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Sonntag, 1. August 2021
Yamato Nadeshiko -108-
hermann-jpmt, 11:31h
Sakuri schwebt in kurzen Trippelschritten auf den älteren Mann zu und an ihm vorbei. Dieser dreht sich nach Sakuri um und übersieht dabei einen anderen Passanten, mit dem er zusammenstößt. Wortreich entschuldigt sich der Mann vor dem Anderen. Sakuri bleibt an der nächsten Einmündung einer kleinen Nebenstraße stehen und wartet auf mich.
"Und nun du!" sagt sie. "Siehst du den jungen Mann, der uns auf dem Fahrrad entgegenkommt?"
Ich schaue mich um und nicke. Sie geht näher an die Mauer eines Hauses heran, während mir das Herz wie wild klopft. Endlich fasse ich all meinen Mut zusammen und schwebe in der gleichen Weise an dem jungen Mann vorbei. Er sieht mich und folgt mir mit seinem Blick. Dabei verreißt er die Lenkstange und stürzt auf den Gehweg.
Als Sakuri zu mir aufgeschlossen hat, meint sie lächelnd:
"Siehst du! Du bist soweit."
Zurück in der Villa ihres Ehemannes sagt sie zu mir:
"Das verbindet uns für immer! Nun sind wir Schwestern. Ab heute lässt du deine Kindheit zurück und legst deinen Namen ab. Von heute an, wird man dich als Machiko -Glückskind- kennen!"
Als Sakuri mir meinen neuen Namen gibt, spüre ich wie die kleine Hiko hinter einer weißen Nebelwand verschwindet. Von diesem Moment an will ich tanzen, musizieren, meine Kunden mit Konversation unterhalten, sie bedienen bis ein gewisser Tanaka-San mich findet. Bis ich sein bin!
*
"Daisuke-kun!"
"Hai, Otou-San -Ja, Vater-?"
"Ich brauche jemanden für das Nordamerika-Geschäft. Ich kenne keinen geeigneteren als dich!"
"Ich bin bereit, verehrter Vater!"
Kurz nach dem Gespräch mit meinem ehrenwerten Vater ziehen meine Frau und ich nach Detroit um. Ich vertrete in den folgenden Jahren die Firma Tanaka Automotive Group in der US-Autostadt. Dann erreicht mich eine schlimme Nachricht. Meinem rippana Otou-San -ehrenwerten Vater- geht es gesundheitlich nicht gut. Ich soll schnell nach Japan zurück, um in die geschäftlichen Prozesse in der Chefetage eingeweiht zu werden. Dazu werde ich die rechte Hand meines Vaters und bin bei allen Entscheidungen und Vertragsabschlüssen ebenfalls anwesend.
Es mögen vielleicht zehn Jahre vergangen sein, dass ich wieder in Japan bin. Meine liebe Frau habe ich erst einmal in Detroit gelassen. Wir haben inzwischen einen kleinen Sohn, Masao-kun, erst wenige Monate alt. Später will ich beide zu mir holen.
Noch kein halbes Jahr ist vergangen, als mich eine Hiobsbotschaft von unserer Otetsdai -Haushälterin- erreicht. Meine liebe Frau hat schlimme Bauchschmerzen bekommen und ist in ein Hospital eingeliefert worden. Unser Kindermädchen kümmert sich derweil um den kleinen Masao.
Keine Woche ist vergangen, als mich die nächste Hiobsbotschaft erreicht. Meine liebe Frau hat die Notoperation leider nicht überlebt. Ich kündige aus der Ferne dem kompletten Hauspersonal. Das Kindermädchen erhält von mir eine Aufstockung ihres Gehaltes und eine angemessene Wohnung, damit sie sich um meinen Sohn kümmern kann, bis er schulreif ist.
Als Masao-kun fünf Jahre alt ist, suche ich ein Internat für ihn in Nordamerika und finde schließlich ein akzeptables in Edmonton in Kanada. Dort wird mein Sohn eingeschult und verbringt die nächsten Jahre darin.
Mein Vater ist inzwischen von uns gegangen und die Verantwortung für sein Lebenswerk liegt nun auf meinen Schultern. Ich vergrabe mich in meine Arbeit. Die Repräsentationspflichten als Shachou -CEO- eines großen Unternehmens sind da kleine Highlights im täglichen Büroalltag.
Wie mein Vater es immer getan hat, verpflichte auch ich jedesmal eine Geisha zu diesen Veranstaltungen. Mein vierzigster Geburtstag rückt näher und wir wollen ihn dazu nutzen, uns bei unseren Kunden ins Gedächtnis zu bringen und uns für ihre Kundentreue bedanken. Eine junge Angestellte aus dem Umland, Sato Ruri, hat sich bei der Arbeit hervorgetan. Ich möchte sie damit belohnen, dass sie das Fest organisieren darf. Sie macht es wirklich gut.
Ich lasse zwei Geishas kommen, um den Abend zu verschönern. Zuerst wohnen wir einer traditionellen Sado -Teezeremonie- bei. Anschließend tanzt die jüngere Geisha für uns, während die Ältere das Shamisen dazu spielt.
Nach der Darbietung rege ich an, dass die Geburtstagsgesellschaft hinüber zum Park wechselt. Dort können gerne Fotos mit den Geishas gemacht werden. Mein Vorschlag wird begeistert angenommen. Es ist Frühling und die Sonne scheint. Während alle in den Park streben, gehe ich nahe an der jüngeren Geisha vorbei, um zuerst einmal mein Zimmer aufzusuchen.
"Du warst wunderbar!" flüstere ich ihr zu. "Wie eine Göttin."
Sie schaut mich mit großen Augen an, bevor sie sich verneigt. Diese Augen sind etwas besonderes! Solch blaue Augen habe ich selten gesehen. Selten? Erst einmal ist es geschehen! Und das ist vor vielen Jahren gewesen. Ein junges Mädchen damals, das traurig gewesen ist.
"Und jetzt bin ich eine Geisha!" hat sie damals behauptet.
Ja! Das Erlebnis habe ich bei meiner Hochzeit damals gehabt! Es könnte tatsächlich sein, dass sie es gewesen ist.
Nachdem ich mich frisch gemacht habe, begebe ich mich auch in den Park. Die beiden Geishas werden immer noch von Fotografen umlagert. Ich trete hinzu und sage:
"Sumimasen -Entschuldigung-. Heute sind sogar die Kirschblüten eifersüchtig auf sie."
Zu der jungen Geisha gewandt ergänze ich:
"Mögen Sie mich ein wenig begleiten?"
"Sehr gern, Shachou-Sama!" antwortet sie erleichtert und blickt auf ihre Begleiterin.
"Geh nur," sagt die andere Geisha lächelnd.
Wir gehen einen schmalen Pfad zwischen den Pflanzen entlang. Nachdem wir etwas Abstand zu der Gesellschaft gewonnen haben, erkläre ich ihr:
"Ich möchte dich sehr gern etwas fragen, Machiko. Hättest du lieber süßes Gebäck oder Kirschen?"
Sie schaut mich mit diesen blauen Augen an, zieht ein 'Kavalierstüchlein' aus ihrem Kimono und antwortet:
"Sie mögen lieber Kirschen mit einem Löffel Sahne, Shachou-Sama!"
"Ich habe es geahnt, Machiko. Ich habe es geahnt," sage ich und hole schnell ein Taschentuch hervor, um meine feuchten Augen zu trocknen. "Inzwischen ist die Firma meine Familie. Meine liebe Frau und meine Eltern sind verstorben. Ich habe einen kleinen Sohn, der in der Fremde zur Schule geht. Aber um mich mit jemandem zu unterhalten, der mir nicht nach dem Mund redet, habe ich inzwischen niemanden mehr. Dennoch heißt es: Man muss das Leben genießen, solange man kann.?"
"Das ist die Lektion der Kirschblüte," antwortet sie lächelnd und greift nach einem in voller Blüte stehenden Zweig.
"Und nun du!" sagt sie. "Siehst du den jungen Mann, der uns auf dem Fahrrad entgegenkommt?"
Ich schaue mich um und nicke. Sie geht näher an die Mauer eines Hauses heran, während mir das Herz wie wild klopft. Endlich fasse ich all meinen Mut zusammen und schwebe in der gleichen Weise an dem jungen Mann vorbei. Er sieht mich und folgt mir mit seinem Blick. Dabei verreißt er die Lenkstange und stürzt auf den Gehweg.
Als Sakuri zu mir aufgeschlossen hat, meint sie lächelnd:
"Siehst du! Du bist soweit."
Zurück in der Villa ihres Ehemannes sagt sie zu mir:
"Das verbindet uns für immer! Nun sind wir Schwestern. Ab heute lässt du deine Kindheit zurück und legst deinen Namen ab. Von heute an, wird man dich als Machiko -Glückskind- kennen!"
Als Sakuri mir meinen neuen Namen gibt, spüre ich wie die kleine Hiko hinter einer weißen Nebelwand verschwindet. Von diesem Moment an will ich tanzen, musizieren, meine Kunden mit Konversation unterhalten, sie bedienen bis ein gewisser Tanaka-San mich findet. Bis ich sein bin!
*
"Daisuke-kun!"
"Hai, Otou-San -Ja, Vater-?"
"Ich brauche jemanden für das Nordamerika-Geschäft. Ich kenne keinen geeigneteren als dich!"
"Ich bin bereit, verehrter Vater!"
Kurz nach dem Gespräch mit meinem ehrenwerten Vater ziehen meine Frau und ich nach Detroit um. Ich vertrete in den folgenden Jahren die Firma Tanaka Automotive Group in der US-Autostadt. Dann erreicht mich eine schlimme Nachricht. Meinem rippana Otou-San -ehrenwerten Vater- geht es gesundheitlich nicht gut. Ich soll schnell nach Japan zurück, um in die geschäftlichen Prozesse in der Chefetage eingeweiht zu werden. Dazu werde ich die rechte Hand meines Vaters und bin bei allen Entscheidungen und Vertragsabschlüssen ebenfalls anwesend.
Es mögen vielleicht zehn Jahre vergangen sein, dass ich wieder in Japan bin. Meine liebe Frau habe ich erst einmal in Detroit gelassen. Wir haben inzwischen einen kleinen Sohn, Masao-kun, erst wenige Monate alt. Später will ich beide zu mir holen.
Noch kein halbes Jahr ist vergangen, als mich eine Hiobsbotschaft von unserer Otetsdai -Haushälterin- erreicht. Meine liebe Frau hat schlimme Bauchschmerzen bekommen und ist in ein Hospital eingeliefert worden. Unser Kindermädchen kümmert sich derweil um den kleinen Masao.
Keine Woche ist vergangen, als mich die nächste Hiobsbotschaft erreicht. Meine liebe Frau hat die Notoperation leider nicht überlebt. Ich kündige aus der Ferne dem kompletten Hauspersonal. Das Kindermädchen erhält von mir eine Aufstockung ihres Gehaltes und eine angemessene Wohnung, damit sie sich um meinen Sohn kümmern kann, bis er schulreif ist.
Als Masao-kun fünf Jahre alt ist, suche ich ein Internat für ihn in Nordamerika und finde schließlich ein akzeptables in Edmonton in Kanada. Dort wird mein Sohn eingeschult und verbringt die nächsten Jahre darin.
Mein Vater ist inzwischen von uns gegangen und die Verantwortung für sein Lebenswerk liegt nun auf meinen Schultern. Ich vergrabe mich in meine Arbeit. Die Repräsentationspflichten als Shachou -CEO- eines großen Unternehmens sind da kleine Highlights im täglichen Büroalltag.
Wie mein Vater es immer getan hat, verpflichte auch ich jedesmal eine Geisha zu diesen Veranstaltungen. Mein vierzigster Geburtstag rückt näher und wir wollen ihn dazu nutzen, uns bei unseren Kunden ins Gedächtnis zu bringen und uns für ihre Kundentreue bedanken. Eine junge Angestellte aus dem Umland, Sato Ruri, hat sich bei der Arbeit hervorgetan. Ich möchte sie damit belohnen, dass sie das Fest organisieren darf. Sie macht es wirklich gut.
Ich lasse zwei Geishas kommen, um den Abend zu verschönern. Zuerst wohnen wir einer traditionellen Sado -Teezeremonie- bei. Anschließend tanzt die jüngere Geisha für uns, während die Ältere das Shamisen dazu spielt.
Nach der Darbietung rege ich an, dass die Geburtstagsgesellschaft hinüber zum Park wechselt. Dort können gerne Fotos mit den Geishas gemacht werden. Mein Vorschlag wird begeistert angenommen. Es ist Frühling und die Sonne scheint. Während alle in den Park streben, gehe ich nahe an der jüngeren Geisha vorbei, um zuerst einmal mein Zimmer aufzusuchen.
"Du warst wunderbar!" flüstere ich ihr zu. "Wie eine Göttin."
Sie schaut mich mit großen Augen an, bevor sie sich verneigt. Diese Augen sind etwas besonderes! Solch blaue Augen habe ich selten gesehen. Selten? Erst einmal ist es geschehen! Und das ist vor vielen Jahren gewesen. Ein junges Mädchen damals, das traurig gewesen ist.
"Und jetzt bin ich eine Geisha!" hat sie damals behauptet.
Ja! Das Erlebnis habe ich bei meiner Hochzeit damals gehabt! Es könnte tatsächlich sein, dass sie es gewesen ist.
Nachdem ich mich frisch gemacht habe, begebe ich mich auch in den Park. Die beiden Geishas werden immer noch von Fotografen umlagert. Ich trete hinzu und sage:
"Sumimasen -Entschuldigung-. Heute sind sogar die Kirschblüten eifersüchtig auf sie."
Zu der jungen Geisha gewandt ergänze ich:
"Mögen Sie mich ein wenig begleiten?"
"Sehr gern, Shachou-Sama!" antwortet sie erleichtert und blickt auf ihre Begleiterin.
"Geh nur," sagt die andere Geisha lächelnd.
Wir gehen einen schmalen Pfad zwischen den Pflanzen entlang. Nachdem wir etwas Abstand zu der Gesellschaft gewonnen haben, erkläre ich ihr:
"Ich möchte dich sehr gern etwas fragen, Machiko. Hättest du lieber süßes Gebäck oder Kirschen?"
Sie schaut mich mit diesen blauen Augen an, zieht ein 'Kavalierstüchlein' aus ihrem Kimono und antwortet:
"Sie mögen lieber Kirschen mit einem Löffel Sahne, Shachou-Sama!"
"Ich habe es geahnt, Machiko. Ich habe es geahnt," sage ich und hole schnell ein Taschentuch hervor, um meine feuchten Augen zu trocknen. "Inzwischen ist die Firma meine Familie. Meine liebe Frau und meine Eltern sind verstorben. Ich habe einen kleinen Sohn, der in der Fremde zur Schule geht. Aber um mich mit jemandem zu unterhalten, der mir nicht nach dem Mund redet, habe ich inzwischen niemanden mehr. Dennoch heißt es: Man muss das Leben genießen, solange man kann.?"
"Das ist die Lektion der Kirschblüte," antwortet sie lächelnd und greift nach einem in voller Blüte stehenden Zweig.
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