... newer stories
Samstag, 17. Juli 2021
Yamato Nadeshiko -102-
hermann-jpmt, 11:16h
Eine Tasche aus Fischleder mit langer Pepaschnur, die man quer über die Brust tragen kann und auf der Seite hängt, wird mit Baumwollfasern gefüllt und ich frage, ob es giftige Tiere gibt, deren Gift Menschen betäuben kann. Deren Gift möchte man mir sammeln und konservieren.
Ich bezahle mit Gebrauchsgegenständen aus Fischleder, die Ruri-chan kunstvoll herstellt. Sie werden mit der hier üblichen Ornamentik versehen und weckt das Interesse, die Herstellungsmethode zu erlernen.
Beim Üben mit dem Blasrohr zu schießen werde ich oft von einem kleinen, vielleicht achtjährigen Jungen beobachtet, den ich bald in mein Herz schließe. Raja, wie der Kleine heißt, vergisst über die Faszination des Blasrohres fast das Spielen mit Seinesgleichen. Bald stelle ich ihm ein eigenes kleines Blasrohr her und die nötigen Pfeile dafür. Als er dann noch eine Tasche mit Baumwollfasern geschenkt bekommt, präsentiert er sich stolz jedem auf der Insel.
Die Baumwollfasern hinten um die kurzen Pfeile gedreht geben den Pfeilen Flugstabilität. Bald treffe ich ganz passabel die Zielscheibenmitte. Sicher - so gut wie Apok in Venezuela werde ich nie sein, aber Ruri-chans Augen leuchten stolz, wenn sie mich üben sieht.
Im täglichen Leben bin ich oft bei Baru Naresh zu Gast. Chandan Naresh ist dann stets dabei. Dort wird vieles besprochen, was den Alltag in Prabal Jagan angeht. Dabei erfahre ich auch etwas von einer unterschwelligen Konkurrenz und Rivalität unter den Bewohnern des Deltas in der näheren Umgebung. Wir hoffen, dass wir mit den Nachbardörfern in Frieden leben können.
Ich lasse mir bald ein 'Pferdchen' herstellen und unternehme kleinere Touren im Umkreis der Pepa-Insel. Dabei komme ich immer wieder mit geschossenen Wasservögeln zu den Menschen von Prabal Jagan zurück.
*
Ich bin nun über acht Monate in Prabal Jagan. Die Monsunzeit ist zu Ende. Noch einmal wird ein großes Fest gefeiert, bevor die Trockenzeit so richtig einsetzt. Wieder kommen alle Pepa-Inseln von Prabal Jagan zusammen. Es ist schon ein eindrucksvolles Bild, wenn alle Inseln zusammengebunden und im Schlamm verankert da liegen. Den ganzen Tag dauert es, die Inseln herbei zu staken und mit Pepa-Matten, die als Brücken dienen, zu verbinden.
Schwere Gefäße mit Pepa-Bier werden auf die größte Insel gebracht. Wasserkrüge, Spieße mit Fisch, gerupfte Wasservögel und Körbe mit Pepa-Mark und Fladenbrot.
Am Mittag des zweiten Tages sind die Vorbereitungen abgeschlossen und das große Fest beginnt. Die Pepa-Bauern essen Brot, trinken Wasser und verzehren das gebratene Fleisch von Fischen und Wasservögeln.
Am Nachmittag beginnen Wettkämpfe zumeist mittels der 'Pferdchen' im Sumpf. Es wird viel gelacht und gescherzt. Dabei handelt es sich um Bootsrennen, Wettkämpfe mit Netzen und Speeren. Es ist ein Fest, wie wir es von unseren europäischen Jahrmärkten kennen.
Gegen Abend treibt das Fest seinem Höhepunkt entgegen. Es ist viel erzählt und gesungen worden. Auch Tanzvorführungen habe ich gesehen. Die Menschen genießen die Feier in vollen Zügen.
In diesem Augenblick ertönt von draußen der Entsetzensschrei einer jungen Frau und ganz plötzlich verstummt die Musik. Dann höre ich Gebrüll, Befehle, Schreie der Angst, Verwirrung, Geklirr von Ackergerät, das als Hieb- oder Stichwaffe missbraucht wird.
"Festländer!" schreit jemand. "Festländer!"
Damit sind Leute aus den umliegenden Dörfern gemeint, deren Häuser auf den unzähligen Inseln im Delta stehen.
Ich springe auf, reiße Ruri-chan hoch und Rani mit mir und renne so schnell ich kann zu meiner Hütte. Die beiden Frauen rennen stolpernd und sich wieder fangend hinter mir her. Auf dem Weg dorthin sehe ich am Ufer der Insel Fackeln leuchten. Ein Kind läuft schreiend an mir vorbei. Eine Frau schreit auf und klagt lautstark. Befehle erschallen, metallisches Geklirr. Ein Pepa-Bauer taumelt auf uns zu, eine klaffende Wunde in der Brust. Irgendwo weint ein Säugling.
Im Licht der Fackeln sehe ich flache Sumpfboote aus Holz, die gerudert werden, an den Inseln festliegen. Bani hebt die Hände an die Wangen und sieht sich mit aufgerissenen Augen um. Sie schreit. Ich packe sie am rechten Handgelenk und lasse sie nicht wieder los, zerre sie mit mir. Ruri-chan ist an mir vorbeigeeilt. Schlangengleich umgeht sie jede Gefahr und duckt sich immer wieder in dunkle Ecken. Schließlich habe ich unsere Hütte erreicht.
Ruri-chan kommt mir mit meinem Blasrohr und zwei Ledertaschen entgegen. Die Eine ist prall mit kleinen Pfeilen gefüllt. In der Anderen sind die Baumwollfasern und die Fläschchen mit Betäubungsgift.
Ich steuere mit den beiden Frauen auf das den Sumpfbooten entgegengesetzte Ende der Insel zu, wo im Moment Dunkelheit herrscht. Aber auch von dort kommen uns Pepa-Bauern entgegen, Männer, Frauen und Kinder, stolpernd, fliehend. Wir hören die Rufe ihrer Verfolger, sehen Speerspitzen im ungewissen Licht aufblitzen.
Wir drücken uns in eine dunkle Ecke an der Rückseite einer Hütte und lassen die Leute vorbei. Dann kommen ihre Verfolger, messerschwingend und brüllend. Menschen schreien. Ein Mann sinkt neben uns zu Boden. Wir versuchen das Inselufer zu erreichen. Dann schreit vor uns eine Frau auf.
"Netze!" ruft sie. "Sie haben Netze!"
"Halt!" rufe ich und reiße Ruri-chan und Bani zurück. Dabei verliere ich mein Blasrohr.
Die Anderen in meiner Nähe rennen in panischem Entsetzen weiter, rasen blind auf die Netze zu, die vor ihnen aufgespannt sind. Es handelt sich nicht um kleine Fangnetze für die Fischerei, sondern um große Netzwände, die jeden Widerstand sinnlos machen. Nun höre ich auch von der anderen Seite der Insel den entsetzten Schrei: "Netze, Netze!"
Meine tastenden Hände erspüren das Blasrohr wieder. Plötzlich erscheinen mit Knüppeln und Messern bewaffnete Männer in unserer Nähe. Wir drücken uns in den Bodenbelag aus Schilf.
Auf allen Seiten brüllende Männer, kreischende Frauen, weinende Kinder; überall auch Männer, die nicht zu den Pepa-Bauern gehören. Ein Junge rennt vorbei. Ich erkenne Raja.
Im Licht der Fackeln sehe ich Chandan Naresh mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen. Mehrere Fremde liegen vor ihm am Boden. Wild schwingt er eine Sichel im Kreis, von einem Dutzend Fremden umgeben. Die Fackeln glitzern auf ihren Messern. Er bietet einen furchteinflößenden Anblick, schwitzend und schwer atmend.
Schließlich senken sich zwei Fangnetze über ihn. Die Fremden stürzen vor und schlagen ihn mit vereinten Kräften bewusstlos. Bani schreit auf, und ich zerre sie fort. Wieder rennen wir durch das Chaos, das auf der Insel herrscht. Am Rand brennen 'Pferdchen' im Wasser. Hier gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr.
Plötzlich rennt Bani los. Gemeinsam mit Ruri-chan versuche ich den Kontakt zu ihr nicht zu verlieren. Wir müssen uns aber ein paarmal ducken. Dann ist sie außer Sicht. Ich behalte trotzdem die Richtung bei.
Vor mir schimmert eine Fackel. Ich eile darauf zu. Da sehe ich Bani. Ein Mann hat sie auf den Bauch geworfen und fesselt sie. Ich packe ihn, drehe ihn herum und versetze ihm einen Schlag ins Gesicht. Als er sein Messer zu ziehen versucht, wirft sich Ruri-chan dazwischen und holt mit der Sichel aus. Mit einem grellen Aufschrei fällt er ins sumpfige Wasser des Deltas.
Bani dreht sich auf die Seite und starrt mich an.
"Ich will nicht Dasa -Sklavin- der Festländer sein!" schluchzt sie.
Gleich müssen weitere Männer hier sein. Ich hebe sie hoch und stelle sie wieder auf ihre Füße.
"Still," sage ich, entferne ihre Fesseln und sehe mich um.
Im Augenblick ist niemand in der Nähe. Zu unserer Linken wird es hell. Eine der Pepa-Inseln, die mit unserer Insel verbunden ist, beginnt zu brennen. Hastig blicke ich mich um, suche verzweifelt nach einem Ausweg.
Auf der einen Seite liegt das sumpfige Wasser des Deltas. Überall treiben die lodernden oder rauchenden Reste von 'Pferdchen' auf dem Wasser, die zu Beginn des Überfalls losgebunden und angesteckt worden sind, wohl um eine Flucht der Pepa-Bauern zu verhindern. Auf der anderen Seite das Licht der Fackeln, das Schreien der Menschen - und die Fremden.
Über eine der Brücken zwischen den Inseln werden jetzt gefangene Pepa-Bauern auf unsere Insel getrieben.
'Die Brücken,' blitzt ein Gedanke auf. 'Die Brücken aus Pepa-Matten und Bambus aus den Hütten! Das ergibt ein Floß!'
"Ruri-chan, ich brauche Bambus und Seile. Schaffst du das ungesehen zu mir zu bringen? - Und lass dich auf keine Kampfhandlung ein! Duck' dich weg, verschmelze mit der Dunkelheit!"
Sie nickt und schon kriecht sie schlangengleich in den Schatten der nächsten Hütte, um sich dort aufzurichten. Ein Mann kommt vorbei. Ich drücke Bani tiefer in den Schilfboden. Die nächsten Minuten sind die längsten meines Lebens, nach meinem momentanen Empfinden.
Ich bezahle mit Gebrauchsgegenständen aus Fischleder, die Ruri-chan kunstvoll herstellt. Sie werden mit der hier üblichen Ornamentik versehen und weckt das Interesse, die Herstellungsmethode zu erlernen.
Beim Üben mit dem Blasrohr zu schießen werde ich oft von einem kleinen, vielleicht achtjährigen Jungen beobachtet, den ich bald in mein Herz schließe. Raja, wie der Kleine heißt, vergisst über die Faszination des Blasrohres fast das Spielen mit Seinesgleichen. Bald stelle ich ihm ein eigenes kleines Blasrohr her und die nötigen Pfeile dafür. Als er dann noch eine Tasche mit Baumwollfasern geschenkt bekommt, präsentiert er sich stolz jedem auf der Insel.
Die Baumwollfasern hinten um die kurzen Pfeile gedreht geben den Pfeilen Flugstabilität. Bald treffe ich ganz passabel die Zielscheibenmitte. Sicher - so gut wie Apok in Venezuela werde ich nie sein, aber Ruri-chans Augen leuchten stolz, wenn sie mich üben sieht.
Im täglichen Leben bin ich oft bei Baru Naresh zu Gast. Chandan Naresh ist dann stets dabei. Dort wird vieles besprochen, was den Alltag in Prabal Jagan angeht. Dabei erfahre ich auch etwas von einer unterschwelligen Konkurrenz und Rivalität unter den Bewohnern des Deltas in der näheren Umgebung. Wir hoffen, dass wir mit den Nachbardörfern in Frieden leben können.
Ich lasse mir bald ein 'Pferdchen' herstellen und unternehme kleinere Touren im Umkreis der Pepa-Insel. Dabei komme ich immer wieder mit geschossenen Wasservögeln zu den Menschen von Prabal Jagan zurück.
*
Ich bin nun über acht Monate in Prabal Jagan. Die Monsunzeit ist zu Ende. Noch einmal wird ein großes Fest gefeiert, bevor die Trockenzeit so richtig einsetzt. Wieder kommen alle Pepa-Inseln von Prabal Jagan zusammen. Es ist schon ein eindrucksvolles Bild, wenn alle Inseln zusammengebunden und im Schlamm verankert da liegen. Den ganzen Tag dauert es, die Inseln herbei zu staken und mit Pepa-Matten, die als Brücken dienen, zu verbinden.
Schwere Gefäße mit Pepa-Bier werden auf die größte Insel gebracht. Wasserkrüge, Spieße mit Fisch, gerupfte Wasservögel und Körbe mit Pepa-Mark und Fladenbrot.
Am Mittag des zweiten Tages sind die Vorbereitungen abgeschlossen und das große Fest beginnt. Die Pepa-Bauern essen Brot, trinken Wasser und verzehren das gebratene Fleisch von Fischen und Wasservögeln.
Am Nachmittag beginnen Wettkämpfe zumeist mittels der 'Pferdchen' im Sumpf. Es wird viel gelacht und gescherzt. Dabei handelt es sich um Bootsrennen, Wettkämpfe mit Netzen und Speeren. Es ist ein Fest, wie wir es von unseren europäischen Jahrmärkten kennen.
Gegen Abend treibt das Fest seinem Höhepunkt entgegen. Es ist viel erzählt und gesungen worden. Auch Tanzvorführungen habe ich gesehen. Die Menschen genießen die Feier in vollen Zügen.
In diesem Augenblick ertönt von draußen der Entsetzensschrei einer jungen Frau und ganz plötzlich verstummt die Musik. Dann höre ich Gebrüll, Befehle, Schreie der Angst, Verwirrung, Geklirr von Ackergerät, das als Hieb- oder Stichwaffe missbraucht wird.
"Festländer!" schreit jemand. "Festländer!"
Damit sind Leute aus den umliegenden Dörfern gemeint, deren Häuser auf den unzähligen Inseln im Delta stehen.
Ich springe auf, reiße Ruri-chan hoch und Rani mit mir und renne so schnell ich kann zu meiner Hütte. Die beiden Frauen rennen stolpernd und sich wieder fangend hinter mir her. Auf dem Weg dorthin sehe ich am Ufer der Insel Fackeln leuchten. Ein Kind läuft schreiend an mir vorbei. Eine Frau schreit auf und klagt lautstark. Befehle erschallen, metallisches Geklirr. Ein Pepa-Bauer taumelt auf uns zu, eine klaffende Wunde in der Brust. Irgendwo weint ein Säugling.
Im Licht der Fackeln sehe ich flache Sumpfboote aus Holz, die gerudert werden, an den Inseln festliegen. Bani hebt die Hände an die Wangen und sieht sich mit aufgerissenen Augen um. Sie schreit. Ich packe sie am rechten Handgelenk und lasse sie nicht wieder los, zerre sie mit mir. Ruri-chan ist an mir vorbeigeeilt. Schlangengleich umgeht sie jede Gefahr und duckt sich immer wieder in dunkle Ecken. Schließlich habe ich unsere Hütte erreicht.
Ruri-chan kommt mir mit meinem Blasrohr und zwei Ledertaschen entgegen. Die Eine ist prall mit kleinen Pfeilen gefüllt. In der Anderen sind die Baumwollfasern und die Fläschchen mit Betäubungsgift.
Ich steuere mit den beiden Frauen auf das den Sumpfbooten entgegengesetzte Ende der Insel zu, wo im Moment Dunkelheit herrscht. Aber auch von dort kommen uns Pepa-Bauern entgegen, Männer, Frauen und Kinder, stolpernd, fliehend. Wir hören die Rufe ihrer Verfolger, sehen Speerspitzen im ungewissen Licht aufblitzen.
Wir drücken uns in eine dunkle Ecke an der Rückseite einer Hütte und lassen die Leute vorbei. Dann kommen ihre Verfolger, messerschwingend und brüllend. Menschen schreien. Ein Mann sinkt neben uns zu Boden. Wir versuchen das Inselufer zu erreichen. Dann schreit vor uns eine Frau auf.
"Netze!" ruft sie. "Sie haben Netze!"
"Halt!" rufe ich und reiße Ruri-chan und Bani zurück. Dabei verliere ich mein Blasrohr.
Die Anderen in meiner Nähe rennen in panischem Entsetzen weiter, rasen blind auf die Netze zu, die vor ihnen aufgespannt sind. Es handelt sich nicht um kleine Fangnetze für die Fischerei, sondern um große Netzwände, die jeden Widerstand sinnlos machen. Nun höre ich auch von der anderen Seite der Insel den entsetzten Schrei: "Netze, Netze!"
Meine tastenden Hände erspüren das Blasrohr wieder. Plötzlich erscheinen mit Knüppeln und Messern bewaffnete Männer in unserer Nähe. Wir drücken uns in den Bodenbelag aus Schilf.
Auf allen Seiten brüllende Männer, kreischende Frauen, weinende Kinder; überall auch Männer, die nicht zu den Pepa-Bauern gehören. Ein Junge rennt vorbei. Ich erkenne Raja.
Im Licht der Fackeln sehe ich Chandan Naresh mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen. Mehrere Fremde liegen vor ihm am Boden. Wild schwingt er eine Sichel im Kreis, von einem Dutzend Fremden umgeben. Die Fackeln glitzern auf ihren Messern. Er bietet einen furchteinflößenden Anblick, schwitzend und schwer atmend.
Schließlich senken sich zwei Fangnetze über ihn. Die Fremden stürzen vor und schlagen ihn mit vereinten Kräften bewusstlos. Bani schreit auf, und ich zerre sie fort. Wieder rennen wir durch das Chaos, das auf der Insel herrscht. Am Rand brennen 'Pferdchen' im Wasser. Hier gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr.
Plötzlich rennt Bani los. Gemeinsam mit Ruri-chan versuche ich den Kontakt zu ihr nicht zu verlieren. Wir müssen uns aber ein paarmal ducken. Dann ist sie außer Sicht. Ich behalte trotzdem die Richtung bei.
Vor mir schimmert eine Fackel. Ich eile darauf zu. Da sehe ich Bani. Ein Mann hat sie auf den Bauch geworfen und fesselt sie. Ich packe ihn, drehe ihn herum und versetze ihm einen Schlag ins Gesicht. Als er sein Messer zu ziehen versucht, wirft sich Ruri-chan dazwischen und holt mit der Sichel aus. Mit einem grellen Aufschrei fällt er ins sumpfige Wasser des Deltas.
Bani dreht sich auf die Seite und starrt mich an.
"Ich will nicht Dasa -Sklavin- der Festländer sein!" schluchzt sie.
Gleich müssen weitere Männer hier sein. Ich hebe sie hoch und stelle sie wieder auf ihre Füße.
"Still," sage ich, entferne ihre Fesseln und sehe mich um.
Im Augenblick ist niemand in der Nähe. Zu unserer Linken wird es hell. Eine der Pepa-Inseln, die mit unserer Insel verbunden ist, beginnt zu brennen. Hastig blicke ich mich um, suche verzweifelt nach einem Ausweg.
Auf der einen Seite liegt das sumpfige Wasser des Deltas. Überall treiben die lodernden oder rauchenden Reste von 'Pferdchen' auf dem Wasser, die zu Beginn des Überfalls losgebunden und angesteckt worden sind, wohl um eine Flucht der Pepa-Bauern zu verhindern. Auf der anderen Seite das Licht der Fackeln, das Schreien der Menschen - und die Fremden.
Über eine der Brücken zwischen den Inseln werden jetzt gefangene Pepa-Bauern auf unsere Insel getrieben.
'Die Brücken,' blitzt ein Gedanke auf. 'Die Brücken aus Pepa-Matten und Bambus aus den Hütten! Das ergibt ein Floß!'
"Ruri-chan, ich brauche Bambus und Seile. Schaffst du das ungesehen zu mir zu bringen? - Und lass dich auf keine Kampfhandlung ein! Duck' dich weg, verschmelze mit der Dunkelheit!"
Sie nickt und schon kriecht sie schlangengleich in den Schatten der nächsten Hütte, um sich dort aufzurichten. Ein Mann kommt vorbei. Ich drücke Bani tiefer in den Schilfboden. Die nächsten Minuten sind die längsten meines Lebens, nach meinem momentanen Empfinden.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories