... newer stories
Montag, 12. April 2021
Yamato Nadeshiko -55-
hermann-jpmt, 12:11h
Bis wir bei ihm sind, hat er das Gefährt zu Wasser gelassen. Nun soll ich vorne einsteigen und Ruri-chan in der Mitte. Sie soll auf unser Gepäck achten. Primok steigt hinten ein. Dann sagt er:
"Don Haroldo, nimm das Paddel und stoße den Bug vom Land weg, wenn ich es sage!"
Das Boot schwankt etwas, während er Platz nimmt. Danach kommt auch schon sein Kommando "Jetzt!"
Kurz darauf schwimmen wir frei in der Strömung und ich versuche das Boot in der Mitte des 'Flusses' zu halten. Kleine Felsen kann ich zum Glück gut erkennen und den Bug dann davon weg steuern.
Die Flussfahrt dauert fast zwei Tage. Wir übernachten auf einem Felsen in Ufernähe. Als wir gegen Mittag bei den Indios ankommen, gibt es ein großes 'Hallo'. Das ganze Indiodorf scheint auf den Beinen zu sein. Wir sind bei Apok -Feuer-, dem Häuptling des Dorfes eingeladen. Zwei Frauen leben bei ihm in der Hütte, seine Frau Wan -Honig- und seine Tochter Meru -Wasserfall-.
Primok dolmetscht für uns. Wir erhalten Koka-Tee und irgendein Wildbret. Später gehen wir in Primoks Hütte, wo er für uns zwei weitere Hängematten aufhängt.
Am nächsten Tag machen wir uns wieder unten am Fluss frisch. Primok hat gesagt, dass wir wohl einige Tage hier in dem Indio-Dorf Station machen werden, bis es in Richtung Tepui weitergeht. Also gehen wir im Dorf spazieren, nachdem wir mit Primok zusammen gefrühstückt haben.
Die meisten Dorfbewohner sind anscheinend Kinder. Sie laufen auf dem freien Platz zwischen den Hütten kreuz und quer. Manchmal haben sie einen Ballen aus Stoff in der Hand und scheinen sich nachzulaufen. Dabei lachen sie und geben wenig Acht auf ihre Umgebung. Mehrfach muss ich ihnen ausweichen. Ruri-chan hält sich dicht bei mir.
Plötzlich schreit meine Meido auf, aber da ist es schon passiert. Der Stoffballen trifft mich voll in den Rücken. Aber dabei bleibt es nicht. Im nächsten Augenblick hämmert eine junge Frau mit ihren Fäusten zornig darauf herum. Sie lässt meinen Rücken erst in Ruhe, nachdem ich mich umdrehe. Nun hämmert sie auf meiner Brust weiter. Erst nach einer ganzen Weile hört sie auf und beginnt mich lautstark auszuschimpfen.
Ruri-chan geht in Kampfstellung, aber ich schüttele den Kopf und sage:
"Das hier ist schon okay so!"
Sie entspannt sich wieder. In gewisser Weise bin ich jedenfalls froh, dass Worte weniger gefährlich sind als Pfeile und Dolche, sonst hätte die junge Indio bestimmt wenig von mir übrig gelassen. Jedenfalls ist sie es bald leid und schließt den Mund. Die Blicke und das Raunen der Zuschauer lassen erkennen, dass sie ganze Arbeit geleistet hat. Zornig blickt sie mich an.
Ich erkenne Meru, die Tochter des Häuptlings. Sie trägt einen kurzen Rock und ein T-Shirt. Um ihren Hals hängt in mehreren Schlingen eine lange Perlenkette. Sie sieht recht hübsch aus und ihr Temperament hätte bestimmt einen weiblichen Panther in den Schatten stellen können. Die Kleidung ist ziemlich verschlissen.
Ihre ganze Art und ihre spitze Zunge lassen jedoch erkennen, dass sie eine bedeutsame Persönlichkeit im Dorf zu sein scheint.
Sie wirft den Kopf in den Nacken und wendet sich ab.
"Du hast ihr den Wurf verdorben," sagt Primok zu mir, der hinzugetreten ist.
"Das tut mir leid," antworte ich ihm.
"Sie hat eine spitze Zunge," meint er.
"Da hast du Recht," gebe ich zurück.
Wir gehen in Richtung Primoks Hütte weg.
"Ein hübsches Ding, nicht wahr?" fragt er beiläufig.
"Ja," meine ich, und frage: "Hast du etwa die Absicht, ihr ein Festgewand anzubieten?"
'Ein Festgewand anbieten' bedeutet bei den Indios 'sie heiraten zu wollen', habe ich inzwischen gelernt.
"Ich bin doch nicht verrückt," antwortet er entrüstet. "Apok wird sie nie loswerden."
'An dieser Einschätzung der Lage ist etwas dran,' denke ich mir.
*
Am Morgen des darauffolgenden Tages eröffnet mir Primok in aller Frühe:
"Ich wollte mit dir auf die Jagd gehen, weil ich etwas Wichtiges zu besprechen habe."
Ich schaue ihn erstaunt an, so dass er nachsetzt:
"Mein Anliegen ist sehr ernst."
"Oh," mache ich.
"Bei meiner Sache geht es um Meru, die Tochter Apoks."
Nur zu gut erinnere ich mich an das Temperamentbündel, das ich beim Ballspielen gestört habe. Ich begleite also Primok in den Wald, nachdem ich Ruri-chan aufgetragen habe, in der Hütte etwas Ordnung zu schaffen in unserer Abwesenheit. Als sich die Vegetation um uns schließt, frage ich neugierig:
"Was ist mit Meru?"
"Ich liebe sie!" eröffnet er mir unvermittelt.
"Das ist bedauerlich," sinniere ich.
"Liebst du sie auch?"
Primok schaut mich ernst an.
"Nein, ich finde nur, es ist bedauerlich für dich."
"Oh," sagt er und fügt hinzu: "Das ist nicht unwahrscheinlich, aber es fällt schwer, solche Dinge zu steuern."
"Da hast du recht!" meine ich.
"Außerdem liebt Meru mich auch," sagt er.
"Bist du dir sicher?" frage ich und schaue ihn erstaunt an.
"Aber ja," sagt er mit feinem Lächeln. "Als ich das Festkleid in das Haus ihres Vaters brachte, warf sie den Nachttopf nach mir."
"Das ist in der Tat ein gutes Zeichen," antworte ich, innerlich schmunzelnd.
"Ein andermal prügelte sie mit einem Stock auf mich ein und nannte mich einen Tunichtgut," ergänzt er.
"Es scheint, dass sie dich auch liebt," kommentiere ich seine Erklärung, immer noch schmunzelnd.
"Nur seltsam, dass ein so hübsches Mädchen so wenige Freier hat," resümiert Primok nachdenklich.
"Ja, sehr seltsam," brumme ich, die Bilder ihres Benehmens im Kopf.
"Tuna ?Wasser-, der mein Freund ist, meint, es käme einem Sprung in eine Grube voller Anakondas gleich, sich mit einer solchen Frau einzulassen. Meinst du das auch?"
"Ja!" sage ich rundheraus.
Genau genommen war Tunas bildhafter Vergleich noch sehr sanft - wie es nun mal zu einem Indio passt.
"Ich bin nur leider sehr schüchtern," fährt Primok fort.
"Das kann ich mir kaum vorstellen," antworte ich. "Du scheinst mir sehr mutig zu sein!"
"Nicht bei Frauen," sagt er.
Es vergeht eine schweigsame Zeit. Wir haben Brüllaffen entdeckt und pirschen uns an.
"Ich will Meru heiraten!" sagt er plötzlich und tritt auf einen trockenen Ast.
In den Bäumen wird es lebendig.
"Die Affen sind fort," erkenne ich enttäuscht.
"Ich bin schüchtern. Du musst mir helfen!" meint Primok darauf.
"Gern, ich helfe dir. Aber die Affen sind verschwunden!"
"Ich wusste doch, dass ich mit dir rechnen kann."
"Die Affen sind fort!" erinnere ich ihn an den Grund unseres Hierseins.
"Ja, ich weiß..." meint er.
"Was soll ich tun?" lenke ich ein.
"Ich bin zu schüchtern dazu."
"Wozu bist du zu schüchtern?" frage ich.
"Ich bin zu schüchtern, sie aus ihrem Elternhaus zu entführen."
"Ich soll sie für dich entführen?" frage ich, erstaunt einen halben Schritt zurückweichend.
"Natürlich," antwortet er. "Mach dir keine Sorgen. Niemand hat etwas dagegen."
"Was ist mit Meru?"
Er runzelt die Stirn.
"Nun ja, wegen Meru bin ich mir nicht so sicher," räumt er ein. "Sie ist manchmal ziemlich launisch."
"Vielleicht solltest du sie selbst entführen," schlage ich vor.
"Dazu bin ich zu schüchtern."
"Möglich wäre es ? am besten im Schutz der Nacht..." schlage ich vor.
"Aber dann siehst du ja nicht, was du tust!" antwortet Primok.
"Sie soll bei hellem Tage entführt werden?"
"Natürlich. Das ist doch die beste Zeit zum Mädchenentführen."
"Das wusste ich nicht," meine ich. "Immerhin bin ich hier noch neu. Gibt es dabei nicht öfter Probleme? Ich meine, die Brüder der Braut könnten dich mit ihren Speeren von hinten überfallen."
"Meru hat keine Brüder."
"Da haben wir ja Glück. Und was ist mit ihrem Vater? Ich hoffe, der ist wenigstens schwach und unfähig."
"Apok ist ein großer Jäger," antwortet Primok. "Er kann einen Brüllaffen mit einem Blasrohr ins Auge treffen."
"Wenn nun Apok etwas dagegen hätte, dass ich seine Tochter entführe?"
"Warum sollte er etwas dagegen haben?"
"Ach, ich weiß nicht. War nur so ein Gedanke..." meine ich.
"Keine Sorge," beruhigt er mich. "Es ist alles arrangiert."
"Arrangiert?" frage ich erstaunt.
"Ja."
"Dann weiß Apok also, dass ich seine Tochter entführen soll?"
"Selbstverständlich!" bekräftigt Primok. "Man würde doch wohl kaum wagen, Apok ohne seine Erlaubnis die Tochter wegzunehmen!"
"Nein, soweit ich Apok bisher kenne, wäre das sicher nicht angebracht!" antworte ich stirnrunzelnd.
"Es wäre nicht höflich."
"Stimmt!" bestätige ich seinen Gedankengang.
Außerdem möchte ich keinen Pfeil in den Kopf bekommen. Der Gedanke, dass der grimmig schauende Apok sein Blasrohr auf mich richten könnte, ist beängstigend genug.
"Don Haroldo, nimm das Paddel und stoße den Bug vom Land weg, wenn ich es sage!"
Das Boot schwankt etwas, während er Platz nimmt. Danach kommt auch schon sein Kommando "Jetzt!"
Kurz darauf schwimmen wir frei in der Strömung und ich versuche das Boot in der Mitte des 'Flusses' zu halten. Kleine Felsen kann ich zum Glück gut erkennen und den Bug dann davon weg steuern.
Die Flussfahrt dauert fast zwei Tage. Wir übernachten auf einem Felsen in Ufernähe. Als wir gegen Mittag bei den Indios ankommen, gibt es ein großes 'Hallo'. Das ganze Indiodorf scheint auf den Beinen zu sein. Wir sind bei Apok -Feuer-, dem Häuptling des Dorfes eingeladen. Zwei Frauen leben bei ihm in der Hütte, seine Frau Wan -Honig- und seine Tochter Meru -Wasserfall-.
Primok dolmetscht für uns. Wir erhalten Koka-Tee und irgendein Wildbret. Später gehen wir in Primoks Hütte, wo er für uns zwei weitere Hängematten aufhängt.
Am nächsten Tag machen wir uns wieder unten am Fluss frisch. Primok hat gesagt, dass wir wohl einige Tage hier in dem Indio-Dorf Station machen werden, bis es in Richtung Tepui weitergeht. Also gehen wir im Dorf spazieren, nachdem wir mit Primok zusammen gefrühstückt haben.
Die meisten Dorfbewohner sind anscheinend Kinder. Sie laufen auf dem freien Platz zwischen den Hütten kreuz und quer. Manchmal haben sie einen Ballen aus Stoff in der Hand und scheinen sich nachzulaufen. Dabei lachen sie und geben wenig Acht auf ihre Umgebung. Mehrfach muss ich ihnen ausweichen. Ruri-chan hält sich dicht bei mir.
Plötzlich schreit meine Meido auf, aber da ist es schon passiert. Der Stoffballen trifft mich voll in den Rücken. Aber dabei bleibt es nicht. Im nächsten Augenblick hämmert eine junge Frau mit ihren Fäusten zornig darauf herum. Sie lässt meinen Rücken erst in Ruhe, nachdem ich mich umdrehe. Nun hämmert sie auf meiner Brust weiter. Erst nach einer ganzen Weile hört sie auf und beginnt mich lautstark auszuschimpfen.
Ruri-chan geht in Kampfstellung, aber ich schüttele den Kopf und sage:
"Das hier ist schon okay so!"
Sie entspannt sich wieder. In gewisser Weise bin ich jedenfalls froh, dass Worte weniger gefährlich sind als Pfeile und Dolche, sonst hätte die junge Indio bestimmt wenig von mir übrig gelassen. Jedenfalls ist sie es bald leid und schließt den Mund. Die Blicke und das Raunen der Zuschauer lassen erkennen, dass sie ganze Arbeit geleistet hat. Zornig blickt sie mich an.
Ich erkenne Meru, die Tochter des Häuptlings. Sie trägt einen kurzen Rock und ein T-Shirt. Um ihren Hals hängt in mehreren Schlingen eine lange Perlenkette. Sie sieht recht hübsch aus und ihr Temperament hätte bestimmt einen weiblichen Panther in den Schatten stellen können. Die Kleidung ist ziemlich verschlissen.
Ihre ganze Art und ihre spitze Zunge lassen jedoch erkennen, dass sie eine bedeutsame Persönlichkeit im Dorf zu sein scheint.
Sie wirft den Kopf in den Nacken und wendet sich ab.
"Du hast ihr den Wurf verdorben," sagt Primok zu mir, der hinzugetreten ist.
"Das tut mir leid," antworte ich ihm.
"Sie hat eine spitze Zunge," meint er.
"Da hast du Recht," gebe ich zurück.
Wir gehen in Richtung Primoks Hütte weg.
"Ein hübsches Ding, nicht wahr?" fragt er beiläufig.
"Ja," meine ich, und frage: "Hast du etwa die Absicht, ihr ein Festgewand anzubieten?"
'Ein Festgewand anbieten' bedeutet bei den Indios 'sie heiraten zu wollen', habe ich inzwischen gelernt.
"Ich bin doch nicht verrückt," antwortet er entrüstet. "Apok wird sie nie loswerden."
'An dieser Einschätzung der Lage ist etwas dran,' denke ich mir.
*
Am Morgen des darauffolgenden Tages eröffnet mir Primok in aller Frühe:
"Ich wollte mit dir auf die Jagd gehen, weil ich etwas Wichtiges zu besprechen habe."
Ich schaue ihn erstaunt an, so dass er nachsetzt:
"Mein Anliegen ist sehr ernst."
"Oh," mache ich.
"Bei meiner Sache geht es um Meru, die Tochter Apoks."
Nur zu gut erinnere ich mich an das Temperamentbündel, das ich beim Ballspielen gestört habe. Ich begleite also Primok in den Wald, nachdem ich Ruri-chan aufgetragen habe, in der Hütte etwas Ordnung zu schaffen in unserer Abwesenheit. Als sich die Vegetation um uns schließt, frage ich neugierig:
"Was ist mit Meru?"
"Ich liebe sie!" eröffnet er mir unvermittelt.
"Das ist bedauerlich," sinniere ich.
"Liebst du sie auch?"
Primok schaut mich ernst an.
"Nein, ich finde nur, es ist bedauerlich für dich."
"Oh," sagt er und fügt hinzu: "Das ist nicht unwahrscheinlich, aber es fällt schwer, solche Dinge zu steuern."
"Da hast du recht!" meine ich.
"Außerdem liebt Meru mich auch," sagt er.
"Bist du dir sicher?" frage ich und schaue ihn erstaunt an.
"Aber ja," sagt er mit feinem Lächeln. "Als ich das Festkleid in das Haus ihres Vaters brachte, warf sie den Nachttopf nach mir."
"Das ist in der Tat ein gutes Zeichen," antworte ich, innerlich schmunzelnd.
"Ein andermal prügelte sie mit einem Stock auf mich ein und nannte mich einen Tunichtgut," ergänzt er.
"Es scheint, dass sie dich auch liebt," kommentiere ich seine Erklärung, immer noch schmunzelnd.
"Nur seltsam, dass ein so hübsches Mädchen so wenige Freier hat," resümiert Primok nachdenklich.
"Ja, sehr seltsam," brumme ich, die Bilder ihres Benehmens im Kopf.
"Tuna ?Wasser-, der mein Freund ist, meint, es käme einem Sprung in eine Grube voller Anakondas gleich, sich mit einer solchen Frau einzulassen. Meinst du das auch?"
"Ja!" sage ich rundheraus.
Genau genommen war Tunas bildhafter Vergleich noch sehr sanft - wie es nun mal zu einem Indio passt.
"Ich bin nur leider sehr schüchtern," fährt Primok fort.
"Das kann ich mir kaum vorstellen," antworte ich. "Du scheinst mir sehr mutig zu sein!"
"Nicht bei Frauen," sagt er.
Es vergeht eine schweigsame Zeit. Wir haben Brüllaffen entdeckt und pirschen uns an.
"Ich will Meru heiraten!" sagt er plötzlich und tritt auf einen trockenen Ast.
In den Bäumen wird es lebendig.
"Die Affen sind fort," erkenne ich enttäuscht.
"Ich bin schüchtern. Du musst mir helfen!" meint Primok darauf.
"Gern, ich helfe dir. Aber die Affen sind verschwunden!"
"Ich wusste doch, dass ich mit dir rechnen kann."
"Die Affen sind fort!" erinnere ich ihn an den Grund unseres Hierseins.
"Ja, ich weiß..." meint er.
"Was soll ich tun?" lenke ich ein.
"Ich bin zu schüchtern dazu."
"Wozu bist du zu schüchtern?" frage ich.
"Ich bin zu schüchtern, sie aus ihrem Elternhaus zu entführen."
"Ich soll sie für dich entführen?" frage ich, erstaunt einen halben Schritt zurückweichend.
"Natürlich," antwortet er. "Mach dir keine Sorgen. Niemand hat etwas dagegen."
"Was ist mit Meru?"
Er runzelt die Stirn.
"Nun ja, wegen Meru bin ich mir nicht so sicher," räumt er ein. "Sie ist manchmal ziemlich launisch."
"Vielleicht solltest du sie selbst entführen," schlage ich vor.
"Dazu bin ich zu schüchtern."
"Möglich wäre es ? am besten im Schutz der Nacht..." schlage ich vor.
"Aber dann siehst du ja nicht, was du tust!" antwortet Primok.
"Sie soll bei hellem Tage entführt werden?"
"Natürlich. Das ist doch die beste Zeit zum Mädchenentführen."
"Das wusste ich nicht," meine ich. "Immerhin bin ich hier noch neu. Gibt es dabei nicht öfter Probleme? Ich meine, die Brüder der Braut könnten dich mit ihren Speeren von hinten überfallen."
"Meru hat keine Brüder."
"Da haben wir ja Glück. Und was ist mit ihrem Vater? Ich hoffe, der ist wenigstens schwach und unfähig."
"Apok ist ein großer Jäger," antwortet Primok. "Er kann einen Brüllaffen mit einem Blasrohr ins Auge treffen."
"Wenn nun Apok etwas dagegen hätte, dass ich seine Tochter entführe?"
"Warum sollte er etwas dagegen haben?"
"Ach, ich weiß nicht. War nur so ein Gedanke..." meine ich.
"Keine Sorge," beruhigt er mich. "Es ist alles arrangiert."
"Arrangiert?" frage ich erstaunt.
"Ja."
"Dann weiß Apok also, dass ich seine Tochter entführen soll?"
"Selbstverständlich!" bekräftigt Primok. "Man würde doch wohl kaum wagen, Apok ohne seine Erlaubnis die Tochter wegzunehmen!"
"Nein, soweit ich Apok bisher kenne, wäre das sicher nicht angebracht!" antworte ich stirnrunzelnd.
"Es wäre nicht höflich."
"Stimmt!" bestätige ich seinen Gedankengang.
Außerdem möchte ich keinen Pfeil in den Kopf bekommen. Der Gedanke, dass der grimmig schauende Apok sein Blasrohr auf mich richten könnte, ist beängstigend genug.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories