... newer stories
Sonntag, 4. April 2021
Yamato Nadeshiko -51-
hermann-jpmt, 13:21h
Am liebsten hätte ich sie an mich gedrückt und mich mit ihr im Arm gedreht vor Freude.
"Ich danke meinem Herrn für seinen Halsreifen," flüstert sie. "Ich werde mich bemühen, ihm würdig zu sein."
Ich stelle sie wieder auf ihre Füße und betrachte sie. Sie umarmt und küsst mich.
Danach gehen wir zuerst wieder nachhause. Am Nachmittag verlasse ich Bella wieder, um die Waffenschule zu besuchen.
Ein paar Tage später klingelt Nozomi-chan an meiner Tür. Ich lasse sie ein und erkläre ihr, dass ich vorhabe, ein Abschiedsessen zu geben, bevor Tanaka-San uns nach Maizuru zum Zug nach Kyoto fliegt. Dort startet dann unser Rückflug nach Deutschland.
-6-
Familienfeier
Nachdem wir aus Japan zurückgekommen sind, beziehen wir ein Haus in Hagenholt. Wir kündigen beide bei unserem früheren Arbeitgeber. Während ich, Helmut Becker, meinen Resturlaub und Überstunden angerechnet bekomme und sofort aufhören kann, muss Yvonne ihre Kündigungsfrist einhalten.
Auch hat sie, wie ich, eine vierwöchige Kündigungsfrist für ihre Wohnung. Sie möchte ihre Einrichtung einem sozialen Verein spenden, der die Möbel und Einrichtungsgegenstände auf Termin abholt. Anschließend will sie einen Großputz in ihrer Wohnung durchführen, um die Mietkaution zurück zu erhalten. So kommt sie nur an den Wochenenden zu mir nach Hagenholt. Aber vier Wochen gehen ja bald herum.
Ich habe mich informiert und mache in der Anfangszeit ein Praktikum bei einem Kunstglaser-Meister. Herr Schmidt, der Ortsvorsteher von Hagenholt, finanziert mir die Werkstatteinrichtung rund um den Brennofen. Nach drei Monaten stelle ich meine ersten Versuche von Schalen und Vasen aus buntem Glas aus. Sie finden tatsächlich Liebhaber.
Das motiviert mich dazu, mich auch an bunten gläsernen Skulpturen zu versuchen. Aber mein Hauptaugenmerk lege ich auf Gläser, Teller, Schalen und Schüsseln.
Yvonne bedient mich als meine Magd 'Bella', wenn sie arbeitsfrei hat. Nach Ablauf ihrer Kündigungsfrist kümmert sie sich auch vorbildlich um den Haushalt. Ebenso bedient sie nach meinem Praktikum auch die Besucher von Hagenholt, die sich in meine Kunstglaserei verirren.
*
Ein Besucherpaar kommt Hand in Hand in den Laden und schaut sich um. Ich, Yvonne Müller, seit mehr als einem Vierteljahr die Magd Bella meines Herrn, nähere mich den Leuten und raffe beidhändig mein Kleid, um gleichzeitig meinen Kopf zu neigen und einen tiefen Knicks zu machen.
"Willkommen, die edlen Herrschaften," begrüße ich die Leute. "Wie kann ich Ihnen helfen?"
Das Pärchen schreckt etwas zurück, dann beginnt der Mann zu grinsen.
"Eigentlich wollten wir uns die Hütte nur einmal von innen ansehen..." meint er.
Ich lächele höflich und sage:
"Sie befinden sich hier in der Kunstglaserei Becker. Interessiert es Sie wie man früher Glas hergestellt, eingefärbt und daraus Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke geschaffen hat? Herr Becker arbeitet gerade in der Werkstatt."
Der Mann nickt.
"Ja, das wäre tatsächlich sehr interessant zu sehen!"
Ich knickse noch einmal leicht und wende mich zur Werkstatttür um. Zwei Schritte braucht es, dann öffne ich die Tür. Sofort schlägt uns eine unangenehme Hitze vom Kohlebecken entgegen. Der Besuch schaut sich schnell um und stellt Herrn Becker, der eine lederne Schürze und Lederhandschuhe trägt, zwei kurze Fragen. Anschließend ziehen sie sich wieder zurück.
Draußen fragt der Mann noch:
"Sie arbeiten mit offenem Feuer in so einer Hütte! Was passiert, wenn das Feuer auf die Hütte übergreift und dann die Nachbarhütten, vielleicht gar den ganzen Ort niederbrennt?"
Mir missfällt der Begriff 'Hütte', den er verwendet, aber ich äußere mich nicht dazu, auch wenn mir eine entsprechende Bemerkung auf der Zunge liegt. Schließlich leben wir nicht in Hundehütten oder ähnlichem, sondern in einem Freilichtmuseum. Der Baustil ist aus dem frühen Mittelalter übernommen! Stattdessen beantworte ich höflich seine Frage:
"Wir haben an jedem Haus einen Hydranten, an dem ein dicker Feuerwehrschlauch angeschlossen werden kann! Von dort hat ein Installateur Wasserleitungen gelegt, um Löschwasser direkt in die Werkstätten und Backstuben zu leiten. Sie brauchen sich also keine Sorgen machen.
Schauen Sie sich doch einmal diesen Pokal an! Herr Becker arbeitet gerade an einem Weiteren. Oder diese schöne Vase hier..."
"Naja," meint der Mann, "aber Ihre Preise sind doch wirklich jenseits von Gut und Böse! Die krieg ich beim Aldi viel billiger!"
"Ja," gebe ich ihm Recht. "Wenn der Diskounter so etwas ähnliches aus Pressglas als wöchentlich wechselndes Sonderangebot einmal anbietet? Wir sind Handwerker. Herr Becker fertigt Einzelstücke, auch gerne nach Kundenwunsch! Kommen Sie doch einmal mit einer Zeichnung zurück und sie werden etwas erhalten, um das sie ihre Nachbarschaft und Verwandtschaft beneiden wird."
Während ich gesprochen habe, sind sie langsam zur Haustür zurückgewichen. Nun öffnet der Mann die Tür und schon sind sie draußen.
Zum Abschied nickt er mir kurz zu und meint:
"Vielleicht komme ich ja einmal auf ihr Angebot zurück. Bis dann."
Ich knickse noch einmal, dann schwingt die Tür wieder zu. Da sonst nichts los ist, gehe ich in die Werkstatt und klage meinem Herrn die Ignoranz der Leute, die Handwerkskunst nicht zu schätzen wissen.
"Sei nicht traurig, Bella!" sagt er mit einem tröstenden Blick. "Irgendwann kommt ein Kunde, und dann machst du das Geschäft deines Lebens. Solche Leute, wie diese eben, sind allerdings in der Überzahl. Da musst du dir ein dickes Fell zulegen: Du bist nicht schuld!"
*
Am Abend klingelt mein Handy. Auf dem Display sehe ich Leos Namen. Sofort bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Leonie ist meine beste Freundin. Seitdem ich Helmut nach Japan begleitet habe bin ich nicht mehr zum Aufatmen gekommen. Erst jetzt, nachdem wir uns in Hagenholt eingelebt haben, wäre Zeit, mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern. Nun ist mir Leo zuvorgekommen.
Ich nehme das Gespräch an:
"Hallo, Leo. Entschuldige, dass ich mich nicht schon früher bei dir gemeldet habe. In den letzten Wochen ist so viel geschehen!"
"Du hattest erzählt, dass du mit deinem neuen Freund eine Asienreise machst! Ich habe dich dafür beneidet, Yvonne. Aber dann vergingen die Wochen ohne ein Lebenszeichen, und ich habe begonnen mir Sorgen zu machen!"
"Entschuldige, Leo. Die Reise war der Hammer! Bei Gelegenheit erzähle ich dir gerne näheres. Danach hat Helmut bei seiner Firma gekündigt, ein eigenes Geschäft aufgemacht und mich gefragt, ob ich bei ihm mitarbeiten würde. Ich habe zugesagt! Das bedeutete natürlich, dass ich ebenfalls kündigen musste. Aber ich habe nach dem Urlaub keine freien Tage mehr gehabt und muss deshalb bis zum Ende der Kündigungsfrist arbeiten. Dafür fahre ich an den Wochenenden zu Helmut und schaue, was ich später in seiner Firma tun kann."
"Oh, ich wollte dich fragen, ob wir uns heute Abend zum Schwofen treffen könnten. Daraus wird dann wohl nichts..."
"Leider nein, Leo. Es sei denn, du setzt dich ins Auto und fährst anderthalb Stunden hierher und später oder morgen wieder zurück... Ich mache dir ein anderes Angebot. Montag bis Freitag bin ich abends noch in meiner Wohnung anzutreffen. Such dir einen Abend aus, an dem du bisher noch nichts vorhast!"
Ich habe vier Wochen Kündigungsfrist für meine Wohnung. Meine Wohnungseinrichtung will ich einem sozialen Verein spenden. Dabei kann mir Leo bestimmt helfen, denke ich. An dem gemeinsamen Abend ein paar Tage später spreche ich sie darauf an.
"Sonst geht?s dir gut?" fragt sie lachend zurück.
"Die kommen mit einem LKW und bringen Männer mit!" erkläre ich. "Ich möchte nur ein paar Sachen, die ich liebgewonnen habe und Deko-Sachen einpacken, die ich behalten will. Dann habe ich noch eine Woche für die Endreinigung, um die Kaution zurückzubekommen. Die letzten zwei Wochen der Kündigungsfrist von der Arbeitsstelle habe ich dann wohl einen langen Arbeitsweg und bin zu müde für irgendwelche Sachen."
"Hm," meint Leo. "Dann schläfst du eben bei uns auf der Couch in diesen zwei Wochen!"
"Wirklich?" frage ich erfreut. "Wenn es euch keine Mühe macht, vielen Dank!"
Ich habe schon überlegt, eine Matratze zurück zu behalten und darauf in einem Schlafsack zu schlafen.
"Kann man euch eigentlich auch einmal zu einem Pärchen-Abend einladen? Zum Beispiel zu viert Bowling spielen gehen?" fragt Leo nun.
"Ich rede darüber mal mit Helmut! Das Problem ist, dass sein Geschäft Teil eines Freilichtmuseums ist, das von Dienstag bis Sonntag geöffnet hat. Gut, ab etwa 19 Uhr ist Feierabend, aber bis zu Abend gegessen und der Tagesabschluss erledigt ist, dürfte es 21 Uhr sein."
"Hm, da hattest du es bisher aber im Büro besser."
"Als Selbständiger bist du aber dein eigener Herr! Natürlich, als Selbständiger arbeitest du 'selbst und ständig', sagt man," gebe ich lächelnd zurück. "Sag' mir einfach, wann ihr beiden montags einmal Zeit habt zum Bowling!"
Vier Wochen später, meine Kündigungsfrist geht zu Ende, als Leo mich fragt, ob wir beide am Montag darauf Zeit hätten. Ich frage meinen Herrn und er ist ebenfalls interessiert. Wir sagen zu.
Schließlich fahren wir an unserem freien Tag in meine Heimatstadt zurück, um uns mit Leo und ihrem Freund zu treffen. Wir kennen das 'Westbowling'. Helmut parkt in der Nähe und wir gehen zu Fuß dorthin.
Wir tragen Jeans, statt der im Freilichtmuseum üblichen Kleidung. Es wird ein lustiger Abend mit Leo und ihrem Freund. Kurz bevor wir uns verabschieden, will ich schnell noch zur Toilette. Leo erhebt sich ebenfalls und begleitet mich.
Während ich in der Kabine verschwinde, packt Leo ihre Tasche aus und beginnt am Spiegel mit ihrem Lippenstift ihr Make-Up auszubessern. Als ich die Kabine verlasse, schwärzt sie gerade ihre Augenbrauen.
"Sag' mal, du himmelst Helmut aber ganz schön an. Ist er tatsächlich so gut?" fragt sie beiläufig.
"Ach Leo ? wie kommt er denn so rüber, bei dir?" frage ich lächelnd zurück.
"Nun, er kann viel erzählen - hat sicher viel erlebt -, wenn man bestimmte Themen anspricht. Von sich aus, kommt nicht allzu viel. Er ist ein verschlossener Typ, bestimmt kein Partymittelpunkt."
"Also nicht so ganz dein Typ?" zwinkere ich.
"Nein, Liebes. Ich mache ihn dir ganz sicher nicht streitig!" antwortet sie lächelnd.
"Ich danke meinem Herrn für seinen Halsreifen," flüstert sie. "Ich werde mich bemühen, ihm würdig zu sein."
Ich stelle sie wieder auf ihre Füße und betrachte sie. Sie umarmt und küsst mich.
Danach gehen wir zuerst wieder nachhause. Am Nachmittag verlasse ich Bella wieder, um die Waffenschule zu besuchen.
Ein paar Tage später klingelt Nozomi-chan an meiner Tür. Ich lasse sie ein und erkläre ihr, dass ich vorhabe, ein Abschiedsessen zu geben, bevor Tanaka-San uns nach Maizuru zum Zug nach Kyoto fliegt. Dort startet dann unser Rückflug nach Deutschland.
-6-
Familienfeier
Nachdem wir aus Japan zurückgekommen sind, beziehen wir ein Haus in Hagenholt. Wir kündigen beide bei unserem früheren Arbeitgeber. Während ich, Helmut Becker, meinen Resturlaub und Überstunden angerechnet bekomme und sofort aufhören kann, muss Yvonne ihre Kündigungsfrist einhalten.
Auch hat sie, wie ich, eine vierwöchige Kündigungsfrist für ihre Wohnung. Sie möchte ihre Einrichtung einem sozialen Verein spenden, der die Möbel und Einrichtungsgegenstände auf Termin abholt. Anschließend will sie einen Großputz in ihrer Wohnung durchführen, um die Mietkaution zurück zu erhalten. So kommt sie nur an den Wochenenden zu mir nach Hagenholt. Aber vier Wochen gehen ja bald herum.
Ich habe mich informiert und mache in der Anfangszeit ein Praktikum bei einem Kunstglaser-Meister. Herr Schmidt, der Ortsvorsteher von Hagenholt, finanziert mir die Werkstatteinrichtung rund um den Brennofen. Nach drei Monaten stelle ich meine ersten Versuche von Schalen und Vasen aus buntem Glas aus. Sie finden tatsächlich Liebhaber.
Das motiviert mich dazu, mich auch an bunten gläsernen Skulpturen zu versuchen. Aber mein Hauptaugenmerk lege ich auf Gläser, Teller, Schalen und Schüsseln.
Yvonne bedient mich als meine Magd 'Bella', wenn sie arbeitsfrei hat. Nach Ablauf ihrer Kündigungsfrist kümmert sie sich auch vorbildlich um den Haushalt. Ebenso bedient sie nach meinem Praktikum auch die Besucher von Hagenholt, die sich in meine Kunstglaserei verirren.
*
Ein Besucherpaar kommt Hand in Hand in den Laden und schaut sich um. Ich, Yvonne Müller, seit mehr als einem Vierteljahr die Magd Bella meines Herrn, nähere mich den Leuten und raffe beidhändig mein Kleid, um gleichzeitig meinen Kopf zu neigen und einen tiefen Knicks zu machen.
"Willkommen, die edlen Herrschaften," begrüße ich die Leute. "Wie kann ich Ihnen helfen?"
Das Pärchen schreckt etwas zurück, dann beginnt der Mann zu grinsen.
"Eigentlich wollten wir uns die Hütte nur einmal von innen ansehen..." meint er.
Ich lächele höflich und sage:
"Sie befinden sich hier in der Kunstglaserei Becker. Interessiert es Sie wie man früher Glas hergestellt, eingefärbt und daraus Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke geschaffen hat? Herr Becker arbeitet gerade in der Werkstatt."
Der Mann nickt.
"Ja, das wäre tatsächlich sehr interessant zu sehen!"
Ich knickse noch einmal leicht und wende mich zur Werkstatttür um. Zwei Schritte braucht es, dann öffne ich die Tür. Sofort schlägt uns eine unangenehme Hitze vom Kohlebecken entgegen. Der Besuch schaut sich schnell um und stellt Herrn Becker, der eine lederne Schürze und Lederhandschuhe trägt, zwei kurze Fragen. Anschließend ziehen sie sich wieder zurück.
Draußen fragt der Mann noch:
"Sie arbeiten mit offenem Feuer in so einer Hütte! Was passiert, wenn das Feuer auf die Hütte übergreift und dann die Nachbarhütten, vielleicht gar den ganzen Ort niederbrennt?"
Mir missfällt der Begriff 'Hütte', den er verwendet, aber ich äußere mich nicht dazu, auch wenn mir eine entsprechende Bemerkung auf der Zunge liegt. Schließlich leben wir nicht in Hundehütten oder ähnlichem, sondern in einem Freilichtmuseum. Der Baustil ist aus dem frühen Mittelalter übernommen! Stattdessen beantworte ich höflich seine Frage:
"Wir haben an jedem Haus einen Hydranten, an dem ein dicker Feuerwehrschlauch angeschlossen werden kann! Von dort hat ein Installateur Wasserleitungen gelegt, um Löschwasser direkt in die Werkstätten und Backstuben zu leiten. Sie brauchen sich also keine Sorgen machen.
Schauen Sie sich doch einmal diesen Pokal an! Herr Becker arbeitet gerade an einem Weiteren. Oder diese schöne Vase hier..."
"Naja," meint der Mann, "aber Ihre Preise sind doch wirklich jenseits von Gut und Böse! Die krieg ich beim Aldi viel billiger!"
"Ja," gebe ich ihm Recht. "Wenn der Diskounter so etwas ähnliches aus Pressglas als wöchentlich wechselndes Sonderangebot einmal anbietet? Wir sind Handwerker. Herr Becker fertigt Einzelstücke, auch gerne nach Kundenwunsch! Kommen Sie doch einmal mit einer Zeichnung zurück und sie werden etwas erhalten, um das sie ihre Nachbarschaft und Verwandtschaft beneiden wird."
Während ich gesprochen habe, sind sie langsam zur Haustür zurückgewichen. Nun öffnet der Mann die Tür und schon sind sie draußen.
Zum Abschied nickt er mir kurz zu und meint:
"Vielleicht komme ich ja einmal auf ihr Angebot zurück. Bis dann."
Ich knickse noch einmal, dann schwingt die Tür wieder zu. Da sonst nichts los ist, gehe ich in die Werkstatt und klage meinem Herrn die Ignoranz der Leute, die Handwerkskunst nicht zu schätzen wissen.
"Sei nicht traurig, Bella!" sagt er mit einem tröstenden Blick. "Irgendwann kommt ein Kunde, und dann machst du das Geschäft deines Lebens. Solche Leute, wie diese eben, sind allerdings in der Überzahl. Da musst du dir ein dickes Fell zulegen: Du bist nicht schuld!"
*
Am Abend klingelt mein Handy. Auf dem Display sehe ich Leos Namen. Sofort bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Leonie ist meine beste Freundin. Seitdem ich Helmut nach Japan begleitet habe bin ich nicht mehr zum Aufatmen gekommen. Erst jetzt, nachdem wir uns in Hagenholt eingelebt haben, wäre Zeit, mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern. Nun ist mir Leo zuvorgekommen.
Ich nehme das Gespräch an:
"Hallo, Leo. Entschuldige, dass ich mich nicht schon früher bei dir gemeldet habe. In den letzten Wochen ist so viel geschehen!"
"Du hattest erzählt, dass du mit deinem neuen Freund eine Asienreise machst! Ich habe dich dafür beneidet, Yvonne. Aber dann vergingen die Wochen ohne ein Lebenszeichen, und ich habe begonnen mir Sorgen zu machen!"
"Entschuldige, Leo. Die Reise war der Hammer! Bei Gelegenheit erzähle ich dir gerne näheres. Danach hat Helmut bei seiner Firma gekündigt, ein eigenes Geschäft aufgemacht und mich gefragt, ob ich bei ihm mitarbeiten würde. Ich habe zugesagt! Das bedeutete natürlich, dass ich ebenfalls kündigen musste. Aber ich habe nach dem Urlaub keine freien Tage mehr gehabt und muss deshalb bis zum Ende der Kündigungsfrist arbeiten. Dafür fahre ich an den Wochenenden zu Helmut und schaue, was ich später in seiner Firma tun kann."
"Oh, ich wollte dich fragen, ob wir uns heute Abend zum Schwofen treffen könnten. Daraus wird dann wohl nichts..."
"Leider nein, Leo. Es sei denn, du setzt dich ins Auto und fährst anderthalb Stunden hierher und später oder morgen wieder zurück... Ich mache dir ein anderes Angebot. Montag bis Freitag bin ich abends noch in meiner Wohnung anzutreffen. Such dir einen Abend aus, an dem du bisher noch nichts vorhast!"
Ich habe vier Wochen Kündigungsfrist für meine Wohnung. Meine Wohnungseinrichtung will ich einem sozialen Verein spenden. Dabei kann mir Leo bestimmt helfen, denke ich. An dem gemeinsamen Abend ein paar Tage später spreche ich sie darauf an.
"Sonst geht?s dir gut?" fragt sie lachend zurück.
"Die kommen mit einem LKW und bringen Männer mit!" erkläre ich. "Ich möchte nur ein paar Sachen, die ich liebgewonnen habe und Deko-Sachen einpacken, die ich behalten will. Dann habe ich noch eine Woche für die Endreinigung, um die Kaution zurückzubekommen. Die letzten zwei Wochen der Kündigungsfrist von der Arbeitsstelle habe ich dann wohl einen langen Arbeitsweg und bin zu müde für irgendwelche Sachen."
"Hm," meint Leo. "Dann schläfst du eben bei uns auf der Couch in diesen zwei Wochen!"
"Wirklich?" frage ich erfreut. "Wenn es euch keine Mühe macht, vielen Dank!"
Ich habe schon überlegt, eine Matratze zurück zu behalten und darauf in einem Schlafsack zu schlafen.
"Kann man euch eigentlich auch einmal zu einem Pärchen-Abend einladen? Zum Beispiel zu viert Bowling spielen gehen?" fragt Leo nun.
"Ich rede darüber mal mit Helmut! Das Problem ist, dass sein Geschäft Teil eines Freilichtmuseums ist, das von Dienstag bis Sonntag geöffnet hat. Gut, ab etwa 19 Uhr ist Feierabend, aber bis zu Abend gegessen und der Tagesabschluss erledigt ist, dürfte es 21 Uhr sein."
"Hm, da hattest du es bisher aber im Büro besser."
"Als Selbständiger bist du aber dein eigener Herr! Natürlich, als Selbständiger arbeitest du 'selbst und ständig', sagt man," gebe ich lächelnd zurück. "Sag' mir einfach, wann ihr beiden montags einmal Zeit habt zum Bowling!"
Vier Wochen später, meine Kündigungsfrist geht zu Ende, als Leo mich fragt, ob wir beide am Montag darauf Zeit hätten. Ich frage meinen Herrn und er ist ebenfalls interessiert. Wir sagen zu.
Schließlich fahren wir an unserem freien Tag in meine Heimatstadt zurück, um uns mit Leo und ihrem Freund zu treffen. Wir kennen das 'Westbowling'. Helmut parkt in der Nähe und wir gehen zu Fuß dorthin.
Wir tragen Jeans, statt der im Freilichtmuseum üblichen Kleidung. Es wird ein lustiger Abend mit Leo und ihrem Freund. Kurz bevor wir uns verabschieden, will ich schnell noch zur Toilette. Leo erhebt sich ebenfalls und begleitet mich.
Während ich in der Kabine verschwinde, packt Leo ihre Tasche aus und beginnt am Spiegel mit ihrem Lippenstift ihr Make-Up auszubessern. Als ich die Kabine verlasse, schwärzt sie gerade ihre Augenbrauen.
"Sag' mal, du himmelst Helmut aber ganz schön an. Ist er tatsächlich so gut?" fragt sie beiläufig.
"Ach Leo ? wie kommt er denn so rüber, bei dir?" frage ich lächelnd zurück.
"Nun, er kann viel erzählen - hat sicher viel erlebt -, wenn man bestimmte Themen anspricht. Von sich aus, kommt nicht allzu viel. Er ist ein verschlossener Typ, bestimmt kein Partymittelpunkt."
"Also nicht so ganz dein Typ?" zwinkere ich.
"Nein, Liebes. Ich mache ihn dir ganz sicher nicht streitig!" antwortet sie lächelnd.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories