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Freitag, 16. April 2021
Yamato Nadeshiko -57-
hermann-jpmt, 11:50h
"Warum gehst du dann nicht in die Hütte und holst sie selbst?"
"Ich bin zu schüchtern," erklärt Primok und lässt den Kopf hängen.
"Vielleicht hört sie auf die Stimme der Vernunft," sage ich hoffnungsvoll.
Apok bricht in brüllendes Gelächter aus. Im nächsten Augenblick wälzt er sich wiehernd auf dem Boden. Rothäutige Jäger lassen sich ihre Gefühle oft sehr deutlich anmerken. Nach einer Weile ist er wieder zu sich gekommen und wischt sich die Tränen aus den Augen. Ich trete vorsichtig in den Eingang. Drinnen steht Meru. Sie trägt Festkleidung und ist traditionell geschminkt. Neben ihr steht ihre Mutter Wan und strahlt stolz ihre Tochter an.
Ich ducke mich. Das Messer saust an meinem Kopf vorbei und verfehlt Primok draußen nur knapp.
"Du trägst mich nicht mit Gewalt hier fort!" ruft Meru.
"Sieht beinahe so aus," meine ich.
Sie greift nach einer schweren Eisenpfanne, die sich auf meinem Kopf nicht sehr angenehm angefühlt hätte.
"Hör mal," sage ich, "ich bin hier, um dich zu entführen! Alle Arrangements sind getroffen."
"Ich habe nichts arrangiert," entgegnet sie.
Das scheint mir für den Moment ein guter Einwand zu ein.
"Sie sagt, sie habe nichts arrangiert," rufe ich zu Primok hinaus.
"Darauf kommt es nicht an!" antwortet Primok laut.
"Darauf kommt es nicht an," gebe ich an sie weiter.
"O doch!" ruft sie.
"Oh doch, meint sie!" verständige ich Primok.
"Es kommt nicht darauf an. Sie ist nur eine Frau!"
"Du bist nur eine Frau," gebe ich Primoks Argument an sie weiter, das mir in der Situation stichhaltig zu sein scheint.
Im nächsten Augenblick stürzt sie sich mit der riesigen Pfanne auf mich. Ich nehme ihr das Utensil ab, um mir keine Beulen zu holen. Daraufhin weicht sie in die hinterste Ecke der Hütte zurück und sieht sich um. Sie findet nichts, das als Waffe geeignet wäre. Offensichtlich hat Apok vorgesorgt und seine Waffen in weiser Voraussicht aus der Hütte genommen, ehe Primok und ich auftauchen. Er kennt seine Tochter eben sehr gut.
"Würdest du mir bitte den Fleischhammer geben, der da hinter dir liegt?" fragt Meru liebenswürdig.
Entgegenkommend reiche ich ihr das Gerät, gegen das ich mich wohl wehren kann. Das Werkzeug, das aus einem Stück geschnitzt ist, wird dazu benutzt, Fleischstücke vor dem Braten mürbe zu klopfen.
"Vielen Dank," sagt Meru und mustert mich, den Hammer in der Hand.
"Wenn du nicht entführt werden willst, warum trägst du dann Festkleidung?" frage ich sie.
"Ist sie nicht hübsch?" wirft Wan lächelnd ein.
"O ja, auf ihre Art ist sie hübsch," antworte ich der Mutter.
Meru mustert mich mit geneigtem Kopf.
"Ich bin kein gewöhnliches Mädchen, das sich so einfach entführen lässt," stellt sie fest.
"Das habe ich schon gemerkt," erkläre ich ihr.
"Wo ist Primok?" will sie wissen.
Sie müsste wissen, dass er dicht vor der Hütte steht.
"Er ist draußen - vor der Hütte," informiere ich sie trotzdem.
"Warum entführt er mich nicht selbst?"
"Ich wünschte, er würde es tun. Aber er ist zu schüchtern," sage ich.
"Auch egal, ich komme jedenfalls nicht mit."
"Sie sagt, sie kommt nicht mit!" rufe ich zu Primok hinaus.
Einen Augenblick lang herrscht Stille. Dann höre ich Primok sagen:
"Na schön, mir soll's recht sein."
Meru schaut verwirrt. Ich atmete auf und wende mich zum Gehen.
"Moment!" sagt sie. "Willst du mich nicht entführen?"
"Wenn es an mir läge, könntest du für alle Ewigkeit in der Hütte deines Vaters wohnen."
"Ja," sagt Primok draußen, "mir ist es auch recht, wenn sie nicht mitkommen will."
"Ich gebe dir deine Geschenke zurück, Primok," sagt Apok lauter, als eigentlich nötig wäre.
"Du darfst sie behalten," sagt Primok großzügig.
"Nein, das kommt nicht in Frage!" ruft Apok.
Ich hoffe insgeheim, dass er die Geschenke doch zurückgeben würde. In Primoks Hütte haben wir gute Verwendung für den Mate-Tee und die Felle.
"Ich freue mich schon auf die Lieder, die man im Festhaus über Meru singen wird!" sagt Primok laut. "Niemand wollte sie haben!"
"Wie kannst du mich entführen?" fragt Meru laut. "Du hast ja kein Kanoa."
"Schau doch mal heraus!" ruft Primok. "Hier ist ein Kanoa!"
Ohne den Fleischhammer loszulassen, steckt Meru den Kopf ins Freie.
Ja, da liegt ein Kanu, das sich Primok wohl eben ausgeliehen haben muss.
"Ho! Ho!" ruft Meru verächtlich. "Du willst ein Mädchen entführen, und leihst dir fremde Kanoas! Was für ein Schuft du doch bist! Eine Beleidigung!"
"Ich werde mir ein Kanoa schnitzen, da ich jetzt länger im Dorf bin ? nicht mehr so oft bei den Weißen," sagt Primok. "Wärst du damit zufrieden?"
"Vielleicht," antwortet Meru.
"Möchtest du noch Tee?" fragt mich Wan.
"Ja, bitte."
Wenigstens bekomme ich eine kleine Portion des Tees zurück, den Primok Apok geschenkt hat.
"Du erwartest doch nicht von mir, dass ich mich auf Versprechen allein verlasse!" ruft Meru.
"Natürlich nicht," sagt Primok und macht Anstalten zu gehen.
"Was machst du da?" fragt Meru.
"Ich gehe," antwortet Primok. "Ich kehre in meine Hütte zurück."
"Dann muss ich mich wohl mit dem Versprechen zufriedengeben," sagt Meru.
"Du könntest ihr einen kräftigen Schlag auf den Kopf geben," rät mir Apok. "So habe ich es mit Wan gemacht."
Wan nickt mit strahlendem Lächeln.
"Ein guter Gedanke," überlege ich.
"Schützt denn niemand ein Mädchen davor, entführt zu werden?" ruft Meru laut.
Noch immer hält sie den Fleischhammer in der Hand. Wenn sie damit richtig zuschlägt, kann sie einen Mann bewusstlos schlagen.
"Will mich denn niemand retten?" klagt Meru.
Apok sieht sich um, besorgt dass jemand sich einmischen könnte. Das Schauspiel hat inzwischen eine Menge Zuschauer gefunden.
"Tuna!" ruft Meru. "Willst du mich nicht retten?"
Ein Mann, der in der Nähe steht, schüttelt energisch den Kopf. Es sieht so aus, als würde er mir sogar alles Gute wünschen für mein wagemutiges Unternehmen.
"Komm schon!" sage ich zu Meru. "Bald wird es dunkel."
Und damit habe ich recht. Sie schleudert den Fleischhammer nach mir und ich springe zur Seite. Das Ding wirbelt an mir vorbei aus der Hütte hinaus und trifft Primok mit dem Stiel an der Stirn. Dann huscht sie in die Hütte und ich eile ihr nach. In der Hütte fasse ich sie, hebe sie an und lege sie mir über die Schulter. Mit ihren kleinen Fäusten hämmert sie mir auf den Rücken.
"Hörst du wohl auf damit?" drohe ich.
"Ich will nicht!" ruft sie.
"Oh."
Ich stelle sie wieder auf die Füße, mache kehrt und verlasse die Hütte.
"Sie sagt, sie will nicht," sage ich zu Primok.
"Geh wieder zu ihr!" drängt mich Primok, dem ein Horn auf der Stirn wächst.
"Unsinn!" antworte ich. "Hör mal, Primok, von dieser Sache habe ich langsam genug. Ich glaube ernsthaft, dass sich Meru nicht von mir entführen lassen will."
Bedrückt blickt mich Primok an.
"Davon bin ich ehrlich überzeugt. Du musst sie dir schon selbst schnappen," setze ich nach.
"Dazu bin ich zu schüchtern," wiederholt er.
"Dann sollten wir nach Hause gehen, denn ich habe genug Tee getrunken und mich vor genügend Geschossen geduckt, dass ich für mehrere Tage meine Ruhe haben will."
"Stimmt," gibt mir Primok recht, "ich hätte dir das nicht zumuten dürfen."
"Es war keine Zumutung," lenke ich ein. "Gern hätte ich eine junge Frau für dich entführt, aber es ist eine Sache, eine junge Frau aus der Hütte ihrer Eltern zu holen und eine andere, sich an Meru heranzumachen."
"Ich bin zu schüchtern," erklärt Primok und lässt den Kopf hängen.
"Vielleicht hört sie auf die Stimme der Vernunft," sage ich hoffnungsvoll.
Apok bricht in brüllendes Gelächter aus. Im nächsten Augenblick wälzt er sich wiehernd auf dem Boden. Rothäutige Jäger lassen sich ihre Gefühle oft sehr deutlich anmerken. Nach einer Weile ist er wieder zu sich gekommen und wischt sich die Tränen aus den Augen. Ich trete vorsichtig in den Eingang. Drinnen steht Meru. Sie trägt Festkleidung und ist traditionell geschminkt. Neben ihr steht ihre Mutter Wan und strahlt stolz ihre Tochter an.
Ich ducke mich. Das Messer saust an meinem Kopf vorbei und verfehlt Primok draußen nur knapp.
"Du trägst mich nicht mit Gewalt hier fort!" ruft Meru.
"Sieht beinahe so aus," meine ich.
Sie greift nach einer schweren Eisenpfanne, die sich auf meinem Kopf nicht sehr angenehm angefühlt hätte.
"Hör mal," sage ich, "ich bin hier, um dich zu entführen! Alle Arrangements sind getroffen."
"Ich habe nichts arrangiert," entgegnet sie.
Das scheint mir für den Moment ein guter Einwand zu ein.
"Sie sagt, sie habe nichts arrangiert," rufe ich zu Primok hinaus.
"Darauf kommt es nicht an!" antwortet Primok laut.
"Darauf kommt es nicht an," gebe ich an sie weiter.
"O doch!" ruft sie.
"Oh doch, meint sie!" verständige ich Primok.
"Es kommt nicht darauf an. Sie ist nur eine Frau!"
"Du bist nur eine Frau," gebe ich Primoks Argument an sie weiter, das mir in der Situation stichhaltig zu sein scheint.
Im nächsten Augenblick stürzt sie sich mit der riesigen Pfanne auf mich. Ich nehme ihr das Utensil ab, um mir keine Beulen zu holen. Daraufhin weicht sie in die hinterste Ecke der Hütte zurück und sieht sich um. Sie findet nichts, das als Waffe geeignet wäre. Offensichtlich hat Apok vorgesorgt und seine Waffen in weiser Voraussicht aus der Hütte genommen, ehe Primok und ich auftauchen. Er kennt seine Tochter eben sehr gut.
"Würdest du mir bitte den Fleischhammer geben, der da hinter dir liegt?" fragt Meru liebenswürdig.
Entgegenkommend reiche ich ihr das Gerät, gegen das ich mich wohl wehren kann. Das Werkzeug, das aus einem Stück geschnitzt ist, wird dazu benutzt, Fleischstücke vor dem Braten mürbe zu klopfen.
"Vielen Dank," sagt Meru und mustert mich, den Hammer in der Hand.
"Wenn du nicht entführt werden willst, warum trägst du dann Festkleidung?" frage ich sie.
"Ist sie nicht hübsch?" wirft Wan lächelnd ein.
"O ja, auf ihre Art ist sie hübsch," antworte ich der Mutter.
Meru mustert mich mit geneigtem Kopf.
"Ich bin kein gewöhnliches Mädchen, das sich so einfach entführen lässt," stellt sie fest.
"Das habe ich schon gemerkt," erkläre ich ihr.
"Wo ist Primok?" will sie wissen.
Sie müsste wissen, dass er dicht vor der Hütte steht.
"Er ist draußen - vor der Hütte," informiere ich sie trotzdem.
"Warum entführt er mich nicht selbst?"
"Ich wünschte, er würde es tun. Aber er ist zu schüchtern," sage ich.
"Auch egal, ich komme jedenfalls nicht mit."
"Sie sagt, sie kommt nicht mit!" rufe ich zu Primok hinaus.
Einen Augenblick lang herrscht Stille. Dann höre ich Primok sagen:
"Na schön, mir soll's recht sein."
Meru schaut verwirrt. Ich atmete auf und wende mich zum Gehen.
"Moment!" sagt sie. "Willst du mich nicht entführen?"
"Wenn es an mir läge, könntest du für alle Ewigkeit in der Hütte deines Vaters wohnen."
"Ja," sagt Primok draußen, "mir ist es auch recht, wenn sie nicht mitkommen will."
"Ich gebe dir deine Geschenke zurück, Primok," sagt Apok lauter, als eigentlich nötig wäre.
"Du darfst sie behalten," sagt Primok großzügig.
"Nein, das kommt nicht in Frage!" ruft Apok.
Ich hoffe insgeheim, dass er die Geschenke doch zurückgeben würde. In Primoks Hütte haben wir gute Verwendung für den Mate-Tee und die Felle.
"Ich freue mich schon auf die Lieder, die man im Festhaus über Meru singen wird!" sagt Primok laut. "Niemand wollte sie haben!"
"Wie kannst du mich entführen?" fragt Meru laut. "Du hast ja kein Kanoa."
"Schau doch mal heraus!" ruft Primok. "Hier ist ein Kanoa!"
Ohne den Fleischhammer loszulassen, steckt Meru den Kopf ins Freie.
Ja, da liegt ein Kanu, das sich Primok wohl eben ausgeliehen haben muss.
"Ho! Ho!" ruft Meru verächtlich. "Du willst ein Mädchen entführen, und leihst dir fremde Kanoas! Was für ein Schuft du doch bist! Eine Beleidigung!"
"Ich werde mir ein Kanoa schnitzen, da ich jetzt länger im Dorf bin ? nicht mehr so oft bei den Weißen," sagt Primok. "Wärst du damit zufrieden?"
"Vielleicht," antwortet Meru.
"Möchtest du noch Tee?" fragt mich Wan.
"Ja, bitte."
Wenigstens bekomme ich eine kleine Portion des Tees zurück, den Primok Apok geschenkt hat.
"Du erwartest doch nicht von mir, dass ich mich auf Versprechen allein verlasse!" ruft Meru.
"Natürlich nicht," sagt Primok und macht Anstalten zu gehen.
"Was machst du da?" fragt Meru.
"Ich gehe," antwortet Primok. "Ich kehre in meine Hütte zurück."
"Dann muss ich mich wohl mit dem Versprechen zufriedengeben," sagt Meru.
"Du könntest ihr einen kräftigen Schlag auf den Kopf geben," rät mir Apok. "So habe ich es mit Wan gemacht."
Wan nickt mit strahlendem Lächeln.
"Ein guter Gedanke," überlege ich.
"Schützt denn niemand ein Mädchen davor, entführt zu werden?" ruft Meru laut.
Noch immer hält sie den Fleischhammer in der Hand. Wenn sie damit richtig zuschlägt, kann sie einen Mann bewusstlos schlagen.
"Will mich denn niemand retten?" klagt Meru.
Apok sieht sich um, besorgt dass jemand sich einmischen könnte. Das Schauspiel hat inzwischen eine Menge Zuschauer gefunden.
"Tuna!" ruft Meru. "Willst du mich nicht retten?"
Ein Mann, der in der Nähe steht, schüttelt energisch den Kopf. Es sieht so aus, als würde er mir sogar alles Gute wünschen für mein wagemutiges Unternehmen.
"Komm schon!" sage ich zu Meru. "Bald wird es dunkel."
Und damit habe ich recht. Sie schleudert den Fleischhammer nach mir und ich springe zur Seite. Das Ding wirbelt an mir vorbei aus der Hütte hinaus und trifft Primok mit dem Stiel an der Stirn. Dann huscht sie in die Hütte und ich eile ihr nach. In der Hütte fasse ich sie, hebe sie an und lege sie mir über die Schulter. Mit ihren kleinen Fäusten hämmert sie mir auf den Rücken.
"Hörst du wohl auf damit?" drohe ich.
"Ich will nicht!" ruft sie.
"Oh."
Ich stelle sie wieder auf die Füße, mache kehrt und verlasse die Hütte.
"Sie sagt, sie will nicht," sage ich zu Primok.
"Geh wieder zu ihr!" drängt mich Primok, dem ein Horn auf der Stirn wächst.
"Unsinn!" antworte ich. "Hör mal, Primok, von dieser Sache habe ich langsam genug. Ich glaube ernsthaft, dass sich Meru nicht von mir entführen lassen will."
Bedrückt blickt mich Primok an.
"Davon bin ich ehrlich überzeugt. Du musst sie dir schon selbst schnappen," setze ich nach.
"Dazu bin ich zu schüchtern," wiederholt er.
"Dann sollten wir nach Hause gehen, denn ich habe genug Tee getrunken und mich vor genügend Geschossen geduckt, dass ich für mehrere Tage meine Ruhe haben will."
"Stimmt," gibt mir Primok recht, "ich hätte dir das nicht zumuten dürfen."
"Es war keine Zumutung," lenke ich ein. "Gern hätte ich eine junge Frau für dich entführt, aber es ist eine Sache, eine junge Frau aus der Hütte ihrer Eltern zu holen und eine andere, sich an Meru heranzumachen."
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