der Stadt gibt es auch ein japanisches Einrichtungshaus..."
Sie hebt das Kinn, als will sie "Ah" sagen, bleibt aber stumm. Dafür verabschiedet sie sich alsbald nach dem Essen. Dies ist wohl nicht die Umgebung, in der sie sich wohlfühlt. Na, das muss sie ja auch nicht! Ihr Freund dackelt ergeben hinter ihr her.
*
Hikos Semesterferien verbringt sie in einem Gästezimmer meiner Villa, die ich von meinem Vater ererbt habe. Dafür kommt sie jedesmal von Europa nach Japan zurück. Immer wieder stoße ich eine Konversation zu den unterschiedlichsten Themen an und freue mich über den intellektuellen Schlagabtausch mit ihr.
Einmal sind wir dabei abgeschweift, als sie beginnt über den Unterschied zwischen den Männern in der sogenannten westlichen Hemisphäre und denen hier in der Heimat zu philosophieren.
"Ich musste dort Hosen tragen und andere Kleidung, die mich kaum von den Männern auf der Straße unterscheidet," berichtet sie. "Aber das ist nicht das Entscheidende. Die Männer, denen ich dort begegnet bin, benahmen sich so merkwürdig. So asexuell, als wäre ich keine Frau und sie keine Männer - ich kann sie nur verachten! Bitte, entschuldigen Sie meine direkten Worte, Shachou-Sama!"
Ich lächele sie an.
"Keine Machos?" frage ich zurück.
"Doch, hier und da schon," meint sie. "Aber sie kennen die Tugenden der Samurai nicht und benehmen sich entsprechend daneben. Da heißt es dann, auf Abstand gehen!"
"Nun," meine ich. "Auch hier in der Heimat gibt es Machos, die sich daneben benehmen!"
Sie nickt, aber ihren Europa-Aufenthalt hat sie noch nicht ganz verarbeitet. Ich lasse sie sich weiter von der Seele reden, was schwer darauf zu lasten scheint.
"Es gibt unter ihnen so wenige richtige Männer," sagt sie mit enttäuschter Miene. "Ich kann das nicht verstehen. Ist das denn so schwer? Warum haben so viele männliche Europäer ihre Männlichkeit aufgegeben und genießen ihre Verstümmelung auch noch? Ganz sicher gibt es dafür komplexe historische Gründe. Es ist jedoch interessant, in welch groteske Form sich die Biologie durch die dortige Kultur zwängen lässt!"
"Du, da bin ich mir absolut sicher! Ich kann mich vertrauensvoll in seine Arme sinken lassen. Insoweit ist er sogar berechenbar."
"Wenn das stimmt, dann hast du ihn schnell in der Hand. Dann kannst du ihn lenken..." resümiert Sabine.
"...wie du Herbert lenkst über Gefühlsausbrüche und das Äußern von Wünschen?" antworte ich, freundlich lächelnd.
Herbert sitzt dabei und beschäftigt sich intensiv mit dem Essen. Er tut so, als versteht er uns nicht.
"Ja, warum denn nicht. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt im Leben!" sagt mir Sabine daraufhin.
"Da sind wir doch grundverschieden, Sabine! Vielleicht rührt das von unserer verschiedenen Erziehung her."
Sie nickt und lässt das Thema auf sich beruhen. Wir reden noch über einige studentische Probleme, dann verabschiede ich mich von ihnen. Beim Weggehen lade ich beide aus Höflichkeit zu einem Gegenbesuch in mein Appartement ein.
Eine Woche später ist es an mir, meine Gäste zu bewirten. Pünktlich klingeln Sabine und Herbert an der Tür. Ich lasse sie ein und empfange sie in einem Yukata, einem leichten Hauskimono mit einem Druck, der aussieht wie ein japanisches Gemälde und mit ein paar Stickereien.
Beide sagen "Hallo!" und zeigen sich beeindruckt von meiner Einrichtung. Ich erkläre ihnen das mit einfachen Worten:
"Dies ist für mich ein Rückzugsort, an dem ich Kraft schöpfen kann für den Alltag."
Dann bitte ich sie:
"Zieht bitte eure Straßenschuhe aus. Im Regal findet ihr sicher passende Hausschuhe... Ah, und wenn ihr zur Toilette müsst, wechselt an der Tür bitte in Badschuhe."
Sabine kann nur mit dem Kopf nicken. Sie entledigen sich beide ihrer Straßenschuhe und probieren ein paar Pantoffeln an, bis sie passende gefunden haben. Dann zeige ich ihnen das Bad mit Toilette und führe sie in den Wohnraum. Sabine schaut sich um und stellt lächelnd fest:
"Hübsch hast du es hier. Du hast dir Asien nach Europa geholt!"
Ich nicke dazu und meine:
"Wenn mein Freund nicht in meiner Nähe sein kann, will ich wenigstens in einer solchen Umgebung zur Ruhe kommen können."
Sie sieht ein großes Foto an der Wand und fragt:
"Ist er das?"
Ich nicke und frage sie:
"Welchen Eindruck macht er vom Foto her auf dich?"
"Hm," meint sie nachdenklich. "Er zeigt eine energische Miene. Er bestimmt sicher gerne, wo es lang geht."
"Ja, das macht er," bestätige ich.
Sie schaut sich weiter um und fragt nun:
"Da steht ein Couchtisch, aber weder Sessel, noch Couch oder Stühle. Wo kann man sich denn hier setzen?"
Ich gehe demonstrativ in einer fließenden Bewegung in den Seiza -Kniesitz- am Tisch und stehe sofort wieder auf.
"So sitzt man in Japan am Tisch, Sabine," sage ich lächelnd. "Aber nehmt euch dort an der Wand zwei von den Sitzen und legt ein Kissen unter. Dann geht in den Schneidersitz. Das geht auch."
Während ich rede bin ich zur Wand gegangen, wo sechs Cocktailsessel ohne Beine aufeinandergestapelt stehen. Die obersten Zwei hebe ich ab und gebe jedem der Beiden einen in die Hand. Dann nehme ich aus der Truhe daneben drei Kissen.
Nachdem Beide sitzen, gehe ich an die Küchenzeile und stelle die vorbereiteten Sushi-Rollen auf ein Tablett. Anschließend bringe ich das Tablett und danach grünen Tee auf den Tisch. Ich gehe in den Seiza und serviere jedem eine Schale Tee aus der Teekanne.
Im Anschluss herrscht erst einmal Ruhe. Die Gäste genießen das Essen. Irgendwann meint Sabine:
"Sag mal, Hiko, ich möchte ja nicht indiskret sein. Wenn die Frage dir dennoch zu indiskret erscheint, brauchst du sie nicht beantworten:
Dein Freund ist nicht zufällig reich? Ich meine, wenn man sich hier umschaut, das muss doch ein Vermögen gekostet haben und dann der Transport rund um die halbe Erde. So eine Containerfracht kostet sicher Tausende Euro. Und für das Einrichten braucht man sicher mehrere Männer..."
"Nun," sage ich reserviert lächelnd. "Hier in der Stadt gibt es auch ein japanisches Einrichtungshaus..."
Sie hebt das Kinn, als will sie "Ah" sagen, bleibt aber stumm. Dafür verabschiedet sie sich alsbald nach dem Essen. Dies ist wohl nicht die Umgebung, in der sie sich wohlfühlt. Na, das muss sie ja auch nicht! Ihr Freund dackelt ergeben hinter ihr her.
*
Hikos Semesterferien verbringt sie in einem Gästezimmer meiner Villa, die ich von meinem Vater ererbt habe. Dafür kommt sie jedesmal von Europa nach Japan zurück. Immer wieder stoße ich eine Konversation zu den unterschiedlichsten Themen an und freue mich über den intellektuellen Schlagabtausch mit ihr.
Einmal sind wir dabei abgeschweift, als sie beginnt über den Unterschied zwischen den Männern in der sogenannten westlichen Hemisphäre und denen hier in der Heimat zu philosophieren.
"Ich musste dort Hosen tragen und andere Kleidung, die mich kaum von den Männern auf der Straße unterscheidet," berichtet sie. "Aber das ist nicht das Entscheidende. Die Männer, denen ich dort begegnet bin, benahmen sich so merkwürdig. So asexuell, als wäre ich keine Frau und sie keine Männer - ich kann sie nur verachten! Bitte, entschuldigen Sie meine direkten Worte, Shachou-Sama!"
Ich lächele sie an.
"Keine Machos?" frage ich zurück.
"Doch, hier und da schon," meint sie. "Aber sie kennen die Tugenden der Samurai nicht und benehmen sich entsprechend daneben. Da heißt es dann, auf Abstand gehen!"
"Nun," meine ich. "Auch hier in der Heimat gibt es Machos, die sich daneben benehmen!"
Sie nickt, aber ihren Europa-Aufenthalt hat sie noch nicht ganz verarbeitet. Ich lasse sie sich weiter von der Seele reden, was schwer darauf zu lasten scheint.
"Es gibt unter ihnen so wenige richtige Männer," sagt sie mit enttäuschter Miene. "Ich kann das nicht verstehen. Ist das denn so schwer? Warum haben so viele männliche Europäer ihre Männlichkeit aufgegeben und genießen ihre Verstümmelung auch noch? Ganz sicher gibt es dafür komplexe historische Gründe. Es ist jedoch interessant, in welch groteske Form sich die Biologie durch die dortige Kultur zwängen lässt!"
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